Martina Heinschke

Alle Bücher von Martina Heinschke

Cover des Buches Alle Farben Rot (ISBN: 9783548288451)

Alle Farben Rot

 (7)
Erschienen am 14.10.2016
Cover des Buches Tigermann (ISBN: 9783940527936)

Tigermann

 (4)
Erschienen am 30.11.2016

Neue Rezensionen zu Martina Heinschke

Cover des Buches Tigermann (ISBN: 9783940527936)Irisblatts avatar

Rezension zu "Tigermann" von Eka Kurniawan

Warum der Tiger tötete ...
Irisblattvor 6 Monaten

„Tigermann“ beginnt mit einer schockierenden Nachricht, die sich rasch verbreitet: Margio, ein junger Mann, hat seinen Nachbarn durch Bisse in den Hals getötet. Für die javanische Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden kennt, ist diese Tat völlig unverständlich. In der Zelle sitzend nach seinem Tatmotiv befragt antwortet Margio ruhig, er sei es nicht gewesen, sondern der Tiger, der in seinem Körper lebe.

Erst ganz zum Schluss mit dem letzten Satz löst sich die Frage, warum es zur bestialischen Tötung kam. Diese Erkenntnis am Ende hat mich mitten ins Herz getroffen und ist absolut stimmig.

Eka Kurniawan füllt die Seiten seiner Erzählung hauptsächlich mit Rückblicken. Im Fokus steht dabei Margios Familie, die aus sehr ärmlichen Verhältnisse stammt und unter den Wut- und Gewaltausbrüchen des Vaters leidet. Einen größeren Raum nimmt auch das schwierige Verhältnis ein, das Margios Eltern verbindet - die Ehe ist von Beginn an durch Lieblosigkeit und Gewalt geprägt. Als Margios Vater eines natürlichen Todes stirbt, sind alle Familienmitglieder erleichtert. Dem Autor gelingt es gut, die Gefühlswelt der Protagonist:innen darzustellen. Mit wenigen Worten skizziert er das Leben in einem dörflichen Wohngebiet am Rande der Stadt: Arrangierte Ehen, schüchterne Annäherung und erste Verliebtheit junger Menschen, Ehebruch, Beziehungen zwischen Nachbarn, Männer, die in ihrer Freizeit an Hahnenkämpfen teilnehmen, Tauben-Toto spielen und Wildschweine jagen, arme und reiche Familien und deren Umgang miteinander. Das magisch-mystische Element bzw. die Geschichte der Tigermänner in Margios Familie nimmt einen vergleichsweisen kleinen Raum ein, ist aber trotzdem entscheidend für diese bizarre Geschichte.

Insgesamt schafft es der Autor, eine wirklich interessante, komplexe Geschichte auf nur 225 Seiten zu erzählen. Trotz der Kürze habe ich die Protagonist:innen und die Umgebung, in der „Tigermann“ spielt, sehr lebendig vor meinen Augen. Es ist eine ungewöhnliche Geschichte, die die verheerenden Auswirkungen von Gewalt innerhalb einer Familie auf einzelne Mitglieder zeigt. Das mythische Element hätte für meinen Geschmack noch weiter in den Mittelpunkt rücken können. 

Kommentare: 3
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Cover des Buches Alle Farben Rot (ISBN: 9783548288451)Leseratte87s avatar

Rezension zu "Alle Farben Rot" von Laksmi Pamuntjak

Alle Farben rot
Leseratte87vor 5 Jahren

Als Sudarminto und Nuniek ihr erstes Kind bekommen, weiß Sudarminto, dass er das Schicksal herausfordert, indem er  das  Mädchen Amba nennt. Im hinduistischen Epos Mahabharata ist Amba eine Königstochter, die dem König Salwa versprochen ist, später jedoch vom Krieger Bhisma entführt und am Ende von beiden verstoßen wird. Und tatsächlich gerät auch die Protagonistin dieses Buches in solch eine Situation. Dem Lehrer Salwa versprochen, lernt sie später den Arzt Bhisma kennen und lieben. Doch das Land ist von politischen Unruhen gezeichnet, die immer gewalttätiger werden. Und auch die Stadt, in der Amba und Bhisma leben, ist immer stärker betroffen und es dauert nicht lange, bis die Situation eskaliert.


Laksmi Pamuntjaks Debütroman ist ein spannendes Buch über die politische Vergangenheit Indonesiens. Gekonnt verbindet sie die traditionelle Dichtung, das Mahabharata, mit den Geschehnissen des Bürgerkrieges. Ich hab das Buch jetzt zum zweiten Mal gelesen, da ich beim ersten Mal nur bis zur Hälfte kam. In manchen Abschnitten liegt ein bisschen viel Pathos, wie ich finde, was einzelne Dialoge fast ein bisschen schwülstig macht. Und die vielen Abkürzungen der politischen Organisationen/ Parteien fand ich persönlich mitunter verwirrend. Es ist auf jeden Fall kein Buch, das man einfach mal so zwischendurch liest. Trotzdem begeistert das Buch, weil es die Zerrissenheit des Landes und der Menschen so deutlich macht und weil Amba mit ihrem Wunsch nach Bildung und Eigenständigkeit als Charakter heraus sticht. 

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Cover des Buches Tigermann (ISBN: 9783940527929)

Rezension zu "Tigermann" von Eka Kurniawan

Elegant erzählt: ein Ausflug in die Exotik Indonesiens
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Eka Kurniawan, einer der stimmgewaltigsten Erzähler Indonesiens, entführt den Leser in die exotische Welt seines Landes. Genauer gesagt, in einen kleinen, dörflich geprägten Vorort einer Stadt an der südlichen Küste der Insel Java, wo jeder jeden kennt.

Der Inhalt
Eka Kurniawan steigt direkt in die Erzählung ein, die mit einem brutalen Mord beginnt. Täter ist der erst 20jährige Margio, der als von allen geschätzter Treiber bei der Wildschweinjagd arbeitet. Er hat überraschenderweise seinen Nachbarn getötet – durch einen Biss in die Kehle. Als er für diese Tat zur Rede gestellt wird, rechtfertigt er sich mit den Worten: „Nicht ich habe ihn getötet. Es gibt einen Tiger in meinem Körper“.

Eka Kurniawan schildert die Hintergründe der Tat. Das Werk kreist um schwierige Verhältnisse in der Familie ebenso wie um die Beziehungen zwischen den Nachbarn im dörflichen Indonesien und die Unsicherheiten, die mit der ersten Liebe verbunden sind. Auf weniger als 250 Seiten zeichnet der Autor ein dichtes Bild der sozialen Struktur in dieser Gesellschaft und eine präzise psychologische Darstellung des Hauptcharakters. Zugleich bringt er mit dem im südostasiatischen Raum verbreiteten Tigermythos ein magisches Element in sein Werk ein. Dabei zeichnet sich Eka Kurniawan durch einen äußerst eleganten Erzählstil sowie eine meisterhafte psychologische Betrachtung und Deutung der Handlung seines Protagonisten aus.

Mein Fazit
„Tigermann“ ist eine der beeindruckendsten Neuerscheinungen der asiatischen Literatur des Jahres 2015. Eka Kurniawan vermag es meisterhaft, Leser in die Mythologie der Inselwelt Indonesiens zu entführen.


Autor der Rezension: Harry Pfliegl

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