Martina Wied

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Lebenslauf von Martina Wied

Martina Wied, 1882 in Wien geboren, 1957 ebenda gestorben. Mitarbeiterin der Innsbrucker Kulturzeitschrift »Der Brenner«. Nach einem frühen Gedichtband erschien 1936 mit »Rauch über Sanct Florian« ihr erster Roman. 1939 Flucht nach England. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt als Lehrerin und schrieb vier weitere Romane, darunter den monumentalen Bildungsroman »Die Geschichte des reichen Jünglings«. 1947 kehrte sie nach Österreich zurück. 1952 erhielt sie als erste Frau den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. »Das Krähennest« erschien erstmals 1951 im Herder Verlag.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Martina Wied

Cover des Buches Das Asyl zum obdachlosen Geist (ISBN: 9783903184527)

Das Asyl zum obdachlosen Geist

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Erschienen am 26.02.2020
Cover des Buches Das Krähennest (ISBN: 9783990650509)

Das Krähennest

 (1)
Erschienen am 22.02.2021

Neue Rezensionen zu Martina Wied

Cover des Buches Das Krähennest (ISBN: 9783990650509)
Magicsunsets avatar

Rezension zu "Das Krähennest" von Martina Wied

Österreichische Exilliteratur
Magicsunsetvor einem Jahr

„Niemand könnte einsamer sein, als ich es bin, keiner der alten Freunde – soweit sie noch erreichbar wären – kennt meinen Aufenthalt und wer hier mit mir umgeht, weiß nicht, wer ich war, wer ich bin: eine Sprachlehrerin, die ihr Fach leidlich versteht.“ (Zitat Seite 73)


 


Inhalt


Madeleine de la Tour verlässt ihren langjährigen Partner Ernest Mathieu Le Sieutre und gibt ihre erfolgreiche Tätigkeit als Kunsthistorikerin in Paris auf, als sie aus dem von den Nationalsozialisten besetzten Paris nach England flieht. Anders als Ernest ist sie nicht bereit, sich mit den Besatzern zu arrangieren, obwohl sie sich immer wieder fragt, ob es nicht mutiger und wichtiger gewesen wäre, zu bleiben und in Paris Widerstand zu leisten. Als Tochter eines französischen Vaters und einer österreichischen Mutter ist sie in der Lage, in England als Sprachlehrerin zu arbeiten. Aus den zahlreichen Angeboten wählt sie die Télème-Abtei-Schule, ein Londoner Privatinternat, das nun jedoch auf dem weitläufigen Lavendelhof in einer abgeschiedenen, vor den deutschen Bomben sicheren, ländlichen Gegend beheimatet ist. Der liberale Erziehungsstil in Koedukation spricht sie an, doch beginnt sie bald zu erkennen, warum alle hier die Schule nur „Krähennest“ nennen, denn nicht einmal in diesem geschützten Umfeld verläuft das Leben so friedlich, wie Leontes, der Prinzipal, es vorgibt.


 


Thema und Genre


Die Autorin lebte selbst von 1939 bis 1947 im Exil in Großbritannien und war dort als Mittelschullehrerin tätig. Begonnen hat sie diesen Roman 1944, beendet 1948. 1947 lehrt sie nach Österreich zurück, doch erst Ende 1951 findet sich ein Verleger für diesen Roman, in dem es um alle Aspekte eines Lebens im Exil geht, um Entwurzelung, Selbstzweifel und als Gegensatz Anpassung aus Bequemlichkeit geht. „Es ist unser Verhängnis – ist ein Attribut unseres Exils, daß wir immer im Vergangenen leben.“ (Zitat Seite 276).


 


Charaktere


Die Autorin wählt einzelne Figuren, denen sie durch die gesamte Handlung folgt und zeigt an ihnen die steten, zunächst kaum bemerkbaren Veränderungen, im kleinen, geschätzten Bereich der Schule und in der besetzten Großstadt Paris. Es geht um die vielen Formen von menschlichen Beziehungen, die Konflikte zwischen Abhängigkeit, Stillschweigen, Heuchelei, Selbsttäuschung, Enttäuschung, Freundschaft, Liebe und Verrat.


 


Handlung und Schreibstil


Die Autorin wechselt wiederholt zwischen den Erzähl- und Handlungsebenen. Sie wählt unterschiedliche Erzählformen, indem sie die Geschichte teilweise als Briefe, Zeitungsmeldungen, Rundfunkberichte, innere Monologe, Träume erzählt, dann wieder als allwissende Erzählerin berichtet und sogar mit ihren Figuren diskutiert. Die Sprache entspricht der Zeit, in der dieser Roman geschrieben wurde und ich hatte zunächst Mühe, mich in diese ausufernden, teilweise überschäumenden Schilderungen und langatmigen inneren Monologe einzulesen. Doch die Vielfalt der Themen und das weite Spektrum der Fragen im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit dieser Zeit, metaphorisch und direkt, machen diesen Roman zu einer eindrücklichen, interessanten Lektüre, die zum intensiven Nachdenken anregt.


 


Fazit


Dieser lange vergessene Roman wurde 2021 von dem Wiener Verlag Edition Atelier neu herausgegeben und ist ein interessanter, wichtiger Beitrag der österreichischen Exilliteratur, nicht einfach zu lesen, doch es lohnt sich.


 


 

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Cover des Buches Das Asyl zum obdachlosen Geist (ISBN: 9783903184527)
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Rezension zu "Das Asyl zum obdachlosen Geist" von Martina Wied

Die Flucht vor sich selbst
Born_to_readvor 3 Jahren

John Kellingrath stimmt in einem mit seiner Familie überein und zwar, dass er in die Irrenanstalt gehört. Nicht weil er wirklich glaubt geistesgestört zu sein, sondern weil er im normalen Leben nicht zurechtkommt. Er sehnt sich nach einem, wie er es nennt, rechten Leben, will seinen verehrten Kirkegaard ins deutsche Übersetzen. Kurz er wünscht sich einen Elfenbeinturm, ein Zimmer, seine Bücher und reichlich Tabak. Seine Familie widert ihn an, seine Ehefrau erst recht und sich selber ist er gram, dass die nach geistigen Leben strebende Seite seiner, regelmäßig von der sinnlichen verraten wird. So liebt er einerseits seine frühere Geliebte Priska Waißnicht, die Baronin, genannt, fühlt sich aber auch von ihr gestört. Ebenso geht es ihn mit dem Anstaltsleiter, der auch der Erzähler dieser Geschichte ist. Dieser fühlt sich John Kellingrath freundschaftlich verbunden – was auch erwidert wird -, hat er sich doch aus ähnlichen Gründen für ein Leben abseits der Gesellschaft entschieden.

Das Asyl zum obdachlosen Geist erschien bereits 1934 unter dem Titel Kellingrath, als Fortsetzungsroman. Die Handlung spielt 1890, eine Zeit der Umbrüche und einige der sozialen und politischen Ereignisse hat die Autorin mit der Handlung verflochten. Wie sie ohnehin den sozialen Umständen dieser Zeit Rechnung tut.

Die ersten Seiten lasen sich für mich ein wenig sperrig, es dauerte ein etwas, bis ich mich an den Schreibstil der Autorin gewöhnt hatte. Dann jedoch war ich gefangen und habe mit Begeisterung John Kellingraths Ringen mit sich und dem Leben verfolgt, nicht minder spannend ist übrigens die Entwicklung, die der Anstaltsleiter, der Erzähler, macht. Es ist kein fröhliches Buch und die Obdachlosigkeit aller Protagonst!nnen greift wahrlich ans Herz.

Erhellend auch das Nachwort von Evelyne Polt-Heinzel, in dem sie nicht nur über das vorliegende Buch schreibt, sondern auch über die Autorin und ihr Leben berichtet.

Die Autorin: Martina Wied (1882-1957)
Geb. am 10.12.1882 in Wien, gest. am 25.1.1957 ebenda. Martina Weisl, geborene Schnabl, war eine Wiener Lyrikerin, Essayistin, Literaturkritikerin, Erzählerin und Dramenautorin. Bereits als Schülerin veröffentlichte sie ihre Gedichte unter dem Pseudonym Wied in Zeitschriften wie „Simplicissimus“ oder „Jugend“. 1910 heiratete sie den Chemiker Sigmund Weisl. Ab 1912 war sie Mitarbeiterin der Innsbrucker Kulturzeitschrift „Der Brenner“, 1924 bekam sie den Förderungspreis der Stadt Wien. 1936 erschien ihr erster Roman „Rauch über St. Florian“. Von 1939 bis 1947 lebte sie im Exil in Großbritannien, wo sie vier Romane schrieb, die allerdings erst nach ihrer Rückkehr nach Wien veröffentlicht wurden. 1952 erhielt sie als erste Frau den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur.

Fazit: Ein wundervolles Buch!

erschienen im Milena Verlag

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