Martin Väterlein Zeitlose. Goldmanns unhaltbare Zustände

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Inhaltsangabe zu „Zeitlose. Goldmanns unhaltbare Zustände“ von Martin Väterlein

„Wenn wir uns alle eine Geschichte zu erzählen haben, was ist dann meine Story? Habe ich überhaupt eine und wenn ja, gefällt mir die?“

Der Verkauf seines Elternhauses lässt den geistigen Frührentner Goldmann plötzlich mit neuen Geldmitteln zurück – und genauso wenig Sinn im Leben wie zuvor. Mit Freunden, die wie er in den trostlosen Gefilden zwischen Jung und Alt umherirren, treibt er an der Oberfläche eines Alltags, der keiner sein soll, dahin: Schlägereien, Sexfantasien mit der unerreichbaren Mitbewohnerin, jede Menge Alkohol. Im Bierdunst einer alten Kneipe, die ihre letzten Tage abstottert, sucht Goldmann nach Zuflucht – und Erleuchtung.

Ohne tiefschürfende Psychologisierungen oder Verweise auf tragische Verstrickungen in Zeit- und Familiengeschichten macht Martin Väterlein im Nischendasein seiner Protagonisten die Banalität unserer Gesellschaft sichtbar. Selbst schwere Schicksalsschläge kratzen kaum an der Fassade und der inneren Leere, die mit Mehr, Lauter, Schneller übertüncht wird. Goldmann ist ein Jedermann und ein Niemand, dessen ungeschönte, (manchmal) nüchterne Worte den Leser zum Lachen, Hoffen und Verzweifeln treiben.

Diese Pulp-Story erzählt auf ironisch-prosaische Weise von den Tragödien einer postmodernen Existenzform im Niemandsland von Zeit, Raum und Moral. Ein Roman über eine Generation, die aus dem Sound der Zeit gefallen ist.

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  • Rezension zu "Zeitlose. Goldmanns unhaltbare Zustände" von Martin Väterlein

    Zeitlose. Goldmanns unhaltbare Zustände

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. October 2010 um 11:01

    Josha und Kumpel Ben warten am Flughafen auf Goldmann. Heute kommt er aus Paris zurück. Er wirkt verändert, was beiden sofort auffällt. Haare und Bart sind geschnitten und er leuchtet irgendwie von innen heraus. Selbst seine Stimme scheint sich verändert zu haben und strahlt eine ungewohnte Ruhe aus. Den alkoholischen Begrüßungstrunk lehnt er ab. In Bens Auto auf der Beifahrerseite sitzend, verkündet er seinen alten Freunden, dass er in eine eigene Wohnung umzuziehen gedenkt. Er ist den "Romantikscheiß" und die permanente Suche nach "blauen Blumen und Vögeln" satt. Doch jeder denkt in andere Richtungen ... "Wir müssen reden", dachte Josha. "Scheiße", dachte Goldmann. "Reden, reden, reden", dachte Ben. Was wohl passieren wird, wenn Goldmann nicht mehr da sein würde? Als er in Paris war, fühlte sich Josha in der leeren Wohnung bereits einsam und verloren. Es war eine Premiere, denn eigentlich war SIE immer diejenige, die regelmäßig für ein paar Tage oder Wochen verschwand. Stets war Goldmann zu Hause, wenn sie wieder auftauchte. Doch jetzt findet sie keine Ruhe und wühlt in ihren Gedanken. Die neue Arbeit im Verlag klappt relativ gut, nur ihr Chef nervt ständig. Bei jüngeren Angestellten macht Dickschneider allerdings wollwollende Ausnahmen. Goldmann hatte erfolgreich durchgesetzt, eine Weile Pause machen zu dürfen, wenn er eine Vertretung für seinen Posten als Korrekturleser ausfindig machen würde. Seine Mitbewohnerin Josha war sofort zur Stelle ... Ein Paar sind sie nicht, das wurde in der Vergangenheit geklärt. Zudem würden sie gar nicht zusammenpassen. Josha stürzt von einer Beziehung in die andere und scheint nicht zu merken, was Goldmann für sie empfindet. Doch von einer seltsamen Neugier gepackt, nutzt Josha seine Abwesenheit und betritt sein Zimmer. Sie sucht und findet sein Tagebuch und glaubt nicht, was sie dort liest ... Rückblick: Goldmann hat sein Erbe verkauft. Das Elternhaus muss einem Parkplatz weichen. Glücklich ist er mit seinem voreiligen Entschluss aber nicht, und am liebsten würde er den Verkauf rückgängig machen. Doch es ist zu spät ... ... und das mit der Sehnsucht ist auch so eine Sache. Was soll man mit ihr machen, wenn man sie hat? Noch mehr von ihr suchen und sich damit endgültig zerstören? Goldmann sucht, er taumelt durch das Leben und mit ihm Bekannte und Freunde, die sich im Alltagsmüll zu verlieren drohen. Martin Väterlein entwirft ein Szenario der Gleichgültigkeit aber auch der unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte. Ein farbloses Einerlei, gestaltet von Menschen, die keine Illusionen mehr haben. Nach dem Sinn fragt längst keiner mehr. Man kennt sich, man redet an der Oberfläche herum, mal geht man arbeiten, mal hat man Sex und öfter trifft man sich im "Chez Schorsch". Maria - die Wirtin - ist Freundin, Beichtvater und Seele der Kneipe in einer Person. Das heruntergekommene Etablissement ist Zuflucht und hier trifft man die alten Kumpels und kann Kummer und Sorgen gemeinsam in Alkohol ertränken. Dieses Buch schlägt nach "Man Down" (Haymon - 2010) ein weiteres dramatisches Kapitel in Sachen Zeit- und Lebensgeschichte auf. Es dokumentiert das farblose Einerlei von "Lebensrentnern", die sich in ihren kleinen und großen Alltagstragödien rettungslos verstrickt haben. Da nutzt es wenig, plötzlich Geld zu haben und auch noch jede Menge Freizeit. Goldmann kann mit beidem nicht umgehen. Martin Väterlein kennt die Lebensführung, von der er schreibt. Und er kennt die Personen und Umstände. Er lebte einst unter ihnen - in Hamburg und Berlin. Durch das Buch weht ein Wind aus Schnaps und kaltem Rauch. Und wir kennen den Berufsmelancholiker und "geistigen Frührentner" Goldmann und seine Kumpels sehr gut. Sie leben nicht nur in Kreuzberg und St. Pauli. Man trifft sie auch bei uns ... ... gleich hier um die Ecke. © Thomas Lawall - www.querblatt.com

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