Aller Anfang ist schwer – aber als junge Familie, die neu in eine eingespielte norddeutsche Gemeinde hinzuzieht, kann dieser besonders schwer sein.
Martina Behms Romandebüt startet bereits mit einem großen Problem: Ingo und Lara kommen nicht aus Fehrdorf. Und dann gerät Ingo auch noch in einen Unfall mit einer weißen Hirschkuh. Ihr Tod ist für die alteingesessenen Dorfbewohner*innen ein böses Omen und es lässt einen selbst mit jeder Veränderung, die eintritt, mitfiebern. Blickt man hinter die Fassaden, bröckelt der Mythos vom idyllischen Landleben: Beziehungsdynamiken werden hinterfragt und aufgebrochen, manche Dorfbewohner*innen schenken ihren eigenen Wünschen endlich Gehör, weil es sonst keiner tun würde und insgesamt herrscht eine Art Aufbruchstimmung im Stillen, weil nach außen hin der Schein einer intakten Gemeinschaft gewahrt werden muss. Martina Behm zeichnet viele kleine, aber scharfe Portraits der einzelnen Höfe. Insbesondere lässt sie die bloße Frage „Was wäre, wenn …?“ als Angstbeil über den Köpfen ihrer Figuren schweben. Manche finden jedoch den Mut, sich ihr zu stellen.
Für mich war das Buch ein Highlight dieses Jahr, da es liebevoll und kritisch zugleich die starren Denkmuster einer norddeutschen Dorfgemeinschaft aufs Korn nimmt und den Mythos vom idyllischen Landleben infrage stellt. Mit viel Empathie für die Figuren und ihre (Vor-)Geschichten, werden aber auch Schnittmengen zwischen Alt und Jung sichtbar, die Hoffnung auf gute Veränderungen versprechen. Was im Hörbuch besonders gut zur Geltung kommt: das stellenweise grummelig-liebevolle Norddeutsch! 🎧

















