Martina Borger

 4 Sterne bei 221 Bewertungen
Autor von Kleine Schwester, Katzenzungen und weiteren Büchern.

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Kleine Schwester

Kleine Schwester

 (62)
Erschienen am 27.08.2004
Sommer mit Emma

Sommer mit Emma

 (34)
Erschienen am 22.02.2011
Im Gehege

Im Gehege

 (37)
Erschienen am 24.01.2006
Lieber Luca

Lieber Luca

 (26)
Erschienen am 21.04.2009
Katzenzungen

Katzenzungen

 (2)
Erschienen am 13.04.2007
Im Gehege

Im Gehege

 (2)
Erschienen am 01.10.2008

Neue Rezensionen zu Martina Borger

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Rezension zu "Sommer mit Emma" von Martina Borger

Unterdrückte Konflikte, die sich im Familienurlaub entladen
schnaeppchenjaegerinvor 2 Jahren


Daniel und Luisa, in deren Beziehung es zuletzt kriselte, möchten mit ihren Kindern einen harmonischen Urlaub verbringen. Da es aufgrund des Alters von Jasper und Lea vermutlich der letzte gemeinsame Familienurlaub sein wird, wollten die ihnen mit der Reise auf einem Hausboot durch England etwas Besonderes bieten. Um Jasper zu überreden, durfte sein bester Freund Can mitfahren; zudem darf erstmals auch die 14-jährige Emma, das Resultat eines Seitensprungs von Daniel, die mit ihrer Mutter in den USA wohnt, mit. 


Zu sechst ist es denkbar eng auf dem kleinen Hausboot, die Schlafplätze reichen kaum aus, die Nass"zelle" wird überwiegend von Emma in Beschlag genommen und unterdrückte Konflikte gelangen immer weiter an die Oberfläche. 


Der 17-jährige Jasper, der ohnehin keinen Bock auf den Urlaub hatte, ist genervt von seiner Mutter, Luisa ist eifersüchtig auf die hübsche Emma, die sich ganz selbstverständlich in den Vordergrund zu stellen scheint, Daniel hat ein Problem damit, dass er als Künstler finanziell von seiner Lebensgefährtin abhängig ist und die naive Lea begreift gar nicht, wie sie von Jasper und Emma hintergangen wird, die heimlich ihre Tagebuchaufzeichnungen lesen. Nur Can, der froh ist, kein Bestandteil der Familie zu sein, hält sich mit Kiffen bei Laune. 


Der Roman ist mit Ausnahme von Emma abwechselnd aus der Perspektive aller Protagonisten geschrieben, so dass deren Empfindungen und Handlungen für den Leser nachvollziehbar sind. Emma lernt man nur durch die subjektiven Beschreibungen der anderen kennt und bleibt damit ein wenig mysteriös. Es ist nicht ganz klar, ob sie einfach nur ein von sich überzeugter, eingebildeter Teenager ist, die ihren Vater kennenlernen möchte oder ob sie absichtlich intrigiert. 


Auch ohne Überschriften wird durch den für jeden einzelnen Charakter passenden Schreibstil jeweils nach wenige Sätzen deutlich, aus welcher Sicht die Geschichte weitererzählt wird, Zunächst passiert nicht viel, wie das Hausboot schippert auch die Handlung gemütlich vor sich hin. Als Leser ahnt man jedoch von Beginn an, dass es nicht bei einem harmonischen Familienurlaub bleiben wird und wartet nur darauf, dass es zur finalen Katastrophe kommen wird. Als dann dunkle Wolken aufziehen und der strömende Regen einsetzt, entladen sich die Konflikte und unterdrückte Geheimnisse werden offenbar. 


Das Autorinnenduo spielt mit Stereotypen und lässt keinen Charakter so richtig positiv wegkommen, so dass ich mit keinem der Protagonisten sympathisierte und dieses Familiendrama lange nicht so eindringlich empfand wie "Kleine Schwester". 

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Rezension zu "Lieber Luca" von Martina Borger

Berührend
Marie1971vor 2 Jahren

Lieber Luca.....ist der Titel des Buches und so beginnt das Buch auch. Simone schreibt ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Erlebnisse auf. In Form eines Briefes an Luca. Aber wer ist Luca? Und was ist mit Luca passiert? Auch wenn diese kurze Beschreibung der Geschichte in keinster Weise gerecht werden kann, fällt es schwer andere Worte zu finden. Und dieses durchaus nicht weil das Buch nicht gefällt. Ganz im Gegenteil. Es ist sehr tiefgehend, emotional, berührend, aufwühlend, ergreifend. Die Geschichte hinterlässt Spuren. Weil sie zeigt, wie zerstörerisch es sein kann, wenn der Stolz wichtiger ist als das Nachgeben. Wenn Schuldzuweisungen wichtiger sind als vergeben. Wieviel man im Leben aufs Spiel setzt, wenn man aus sein Recht beharrt. Die Autorin erzählt authentisch, unbeschönigend und realistisch die Geschichte einer Frau, einer Mutter, einer Schwiegertochter, einer Freundin, die fast alles verliert, weil sie sich selbst verloren hat. Ich bin tief beeindruckt von einer Geschichte die vor allem eins zeigt. Dass man viel riskiert wenn man nicht vergeben und nachgeben kann. Eine wichtige Geschichte hinter der Geschichte. Lesenswert!

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Rezension zu "Kleine Schwester" von Martina Borger

Menschliche Abgründe tun sich auf - sehr eindringlicher Roman
schnaeppchenjaegerinvor 2 Jahren

Ela und Carl Jessen sind glücklich mit ihrer zehnjährigen Tochter Lilly, aber vor allem Ela wünscht sich sehnlichst ein zweites Kind. Als klar wird, dass Carl aufgrund einer Erkrankung nicht mehr zeugungsfähig ist, beschließen sie, ein Kind zu adoptieren.

Auf den ersten Blick ist Ela ganz verliebt in die süße Dagmar aus dem Pflegeheim, die in die Familie Jessen aufgenommen wird, und ab sofort Lotta heißt.
Das Zusammenleben gestaltete sich von Anbeginn schwierig. Lotta, vom Entwicklungsstand einer Fünfjährigen zurückgeblieben, redet nicht, kann keine feste Nahrung bei sich behalten und weint viel. Der einzige Bezugspunkt wird ihr Teddybär, ohne den sie nicht sein kann. Lilly muss sich mit dem für sie fremden Mädchen ein Zimmer teilen, das nachts ins Bett macht und darüber hinaus teilnahmslos ist.

Ela und Carl sind mit der Situation restlos überfordert. Ela ist Kindergärtnerin, hat aber so ein Kind noch nicht erlebt und fühlt sich vom Schicksal betrogen. Als Carl berufsunfähig wird und seinen Malerbetrieb aufgeben muss, wird auch die finanzielle Situation angespannt. Die Jessens verkaufen ihr Haus und ziehen an einen anderen Ort, wo sie einen Neuanfang wagen wollen. Carl arbeitet nach erfolgreicher Umschulung als Krankenpfleger im Nachtdienst, aber Ela verfällt zunehmend dem Alkohol und verliert ihre Arbeit. Lilly hält sich tapfer, geht weiterhin fleißig zur Schule und kümmert sich nachmittags um Lotta. Die Situation zu Hause ist für alle unerträglich, aber Lotta zurück ins Heim zu geben, würde bedeuten zu scheitern und zudem ist die Familie inzwischen finanziell auf das Pflegegeld angewiesen. Lilly ist die einzige, die überlegt, woher sie Hilfe bekommen kann, steht aber in dem Konflikt, ihre geliebten Eltern zu verletzen und zu verraten.

Der Schreibstil des Buches ist zunächst gewöhnungsbedürftig, da die Geschichte aus der Sicht der 10-Jährigen Lilly beschrieben wird. Der Roman beginnt mit einer kleinen Bilderbuchfamilie in der nach Außen alle glücklich wirken. Ela ist jedoch ein sehr labiler Mensch, extrem launisch und egoistisch. Wie bei einem kleinen Kind müssen ihre Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden. Ihr Ehemann ist schwach und erpressbar. Verliebt wie er in seine dominante Ehefrau ist, geht er den Weg des geringsten Widerstands und lässt Ela alle Entscheidungen treffen. Im Umgang mit Lotta hält er sich hilflos zurück und Ela geht dagegen viel zu weit. Am Ende ist Lilly die einzige, die sich noch um das verwahrloste, einsame Kind kümmert.

In diesem Roman tun sich menschliche Abgründe auf. Es ist erschütternd, wie leicht hinter geschlossenen Mauern in Deutschland eine Vernachlässigung und - schlimmer noch - Misshandlung Schutzbefohlener möglich ist, ohne dass das Jugendamt davon Kenntnis bekommt oder Nachbarn darauf aufmerksam werden.

Die beiden Autorinnen schildern die Ereignisse und die Entwicklung der Familie ungeschönt, aber leider durchaus realistisch. "Kleine Schwester" entwickelt sich durch die sich zuspitzenden Ereignisse und die stetig steigende Spannungskurve zu einem dramatischen Psychothriller, in dem am Ende beide Mädchen auf der Strecke bleiben. Am Ende stellen sich dem Leser die Fragen: Wie können Menschen so grausam sein? Und wo sind die entsprechenden Kontrollinstanzen um so einen Verlauf zu verhindern?

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