Martin de Wolf hat sich nun mit seinem 4ten Buch in die Herzen der Politthriller-Leser geschrieben. Was de Wolf auszeichnet ist, dass er es versteht, seinen Leser von Anfang an an sich zu binden. Ohne Wenn und Aber steigt man in das Geschehen ein und wird rasant mit sich gerissen. Teilweise war es so rasant, dass man gewisse Dinge nicht versteht. Ein russischer Mafiapate verkauft Plutonium; die Frage ist aber - wo hat er das her? Mit diesen teilweise nicht erklärten Storys muss der Leser allerdings umgehen, denn derer gibt es ein einige. de Wolf beschreibt eine Verschwörungstheorie, wonach die Reichen und Mächtigen dieser Welt, etwas Planen, was George Orwell schon einmal beschrieben hat. Auch so manch andere Stellen erinnern gut und gerne an manche Filme mit Will Smith, sind aber dennoch unterhaltsam geschrieben. Die Protagonisten sind gut beschrieben, erkennbar und auch teilweise sehr gut charakterisiert. Einzig - das scheint de Wolf's Markenzeichen zu sein - Svetlana Petrova war mir etwas zu naiv; für eine Journalistik-Studentin ist das manchmal zu viel des Guten. Die Story ist spannend, sehr angst einflößend und wenn wiedermal nur 10 % stimmen, ist das schon genug. Einzig, und das ist der Punktabzug, den ich geben musste, war die Widerstandsbewegung "Weiße Rose". Sophie und Hans Scholl haben im 2. Weltkrieg zu viel gekämpft und wurden dafür mit dem Leben bestraft. de Wolf hat es leider verabsäumt den Leser über Sophie Scholl und die "Weiße Rose" aufzuklären. Ein oder zwei Sätze, fast nebenbei, waren mir zu wenig, weil viele Leser den Bezug zu den Geschwister Scholl nicht mehr erkennen. Das fand ich traurig. Auch war es für mich schwer nachzuvollziehen, warum der Autor ausgerechnet diese Widerstandsbewegung wieder ins Leben rufen musste; hier hätte ich mir mehr Autorenfantasie gewünscht.
Natürlich ist das Geschmackssache, aber ich habe mich ausgerechnet voriges Jahr sehr viel mit Sophie Scholl beschäftigt: auch hier waren es nur wenige Mitglieder, auch hier waren es Studenten, auch hier war eine Frau die Redelsführerin...
Ein absolutes Minus gibt es für den Verlag: Rechtschreibfehler gibt es in jedem Buch und auch so in diesem öftermal; aber dem Autor gleich so böse bei der Widmung einen Fehler unter zuschieben ist traurig. Auch an der Qualität des Buches mangelt es, denn nach längerem Gebrauch, löste sich die Folie vom Buch und rollte sich ein; kein schöner Anblick. Aber dafür gibt es - für den Autor - selbstverständlich keinen Sternabzug. Eine kleine seltsame Sache noch nebenbei: de Wolf beschreibt das berühmte Newton-Pendel oder auch newtonsche Pendel genannt; versucht es aber in eigenen Worten zu erklären: Warum hier das Newton Pendel nicht als solches genannt wurde, blieb mir ein kleines Rätsel, löste aber ein Schmunzeln bei mir aus.
Fazit: de Wolf hat es mit seinem 4ten Roman wieder geschafft, den Leser zu fordern. Er fordert ihn zum Nachdenken an, zum Reagieren, zum Recherchieren; er fordert den Leser auch indirekt auf, nicht mehr alles zu glauben, was so in den Zeitungen steht und mal rechts oder links zu sehen. Einiges an den Verschwörungstheorien ist nicht neu und wurde schon in so manchen Will Smith-Filmen gezeigt; auch George Orwell hat sich dem Thema vor einigen Jahren gewidmet. Die Protagonisten sind gut beschrieben, charakterisiert und gut vorstellbar; vielleicht könnte man einmal diese Naivität aus den Protagonistinnen herausschreiben. Einzig die Widerstandsbewegung "Weiße Rose" hat mich zu sehr an den 2. Weltkrieg und das tragische Ableben von Sophie Scholl, Hans Scholl und dem unbekannt gebliebenen Christoph Probst erinnert, da de Wolf zu wenig darauf eingeht. Alles in allem aber ist de Wolf ein rasanter Politthriller-Autor und es macht Spaß zu Lesen und zu wissen, dass er wieder einmal für schlaflose Nächte sorgen wird.
Viel Spaß!
(geschrieben von: Petra/Meine Buchtipps)






