Martina Altschäfer

 4,4 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Andrin und Brandmeldungen.

Lebenslauf von Martina Altschäfer

Martina Altschäfer hat Bildende Kunst und Germanistik an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz und Freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Konrad Klapheck studiert. Ihre künstlerische Arbeit ist unter anderem mit dem Burgund-Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz sowie dem Preis des Landes Rheinland-Pfalz für Graphik ausgezeichnet worden. Trotz ihrer großen Vorliebe für das Gebirge lebt und arbeitet Martina Altschäfer in Rüsselsheim am Main. „Andrin“ ist Martina Altschäfers Romandebüt, nachdem 2017 bereits ihr Erzählband „Brandmeldungen“ mit zahlreichen farbigen Zeichnungen und Textcollagen im Mirabilis Verlag erschienen ist.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Martina Altschäfer

Cover des Buches Andrin (ISBN: 9783947857050)

Andrin

 (5)
Erschienen am 25.08.2020
Cover des Buches Brandmeldungen (ISBN: 9783981848441)

Brandmeldungen

 (3)
Erschienen am 30.11.2017

Neue Rezensionen zu Martina Altschäfer

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Cover des Buches Andrin (ISBN: 9783947857050)Born_to_reads avatar

Rezension zu "Andrin" von Martina Altschäfer

Eine Auszeit der besonderen Art.
Born_to_readvor 2 Monaten

Susanne ist Schriftstellerin, allerdings verkaufen sich ihre eigenen Werke nicht so, dass sie davon leben könnte und so arbeitet sie zusätzlich als Ghostwriterin. Das läuft auch recht gut, bis sie mit einem Auftrag nicht weiter kommt und sie diesen zurückgeben will. Ihr Verleger lockt sie mit einem Italienaufenthalt, sie geht darauf ein und macht sich auf den Weg. Hier beginnt nun das eigentliche Abenteuer. Durch verschiedene Umstände, beschließt sie zu Fuß einen Bergpass zu überqueren, gerät in ein Unwetter und wird von einem Jeepfahrer namens Andrin mitgenommen. Der bringt sie nach Vogelweh, einem ehemaligen Militärgebiet, in dem alles ein wenig anders zu sein scheint. Andrin lebt dort mit seiner Frau Uta, ab von der Welt, ohne Internet und Handyempfang. Aufgrund der Wetterlage, kann Susanne nicht weiterreisen, sondern muss sich einrichten. Erst ein paar Tage, dann werden es Wochen und schließlich Monate. 

Vogelweh scheint ein Paradies zu sein, die Hühner legen größere Eier, das Gemüse und Obst gedeiht, dass es eine Pracht ist, die Menschen scheinen langsamer zu altern und das Wasser macht betrunken. Doch auch die Idylle hat ihre Tücken. 

Martina Altschäfer hat mit Andrin ein äußerst beeindruckendes Debüt hingelegt. Beim Lesen bekam ich regelrecht Sehnsucht nach einem Ort wie Vogelweh. Mir hat sehr gefallen, dass die Autorin nicht für jedes, mystisch scheinende Phänomen, das mit diesem Ort verbunden ist, eine Erklärung liefert. Überhaupt hat mir der Sprachrhythmus. Beim Lesen fällt man wunderschön in den Alltag der Protagonist*innen. 

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Cover des Buches Andrin (ISBN: 9783947857050)schillerbuchs avatar

Rezension zu "Andrin" von Martina Altschäfer

Vieles bleibt in der Schwebe
schillerbuchvor 3 Monaten

Der Inhalt

Susanne ist Schriftstellerin, arbeitet jedoch auch als Ghostwirterin für ihren Verleger Jupp. Dessen Angebot an Prominente oder solche, die sich dafür halten, ihre Biographien entweder lektorieren oder ganz schreiben zu lassen, läuft prima. Susanne soll nun für einen Kunden seine Biographie schreiben, der das Luxuspaket gebucht hat: Das umfasst nicht nur absolute Diskretion, daß die Biographie von einer Ghostwriterin geschrieben wurde, sondern es werden auf Wunsch auch Lebensläufe dezent angepasst. Leider ist der Auftraggeber zwar zahlungskräftig aber auch unsympathisch und so gerät das Projekt ins Stocken. Jupp bietet Susanne seine Ferienwohnung in Italien an, um ihre Schreibhemmungen zu beseitigen, auf dem Weg dorthin jedoch verhindert ein Steinschlag in den Schweizer Bergen die Weiterfahrt. Susanne verschlägt es an einen abgeschiedenen Bergsee, um den herum einige verfallene Häuser stehen, die von einem Ehepaar nach und nach saniert werden. Sie bieten ihr Obdach und aus der Notübernachtung wird ein immer längerer Aufenthalt. In der Abgeschiedenheit, ohne Internet und Telefon entfernt Susanne sich mehr und mehr von ihrem Projekt, bis sie im Herbst eine Entscheidung treffen muss – soll sie bleiben oder gehen?

Meine Meinung

Dieses Buch hat mir gut gefallen, denn Martina Altschaefer fängt die Atmosphäre der einsamen und abgelegenen Berglandschaft sehr schön ein. Andrin und Uta, das Ehepaar undefinierbaren Alters, bei dem Susanne untergekommen ist, versorgt sich komplett selbst. Es gibt ein Gewächshaus, in dem Tomaten und Zucchini auf unerklärliche Weise überbordend wachsen, 3 Rinder, die  auf den Wiesen weiden und  die Bewohner vor drohendem Steinschlag warnen sollen, weil sie ein besonderes Gespür für Gefahren haben. Während Andrin abends meisterhafte Gerichte kocht und tagsüber die halbverfallenen Häuser der verlassenen Siedlung saniert und modernisiert, sammelt Uta Kräuter, die sie zu Teemischungen verarbeitet. Abends sitzt man in der Küche zusammen und schlemmt. Andrin reicht dazu aus verschiedenen Krügen Wasser, in dem kleine Steine liegen, die eine erstaunlich ähnliche Wirkung entfalten wie Wein oder andere Alkoholika. Susanne versucht, an ihrem Biographieprojekt zu arbeiten, aber sie hängt in der Endlosschleife einer Kindheitserinnerung ihres Auftraggebers fest, aus der sie sich nicht befreien kann. Andrin bei der Arbeit zu helfen, sich körperlich zu fordern und mit ihm zu sprechen ist willkommende Ablenkung.

Es gelingt der Autorin, vieles in der Schwebe zu halten, manchmal bekommt die Handlung fast esoterische Züge. Als Leserin erfuhr ich vieles nur in Andeutungen, was Andrin und Uta früher gemacht haben, womit sie vielleicht so erstaunlich viel Geld verdienen, was es mit dem Koch auf sich hat, der eine Zeitlang im Tal gelebt hat. Ganz handfest wiederum sind die Szenen, in denen Susanne mit Andrin in dem Haus arbeitet, das er gerne vor dem Beginn des Winters noch fertigstellen möchte. Was mich allerdings weniger überzeugt hat, waren die Szenen, in denen die Schreibblockade von Susanne beschrieben wird – das wirkte irgendwann wie ein Fremdkörper auf mich und wiederholte sich. Vielleicht ist aber auch genau dieser Effekt beabsichtigt, um zu zeigen, wie weit Susanne sich von ihrem Leben entfernt hat.

Das Ende des Buches fand ich sehr gelungen, denn es passt perfekt zur ganzen Stimmung und zur Atmosphäre. Gerne hätte ich vieles noch genauer gewusst, aber Martina Altschäfer entlässt ihre Heldin und ihre Leser*innen konsequent mit mancher offenen Frage wieder in die Realtiäten des Alltags.

Mein Fazit: Ein Buch, das trotz wenig äußerer Handlung eine Spannung entwickelt, die mich bis zum Ende nicht losgelassen hat. Lesenswert!

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Cover des Buches Brandmeldungen (ISBN: 9783981848441)Susanne_Probsts avatar

Rezension zu "Brandmeldungen" von Martina Altschäfer

Ein kleines Juwel, das viele Überraschungen bereit hält!
Susanne_Probstvor 4 Monaten

Schon rein äußerlich macht es was her. Es ist ein elegantes, schmales, gebundenes Buch mit einem roten Lesebändchen.

Auf dem Cover ist ein Bild des von der Künstlerin 2017 angefertigten Holzschnitts „Hund“ auf hellgrauem Grund abgebildet.


Bereits mit „Andrin“ hat mich die 1960 geborene Schriftstellerin positiv überrascht.

Mit ihrem abwechslungsreichen und phantasievollen  Kurzgeschichtenband hat sie mich nun überzeugt. 


Sie hat das Talent, ihre Leser im Nu mitten in die Erzählung hinein zu ziehen und sie gebannt darin zu halten, bis sie schließlich wieder auftauchen müssen, weil die Geschichte zu Ende ist.


Acht völlig unterschiedliche Erzählungen verschaffen ein kurzweiliges Lesevergnügen. 


Ich wusste nicht, welche Art von Texten auf mich zukommt und so war ich in „Brandmeldung“ einigermaßen überrascht, denn ich habe nicht mit einer skurrilen Geschichte von einem Auto gerechnet, das in einem Wohnungsflur steht.

Der Text liest sich wie der Traum oder die Phantasie eines Kindes, dessen Eltern nicht daheim sind.  


In „Die Abseitsfalle“, meiner Lieblingsgeschichte, haben Freundinnen für die Sommerferien ein Forschungsprojekt geplant. Es geht dabei um einen mysteriösen Mann ohne Schuhe, der plötzlich in der Stadt auftaucht und deren Bewohner aufrüttelt.

Die Mädchen observieren den sogenannten Piraten, der irisches Bier statt Rum trinkt und wollen so herausfinden, was es mit diesem Fremden auf sich hat.


In „Alpenpassage“ reiten Mutter und Tochter ins Tal hinab. Im Zentrum der nächsten Stadt passieren sie auf dem Rücken ihrer Pferde ein Tor, das sie auf den prächtigen, dicht mit Menschen bevölkerten Innenhof eines eindrucksvollen und dekorativen Gebäudes führt und was da passiert, ist irgendwie schräg.


Die recht sonderbare Geschichte „Der fliegende Hund“, in der Wilpert tierische Geburtstagsgeschenke macht, war die einzige, mit der ich nicht so viel anfangen konnte, dafür war „Die zukünftige Schwiegermutter“, in der demonstriert wird, wie man mit wenigen Fragen und Bemerkungen sein Gegenüber einschüchtern und manipulieren kann, umso amüsanter und interessanter. 


„Nach Süden“ erzählt das wundersame Ende eines nicht besonders gelungenen Urlaubs und in „Schwarzer Kater“ stört ein eindringlich miauender Kater eine Malerin bei ihrer Arbeit. Nach ihrer barschen Zurückweisung fährt der Vierbeiner sämtliche Geschütze auf und das Ende ist ganz in seinem Sinn.


Die letzte Erzählung, „Der Pekinese“ hat mich sehr berührt, denn ein Fremder, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht und das Haus beobachtet, hat gute Gründe für sein Tun.


Es sind allesamt sonderbare, fantastische, verträumte, originelle, surreale, skurrile, märchenhafte und berührende Geschichten. 

In jeder stößt man auf eine Wendung, mit der man nicht gerechnet hat.

Man wird von Pointen überrascht, die einen schmunzeln oder staunen lassen bzw. zum Nachdenken bringen.


Ich empfand viele der Geschichten wie einen Traum, den der Träumer seiner Psychoanalytikerin erzählt, um sich anschließend durch freies Assoziieren gemeinsam einen Reim darauf zu machen.


Martina Altschäfer hat ihre tollen Ideen unaufgeregt, sprach- und bildgewaltig umgesetzt und fesselnd erzählt.

Sie fokussiert einen kleinen Ausschnitt im Leben des oder der jeweiligen Protagonisten und erzählt  dann anschaulich, prägnant und fesselnd.

Sie bringt die Dinge in Windeseile auf den Punkt, schreibt lebendig und flott, manchmal ironisch und gewitzt.


Dieses außergewöhnliche und besondere Werk wird noch aufgewertet und bereichert durch wunderschöne Zeichnungen und Textcollagen aus Zeitungsschnipseln, alles Kunstwerke der Autorin.

Besonders beeindruckt hat mich ihre Zeichnung von einem sitzenden Mann, den sie mit nur wenigen Strichen skizziert hat; genauso wie sie ihre Geschichten mit nur wenigen Worten und Sätzen skizziert und auf den Punkt bringt. Chapeau!


Die Künstlerin hat mich mit Andrin, Brandmeldungen, ihren Zeichnungen und ihren Textcollagen gewonnen. 

Ein Geheimtipp!


5/5⭐️

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