Martina Clavadetscher

 3,7 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Die Erfindung des Ungehorsams, Knochenlieder und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Martina Clavadetscher

Martina Clavadetscher, geboren 1979, ist Autorin und Dramatikerin. Nach ihrem Studium der Deutschen Literatur, Linguistik und Philosophie war sie Hausautorin am Luzerner Theater, gewann den Essener Autorenpreis und war für den Heidelberger Stückemarkt nominiert. Für ihre Prosa erhielt sie den Preis der Marianne-und-Curt-Dienemann-Stiftung und war für den Schweizer Buchpreis nominiert. Sie lebt in der Schweiz.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Martina Clavadetscher

Cover des Buches Die Erfindung des Ungehorsams (ISBN: 9783293005655)

Die Erfindung des Ungehorsams

 (4)
Erschienen am 15.02.2021
Cover des Buches Knochenlieder (ISBN: 9783906907017)

Knochenlieder

 (3)
Erschienen am 01.02.2017
Cover des Buches SAMMLER (ISBN: 9783905969344)

SAMMLER

 (0)
Erschienen am 01.03.2014

Neue Rezensionen zu Martina Clavadetscher

Cover des Buches Die Erfindung des Ungehorsams (ISBN: 9783293005655)BjoernAndBookss avatar

Rezension zu "Die Erfindung des Ungehorsams" von Martina Clavadetscher

Künstlichkeit und Menschlichkeit
BjoernAndBooksvor 2 Monaten

Drei Frauen, drei Einzelschicksale – und eine Kraft, die alles miteinander zu verbinden scheint. Iris erzählt auf einer Dinnerparty eine Geschichte über „meine Halbschwester“ Ling. Diese arbeitet in einer Fabrik, die Puppen herstellt, die einerseits für sexuelle, andererseits aber auch gesellschaftliche Vergnügungen genutzt werden können. Ling selbst ist eine Frau, die Strukturen und Gewohnheiten braucht, um sich in ihrem Leben zurecht zu finden. Der Wachmann Jon B. bietet ihr beides: Die Sicherheit, die sie benötigt, und den Impuls in eine neue, erfülltere Zukunft zu starten – mit ihm und Ada, einer der Puppen ihres Arbeitgebers. Benannt ist diese nach Ada Lovelace, der dritten Protagonistin, deren Lebensgeschichte als Stellvertreterin für die „Frau als Wissenschaftlerin“ erzählt, eingebunden und als verknüpfendes Element der Protagonistinnen benutzt wird.


„Lügen ist bloß die Tarnung einer Strategie“. (S. 151)


Martina Clavadetscher wird nicht umsonst als eine der „originellsten Stimmen ihrer Generation“ (NZZ am Sonntag) bezeichnet. Ihr gelingt mit „Die Erfindung des Ungehorsams“ eine äußerst interessante Aufarbeitung verschiedenster Themen zu einem dichten Handlungsgeflecht. Es geht hier um Emanzipation, um die Verbindung und Co-Existenz von Mensch und Maschine, aber auch um augenscheinlich toxische Beziehungen, wie bei Iris geschildert. Iris, Ling und Ada sind so unterschiedlich, wie Menschen nur sein können, und lassen dennoch eine enge Verbindung erspüren: der Drang zur Selbstverwirklichung in ihrem jeweiligen Lebenskontext.

Bemerkenswert ist hier vor allem die Sprache: Clavadetscher bedient sich einer Ausdrucksform irgendwo zwischen lyrischer Prosa und prosaartiger Lyrik. Sie dekonstruiert, fragmentarisiert und setzt wieder neu zusammen. Sie stellt intertextuelle Verbindungen her wie zum Beispiel durch Iris' Dinnerparty-Gäste Godwin und Wollstone, eine Referenz auf Mary Shelley, die mit „Frankenstein“ einen wesentlichen Beitrag zur literaturgeschichtlichen Aufarbeitung von Menschlichkeit und Künstlichkeit, von Mensch und Maschine geliefert hat. Das ist alles extrem clever konstruiert, und es macht Spaß, diese Verlinkungen zu dechiffrieren. Nicht erst durch die Figur der Ada Lovelace lässt sich auch ein Konnex zu Sharon Dodua Otoos „Adas Raum“ herstellen.

Gleichzeitig läuft der Roman aber auch ein wenig Gefahr, im experimentellen Raum verhaftet zu bleiben und die emotionale Ebene nur mühsam erreichen zu können. Die Beziehung zwischen Ling und Jon B. vermag diesen Aspekt vorsichtig herzustellen, doch hätte es davon gerne noch ein bisschen mehr sein dürfen. Insgesamt also ein in Sprache und Konstruktion spannendes Werk mit kleinen Abstrichen!

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