Martin Walker Germany 2064

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Inhaltsangabe zu „Germany 2064“ von Martin Walker

Statt Bruno Courrèges im heutigen Périgord ermittelt Hauptkommissar Bernd Aguilar im Deutschland von morgen. Sein engster Mitarbeiter: ein Roboter. Doch kann er diesem nach dem letzten Update noch trauen? Wer werden wir sein? In welcher Welt werden wir leben? Wie werden wir unser Geld verdienen? Was wird aus unseren Unternehmen? Wie bewegen wir Personen, Güter und Daten? Martin Walker hat unsere Chancen und Möglichkeiten zu einem atemberaubenden und realistischen Roman unserer Zukunft verdichtet.

Wiederholt lesenswert

— Buchtick

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— caruso

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  • Mischmasch aus allem

    Germany 2064

    dominona

    22. March 2016 um 18:58

    Hier haben wir einen mehr oder weniger umfangreichen Blick in die Zukunft. Allgemein ist die Prognose eher optimistisch und der Kriminalfall nett aufgemacht. Die Idee, mit den vor die einzelnen Kapitel geschalteten Zitate, ist interessant und ich würde mir diesen Stil in mehr Romanen wünschen. Insgesamt ist es eine runde Sache, aber mehrere Fälle mit den Protagonisten brauche ich jetzt nicht. 

  • Gute Idee, nicht so guter Roman...

    Germany 2064

    soetom

    15. March 2016 um 10:54

    Ich hab eine Weile gebraucht, um für mich darüber klar zu werden, warum ich nicht mit drei Sätzen sagen könnte, wie ich das Buch fand. Die zugrunde liegende Idee, wie Deutschland und Europa im Jahr 2064 aussehen könnten ist nämlich gut durchdacht und wirklich sehr, sehr spannend. Man könnte darüber philosophieren, ob Martin Walker das Thema Flüchtlingsbewegungen nicht hätte aufnehmen können, oder warum Klimawandel scheinbar keine Rolle mehr spielt. Aber das ist für mich bei einem Sciencefiction kein Makel, weil ich in dem Moment ja schon angefangen habe, aus einer Zukunftsvision heraus über das Heute nachzudenken. Und das ist ja eine der Aufgabe von Sciencefiction. Zumindest für mich. Die zweite ist, eine spannende Geschichte zu erzählen. Und da hapert es. Am Schluss schreibt Walker in den Danksagungen über sich, er sei nicht nur Romancier, sondern auch politischer Berater. Und ich glaube, genau da ist der Knackpunkt: Der Roman liest sich über lange Abschnitte nicht wie ein Roman, sondern wie ein Diskussionspapier für eine Vorstandssitzung. Sachlich, nüchtern, wo es mitreißend und spannend hätte sein können. Am deutlichsten wurde mir das in den Dialogen. Da tauschen sich die Charaktere ausführlich und detailliert über die Vergangenheit aus, die für den Leser ja noch in der Zukunft liegt. Natürlich muss man dem Leser etwas über diesen Zeitraum zwischen der Gegenwart des Lesers und der der Handlung erzählen. Aber ich würde heute einem Gesprächspartner auch nicht lange die Details des Jahres 1989 erzählen, sondern würde schlicht sagen: "Das war kurz nach dem Mauerfall". Damit ist für die meisten klar, was ich meine, weil nur die wenigsten das nicht miterlebt haben. Dieses Problem muss ein Sciencefiction-Autor lösen. Aber wenn die Figuren sich immer wieder Grundsatzreferate halten, wird der Text für den Leser anstrengend und die Figuren unglaubwürdig. Zumindest für mich. Schade, weil man aus dem Plot eine grandiose Story hätte machen können...

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  • Deutschland 2064 Martin Walker wandelt auf Zukunftspfaden

    Germany 2064

    thursdaynext

    03. December 2015 um 14:07

    “A little rebellion now and then is a good thing.” Thomas Jefferson in einem Brief an James Madison, 30. Januar 1787 Wieviel Kontrolle braucht ein Staat? Wieviel Freiheit ist möglich? Und welche Auswirkungen hat diese Freiheit? Thursdaynext und Bri ( Gemeinschaftslesung & Rezension) gingen diesen Fragen gemeinsam mit Martin Walkers Germany 2064 durchaus kritisch auf den Grund. Martin Walker, der mit seinen Bruno Courrèges Romanen nicht nur Krimis schreibt, sondern die französische Gesellschaft genau unter die Lupe nimmt und es dabei auch noch bravourös beherrscht, einerseits geschichtliche Hintergründe kritisch auszuleuchten und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart herauszuarbeiten und andererseits ein Stück heile Welt für Frankreich Romantiker zu erschaffen, hat sich an einen SciFi oder Zukunftsthriller gewagt. Der Ort der Handlung liegt dabei nicht in Frankreich, sondern in Deutschland. Kann er das? Oui, il sais! Anders als gewohnt ist der warme, liebevolle Bruno-Unterton hier nicht zu finden. Wer diesen sucht, liest hier absolut falsch. Aber auch hier ist der Plot straight angelegt. Im Mittelpunkt stehen politische und finanzielle Verstrickungen, Macht und Geld. Auch in Germany 2064 ist ein Krimianteil zu finden, eher nebensächlich – was man als Parallele zu den Bruno-Krimis sehen kann, liebevoll verspielte Landschaftsbeschreibungen, detailgetreu ausgeleuchtete Nebendarsteller und das französische savoir vivre sucht man hier jedoch vergeblich. Walkers Deutschland besteht aus Arbeitsbienen. Menschlichen und Nichtmenschlichen. Breitgefächertes geschichtliches Allgemeinwissen ist bei einem Historiker, wie es Walker ist, vorauszusetzen. Dies flicht er in Germany 2064 elegant in die Handlung ein, greift dabei Stanislav Lem und Isaac Asimov auf und stellt die drängenden Fragen nach Ethik und Moral ohne zu langweilen oder den berühmten Zeigefinger zu heben. Eingängig liest sich das Zukunftsszenario, das er für Deutschland entworfen hat, besonders wenn man selbst Teil der gutbürgerlichen, gebildeten Mittelschicht ist. Aus dieser Perspektive ist der Roman geschrieben, darin ist er angesiedelt und hier ist auch der einzige Vorwurf zu finden, dem man Germany 2064 machen könnte, wenn man wollte. Thursdaynext will es nicht zwingend, denn sonst müsste natürlich die ewige Frage gestellt werden, für wen dieser Roman geschrieben wurde. Für die Mittel- und Oberschicht. Die lesenden Bildungsbürger, die hier nicht mit den Problemen der Armen und Ärmsten der Welt behelligt werden, sondern Luxusfragen gestellt bekommen, wie zum Beispiel wie mit denkenden und fühlenden Robotern umgegangen werden soll und welches Gefahrenpotential von diesen ausgeht. Aus dieser privilegierten Sicht dennoch sehr interessant ist die europäische, deutsche Lösung des Flüchtlingsproblem (insbesondere weil diese sich stark annähert an die Maßnahmen die mittlerweile abzusehen sind und das obwohl der Roman vor der großen Fluchtwelle entstand, die allerdings wiederum seit Jahren in etlichen SciFi Publikationen schon längst vorhergesagt wird und jedem klar denkenden Menschen bewusst gewesen sein muss.). Welche Staaten global noch eine führende Rolle spielen und – um es vorweg zu nehmen – der Kapitalismus hat sich durchgesetzt, wenn auch nicht völlig in allen Köpfen und Teilen Deutschlands. Und an dieser Stelle setzt Bri mit ihrer Kritik ein: Dass der Kapitalismus sich in Deutschland durchgesetzt hat, wäre noch zu verkraften, doch dass – zumindest war das für sie nicht ersichtlich – keine große Kritik an dieser absolut ungerechten Wirtschaftsform geübt wird, das hat für das Leseerlebnis doch geschmälert. Ebenso werden die bestehenden Bündnisse und Handelsbeziehungen nicht hinterfragt, Russland erscheint außen vor zu stehen und eine gemeinschaftliche Lösung globaler Probleme in ferner Sicht. Ein wenig mehr Utopie wäre hier aus Bris Sicht wünschenswert gewesen – will der Roman doch laut Nachwort von Walker selbst – zeigen, wie sich Menschen mit Macht und angeblich auch visionärem Denken unser aller Zukunft vorstellen. Nicht wirklich revolutionär war das, was sie hier las. Vieles was in den unangepassten Teilen von Walkers Deutschland im Jahr 2064 gedacht und umgesetzt wird, gibt es heute bereits. Meist geht es um biologisch-dynamischen Anbau von Lebensmitteln (im übrigen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein großes Thema und wie vieles andere durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zunichte gemacht), Selbstversorgergemeinschaften und Rückzug aus dem kapitalistischen Konsum. Scifi war das für Bri also nicht. Thursdaynexts Sicht der Dinge dazu: Walker widmet sich, ist er doch nicht nur Historiker und Schriftsteller, sondern auch Mitglied des Think Tanks Global Business Policy Council auch dem Bildungssystem und etlichen weiteren Bereichen der Gesellschaft, des Staates. Sicherheit ist ein ganz großes Thema und eben auch die Frage, wieviel Sicherheit ein Staat seinen Bürgern bieten muss, kann und wieviel davon erträglich ist. Diese hat er spannend und faszinierend umgesetzt. Die Weiterentwicklung Deutschlands als Staat ist authentisch, realistisch, wenn man auch bedauern mag, dass er die vorherrschende Staatsideologie des Kapitalismus und Wachstums gerade so fortführt. Sicher, es gibt Menschen die aussteigen wollen aus diesem System, die die Schwäche erkennen und darin liegt für uns auch die Schwäche dieser Zukunftsvision. Mag sein, Walker ist zutiefst überzeugt vom Kapitalismus, wofür etliches spricht, aber dadurch beschränkt er diese zukünftige Entwicklung sehr stark. Auf den Klimawandel geht er nur in undeutlichen Sequenzen ein, ein detailliertes globales Bild zeichnet er nicht. Zudem, bevor sich der Homo sapiens Gedanken um die Gefühle denkender Maschinen macht, sollte doch bitteschön erst einmal geklärt werden, wie mit Primaten, unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen umgegangen werden sollte. Orang – Utans, Gorillas stehen kurz vor dem der Ressourcengier geschuldeten Genozid. So interessant diese Gedanken zu belebten Maschinen, dem Umgang mit ihnen und ihren potentiellen Rechten auch sein mögen (Sex zwischen Menschen und Maschinen – diese Vorstellung hat was ganz schön fieses) – hier wird, wie bereits erwähnt über Luxusprobleme gesprochen. Davon abgesehen las sich Germany 2064 flugs und sehr angenehm weg, auch wenn wir mit dem Protagonisten nie wirklich warm wurden. Walkers Genrewechsel – tatsächlich hat er ja wieder einen Kriminalroman geschrieben auch wenn dieser in einer neoliberalen Zukunft eher konservativer Werte anzusiedeln ist, ist gelungen. Gute Lektüre für kalte Winterabende am warmen Kaminfeuer. Dazu reiche man gebratene Maroni, Punsch oder Glühwein. Sollten sich Mitglieder des wachsenden Prekariats oder gar bildungshungrige Unterschichtler unter die Leserschaft verirren bitte beachten. Den Grill unbedingt nur bei guter Belüftung im Freien betätigen, Marshmallows sind kostengünstiger als Maronen und Zucker in den Fuselrotwein mit Gewürzbeutel tuts auch. Wir wünschen warme Decken …

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  • Deutschland im Jahr 2064

    Germany 2064

    Bri

    02. December 2015 um 21:25

    A little rebellion now and then is a good thing.” Thomas Jefferson in einem Brief an James Madison, 30. Januar 1787 Wieviel Kontrolle braucht ein Staat? Wieviel Freiheit ist möglich? Und welche Auswirkungen hat diese Freiheit? Thursdaynext und Bri gingen diesen Fragen gemeinsam mit Martin Walkers Germany 2064 durchaus kritisch auf den Grund. Martin Walker, der mit seinen Bruno Courrèges Romanen nicht nur Krimis schreibt, sondern die französische Gesellschaft genau unter die Lupe nimmt und es dabei auch noch bravourös beherrscht, einerseits geschichtliche Hintergründe kritisch auszuleuchten und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart herauszuarbeiten und andererseits ein Stück heile Welt für Frankreich Romantiker zu erschaffen, hat sich an einen SciFi oder Zukunftsthriller gewagt. Der Ort der Handlung liegt dabei nicht in Frankreich, sondern in Deutschland. Kann er das? Oui, il sais! Anders als gewohnt ist der warme, liebevolle Bruno-Unterton hier nicht zu finden. Wer diesen sucht, liest hier absolut falsch. Aber auch hier ist der Plot straight angelegt. Im Mittelpunkt stehen politische und finanzielle Verstrickungen, Macht und Geld. Auch in Germany 2064 ist ein Krimianteil zu finden, eher nebensächlich - was man als Parallele zu den Bruno-Krimis sehen kann, liebevoll verspielte Landschaftsbeschreibungen, detailgetreu ausgeleuchtete Nebendarsteller und das französische savoir vivre sucht man hier jedoch vergeblich. Walkers Deutschland besteht aus Arbeitsbienen. Menschlichen und Nichtmenschlichen. Breitgefächertes geschichtliches Allgemeinwissen ist bei einem Historiker, wie es Walker ist, vorauszusetzen. Dies flicht er in Germany 2064 elegant in die Handlung ein, greift dabei Stanislav Lem und Isaac Asimov auf und stellt die drängenden Fragen nach Ethik und Moral ohne zu langweilen oder den berühmten Zeigefinger zu heben. Eingängig liest sich das Zukunftsszenario, das er für Deutschland entworfen hat, besonders wenn man selbst Teil der gutbürgerlichen, gebildeten Mittelschicht ist. Aus dieser Perspektive ist der Roman geschrieben, darin ist er angesiedelt und hier ist auch der einzige Vorwurf zu finden, dem man Germany 2064 machen könnte, wenn man wollte. Thursdaynext will es nicht zwingend, denn sonst müsste natürlich die ewige Frage gestellt werden, für wen dieser Roman geschrieben wurde. Für die Mittel- und Oberschicht. Die lesenden Bildungsbürger, die hier nicht mit den Problemen der Armen und Ärmsten der Welt behelligt werden, sondern Luxusfragen gestellt bekommen, wie zum Beispiel wie mit denkenden und fühlenden Robotern umgegangen werden soll und welches Gefahrenpotential von diesen ausgeht. Aus dieser privilegierten Sicht dennoch sehr interessant ist die europäische, deutsche Lösung des Flüchtlingsproblem (insbesondere weil diese sich stark annähert an die Maßnahmen die mittlerweile abzusehen sind und das obwohl der Roman vor der großen Fluchtwelle entstand, die allerdings wiederum seit Jahren in etlichen SciFi Publikationen schon längst vorhergesagt wird und jedem klar denkenden Menschen bewusst gewesen sein muss.). Welche Staaten global noch eine führende Rolle spielen und - um es vorweg zu nehmen - der Kapitalismus hat sich durchgesetzt, wenn auch nicht völlig in allen Köpfen und Teilen Deutschlands. Und an dieser Stelle setzt Bri mit ihrer Kritik ein: Dass der Kapitalismus sich in Deutschland durchgesetzt hat, wäre noch zu verkraften, doch dass - zumindest war das für sie nicht ersichtlich - keine große Kritik an dieser absolut ungerechten Wirtschaftsform geübt wird, das hat für das Leseerlebnis doch geschmälert. Ebenso werden die bestehenden Bündnisse und Handelsbeziehungen nicht hinterfragt, Russland erscheint außen vor zu stehen und eine gemeinschaftliche Lösung globaler Probleme in ferner Sicht. Ein wenig mehr Utopie wäre hier aus Bris Sicht wünschenswert gewesen - will der Roman doch laut Nachwort von Walker selbst - zeigen, wie sich Menschen mit Macht und angeblich auch visionärem Denken unser aller Zukunft vorstellen. Nicht wirklich revolutionär war das, was sie hier las. Vieles was in den unangepassten Teilen von Walkers Deutschland im Jahr 2064 gedacht und umgesetzt wird, gibt es heute bereits. Meist geht es um biologisch-dynamischen Anbau von Lebensmitteln (im übrigen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein großes Thema und wie vieles andere durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zunichte gemacht), Selbstversorgergemeinschaften und Rückzug aus dem kapitalistischen Konsum. Scifi war das für Bri also nicht. Thursdaynexts Sicht der Dinge dazu: Walker widmet sich, ist er doch nicht nur Historiker und Schriftsteller, sondern auch Mitglied des Think Tanks Global Business Policy Council auch dem Bildungssystem und etlichen weiteren Bereichen der Gesellschaft, des Staates. Sicherheit ist ein ganz großes Thema und eben auch die Frage, wieviel Sicherheit ein Staat seinen Bürgern bieten muss, kann und wieviel davon erträglich ist. Diese hat er spannend und faszinierend umgesetzt. Die Weiterentwicklung Deutschlands als Staat ist authentisch, realistisch, wenn man auch bedauern mag, dass er die vorherrschende Staatsideologie des Kapitalismus und Wachstums gerade so fortführt. Sicher, es gibt Menschen die aussteigen wollen aus diesem System, die die Schwäche erkennen und darin liegt für uns auch die Schwäche dieser Zukunftsvision. Mag sein, Walker ist zutiefst überzeugt vom Kapitalismus, wofür etliches spricht, aber dadurch beschränkt er diese zukünftige Entwicklung sehr stark. Auf den Klimawandel geht er nur in undeutlichen Sequenzen ein, ein detailliertes globales Bild zeichnet er nicht. Zudem, bevor sich der Homo sapiens Gedanken um die Gefühle denkender Maschinen macht, sollte doch bitteschön erst einmal geklärt werden, wie mit Primaten, unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen umgegangen werden sollte. Orang – Utans, Gorillas stehen kurz vor dem der Ressourcengier geschuldeten Genozid. So interessant diese Gedanken zu belebten Maschinen, dem Umgang mit ihnen und ihren potentiellen Rechten auch sein mögen (Sex zwischen Menschen und Maschinen – diese Vorstellung hat was ganz schön fieses) - hier wird, wie bereits erwähnt über Luxusprobleme gesprochen. Davon abgesehen las sich Germany 2064 flugs und sehr angenehm weg, auch wenn wir mit dem Protagonisten nie wirklich warm wurden. Walkers Genrewechsel - tatsächlich hat er ja wieder einen Kriminalroman geschrieben auch wenn dieser in einer neoliberalen Zukunft eher konservativer Werte anzusiedeln ist, ist gelungen. Gute Lektüre für kalte Winterabende am warmen Kaminfeuer. Dazu reiche man gebratene Maroni, Punsch oder Glühwein. Sollten sich Mitglieder des wachsenden Prekariats oder gar bildungshungrige Unterschichtler unter die Leserschaft verirren bitte beachten. Den Grill unbedingt nur bei guter Belüftung im Freien betätigen, Marshmallows sind kostengünstiger als Maronen und Zucker in den Fuselrotwein mit Gewürzbeutel tuts auch. Wir wünschen warme Decken ...

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  • Überzeugender Blick in die Zukunft: Germany 2064 - Martin Walker

    Germany 2064

    DunklesSchaf

    03. October 2015 um 21:52

    Ich lese ja sehr gerne Zukunft und Krimi/Thriller gemischt in einem Buch. Ich finde es spannend, wie die Autoren sich die Zukunft vorstellen und wenn dann noch ein spannender Fall dabei ist, bin ich glücklich. Und doch murre ich oft über die Autoren, die zwar eine Geschichte in der Zukunft ansetzen, aber das Ganze dann unausgegoren vor sich hin köcheln lassen. Nun, in diesem Punkt kann ich mich diesmal keinesfalls beschweren. Kommissar Bernd Aguilar bekommt endlich seinen AP (=automatisierten Partner), einen Roboter, den er Roberto nennt, wieder, nachdem dieser sich bei einem Schusswechsel vor ihn geworfen hat. Roberto wurde allerdings nicht nur repariert, sondern auch auf den neusten Stand gebracht – und sieht einem Menschen jetzt verblüffend ähnlich, abgesehen von Problemen mit dem Hinsetzen und den zusätzlich montierbaren Armen. Die Zukunft ist aufgeteilt zwischen den hochtechnologisierten und fortschrittlichen Städten und den Freien Gebieten, ländliche Gegenden, in denen Menschen leben, welche den Fortschritt nach den 80er Jahren ablehnen. Ein Ort, an dem beide Gruppen aufeinander treffen ist das Restaurant von Klaus Miller, der auch Konzerte veranstaltet. Als eines Abends Hati Boran, eine junge Sängerin aus den Freien Gebieten, verschwindet, ist dies der erste Fall für Bernd Aguilar und seinen neuen Roberto. Der Grundstruktur des Zukunftsthrillers ist nicht unbedingt neu, denn es dreht sich alles um die Frage, inwieweit Roboter den Menschen gleich gestellt sind oder werden können und dem Kampf zwischen Alt und Neu, Technologie und Besinnung. Der Kriminalfall tritt auch in einigen Teilen in den Hintergrund, dafür zeigt Walker einen tieferen Ausblick in die Zukunft als viele andere Krimis, die ich gelesen habe. In diesem Ausblick merkt man Walkers Hintergrund, denn als Mitglied eines Think Tanks, der für Unternehmer und Politiker in die Zukunft blickt, zeigt er auf, wie sich die Welt, allen voran aber Deutschland und die EU, in den nächsten 40 Jahren in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht entwickeln kann. Naturkatastrophen oder terroristische Anschläge fehlen völlig, es ist ein Wirtschafts-/Politthriller. Und für mich gerade dadurch viel authentischer und überzeugender als viele andere Werke. PerCs (Personal Communicators), Roboter und Fahrleitsysteme haben Einzug gehalten, aber trotzdem gelingt es Walker diesen nicht zu viel Gewicht zu geben, sondern eben auch Veränderungen der Struktur aufzuzeigen, gesellschaftliche Änderungen. Die Kluft, welche sich zwischen den Freien Gebieten und den Städten aufgetan hat, scheint fast unüberwindlich und aus diesem Grund, ist klar, dass auf beiden Seiten Unmut entsteht. Pläne werden gefasst, die Freien Gebiete einzugliedern und einzuschränken, aber die Freien wollen sich ihr Recht auf freie Wahl ihres Lebensweges natürlich nicht nehmen lassen. Und ist die Technologisierung wirklich so viel besser? Diese Frage stellt sich, wenn man die neue Generation der APs betrachtet. Fast menschlich, nicht nur in ihrem Aussehen, sondern auch in ihrem Verhalten, schüren sie Besorgnis bei den Menschen, unter anderem auch bei Bernd Aguilar, der sich fragt, ob er seinem Roberto bei den Ermittlungen noch trauen kann. Wie ich schon kurz erwähnte, tritt der Kriminalfall ab und an in den Hintergrund, doch trotzdem war das Buch für mich sehr spannend. Der Ausblick in die Zukunft war realistisch und beeindruckend, keineswegs überzogen. Das Zukunftsszenario hat dem Krimi Würze verliehen, denn ohne diesen wäre der Krimi nur einer unter vielen. So hat er aber etwas Besonderes. Ich hab das Buch schon vor zwei Wochen beendet und muss jetzt noch darüber nachdenken. Und oft sind es nicht mal die Hauptthemen, die mir in den Kopf hüpfen, sondern Randbemerkungen und Nebensätze, die mich überlegen lassen, die ich prüfe, in dem ich mich frage: Ist das unsere Zukunft? Ich kenne die anderen Krimis von Herrn Walker nicht und weiß auch nicht, ob diese mir liegen, aber Germany 2064 hat mich beeindruckt. Bitte gerne noch so ein Gedankenexperiment Herr Walker, aber natürlich immer mit Krimnalfall! Fazit: Ein einfacher, aber spannender Kriminalfall, der in einer überzeugenden und authentischen Darstellung der Zukunft in 40 Jahren, von Mensch und Roboter gelöst wird. Beeindruckend realistisch!

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  • Verbrechen werden uns bleiben auch in der Zukunft

    Germany 2064

    Gundo57

    Der neue Walker ist gewohnt spannend, auch wenn er ohne den Dorfpolizisten Bruno aus dem fiktiven kleinen Städtchen St. Denis im französischen Perigord auskommen muss, sondern ein Zukunftsthriller ist. Die Gemengelage ist aber Walker-typisch komplex, verworren und hier nicht ganz so klar in verschiedene Handlungsstränge zu teilen, wie in seinen anderen acht bisher erschienenen deutschen Romanen. Es mag dabei auch an dem für den Historiker Walker durchaus herausfordernden Blick in die Zukunft liegen. Handelnde Personen sind hier ein visionärer, ausgesprochen erfolgreicher deutscher Unternehmer mit ethisch-moralischen Grundsätzen, ein Polizist, dessen beruflicher Partner ein hochintelligenter Robocop ist, der im Buch immer nur als AP bezeichnet wird, eine engagierte Polizeidirektorin und eine engagierte Innenministerin, sowie ein Pastor, den die Freiländer als ihren Vertreter und Führer in Krisensituationen akzeptieren. Deutschland ist geteilt in die gut organisierten, völlig strukturierten Ballungsgebiete und die freien Gebiete ohne Gerichtsbarkeit und auch weitgehend technologiefrei. Die durchschnittliche Haushaltsgröße liegt deutlich unter zwei Personen und damit leben die meisten Menschen allein. In den freien Gebieten leben die Menschen zum Teil wieder ähnlich dem Mittelalter, kommunizieren per Brieftauben, verteidigen sich mit Armbrusten, ernähren und kleiden sich natürlich und naturbelassen. Baumwolle hat als Textilfaser ausgedient wegen des sehr großen Wasserbedarfs bei der Aufzucht. Frauen spielen in der Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung auf der ganzen Welt eine führende Rolle, fast alle entwickelten Staaten hatten schon mindestens zwei weibliche Regierungschefs. Fachleute führen das auf die Tatsache zurück, dass die Mehrheit der Universitätsabsolventen weiblich sind. Allerdings sind die deutschen Unis im weltweiten Ranking dieses Zukunftsthrillers schlecht vertreten, denn unter den ersten fünfzig ist keine deutsche und die ersten zehn Plätze teilen sich drei britische und sieben amerikanische Spitzenunis. Es geht in diesem Buch um Industriespionage, Erpressung, Kidnapping. Die Russenmafia spielt eine Rolle, wie auch korrupte ehemalige Polizisten. Auch im Deutschland 2064 sind Flüchtlinge eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung, sowie ausländische Banden, die sich die freien Gebiete und die dort fehlende Gerichtsbarkeit zu Nutze machen. Das Buch ist walkertypisch spannend, hat viele Facetten und transportiert viele Fakten im Vorspann zu jedem der 30 Kapitel dieses Buches mit 430 Seiten. Wie der Danksagung am Ende zu entnehmen ist, basiert das Buch auf einem Thinktank, den die deutsche Niederlassung der Unternehmensberatung A.T. Kearney zum 50. Geburtstag Ende 2014 mit Politikern, Unternehmern und Wissenschaftlern durchgeführt hat, um einen Blick auf das nächste halbe Jahrhundert zu werfen. Ich habe das Buch verschlungen und war ob des für Walker ungewohnten Blicks in die Zukunft zurückhaltend, bin aber positiv überrascht und begeistert! Bin gespannt, ob und wie es dieser Walker auch in die Spitzen der Bestsellerlisten schafft. Die Tatsache, dass er mit diesem Buch zum Wirtschaftsbuchpreis 2015 vorgeschlagen ist http://www.atkearney.de/pressemitteilung/-/asset_publisher/00OIL7Jc67KL/content/a-t-kearney-bestsellerautor-martin-walker-mit-germany-2064-fur-den-wirtschaftsbuchpreis-2015-nominiert, unterstreicht nach meinem Dafürhalten diesen Anspruch! NACHTRAG: Gewonnen wurde dieser Preis leider nicht, aber nominiert zu sein ist ja auch schon eine Auszeichnung!

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    • 7

    Gundo57

    10. September 2015 um 21:09
    Arun schreibt Werde ich mir mal näher anschauen. Hier noch ein Buchtipp meinerseits. Spielt auch in der Zukunft und in Deutschland 2040/41 ...

    Danke für den Tipp :-)!

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