Statt etwas oder Der letzte Rank

von Martin Walser 
4,0 Sterne bei5 Bewertungen
Statt etwas oder Der letzte Rank
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Abgebrochen nach der Hälfte des Buches. Beginnt wunderbar lyrisch und gleitet dann doch in eine selbstmitleidvolle Abrechnung ab.

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Feinde und Frauen halten Walser immer noch auf Trab.

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Inhaltsangabe zu "Statt etwas oder Der letzte Rank"

'Mit der Unwahrheit ein Glückskunstwerk zu schaffen, das ist die menschliche Fähigkeit überhaupt.' Wer sagt das? Seine Frau nennt ihn mal Memle, mal Otto, mal Bert. Den Widerstreit von Interessen hat er hinter sich gelassen, sein Wesenswunsch ist, sich herauszuhalten, zu schweigen, zu verstummen. Ein Roman als Selbstportrait eines Mannes, der sich mit Sprache zur Wehr setzt, ein Roman als Summe und Bilanz.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499291302
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:176 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:24.04.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 26.01.2017 bei Argon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Aliknechtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Feinde und Frauen halten Walser immer noch auf Trab.
    Pfui Teufel

    Den Tod im Nacken unternimmt der 90-jährige Martin Walser einen (letzten?) "Rank, eine Wendung, die der Verfolgte nimmt, um dem Verfolger zu entgehen" [1].  "Mir geht es ein bisschen zu gut" [2] konstatiert er mit dem ersten Satz seines neuen Romans und wiederholt ihn oft. Es ist ein dünnes Büchlein von nur 171 Seiten. In 52 kurzen Kapiteln schreitet die Zeit voran.  Er "starrt auf eine leere, musterlose Wand und vermisst nichts" [3]. Dann liest man "Pfui Teufel" [4] und möchte, wäre der Autor nicht Martin Walser, das Büchlein bereits jetzt weglegen. 


    Aber es wird doch noch interessanter, es entwickelt sich "Unmut" [5], eine Überschrift zu einem von mehreren im Roman enthalten Gedichten. In diesem beanstandet Walser mit einigem Recht "Aufpasser gibt es mehr als je zuvor. Wir sind eine Tugendrepublik" [5]. Es folgen Abwägungen über das Leben. Hat man, hat Walser alles richtig gemacht? Vergleiche werden gezogen und es vergleichen sich natürlich nicht Hinz und Kunz. Thomas Mann "lag - grob gesagt - immer richtig: bis 1918 erzkonservativ, alles Demokratische verhöhnend, nach 1918 demokratisch leuchtend, inklusive SPD. Der Bruder Heinrich lag immer falsch" [6].

    Nun kommt Walser zu den beiden Hauptthemen seines langen Lebens, zu seinen Feinden und zu den Frauen. Walser "musste hoffen, die Feinde würden nicht aufhören, sich mit ihm zu beschäftigen. Interessierten sie sich nicht mehr für ihn, bräche aus das Zeitalter der langen Weile. [...] Die Feinde und er waren ein Team. Zur Unterhaltung der Welt" [7]. Aber Walser war auch schwach und musste manchmal  "denken, dass es seine Schwäche war, die ihn zu allem nicken liess. Den Kopf zu schütteln, etwa als verneinende Gebärde, fühlte er sich oft zu schwach. Nicken ging" [8]. Das klingt ehrlich.


    Es gab viele Frauen in Walsers Leben. Aber im Alter war die Welt "voller Witwen. Jede wollte, dass er mit ihr über ihren toten Mann spräche" [9]. Das törnt eher ab. Es folgen detailliertere Beschreibungen aus früheren Zeiten zum Beispiel über einen Schatten zwischen zwei Brüsten. Eine erkennt ihn nach ihrem Vortrag "Das Leben als Wiederholung des Einmaligen" [10] nicht mehr wieder,  obwohl sie vor zehn Jahren eine gemeinsame schöne Nacht verbracht hatten. Das ist nahezu unglaublich. Walser drechselt weiter Sätze großer Schönheit und am Schluss resümiert er "Überall willkommen ist niemand" [11]. Wie wahr.

    Ein merkwürdiges Buch ohne Handlung. Man möchte es zunächst ablehnen. Aber es ergreift den Leser. Es ist mit Sicherheit kein Blödsinn, der da geschrieben steht, obwohl es manchmal recht seltsam klingt. Walser spielt mit der "Wörterwelt", "Wörter" sind für ihn "Spürbarkeiten"  und er lässt "Silben flattern" [12]. Das ist seine Kunst. Ich werde das Buch mit einigem Abstand wohl noch einmal lesen und dann wahrscheinlich mehr finden.

    Ausgabe: Martin Walser Statt etwas oder der letzte Rank Rowohlt Reinbek 2017 Erstausgabe  (gelesen im Februar 2017)

    Referenzen:

     [1] Seite 7 aus: Deutsches  Wörterbuch Jacob und Wilhelm Grimm
     [2] Seite 9 
     [3] Seite 14 
     [4] Seite 19 
     [5] Seite 33
     [6] Seite 41 
     [7] Seite 57
     [8] Seite 58
     [9] Seite 69
    [10] Seite 127
    [11] Seite 171
    [12] Seite 70

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    Girdies avatar
    Girdievor 2 Jahren
    Zwischen genial und verwirrend

    Der Erzähler des Buchs „Statt etwas oder Der letzte Rank“ von Martin Walser bleibt unbenannt, obwohl er sich letztlich manche Namen aneignet. Vor ihm steht eine leere imaginäre Wand ohne Muster. Ein Rahmen wie auf dem Cover des Romans wäre noch einengender und zum Glück gibt es ihn nicht. Doch die Mauer bietet dem Betrachter schon Einhalt, aufhalten kann sie seine Gedanken jedoch nicht. Er hat gelernt mit der Wand zu leben. Und die Ideen von Martin Walser finden sich ohne Begrenzung in den Worten der Kapitel wieder.

    Das Buch ist als Roman bezeichnet und folgt man der allgemeinen Wikipedia-Erklärung, dass es sich hierbei um eine „Langform der schriftlichen Erzählung“ handelt ist das korrekt, aber dennoch ist der Inhalt mit keinem anderen Roman vergleichbar. Der Ich-Erzähler, der gerne auch zum gestehenden „Er“ wird, blickt Vielfach auf Erlebtes zurück bei dem er seine Gefühle in den erinnerten Situationen nicht verbergen kann. Er verfällt in Behauptungen bei Unsicherheit und offenbart dadurch seine Sensibilität. Überhaupt hat er selber immer nach der Wahrheit gesucht und sich selbst dahin gemaßregelt, dass Träumen ausreichend ist. Für ihn scheint es ein lebenslanges Dilemma zu sein, durch seine Meinung im Fokus zu stehen und doch gleichzeitig dabei nicht auffallen zu wollen. Sein Leben ist geprägt durch manche Auseinandersetzung, die nicht alle ohne negative Folgen für ihn geblieben sind.

    Ich muss zugeben, dass das Buch erst das zweite ist, das ich von Martin Walser gelesen habe. Nach einer kurzen Recherche zu seinem bisherigen Leben im Internet sehe ich so manche Anspielung auf eigene Erlebnisse des Autors, zumal mich der Erzähler des Romans durch einen entsprechenden Textpassus darauf hinweist, dass er seine Geschichten gerne in die Schilderungen Bekannter verpackt. Auch wenn ich leider nicht alle deuten kann, stelle ich fest, dass seine Aussagen deutlich, bestimmt und ansprechend sind. Sarkasmus blitzt durch, der bei weiterer Bekanntheit des Autors und seiner Werke sicher noch amüsanter wäre.

    Das im Buchtitel enthaltene und mir antiquiert erscheinende Wort „Rank“, welches nach einer Erklärung aus dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm als Synonym dem Wort Wendung entspricht gilt hier in zweierlei Sicht. Einerseits nimmt jedes Kapitel im formlosen Verlauf ungeahnte Drehungen von der Erzählung zur Lyrik, zur Aufzählung, zum Aphorismus hin zum Prosagedicht. Andererseits ist es der Schilderer selbst der sich da von Kapitel zu Kapitel von einem zum anderen dreht und dadurch erreicht, seine Gedanken von der erdachten Wand zu befreien. Der Erzähler erscheint gefestigt durch seine Erfahrungen und setzt man ihm den Autor gleich, habe ich als Leser gerne wahrgenommen, dass das Werken Martin Walsers weitergeht.

    Ich habe solch einen Roman noch nicht gelesen und finde ihn eine Bereicherung der Möglichkeiten schriftstellerischen Ausdrucks, der allgemein wohl nur von einem bekannteren Autor ernst genommen wird. Ob man das Buch nun als genial oder verwirrend wahrnimmt mag jedem offen gestellt sein. Ich persönlich bevorzuge zwar eine gleichförmigere Erzählung, kann mich aber dem Reiz des vorliegenden Buch nicht gänzlich entziehen.

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    Samuel_Pickwickvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Abgebrochen nach der Hälfte des Buches. Beginnt wunderbar lyrisch und gleitet dann doch in eine selbstmitleidvolle Abrechnung ab.
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    Kathycaughtfires avatar
    Kathycaughtfirevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Martin Walser zieht den Leser in ein Gedankenlabyrinth, das fasziniert, umschmeichelt und zum Nachdenken anregt. Lesenswert!
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    VictoriaHohmannvor einem Jahr

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    Pressestimmen

    Das innere Selbstporträt eines Dichters schlechthin (…) Es ist die Summe von Martin Walsers Kunst.

    Mit seinem neuen Roman fliegt Martin Walser vor unseren Augen in die Unerreichbarkeit.

    Dieses Buch ist ein Abschied – nicht vom Leben, sondern von Regeln, von Theorien, von Erwartungen. (…) Einfach lesen und staunen!

    Ein ästhetisches Abenteuer (…) eine tolle Schriftbühne, die Martin Walser für sein Ich, für sein Selbstgespräch eröffnet.

    Eine Meditation über ein langes Leben (…) interessanter als alle Weisheit des Brahmanen.

    Ein literarisches Ereignis ersten Ranges, Lebensroman und Bekenntnis zugleich.

    Jetzt endlich entstehen die Sätze pur. (…) Es ist ein Denken in Bewegung (…) Mehr geht nicht.

    Eine Art Schlussstrich-Prosa von ungeheurer Intensität (…) ein Buch voller Lebensweisheiten und philosophischer Sentenzen.

    Walser wäre nicht Walser, wenn seine Sätze nicht wie vom Himmel donnerten.

    In 'Statt etwas' zeigt sich noch einmal der ganze Walser.

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