Martina André

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Interview mit Martina André

10 Fragen an Martina André

1) Wie bist du zum Schreiben gekommen und wie hat dich deine Arbeit als Schriftstellerin mit der Zeit verändert?

Die Antwort möchte ich teilen – Wie bist du zum Schreiben gekommen: Ich hab schon immer gerne geschrieben – es nach der Schulzeit aber aus verschiedenen Gründen aufgegeben. Dann sind mir Weihnachten 2001 zufällig die Highlandergeschichten von Diana Gabaldon in die Hände gefallen. Ich war sofort von deren Schreibstil fasziniert (er ist ziemlich einzigartig – sehr real) und weil ich verstehen wollte, warum diese Art zu schreiben so anders ist und auf mich so besonders wirkt, habe ich mich erneut mit dem Schreiben als solches beschäftigt und nebenbei selbst ein bisschen herumexperimentiert. Das Ergebnis war „Das Rätsel der Templer“, welches auf einer tatsächlich existierenden Zeitreise-Legende des Zisterzienserordens basiert (die mich bereits in der 3. Schulklasse fasziniert hat – also lange vor Gabaldon und Co. …). Helga Glaesener - eine erfolgreiche deutsche Autorin historischer Romane hat mir freundlicherweise einige Recherchefragen beantwortet und mir ganz nebenbei die Adresse ihres Agenten in Hamburg gegeben. Von dort aus wurde ich sogleich an einen Publikumsverlag vermittelt und habe bis jetzt fünf Bücher veröffentlicht. Wie hat dich deine Arbeit als Schriftstellerin mit der Zeit verändert? Ich sage immer, es ist ein bisschen wie die „Büchse der Pandora“. Einmal geöffnet, bekommt man sie nicht wieder zu und muss sehen, wie man mit den Geistern, die man rief umgeht. Seit ich professionell schreibe schaue ich überall genauer hin und habe kaum noch Zeit für andere Hobbys. Vor meiner Zeit als Autorin hatte ich noch die Muße meine Gartenzwerge anzumalen (ich liebe es) oder hab einfach nur mal vorm Fernseher „abgehangen“. Heute dreht sich alles in meiner Freizeit ums Schreiben. Wenn ich nicht an einem neuen Projekt arbeite, kümmere ich mich um geschäftliches oder beantworte Fan-Anfragen. Das ist alles wunderbar und ich möchte es nicht missen – aber es gibt auch Zeiten, da wünsche ich mich in mein ganz normales, früheres Leben zurück – als mich der Schreibvirus noch nicht so gnadenlos gepackt hatte und Amazon Rezensionen, iTunes Rankinglisten und der „Gefällt mir“ Button auf Facebook für mich „böhmische Dörfer“ waren.

2) Welche Vorteile bietet das Internet für dich und wie nutzt du hier den Kontakt zum Leser, wie z.B. in einer Literaturcommunity wie LovelyBooks.de?

Ein großer Vorteil der Online-Plattformen ist, dass einem der direkte Kontakt zum Leser bzw. Leserin ermöglicht wird. Es gibt für mich kaum etwas schöneres, als direkt zu erfahren, wie die Figuren eines Buches auf den Leser wirken und zu sehen wie und ob er/sie in die Geschichte eintauchen kann. Wenn ein Buch früher erfolgreich war, lebten die Autoren für den Leser (und umgekehrt) wie auf „fernen Planeten“. Ich erinnere mich noch gut an die Villa von Herrn Konsalik, die im Siebengebirge von einem riesigen Park umgeben ganz in der Nähe des Hauses meiner Großeltern stand. Als Kind hat mich beeindruckt, wie ehrfürchtig die übrige Dorfbevölkerung von ihm sprach … und wahrscheinlich wäre keiner auf die Idee gekommen, ihn zu besuchen oder anzurufen, um ihn persönlich auf seine Bücher anzusprechen. Ein solcher Autor erfuhr höchstens durch Literaturkritiker, ob und wem seine Werke gefielen. Oder Briefpost, die ihm der Verlag ins Haus steuerte und dessen Beantwortung ewig viel Zeit in Anspruch nahm und zudem zusätzliche Portogebühren erforderte. Da haben wir Autoren von heute es in jedem Fall besser. Heute funktioniert der Kontakt untereinander via Blogkommentar, eMail und Foren ganz fix und unkompliziert. Durch die verschiedenen Online-Leserunden habe ich viele nette Menschen kennengelernt, von denen ich sonst gar nicht wüsste, dass es sie gibt. Manchmal entstehen daraus auch richtige Freundschaften. Und nicht selten stelle ich fest, dass Leser, die meine Bücher lieben, mir auch charakterlich ähnlich sind.

3) Welche Bücher/Autoren liest du selbst gern und wo findest bzw. suchst du Empfehlungen für den privaten Buchstapel?

Ich lese gerne Autoren, die authentische Figuren und Szenen erschaffen – wie gesagt – Diana Gabaldon ist ein ganz großes Vorbild. Aber auch Ken Follett ist einer meiner Lieblingsautoren, weil seine Figuren mitunter auf eine banale Weise emotional reagieren, was für mich eine ehrliche Welt abbildet – keine Pseudohelden, die niemals weinen. Sehr überzeugt hat mich auch Nele Neuhaus mit ihrem Buch „Unter Haien“ – beim Lesen hab ich dauernd nur gedacht – Wahnsinn – wie kann jemand so „griffig“ – sprich bildhaft und abwechslungsreich schreiben können. Und – ich geb‘s zu - Suzanne Brockmanns US. Navy Seals finde ich äußerst unterhaltsam ( ebenfalls sehr realistisch geschrieben – wie ich zufällig weiß …) – ich hab sie alle gelesen…

4) Von welchem Autor würdest du dir gern mal ein Vorwort für eines deiner Bücher wünschen und warum?

Och – da hab ich noch nie drüber nachgedacht. Vielleicht wäre mir ein Vorwort meiner Leser viel lieber – indem sie beschreiben, was ihnen an meinen Storys gefällt – warum sie vom „ins Bett gehen“ – oder „aus dem Auto austeigen“ abgehalten wurden, wie sie manchmal in Rezensionen schreiben, wenn sie meine Bücher gelesen oder gehört haben. In meinem neuen Buch „Die Rückkehr der Templer“ hab ich ein Nachwort von Tobias Daniel Wabbel „spendiert“ bekommen http://www.tobiasdanielwabbel.com/ - und bin ehrlich gesagt stolz wie Bolle, weil er schon Anthologien mit Texten des Papstes veröffentlicht hat und sich wirklich mit dem Thema „Templerorden“ auskennt.

5) Man wird als Schriftsteller schnell in Schubladen gesteckt. Würdest du gerne mal das Genre wechseln und deine Leser mit einer völlig neuen Seite überraschen?

Ich gehöre wohl zu den wenigen deutschen Autorinnen, die bisher immer ALLES in eine Story packen durften – wofür ich dem Aufbau-Verlag und meinem Lektor sehr dankbar bin. Also - History, Mystery, Science-Fiction, Lovestory, Action und ein Schreibstil, der bunt gemischt ist wie die Genres selbst. Obwohl ich mir bewusst darüber bin, dass ich mit reinen Genregeschichten vielleicht noch mehr Erfolg hätte (weil die Buchhändler endlich wüssten auf welchen Tisch oder in welches Regal sie mich stellen könnten) – vielleicht ist aber auch gerade das Gegenteil der Fall. Den eMails, die ich regelmäßig bekomme, entnehme ich immer, dass meine LeserInnen/HörerInnen gerade diesen Mix besonders lieben – und das bringt mich zu der Überzeugung, dass das ganze Schubladendenken irgendwie unpraktisch ist, weil es möglicherweise die eine oder andere spannende Geschichten verhindert. Was mich aber nicht davon abhält, demnächst mal eine spannende, rein historische Lovestory zu schreiben. Die Idee dazu ist schon geboren und es sieht danach aus, dass sie nächstes Jahr als Buch realisiert werden könnte - mehr möchte ich dazu aber jetzt noch nicht verraten.

6) Wo holst du dir die Ideen und Inspiration für deine Bücher?

Vieles kommt aus meinem privaten Umfeld oder entspringt meinem persönlichen Interesse. „Das Rätsel der Templer“ gründete auf besagter Klosterlegende in meinem Heimatort und meiner Liebe zu Frankreich und zur Eifel. „Die Teufelshure“ war meiner Liebe zu Schottland geschuldet – ich bin dort recht oft, weil wir gute Freunde dort haben und unser Sohn dort studiert. „Schamanenfeuer“ ist entstanden, weil mich die Hintergründe zur Katastrophe von Tunguska schon immer interessiert haben und ich praktischerweise mit einer russischen Historikerin befreundet bin, die mich bei der Recherche sehr unterstützt hat. „Die Gegenpäpstin“ war sozusagen ein Auftragswerk, das ich jedoch voller Überzeugung geschrieben habe – trotzdem musste ich mir die kirchlichen Hintergründe richtig hart erarbeiten. Wobei ich während des Schreibens überraschend viel (himmlische) Unterstützung erhalten habe. Außerdem reise ich gerne nach Israel – ich liebe Land und Leute und den Hauch der Geschichte, der einem dort aus jedem Winkel entgegen weht und das kam mir beim Schreiben natürlich sehr entgegen. „Die Rückkehr der Templer“ hat mir aus gleichem Grund sehr viel Spaß gemacht. Ich war schon öfters in Jerusalem und liebe diese Stadt. Sie hat eine unglaubliche Aura und die Vorstellung, wieviele verschiedene Menschen im Laufe der Jahrtausende dort schon gelebt, geliebt und gelitten haben, fasziniert mich ebenso, wie die alten Gebäude und die vielen verschiedenen Kulturen, die dort bis heute zusammenkommen.

7) Wie und wann schreibst du normalerweise, kannst du dabei diszipliniert vorgehen oder wartest du, bis dich in einer schlaflosen Nacht die Muse küsst?

Beides. Ich hatte während meiner Schreibphasen unzählige schlaflose Nächte, in denen ich nicht aufhören konnte zu schreiben, weil mich die Muse regelrecht abgeknutscht hat *lach* … Aber ich liebe es genauso, diszipliniert zu überarbeiten und zu korrigieren – manchmal macht das sogar noch ein kleines bisschen mehr Spaß. Ich glaub, ich hab zwei Seelen in meiner Brust – eine wilde kreative – und eine perfektionistische, disziplinierte. Beim Schreiben kann ich beides ausleben und dass ist das tolle daran.

8) Gibt es eine lustige Anekdote aus deinem Schriftstellerleben, die du uns erzählen möchtest?

Meine Schwiegermutter sah mich fast entsetzt an, als ich sie mit Stolz im Blick mit meinem ersten veröffentlichten Werk überraschte (Die Gegenpäpstin). Ihre erste Reaktion war: „Da kennt man sich 25 Jahre und dann so was!“ Wobei sie als gute, Katholikin wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt weniger den Inhalt des Buches meinte (den kannte sie ja noch nicht) sondern eher die Tatsache, dass ich plötzlich nicht mehr in ihre Vorstellung von einer braven Ehefrau/Mutter und Beamtin passte, sondern mich mit so etwas undurchsichtigem wie Bücher schreiben beschäftigte. Inzwischen ist sie aber ein überzeugter Fan meiner Storys und freut sich mit mir, wenn ich eine neue Geschichte beendet habe. Lustig war auch, als wir kürzlich den Trailer für mein neues Templerbuch in der Eifel gedreht haben und unser „Hobbytempler“ mit seinem weißen Quarterhorse Wallach „Tex Thunder“ zum Xten Mal durch den Buchenwald galoppieren musste, um eine noch bessere Video-Einstellung hinzubekommen. Plötzlich tauchte zwischen Bäumen und Burgruine eine Kindergartengruppe mit Eltern auf, die an einem Samstagvormittag in der Umgebung der alten Burg Ritter und Burgfräulein spielen wollten. Unsere Kameraleute hatten sie glatt übersehen und waren erst erschrocken und dann völlig verzückt, als plötzlich wie aus dem Nichts hinter den Büschen ein echter Templer samt Pferd, Helm und Waffen hervorgestürmt kam…

10) Du schreibst historische Romane: doch welche Zeit in der Vergangenheit wäre es, in die du gern selbst einmal zurück reisen würdest? Oder bist du doch neugieriger auf die Zukunft?

Ich bin da wie meine Bücher – nicht einzuordnen. Ich würde weiß Gott was drum geben, wenn ich eine Zeitreisemaschine besäße. Als erstes würde ich zu den Kreuzrittern reisen (aber vielleicht nicht unbedingt nach Jerusalem – sondern eher nach Akko vor 1291) – damals war kulturell viel los in dieser Stadt – die haben nicht nur gebetet und gekämpft, sondern auch viel gefeiert. Dann würde ich mir die Zeit in Schottland Anfang des 18. Jahrhunderts anschauen wollen – also nicht „Jamie Fraser“ sondern eher „Rob Roy“. UND die Lebensweise der Germanen im Westerwald zur Zeit der römischen Besatzung von Koblenz (hinter dem Limes lebten damals die wilden Chatten aus denen später die noch wilderen Hessen wurden *lach*). Vielleicht würde ich aber auch erst mal in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg reisen und gucken was meine Uroma damals so alles in ihrem winzigen Häuschen „mit Plumpsklo neben der Scheune“ angestellt hat (das heute in einem Museumsdorf steht)… Von dort aus würde ich ins Jahr 2100 reisen und mir anschauen, ob wir das mit der Klimakatastrophe und der Weltwirtschaftskrise tatsächlich in den Griff bekommen haben – oder ob wirklich alles so schief gelaufen ist, wie in meinem aktuellen Buch. Aber eins wäre unbedingte Voraussetzung: Das ich bei all diesen Unternehmungen absolut unsichtbar bliebe und mir keine Pest und keine Pocken einfangen könnte, geschweige denn Gefahr liefe, als Hexe verbrannt zu werden oder versehentlich auf irgendeiner Guillotine zu landen. Das überlass ich lieber meinen Heldinnen und Helden im Buch (die im Gegensatz zu mir ziemlich mutig sind… wie ich gerade bemerke).

9) Welche Wünsche hast du in Bezug auf deine Bücher und deine Arbeit für die kommenden Jahre?

Ich wünsche mir schlicht und ergreifend, dass es immer wieder Leser und Leserinnen geben wird, die ich mit meinen Storys begeistern kann. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.