Martina Rosenberg Anklage: Sterbehilfe

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Inhaltsangabe zu „Anklage: Sterbehilfe“ von Martina Rosenberg

Leben um jeden Preis?Juni 2012. Das Gericht verurteilt einen 26-jährigen Mann zu drei Jahren Gefängnis. Er tötete seine Mutter, die seit sieben Jahren im Wachkoma in einem Pflegeheim lag. Ein Drama, das so nicht hätte passieren dürfen. Im Stich gelassen von Gesellschaft und Politik, traf der Sohn eine unwiderrufliche Entscheidung. Wie konnte es dazu kommen? Martina Rosenberg erzählt die authentische Geschichte eines Sohnes, der dem Leiden seiner Mutter nicht mehr tatenlos zusehen konnte – und sie stellt die Frage: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die mitfühlende Angehörige zu Straftätern macht?

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    Anklage: Sterbehilfe
    Buecher-Liebe-de

    Buecher-Liebe-de

    02. June 2017 um 18:07

    Inhalt Juni 2012. Das Gericht verurteilt einen 26-jährigen Mann zu drei Jahren Gefängnis. Er tötete seine Mutter, die seit sieben Jahren im Wachkoma in einem Pflegeheim lag. Ein Drama, das so nicht hätte passieren dürfen. Im Stich gelassen von der Gesellschaft und von der Politik, traf der Sohn eine unwiderrufliche Entscheidung. Wie konnte es dazu kommen? Martina Rosenberg erzählt die authentische Geschichte eines Sohnes, der dem Leiden seiner Mutter nicht mehr tatenlos zusehen konnte – und sie stellt die Frage: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die mitfühlende Angehörige zu Straftätern macht? Meine Meinung Sterbehilfe ist ein empfindliches Thema, mit dem man sich nicht gerne beschäftigt. So unangenehm dieses Thema aber auch sein mag, dieses Buch macht deutlich, wie wichtig es für JEDEN ist, sich damit einmal ernsthaft auseinander zu setzen. Das Buch handelt von Jan, der seine Mutter von ihrem Leiden erlösen wollte und dafür drei Jahre im Gefängnis verbringen musste. Es geht hier nicht um die harten Fakten, sondern um Schicksale am Beispiele einer Familie. Jan’s Mutter war eine aktive Frau, deren Leben von einem Moment auf den anderen vorbei war, was niemand hat kommen sehen. Dieses Schicksal zeigt ganz klar, dass man keine langjährige Krankheit haben, um zu einem Pflegefall zu werden; es kann uns alle treffen – jederzeit! Solche Schicksalsschläge zerstören nicht nur das Leben einer einzelnen Person, sondern ebenfalls das Leben der Familie. Jan’s Mutter hat sich nie ernsthaft mit dem Fall der Fälle beschäftigt, hätte sie dies getan, wäre Jan sicher niemals im Gefängnis gelandet und auch hinsichtlich ihres Mannes wären viele Probleme gar nicht erst erstanden. Fazit Ein sehr bewegendes Buch, das man wirklich einmal gelesen haben sollte und das man als Anstoß nehmen sollte, vorzusorgen. Es ist definitiv kein Buch, das man einfach liest, in den Schrank stellt und einfach vergisst.

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  • Das Leben am Limit - sterbenswert?

    Anklage: Sterbehilfe
    klaudia96

    klaudia96

    15. January 2016 um 12:24

    Inhalt Im Juni 2012 verurteilt ein deutsches Gericht einen jungen Mann, der seine Mutter getötet hat. Jahrelang lag sie im Pflegeheim, nachdem sie bei einem schweren Unfall eine Schädel-Hirn-Verletzung davongetragen hat. Alle in der Familie und im Bekanntenkreis sind sich sicher: Katharina hätte so nicht leben wollen, nicht als Pflegefall, nicht im Wachkoma. Jan, der Angeklagte, fühlte sich von allen im Stich gelassen – von den Gesetzen, der Bürokratie, der Politik und der Gesellschaft. Was hat ihn zu dieser unwiderruflichen Tat bewegt? Und könnte diese sogar gerechtfertigt sein? Meine Bewertung Das äußerst aufrüttelnde Buch “Anklage: Sterbehilfe – Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern?” beschäftigt sich mit einem der Themen, die in Deutschland hin und wieder sehr kontrovers diskutiert werden. Die Meinungen sind gespalten, doch Martina Rosenberg maßt sich nicht an, hier dem Leser eine eindeutige Meinung zum Thema vorzugeben. Ihr Bericht, der zwischen eigenen Empfindungen und der Erzählung von Jans und Katharinas Leben hin und her schwenkt, ist hingegen voller Fragen, die schon im Titel beginnen. Fragen, wie es dazu kommen konnte, dass ein junger Mann seine eigene Mutter tötet und dann ins Gefängnis kommt. Fragen, wieso er sich so vom Gesetz und den Beratern allein gelassen fühlte. Fragen, ob man in diesem Fall von Schuld sprechen kann. Als Jurastudentin, die sich auch privat für dieses Thema interessiert, hat mich der Fall schon vor einigen Jahren neugierig gemacht. Der Einblick in Jans Seele, die er der Autorin offenbart, in seine Vergangenheit und seine Hilflosigkeit, reizte mich schließlich sehr. Dieses Buch war somit eine gute Lektüre, leicht zu lesen und noch dazu sehr schnell, aber geblieben sind die Überlegungen, das Nachdenken, das Martina Rosenberg mit ihrer sehr persönlichen Schilderung des tragischen Falls anregt. Dass die Tat, wie sie ausgeführt wurde, rechtlich und menschlich untragbar ist, sollte jedem klar sein. Doch tatsächlich tun sich in diesem Buch auch die Fragen auf, die den Leser nicht mehr loslassen: Was würde ich wollen, wenn ich in so eine ausweglose Situation käme – als Angehöriger und als Patient? Hier pocht die Autorin – zurecht, wie ich finde – auf eine Patientenerklärung, die als Vorsorge gilt, und es den Angehörigen im Zweifelsfall leichter macht, das Sterben oder Leben durchzusetzen. Obwohl das Buch zum Teil sehr nüchtern geschrieben ist, ohne großes Trara und riesige Ausführungen, erhält man einen guten Einblick in die Familienstrukturen des Täters und auch in die Schwierigkeiten, die solch ein Unfall nach sich zieht. Lange bürokratische Prozesse, wenig Unterstützung von Experten, Pflegepersonal, das sich bei der Beratung quer stellt und mit dem erhobenen Zeigefinger droht. Mich hat das Thema sehr getroffen, und auch Martina Rosenbergs Überlegungen dazu, in denen sie aufzeigt, wie sehr man die Familie in diesem Fall auch im Stich gelassen hat. Das fängt beim behandelnden Arzt an und hört bei der Betreuerin auf, die Katharina schließlich zugeteilt bekommt, als ihr Ehemann es nach einen Burn-Out nicht mehr schafft, sich um ihre rechtlichen Angelegenheiten zu kümmern. Dass das Wohl des Patienten und Katharinas Wille hier nicht im Vordergrund standen, ist glasklar. Insgesamt hat mich das Buch sehr nachdenklich gestimmt. Dass es einen wahren Fall schildert, der nach einer kurzen Internet-Recherche für jeden zugänglich ist, macht es umso realer und greifbarer, und gibt Einblicke in das Leben der Betroffenen, die etliche Reporter nicht bekamen. Martina Rosenberg, die ihre Mutter selbst jahrelang gepflegt hat,  geht mit dem Thema sehr sensibel um, und lässt dem Leser auch die Wahl, wie er Jan unds seinen Fall wahrnimmt. Dass er eine moralisch falsche Tat begangen hat, lässt sich zwar nicht bestreiten, aber inwiefern man ihn dafür verurteilt, liegt beim Leser selbst. Daher würde ich jedem, der sich für das Thema interessiert und einen konkreten Fall kennenlernen möchte, dieses Buch ans Herz legen.

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  • Leben um jedem Preis?

    Anklage: Sterbehilfe
    Saphir610

    Saphir610

    Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern? Das ist die Frage des Buches und ich denke, in gewissem Maß auf jeden Fall. Anhand des Falles eines jungen Mannes, der 2012 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wird, weil er seine Mutter nach sieben Jahren Wachkoma tötete. Die Autorin traf sich mit dem jungen Mann, Jan, der nach vielen Jahren des Leids dieses beendet hat. Der Leser erfährt über Jans Kindheit und das Leben seiner Mutter und wie es zu dem Unfall von Jans Mutter, Katharina, kam. Mit einfachen Worten wird das Drama, das dann folgt erzählt. Die Belastung der Angehörigen, emotional und finanziell. Wie allein gelassen der Ehemann und der Sohn sind. Es wird ein Weg gesucht, Katharina zu "befreien", doch sie werden einfach abgespeist, die Heimleitung mauert, der Arzt ist einfach nicht zu sprechen und der gerichtliche Weg wäre lang und kostet wieder Geld, was nicht mehr da ist. Somit nimm Jan das Ganze irgendwann selber in die Hand. Sehr, sehr verständlich ist diese Tat, finde ich. Und auf jeden Fall wäre das alles vermeidbar gewesen, wenn für solche Patienten und deren Angehörige Unterstützung und Hilfe vorhanden wäre. Auch gerade im medizinischen Bereich, denn über sieben Jahre im Wachkoma, mit künstlicher Beatmung und Ernährung und verkrampft, gelähmten Gliedmaßen ohne irgendeine Aussicht auf Besserung muss doch niemand weiter künstlich am Leben gehalten werden. Ein wichtiges, eindringliches Buch, was ohne großartigen Worte auskommt. Es reicht die einfache Schilderung der Geschehnisse und Nachfragen der Autorin um sich beim Lesen ebenso machtlos und ratlos zu fühlen wie Jan und sein Stiefvater. In diesem Bereich muss sich in Deutschland ganz dringend was ändern. Ein gutes Vorbild wären da die Niederlande.

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  • Macht nachdenklich

    Anklage: Sterbehilfe
    aftersunblau

    aftersunblau

    26. May 2015 um 17:28

    In ihrem Buch "Anklage Sterbehilfe" erzählt die Autorin die bewegende Geschichte von Jan und dessen Mutter, die ihren Sohn nach dem Tod des Vaters zunächst allein erzieht, bevor sie wieder heiratet. Katharina ist eine lebenslustige Frau als sie mit 40 bei einem Reitunfall eine schwere Hirnschädigung erleidet und ins Wachkoma fällt. Nach der Reha ist sie austherapiert und wird in ein Pflegeheim verlegt. Neben der emotionalen Belastung kommen erhebliche Kosten auf ihren Mann zu und dem Ehemann droht der finanzielle Ruin. Jans Leidensdruck wird immer größer und er flüchtet sich gelegentlich in Alkohol und Drogen um zu vergessen. Acht lange Jahre ändert sich nichts an Katharinas Zustand und die Familie kann die Qualen die sie erleidet kaum noch ertragen. Da die Klinik es ablehnt Sterbehilfe zu leisten reift in Jan der Plan seine Mutter zu erlösen. Er weiß genau das er dafür ins Gefängnis kommt und dennoch setzt er seinen Plan in die Tat um und erstickt seine Mutter. Das Buch liest sich nicht wie ein trockenes Sachbuch, eher wie ein Drama. Das es genau so vielfach auf der Welt geschieht macht sehr nachdenklich und man fragt sich ob die Gesetze in Deutschland so wirklich gerecht sind. Ich bewundere Jan für seine Tat, das er den Mut gefunden hat seine Mutter zu erlösen. Warum darf in Deutschland keine Sterbehilfe geleistet werden wenn klar feststeht das der Betroffene auf keinen Fall so hätte leben wollen? Dafür müsste man zunächst erst einmal genau definieren wann Leben beginnt und wo es endet. Ist ein dahin vegetieren noch Leben nur weil noch Blut durch die Adern fließt? Meines Erachtens nach Nein. Die Regelung der Niederlande, das es ausschlaggebend ist ob ein Leben menschenwürdig ist, ist da menschlicher, auch wenn es einen Akt der Gnade beinhaltet. In Deutschland ist es ein Krieg mit der Bürokratie, Hilfe ist jedoch in weiter Ferne. Wie können Außenstehende die so etwas nie durchlitten haben über andere richten? Bei Katharina sind die Besuche von Freunden und Bekannten schnell ausgeblieben weil sie eh nichts mitbekommen hat. Wie können solche Menschen dann über den Mann und den Sohn urteilen? Mit sehr viel Einfühlungsvermögen hat die Autorin Jan im Gefängnis befragt und seine authentische Geschichte nieder geschrieben. Danke dafür, es regt hoffentlich die Menschen zum nachdenken an und kann etwas in Bezug auf deutsche Gesetze bewegen.

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  • Dieses Buch stimmt nachdenklich

    Anklage: Sterbehilfe
    Athene

    Athene

    17. April 2015 um 21:20

    INHALT: 2012 wird ein junger Mann zu einer 3 jährigen Haftstrafe verurteilt. Warum? Weil er seine Mutter nach über 8 Jahren Wachkoma erlöst hat. Allein gelassen von Ärzten, Pflegepersonal, Krankenkassen, Gesetzen und Politik traf dieser Mann eine mutige (aber umstrittene) Entscheidung. Wie kam es dazu? Und was lief falsch? FAZIT: Nach dem Buch "Mutter, wann stirbst du endlich?" (http://kleeblatts-buecherblog.blogspot.de/2014/01/martina-rosenberg-mutter-wann-stirbst.html) ist dies das zweite Buch der Autorin, was sich mit der Problematik rund um zu pflegende Angehörige beschäftigt. Am Anfang dieses Buches tat ich mich allerdings schwer, da die persönliche Geschichte von Jan meiner Meinung nach ein wenig zu lang geraten ist. Dies dient allerdings dazu, Jan und seine Familie und wie es dazu kam, kennen zu lernen. Beide Titel sind reißerisch, so dass man schiefe Seitenblicke erntet, wenn man von den Büchern und den Inhalten redet. Aber warum ist Pflege und der Tod ein Tabuthema? Meist können nur akut Betroffene dieses nachvollziehen - selbst von entfernten Verwandten erntet man Verständnislosigkeit-. Ärzte, Pflegepersonal, Krankenkassen und Behörden leiden an akutem Personalmangel und haben oft nicht die Zeit aufzuklären und zu beraten. Die Gesetzgebung gibt nahezu unüberwindbare Hindernisse auf. Dieses Buch zeigt an dem Beispiel des jungen Jan und seiner Mutter auf, dass es jeden treffen kann. Dieses Buch ist nicht nur für diejenigen, die sich für Sterbehilfe interessieren. Es ist auch vielmehr ein mahnendes Beispiel dafür, was alles schief gehen kann, wenn jemand zum Pflegefall wird und nicht ausreichend Vorsorge durch Patientenverfügungen, Vollmachten, Versicherungen etc. getroffen hat. Familienmitglieder sind häufig ohnmächtig gegenüber den Verwaltungsapparaten und wissen nicht, welche Rechte und Pflichten sie haben. Dieses Buch stimmt nachdenklich. Dieses Buch lässt einen überlegen, ob man selbst alles geregelt hat. Dieses Buch kann überforderten Angehörigen Mut zum Handeln geben. 4,5 von 5 Punkten, da der Schreibstil trotz des schwierigen Themas gut zu lesen war und es ein Thema anspricht, was viel mehr publik gemacht werden sollte. http://kleeblatts-buecherblog.blogspot.de/2015/04/martina-rosenberg-anklage-sterbehilfe.html

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  • ein wichtiges Thema

    Anklage: Sterbehilfe
    sternthaler75

    sternthaler75

    17. March 2015 um 14:54

    Martina Rosenberg fragt sich: Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern? Sie berichtet dazu die Geschichte eines jungen Mannes. Jan, 26 Jahre alt, ist seit 3 Jahren inhaftiert, weil er das Leiden seiner Mutter beendet hat. Jahrelang hat er mitgelitten, seitdem sie bei einem Reitunfall im Urlaub ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat und von da an im sogenannten Wachkoma lag. Die Geschichte ist authentisch und die Autorin hat sich sehr genau mit diesem Thema auseinander gesetzt, denn sie hat selbst Angehörige gepflegt. Meine Meinung Sterbehilfe, immer wieder ein aufrührendes Thema, das zu Diskussionen anregt. In einigen Ländern haben Betroffene die Möglichkeit, ihr Leben zu beenden, wenn sie selbst dazu in der Lage sind. In diesem Fall aber ist das anders: Katharina liegt im Wachkoma, sie selbst kann nichts dafür tun, einen Abschluss zu finden. Und eine Patientenverfügung hat sie nicht angelegt, obwohl sie als Krankenschwester vielleicht näher am Thema stand und keinesfalls so enden wollte, wie sie verbal häufig geäußert hat. Ein Thema, das mich sehr neugierig gemacht und berührt hat. Zu lesen, wie hilflos Angehörige sind, wenn im Vorfeld nichts festgehalten wurde. Die Steine, die ihnen im Weg liegen, egal, ob es um Behördengänge, Formulare, Anträge oder Unterbringung in geeigneten Einrichtungen geht, sind schier unüberwindbar, wenn man keine Unterstützung erhält. Und die ließ hier scheinbar sehr zu wünschen übrig. Das ging mir sehr nahe, denn es zeigt einmal mehr, wie schnell sich ein Leben ändern kann. Zitate wie "In unserem Heim stirbt keiner" (siehe Seite 166) oder "Uns geht es nur um das Wohl der Patienten" (siehe Seite 166) haben mich erschüttert. Das Wohl des Patienten kann es doch wohl nicht sein, wenn man 7 Jahre lange vor sich hinliegt, Schläuche jeglicher Art in sämtlichen Körperöffnungen liegen hat, abgesaugt werden muss, um nicht am Schleim zu ersticken, und über eine Sonde ernährt wird. Wer will das? Also ich nicht! Es ist sicher sehr schwierig, sich hier ein Urteil zu bilden, das steht mir garnicht zu, aber Frau Rosenberg hat meinen Respekt, sich dieser Geschichte anzunehmen. Den Schreibstil finde ich sehr angenehm zu lesen, der Text ist auch für Laien gut verständlich. Die Autorin hat zu diesem Thema gründlich recherchiert, und beschreibt ausführlich jeden ihrer Schritte und lässt den Leser auch an ihren Überlegungen teilhaben. Um Jan näher kennen zu lernen, beginnt die Geschichte schon in seiner Kindheit, die nicht besonders leicht war, denn seine Mutter war alleinerziehend, hatte nicht immer Zeit für ihren Sohn und es gab immer wieder schwierige Situationen im Leben der beiden. Am Ende des Buches gibt es jede Menge Verweise und Internetlinks zu Formularen im Bereich Patientenverfügung, Einrichtungen, und rechtliche Hinweise und Unterstützungen, die sich allesamt mit dem Thema Sterbehilfe auseinander setzen. Unterm Strich Auch wenn es ein schwieriges Thema ist, muss darüber geredet und gehandelt werden. Das zeigt dieses Buch sehr deutlich.

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  • Wer hat das Recht, über fremdes Leben zu entscheiden?

    Anklage: Sterbehilfe
    Iudas

    Iudas

    17. March 2015 um 02:05

    Es war ein Fall, der 2012 durch die Medien ging: ein junger Mann wurde angeklagt, seine Mutter, die nach einem Reitunfall seit sieben Jahren im Wachkoma lag, getötet zu haben. Er dagegen wollte sie von ihrem Leiden erlösen und sah sich von Behörden und Ärzten in seinen Wünschen (stellvertretend für seine Mutter) nicht verstanden und behindert. Doch war es nun Mord oder doch längst überflüssige Leidenserlösung? Es war ein Fall, dessen innewohnendes menschliches Leid und dessen Tragik jemand, der damit nie konfrontiert wurde, nicht nachvollziehen kann. Martina Rosenberg, Journalistin, dagegen kann aus eigener Erfahrung sprechen; sie selbst war pflegende Angehörige und ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus der Pflege und mit der Pflegesituation in Deutschland stellte sie in ihrem vor drei Jahren veröffentlichten Buch »Mutter, wann stirbst du endlich?« (Blanvalet) vor. Nun erschien vor einigen Wochen ihr zweites Buch zum Thema: »Anklage: Sterbehilfe. Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern?« (Blanvalet) heißt es und es dreht sich um den 26-jährigen Jan und seine Mutter Katharina. Dabei will Rosenberg auch den Versuch unternehmen, die Rechtslage zu beleuchten, ethische und soziale Standpunkte zu finden, dabei auch die wissenschaftlich-medizinische Seite nicht zu kurz kommen zu lassen, um eine Positionierung zum Thema Sterbehilfe zu etablieren. Ernsthafte Wissenschaftlichkeit und nüchterne, objektive Darstellungen eines so heiklen Themas sucht man allerdings vergebens. Zwar bemüht Rosenberg, wie sie immer wieder gern betont, für Studien und Informationen die Internetsuche und listet dann ihre Fundergebnisse zu Sterbebegleitorganisationen wie EXIT oder den verschiedenen Formen von Komata auf, aber das ist in aller Konsequenz immer subjektiv gefärbt. Es menschelt doch sehr im Buch. Mag man bei einem so tragischen Problem vielleicht noch verstehen, aber dann doch bitte trotz allem objektiv. Und diese Objektivität kann Rosenberg nicht immer durchsetzen. Sie läßt sich zu stark von ihren eigenen Emotionen lenken und läßt das den Leser auch zu deutlich wissen. Ein Absatz aus dem Buch ist prädestiniert, das zu illustrieren: während fast das gesamte Umfeld Jans (selbst eine recht positive Figur) durchweg als liebenswert, aber vom Schicksal gebeutelt, dargestellt werden, wird die Mutter Katharinas auf etwa anderthalb Seiten abgehandelt. »Wir unterhalten uns fast zwei Stunden. Am Ende bin ich sehr betroffen.« (S. 56) Was der Leser von den zwei Stunden Gespräch als runtergedampfte Quintessenz erfährt, sind marginale Buchteile, kurz angerissene Probleme. Die knappe Darstellung einer prinzipientreuen und offensichtlich distanzierten Frau. Was dann am Ende dieses Absatzes aber folgt, ist stellvertretend für den Duktus im gesamten Buch: »Ich mache mich mit meinem Wagen auf den Weg ins Hotel. Nach einigen Minuten halte ich es nicht mehr aus. Ich fahre rechts ran und steige aus, öffne die Hintertür. Mein Hund […] springt mir aufgeregt entgegen. […] [I]ch springe zu ihm auf den Rücksitz, stecke meine Nase tief in sein Fell und drücke ihn fest an mich. Er gibt mir das, was ich im Haus von Jans Großmutter vermisst habe – Wärme und Geborgenheit.« (S. 57) Nackenschlag für Katharinas Mutter und unnütze Passage für den Leser. Der ein oder andere mag’s wohl menschlich, emotional, zu Tränen rührend finden, aber das ist es nicht. Es ist der Hang zur Selbstdarstellung. Immer wieder wechselt Rosenberg Schilderungen aus Jans Werdegang mit ihren eigenen Gedanken ab. Mit jedem neuen Kapitel darf man erst einmal ihrer Gedankenwelt zum vorherigen Abschnitt, ihren Gefühlen und den Schilderungen ihres immer wiederkehrenden Ganges zur JVA beiwohnen. Ihr gelingt die Abgrenzung zwischen reiner biographischer Schilderung und des eigenen Lebens nicht. Es wird dem Leser auch nicht immer klar, was Rosenberg mit ihrem Buch nun wirklich erreichen will. Ist es eine biographische Schilderung des Lebens eines jungen Mannes, der an der Situation zerbricht; ist es die romanhafte Erzählung einer wirklich geschehen menschlichen Tragödie oder ist es ein Sachbuch über die Lage der Sterbehilfe und die Beantwortung rechtlicher Fragen? Es will zu vieles auf einmal sein und beißt sich in Bereichen fest, die für das eigentliche Thema irrelevant sind. Seitenlang darf man über die Kindheit und Jugend Jans lesen, man erfährt, wie er auf die schiefe Bahn geraten konnte und von seinem Verhältnis zu seinem Umfeld. Wenngleich man sagen könnte, daß es der menschlichen Note in diesem Fall gut tut, trotzdem vollkommen überdehnt und nicht wichtig. Nach geschlagenen neunzig Seiten – das heißt, knapp bei der Hälfte der Erzählung – kommt man dann endlich zum eigentlichen Geschehen, das Ursache für das Drama war: Katharinas Reitunfall. Und damit zur Problematik, der sich Rosenberg, wie im Titel angekündigt, annehmen wollte. Hier folgen nun auch endlich Kapitel, die das Dilemma von Angehörigen der Komapatienten illustrieren und den Leser ernsthaft auch zum Abwägen der Argumente anregen, wenn die Möglichkeiten der Sterbehilfe vorgestellt werden oder über das Selbstbestimmungsrecht eines Menschen, der nicht mehr in der Lage ist, selbst zu bestimmen, gesprochen wird. Wenige Seiten vor dem Ende des Buches kommt auch endlich die Sprache auf denkbare Hilfsmöglichkeiten für Betroffene und auf die Rechtslage, die an zwei Fallbeispielen kurz umrissen wird. Besser wäre es gewesen, man hätte dem Teil mehr Platz eingeräumt. Leider hebt in meinen Augen auch der Schreibstil das Buch nicht heraus. Er ist zu romantisch, um ein Sachbuch zu sein. Auch wenn Rosenberg Jan interviewte, sind – davon ist auszugehen – viele Sätze und Zitate so nie gefallen sein und werden sinngemäß von ihr wiedergegeben worden sein. Aber in Romanform verpackt. Wäre nicht klar, daß es ein wirkliches Ereignis war, es könnte auch ein schlichter, etwas trauriger Jugendroman sein. Zum Ende finden sich gern vermehrt Wiederholungen, die unangenehm ins Auge fallen. So weiß Rosenberg zum Gefängnisleben folgendes zu sagen: »Ein Luxus, den es nicht überall gibt. Wer das Buch von Jo Bausch Knast gelesen hat, erfährt, dass es durchaus noch Zellen mit drei oder vier Insassen gibt.« (S. 223) Zwei Seiten weiter erfährt man selbiges, mit etwas anderen Worten und dem Zusatz, daß sich das wohl nach Alter des Gebäudes richte, nochmal. Der Eindruck entsteht, daß das Buch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln künstlich optisch verdickt werden sollte, damit es auf die Durchschnittsstärke von zweihundert Seiten kommt. Genau genommen zweihundertneununddreißig und die erreichte man über eine etwas größere Schrift, einem vergrößerten Zeilenabstand, der einen oder anderen leeren Seite vor dem nächsten Kapitel und einem Viertel freien Platzes auf der Seite des neuen Abschnitts. Dieses Buch ist ein kleiner Fingerzeig auf eine Tragödie, die stellvertretend für die vielen anderen stehen mag. Jan und seine Familie waren nicht die ersten und werden nicht die letzten sein, denen das Schicksal einen solchen herben Schlag versetzt und die sich dann in einer seelischen und bürokratischen Sackgasse sehen. Und wenn Rosenberg in ihrer Widmung wünscht, daß Angehörige von todkranken Menschen wieder Mut fassen sollen, so ist das schön zu lesen und ein Anliegen, daß man so nur unterschreiben kann. Aber das Buch bietet weit weniger Zündstoff als ihr vorheriges. Es verspricht vieles, und sei es nur mit der Frage im Untertitel »Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern?«, kann aber nur einige Versprechen erfüllen. Für mich leider kein lohnenswertes, Eindruck hinterlassendes Buch. Ich danke Blanvalet (Randomhouse) für das Rezensionsexemplar.

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