Martin Wimmer Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes

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Inhaltsangabe zu „Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes“ von Martin Wimmer

Wer den üppigen Sprachgarten Wimmers betritt, gerät mitten in die amerikanischen Südstaaten und die Schwabinger Bohème, begegnet Kinky Friedmann, Gerhard Polt und den Pariser Situationisten, entdeckt staunend die Wurzeln der US-Songwriter bei Goethe oder Hoffmann von Fallersleben und amüsiert sich mit den gut erzählten Abenteuern von einem, der aus Oberbayern auszog, um die Liebe zu finden. Alles drin: Von Woody Guthrie über Terence Malick bis Thomas Glavinic, vom Hofbräuhaus über Luckenbach bis Marfa und vom Siegestor über den Römer bis an den Golf von Mexico. Ein Buch, wie ein sprudelnder Quell, das auf fast jeder Seite zum Weiterstöbern einlädt. Für Leser, die auch Vinyl sammeln. Mehr hier: www.DeinLandMeinLand.com
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    Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes

    MartinWimmer

    30. August 2016 um 18:26

    www.townes.org „Ein orkanartiges Buch“ (faustkultur) „Wildwüchsig und anarchisch. Ein mindestens göttliches Buch“ (FNP) „Kaufen, und vor allem: Lesen! Denn jeder Mensch, der wissen möchte, was die Welt im Innersten zusammenhält – nämlich Sprache, Musik, Kultur, und wilde, freie Liebe – findet hier gewiss sein Saatkorn“ (storycodex) „Mastermind in Sachen Kultur“ (Frankfurter Rundschau) „Sicher einer der profundesten Kenner der texanischen Countrymusik“ (country.de) „Mischung aus Rezensionen, Autobiographie und Fiktion“ (FAZ) „Supra-Scharlatanerie zwischen Südstaatenmystik und Schwabinger Bohème-Verkettung“ (Literaturhaus Frankfurt) „Mindestens mehrere doppelte Böden und Ironien. Lesenswert für alle, die sich an zahlreichen kulturgeschichtlichen Anspielungen ergötzen können“ (journal frankfurt) „Tagebuchartiges Insider-Roadmovie“ (bookster)

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  • Lieber größenwahnsinnig als kleingeistig

    Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes

    jamal_tuschick

    12. August 2016 um 10:16

    Zwischen Programm und zerfaserndem Ich - Martin “Texas Tornado” Wimmer, Büroleiter des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann, hat ein orkanartiges Buch geschrieben: “Ich bin der neue Hilmar (Hoffmann) und trauriger als Townes (Van Zandt): Eine Kulturgeschichte der deutsch-texanischen Beziehungen”* Anfang und Schluss gehen auf das Grundsätzliche. Programmatisch geklärt wird in jedem Fall die Frage, was Bedeutung hat im Leben des Ich-Erzählers. Die Methode seines Vergnügens ist das räumliche und geistige Umherschweifen. Er befestigt es mit einem situationistischen Argument. Es steckt antikapitalistische Opposition im vorsätzlichen Müßiggang. Das wird hervorgehoben - als halbutopische Perspektive. Im Weiteren hält nichts den Erzähler davon ab: vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen. Martin Wimmers Rhapsodie schleudert den Leser auf die Umlaufbahn von Vorlieben (des Erzählers) zwischen bayrischer Kindheit und texanischem Liedgut. Musikalisch an erster Stelle steht Townes Van Zandt, dessen Familie mit der Geschichte des solistischen Sternstaats (lone star state) eng verknüpft ist.  Der narrative Ablauf wirkt überstürzt, als habe der Autor unter dem Druck einer Frist produziert. Das geht als Manier durch. Wimmers eskapistisches Ich entdeckt eine historisch unmittelbare Nachbarschaft von Bayern und Texas damals auf Pangaea und unterschlägt, dass Hessen in der urkontinentalen Hochzeit mit Texas förmlich zwillingsgleich verschwistert war. Solche Nachlässigkeiten lassen sich nicht feststellen, ohne zum Vorwurf zu werden.  Was in Frankfurt am Main immer noch unter dem Pflaster Strand ist, ahnt ein Ich im “Exil”. Dessen unspektakuläre Biografie assoziiert sich in der “Kulturgeschichte der deutsch-texanischen Beziehungen” mit den (der Banalität erteilten) Absagen des Außerordentlichen. Außerordentlich erscheint das “Weißer Spargel Fest” in einem Bavarian Inn, mit einem Deutschland geografisch auf der Nordsüdachse abklärenden Biertest. Außerordentlich ist das titelstiftende Wortspiel des mit dem Venus Award nobilitierten Films “One Night In Bang-Cock”. Außerordentlich ist ein Augenblick der Erwartung mit eigenem Vers: “Auf einen Gin-Tonic zu Walon & Rosetti.” Das hieß mal auf einen Castro Cooler zu Ceri Kavaklar und Radu Rosetti. In ihrer Havanna Bar brachten sie die Karibik an den Main. Der Himmel über Frankfurt kehrte im Blau des Kneipenhimmels ein. “Ich bin der Hilmar” erklärt, “wie blaues Blut und blaue Noten” so wie Cajun und Zydeco zusammenhängen und bei wem Woody Guthrie abgeschrieben hat. Man müsste dem sich selbst abspulenden Text hinterher googlen, um erfundene Bezüge von Aficionado-Trouvaillen zu trennen. Die Plattensammlung des Erzählers könnte als Hauptstützpunkt einer schnellen Eingreiftruppe der mémoire involontaire dienen. Die Sammlungen der anderen bieten sich dem Erzähler als Beispiele für Steigerungsmöglichkeiten in Sphären der Verstiegenheit an; genug ist nicht genug; oder so: “You can write all day and never leave Texas.” Auf Seite 175 gesteht er: “Charaktere, Handlung, Dramaturgie, Spannungsbogen, Happy End, Auflösung, ich langweile mich zu Tode.”  Auch ist er viel lieber größenwahnsinnig als kleingeistig, dieser Wimmer, den man selbstverständlich nicht mit seinem erzählenden Ich verwechseln darf.  *Townes Van Zandt war depressiv, daher das “trauriger” im Titel. Hilmar Hoffmann war Frankfurts berühmtester Kulturdezernent, eine auch neben Siegfried Unseld noch eindrucksvolle Erscheinung. 

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