Martin Walser Ein springender Brunnen

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Inhaltsangabe zu „Ein springender Brunnen“ von Martin Walser

<p>"Martin Walser erinnert sich, vergegenwärtigt, enthebt die Zeit ihrer Pflicht; so leuchtend und lebendig kommen sie daher, die Figuren der – vermeintlichen – Vergangenheit, atmend, so bis in den Schlag der Zunge genau, daß ihnen eine faszinierende Enge mit der Gegenwart gelingt."</p>

Sehr einfühlsam. Lesenswert!

— Godelewa
Godelewa

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  • Rezension zu "Ein springender Brunnen"

    Ein springender Brunnen
    Godelewa

    Godelewa

    17. May 2015 um 02:30

    Martin Walsers Roman „Ein springender Brunnen“ ist wohl stark autobiographisch geprägt. Er spielt in Wasserburg am Bodensee, Martin Walsers Geburtsort, und wohl auch in dem katholisch-dörflichen Milieu, in dem er aufgewachsen ist. Er gliedert sich in drei Teile, die jeweils einen recht kurzen Zeitraum aus dem Leben des Hauptprotagonisten Johann und seiner Familie beschreiben; diesen dafür aber umso ausführlicher und eher mit Schwerpunkt auf der inneren Handlung und Johanns Entwicklung. Der Erste Teil „Der Eintritt der Mutter in die Partei“ spielt im Winter 1932/33 – also kurz vor der Machtergreifung -, Johann ist fünf Jahre alt. Der Leser wird in die Dorfgemeinschaft, ihre Gefüge und inneren Gesetzt eingeführt. Es herrscht große wirtschaftliche Unsicherheit, viele Familien stehen vor dem Bankrott und die Angst geht um. Die Zwangsversteigerung ist auch Johanns größte Angst, auch wenn er eigentlich eher mit den Mädchen und den kindlichen machtspielen unter den Jungs beschäftigt ist (Frage: Wie realistische ist das? Also ich habe mich als Fünfjährige nicht im Besonderen für das andere Geschlecht interessiert. Aber vielleicht soll es auch nicht realistisch sein.) Vater und Mutter werden charakterisiert. Es ist beeindruckend, wie es Martin Walser gelingt, Figuren zu schaffen, die unglaublich wahrhaftig wirken, nicht nur hier im ersten Teil, sondern im ganzen Buch. Kein Charakter wirkt platt oder klischeehaft, auch die von denen nur gewisse typische Züge umrissen werden nicht, weil man sich immer vorstellen kann, dass dahinter echte Menschen stehen, über die noch viel mehr gesagt werden könnte, was nur eben hier nicht gesagt wird. Der Zweite Teil, „Das Wunder von Wasserburg“, spielt etwa fünf Jahre später. Intensiv wird deutlich, ohne je explizit ausgesprochen zu werden, was sich in Deutschland verändert hat. Die wirtschaftliche Not ist überwunden, aber bestimmte Dinge dürfen nicht mehr gesagt und gedacht werden – und daran halten sich die Leute, bewusst, gewollt, unbewusst, wer weiß das schon. Wer anders denkt, wie der Dumme August vom Zirkus La Paloma, dem ergeht es schlecht, und allen ist vollkommen klar, dass es erstens feige ist, wenn mehrere einen Wehrlosen verprügeln und zweitens, dass man trotzdem nichts dagegen sagen kann. Bestimmte Dinge muss man eben „vergessen, und dann vergessen, dass man sie vergessen hat“. Johann ist verliebt in Anita vom Zirkus und die Erstkommunion steht an, der Konflikt zwischen Lust und der verlangten Reinheit ist programmiert. In diesem Teil geschieht sogar ein echtes Wunder; ich bin mir noch nicht ganz darüber im Klaren, was ich davon halten soll, aber ich möchte natürlich immer geneigt sein, an Wunder zu glauben. Der Dritte Teil, genannt „Ernte“, umfasst einen etwas längeren Zeitraum, es geht aber hauptsächlich um das Ende des Zweiten Weltkriegs. Johanns (vor-)militärische Ausbildung und Werdegang wird umrissen und seine Heimkehr in den von Franzosen besetzten Heimatort. Insgesamt spielt der eigentliche Krieg keine so große Rolle, vom Krieg selbst wird nur ganz Ansatzweise in den zitierten Briefen von Josef, Johanns älterem Bruder, gesprochen. Josef wird an der Ostfront fallen, eine Tatsache, die dem Leser, oder zumindest mir, schon grausam gewiss war, als Johann im ersten Teil von seinem Bruder sagt, er wisse „ganz sicher, daß Josef ihn immer beschützen werde. Gegen Alle“. In diesem Teil emanzipiert sich Johann von der Vergangenheit, der ihm auferlegten Sprache von Kirche und Partei, um seine eigene zu schaffen und darin frei zu sein. So weit erstmal zum Inhalt, nun zum Stil und meiner Bewertung. Es gibt Bücher, die beginnt man zu lesen, und weiß sofort, schon nach den ersten Worten, dass sie gut sind. Bei „Ein springender Brunnen“ ging es mir so. Die Teile beginnen jeweils mit einem Kapitel, das „Vergangenheit als Gegenwart“ betitelt ist, schon der Anfang, also die ersten Seiten von „Vergangenheit als Gegenwart“ im Ersten Teil haben mich in ihren Bann geschlagen. Diese Teile fallen jeweils etwas aus dem Rahmen des restlichen Teils; sie sind zeitlich nicht genau einzuordnen, spielen aber eher später (so wird z.B. schon auf den ersten Seiten erwähnt, wie der tote Vater aus dem Haus getragen wird, er stirbt aber erst zwischen dem Ersten und dem Zweiten Teil). Sie treiben die Handlung nicht wirklich voran sondern sind eher philosophisch, sie enthalten so wundervolle Sätze wie „Obwohl es die Vergangenheit, als sie Gegenwart war, nicht gegeben hat, drängt sie sich jetzt auf, als habe es sie so gegeben, wie sie sich jetzt aufdrängt. Aber solange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird.“ Wem das zu abstrakt ist, keine Angst, es sind, wie gesagt, jeweils nur die ersten Kapitel in dieser Weise geschrieben. Der Rest des Buches hält ein gerade richtiges Gleichgewicht zwischen äußerer und innerer Handlung, dabei mit einem Zug voran, dass es nie langweilig wird. Es sind aber gerade diese ersten „Vergangenheit als Gegenwart“-Kapitel, die ich bestimmt noch öfter lesen werde. Ich habe „Ein springender Brunnen“ für mich, als Nachgeborene, als sehr lehrreich (auf positive Weise) empfunden. Ohne das viel darüber gesagt wird, beschreibt Martin Walsers Roman, wie die Nazis die Macht übernehmen und behalten konnten und macht das heute unbegreifliche, von dem wir gerne glauben würde, es wäre heute unmöglich, nachvollziehbar. Für mich vollkommen glaubhaft werden die ganz unterschiedlichen Verstrickungsgrade der verschiedenen Bewohner Wasserburgs geschildert, zum Glück ohne große Wertung und erhobenen Zeigefinger. Da gibt es überzeugte Nazis wie den Herrn Brugger und Leute wie Johanns Mutter, die alles für das Geschäft und die Familie tun würden; manche treibt ihre Religiosität zur Partei, viele hält sie aber zumindest von der SS fern, und natürlich die Kinder, die sehr schnell und sehr genau lernen, wann sie besser nicht auf ihr natürliches Gerechtigkeitsgefühl hören dürfen. Am besten gefallen an dem Buch hat mir aber Martin Walsers lebensechte, eindeutig auf der eigenen Herkunft beruhende Beschreibung, nein das Eintauchen in den dörflichen süddeutschen Kosmos. Die immer schwelenden Spannungen zwischen Katholiken und Evangelischen. Besonders die Wichtigkeit des Dialekts, welche sozialen Nuancen durch den Gebrauch oder Nichtgebrauch des Dialekts ausgedrückt werden können und wie die Herkunft der Menschen, aber auch ihre Entscheidungen, die Sprache formt, die sie sprechen, und wie deutlich wurde, dass diese Menschen praktische zweisprachig sind, war sehr interessant zu lesen. Fazit: Ich kann „Ein springender Brunnen“ uneingeschränkt weiterempfehlen, besonders für Leser mit geschichtlichem Interesse - gute vier Punkte.

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  • Rezension zu "Ein springender Brunnen" von Martin Walser

    Ein springender Brunnen
    PaulTemple

    PaulTemple

    19. October 2011 um 19:27

    Der stark autobiographisch geprägte Roman Walsers schildert die Kindheit Johanns in den 1930er und 40er Jahren. Johann wächst in Wasserburg am Bodensee auf und der Leser begleitet ihn zwischen den Jahren 1932 und 1945. Liebevoll und mit großer Präzision, beinahe schon anekdotisch schildert Walser den dörflichen Alltag, die Eigenheiten und Verhaltensweisen der Bevölkerung im Nationalsozialismus. Ein sehr kurzweiliges und interessantes Lesevergnügen

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  • Rezension zu "Ein springender Brunnen" von Martin Walser

    Ein springender Brunnen
    Rabenfeder

    Rabenfeder

    31. August 2008 um 19:29

    Mit eines der besten Walser-Bücher. Großartiges Evozieren der Kindheut durch Sprache. Viel 30er und 40er Jahre-Kolorit.