Martin Spieß Und bis es so weit ist, gibt es Eiscreme

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Inhaltsangabe zu „Und bis es so weit ist, gibt es Eiscreme“ von Martin Spieß

»Martin Spieß‘ Roadtrip durchs Wendland mag auf den ersten Blick so subtil sein wie eine klingonische Hochzeit. Aber: It’s bigger on the inside. Hinter dem nerdigen Anspielungsreichtum liegt eine warmherzige Erzählung über Kifferfreundschaft und die Flucht in populäre Kultur.« Christian Huberts

»Nerdig und wichtig: Pop und Protest im Wendland. Geil.« Jan Fischer

Zwei Freunde fahren nach Gorleben ins Wendland, um gegen den Castortransport zu demonstrieren. Denn Jäger, der beste Freund des Erzählers, ist der Meinung, bei diesen Protesten ließen sich nicht nur Abenteuer erleben, sondern auch gut Frauen aufreißen – schließlich sei Politik seit Snowden wieder total in.
Sie mogeln sich als scheinbare britische Reporter, benannt nach Schauspielern aus der TV-Serie »Doktor Who«, durch die Polizeikontrollen, bekommen Herberge bei einem alten Hippie-Ehepaar und lernen den Zimmermann Joshua kennen. Doch dann wird Jäger vor dem Zwischenlager in Gorleben von einem Räumfahrzeug überrollt und landet auf der Intensivstation in Dannenberg (Elbe).

Der Erzähler weicht ihm nicht von der Seite. Seine Gedanken wandern an die Orte ihrer Freundschaft. Vielleicht stirbt Jäger, vielleicht nicht – aber am Ende ist das gar nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass die beiden die beste Zeit ihres Lebens hatten – weil sie Freunde sind.

Eine schlagfertige Komödie voller Abenteuer, Freundschaft, Dope, Liebe und schmerzlichem Verlust.

Martin Spieß erzählt mit dem Blick einer Generation, die beim Betrachten der Welt immer auch all ihr sekundäres Erleben aus Filmen, Musik und TV-Serien mitdenkt. Näher als mit guten Zitaten lässt sich der wirklichen Welt halt nicht mehr kommen.

Aberwitziger Roadmovie voller Popkultur und Gefühle.....und Gras.

— Florian_W

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    Und bis es so weit ist, gibt es Eiscreme

    R_Manthey

    27. February 2017 um 11:34

    Vielleicht trifft das nicht auf alle Menschen zu, aber immerhin auf einige, die der Erzähler dieses Romans im Wendland auf seiner Erkundungstour mit Herrn Jäger traf. Martin Spieß wurde in Dannenberg an der Elbe geboren und lebt noch heute als Musiker und Schriftsteller im Wendland. Er muss es also wissen. Ein pointiertes literarisches Roadmovie soll dieses Buch sein, verkündet der Verlag. Ich begann es mit einer gewissen Skepsis zu lesen. Man kennt schließlich die immer wiederkehrenden Rituale bei Castor-Transporten nach Gorleben, bei denen es nur noch darum geht, sie für die Allgemeinheit möglichst teuer zu machen.  Was geht in den Köpfen der ehemaligen Blockierer vor? Und wie ticken die Bewohner im Wendland? Spieß beantwortet solche Fragen in seinem lässig geschriebenen Buch, das wie ein Roman konzipiert wurde, sich aber gelegentlich auch wie eine gute Reportage liest:  Zwei vom literarischen Erfolg nicht gerade verwöhnte Schriftsteller touren durchs Wendland auf der Suche nach Erlebnissen, Stimmungen und Antworten. Was dabei herauskommt, scheint mir eine ziemlich ehrliche und deshalb für manche möglicherweise auch unerwartete Bestandsaufnahme zu sein: "Man kann sich ein ganzes Leben einreden, dass man etwas nur um einer Sache selbst willen getan hat, aber das ist Bullshit." Oder: "Meine Lieblingsdefinition von Wahnsinn ist, dass man immer wieder ein und dieselbe Aktion wiederholt und jedes Mal ein anderes Ergebnis erwartet."  Auf die Frage, ob es denn hier keinen stört, dass der Atommüll direkt vor der Haustür steht, bekommt Herr Jäger die klare Antwort: "Ich glaube, dass das hier die wenigsten stört. Gorleben ist wahrscheinlich die einzige Gemeinde im Landkreis, die wirtschaftlich gesehen richtig gut dasteht." Die Leute hätten sich an die schon zwanzig Jahre in der Halle herumstehenden Castoren gewöhnt. Was sollen sie sich also noch darüber aufregen?  Bauern hätten ihr Land verkauft und sind damit reich geworden. Ehemalige Protestierer hätten Häuser erworben und würden nun als Anwälte hier arbeiten. Man hat sich eben mit der Realität arrangiert. Spieß beschreibt mit seinem Buch eine merkwürdige Stimmung zwischen "alternativen" Lebensformen und einem Akzeptieren einer alternativlosen Realität im Wendland. Man kann eben nicht immer wieder den Stein auf den Berg schleppen, ihn wieder hinunterrollen sehen und dann freudig von vorne anfangen. Irgendwann scheitert der eigene gerne auch nach außen getragene Enthusiasmus an der fehlenden Kraft. Dann beginnt man es zu akzeptieren:  "Wie sagte Patrick Jane in 'The Mentalist'? < Ein für mich ein unerwartet interessantes und gut geschriebenes Buch. Keine hohe Literatur, aber handwerklich solide, witzig und tatsächlich pointiert. Und irgendwie auch befriedigend, weil es sich der Realität stellt. Vielleicht gefällt das nicht jedem. Mir allerdings schon. 

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