Marvin Ruppert

 4.3 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Ich mag Regen.

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Ich mag Regen

Ich mag Regen

 (7)
Erschienen am 23.01.2014

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katha_dbnos avatar

Rezension zu "Ich mag Regen" von Marvin Ruppert

Gut zum Überbrücken langweiliger Stunden oder Tage
katha_dbnovor 3 Jahren

Rezension auf Svenjas BookChallenge

Cover

Ich mag das Cover deshalb, weil die Symbolik sehr gut durchdacht ist. Auf den ersten Blick sieht Ich mag Regen nach gepflegtem Pessimismus aus: Schirme sollen ja eigentlich vor Regen schützen und nicht selbst welchen absondern. Eine andere Bedeutung bekommt die Zeichnung allerdings in Zusammenhang mit dem Titel: Marvin Ruppert mag Regen und kann daher jeder noch so deprimierenden Situation etwas Positives abgewinnen. Es stimmt also schon gut auf die Geschichten ein. 


Meine Meinung


Entweder kann man Ich mag Regen häppchenweise lesen, wenn man nach einer gescheiterten Beziehung vielleicht gerade das Gefühl braucht, nicht allein mit dieser Situation zu sein und etwas Aufmunterung braucht (denn offensichtlich geht es noch schlimmer), oder man liest es (so wie ich) in einem Rutsch durch. Möglich ist beides, denn es handelt sich um eine Ansammlung von 21 Kurzgeschichten, wobei "kurz" hier wörtlich und nicht relativ zu verstehen ist, denn einige sind lediglich 3 Seiten lang. Das hat durchaus seine Berechtigung, wie ich finde, denn die Kürze der einzelnen Episoden entspricht damit der kurzen Zeit, die man braucht, um eine Beziehung zu beenden. Gestört hat mich diese Prägnanz nur beim Kapitel "Konglomerat", von dem ich mir gewünscht hätte, es wäre länger. Darin kommt er auf Streittypenkategorien zu sprechen, bei denen er und seine (nun Ex-) Freundin einzelnen Auseinandersetzungen einen Namen zugewiesen haben. Dieser besteht aus Austragungsort und einem Filmfortsetzungstiteln, sodass so schöne Titel zustande kommen wie "Standesamt 2 - Die Kammer des Schreckens". An der Stelle hätte ich wirklich nichts dagegen gehabt, wenn er die einzelnen Szenarien noch etwas ausgeführt hätte. 

Auf jeden Fall sind manche Momente ziemlich skurril, sodass man sich berechtigterweise fragen kann, wie viel davon wahr und wie viel der künstlerischen Imagination entsprungen ist. Ich persönlich bete zu Gott, dass er nicht wirklich so ist, wie er sich in dem Buch präsentiert. Zwar habe ich mich gut amüsiert (besonders die Kommentare in den Fußnoten sind herrlich), aber in der Realität hätte ich wohl hilflos den Kopf geschüttelt oder ihm einen gezielten Schlag auf den Hinterkopf versetzt, weil er sich in manchen Situationen extrem dämlich angestellt hat. 

Neben den Liebesgeschichten aus seinem eigenen Leben gibt es noch einige Kapitel, die sich mit den Beziehungen seiner Freunde und Familie befassen oder auch mal mit seinem Studentenleben. Besonders da habe ich mich angesprochen gefühlt. Nur zu gut kenne ich das Gefühl, dass so ziemlich alles interessanter erscheint, als das Schreiben seiner Diplom (oder in meinem Fall der Bachelor-) Arbeit - selbst Putzen hat da einen gewissen Reiz. Von mir aus hätte es zu dem Thema noch etwas mehr sein können, aber das würde wohl nicht so recht in den Rahmen passen.

Im Wesentlichen dienen die Stories aber hauptsächlich dazu, Marvin Rupperts Gefühl für Sprache und seine Erfahrung als Slam Poet herauszustellen, die man ihm auch deutlich anmerkt. Er mag Wortspiele (darauf weist er auch explizit hin) und bei manchen seiner Sätze muss man etwas um die Ecke denken, um die Doppeldeutigkeit oder Tiefgründigkeit dahinter zu sehen.

Mit dem letzten Kapitel, in dem er auf Woyzeck anspielt bzw. Parallelen zu Büchners Werk zieht (ohne Frage eine Überdramatisierung und deswegen selbstverständlich auch nicht ernst zunehmen), lässt er dann auch noch gekonnt seine Affinität zu Literatur bzw. seine Belesenheit, die man als Verleger und Lektor mitbringt (bzw. mitbringen sollte), durchscheinen. Man erweitert also beim Lesen seinen Horizont. Übrigens habe ich ein neues Fremdwort gelernt: "Paruresis". Wer will, kann es gerne mal googlen - in welchem Zusammenhang das mit einer der Geschichten steht, verschweige ich allerdings aus "Spannungsgründen". 


Lieblingszitat


"Meine Geschichten sind oft wie meine Beziehungen. Schöner Anfang, hässlicher Schluss." (S. 58)


Fazit

Ich mag Regen eignet sich für einen zeitweiligen Ausbruch aus dem (Lese-) Alltag und ist daher perfekt, wenn man in Bus oder Bahn sitzt und die Zeit überbrücken will, ohne dann an der Haltestelle das Dilemma zu haben, dass man an der spannendsten Stelle unterbrochen wird. Die Geschichten sind kurz und knackig und gut dosiert und triefen vor Selbstironie und Hyperbeln. Noch unterhaltsamer wären sie allerdings bei einem Poetry Slam, weil die Wirkung solcher Texte von der entsprechenden Vortragsweise und der Reaktion des Publikums lebt.

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FrolleinJotts avatar

Rezension zu "Ich mag Regen" von Marvin Ruppert

Wunderbare, kleine Kurzgeschichten über die Mysterien der Liebe
FrolleinJottvor 4 Jahren

Inhalt / Klappentext:

In nicht weniger als 137 Prozent der Werke der Weltliteratur muss die Liebe als Thema herhalten - in nur (gerundeten) 0 Prozent geschieht dies auf so humorvolle Weise wie in diesem Buch. Denn in der Liebe gibt es viele Möglichkeiten zu scheitern, und Marvin Rupperts Anti-Held hat sie alle ausprobiert.


Pointiert und subtil komisch lässt Ruppert seinen jungen Anti-Helden am Scheitern anderer teilhaben oder stürzt ihn direkt selbst in die Abgründe erstickter Leidenschaft. Die Widersacher sind vielfältig: hinterhältiger Heuschnupfen, feindselige Kuscheltiere, die fatale Kombination aus Eifersucht und Mario Kart als Trennungskatalysator und immer wieder die eigene Lethargie und Geistesabwesenheit.


Dabei hat der Marburger Lesebühnenautor und Slam-Poet den perfekten Umgang mit dem Scheitern gefunden: Selbstironie und Humor. Ich mag Regen zeigt den wachen Blick eines müden Beobachters auf die Mysterien des Liebesalltags und vereint einundzwanzig clever konstruierte, zum Heulen lustige Kurzgeschichten in einem handlichen Immer-dabei-Buch.

Meine Meinung:

Dieses wunderbare, kleine Büchlein voller kleiner, wunderbarer Kurzgeschichten habe ich beim Indiebookday bei der Mayerschen Buchhandlung gewonnen. Und das war auch sehr gut so, sonst hätte ich es wohl nie entdeckt.

Der Poetry-Slammer Marvin Ruppert erzählt hier "traurige Liebesgeschichten", die aber gar nicht so traurig sind, wie es sich anhört. Ein bißchen zwar schon, aber umso mehr sind sie wirklich witzig und ganz hervorragend geschrieben. Die Sprache macht dieses Buch aus und ich bin gar nicht mehr aus dem Schmunzeln herausgekommen. Da erzählt er vom Verlauf seiner Beziehungen, die irgendwie nie gut ausgehen, von den typischen Gesprächen zwischen Mann und Frau, wo die Frau immer reden will, vor allem über die Beziehung, der Mann aber kaum zuhört, weil er eigentlich gar keinen Bock auf Reden hat. Und von seinen Frauen-Anmach-Versuchen, die meistens daran scheitern, dass er es immer wieder vortrefflich schafft, genau das Falsche zu sagen oder auch mal frei ausspricht, was er gerade denkt, was dann gar nicht gut ankommt. Ganz typische Alltagssituationen werden hier auf's Korn genommen und der Zeitgeist wunderbar karikiert, wenn z.B. die Freunde auf einer Party sich mehr mit ihren Smartphones beschäftigen als miteinander.

Da wird auch mal eine Geschichte rückwärts erzählt und am Ende gibt es sogar noch einen "Bonus-Text"("Wie bei CD's. Witzig." erläutert der Autor dazu in einer Fußzeile.)

So wurde dieses kleine Büchlein auch zu meinem "Immer-dabei-Buch", da ich es in der Handtasche hatte und bei jeder Gelegenheit mal eine Geschichte gelesen habe. Okay, ich habe in Kauf genommen, dass andere Leute im Café mein Dauergrinsen beim Lesen ertragen mußten. Macht aber nix, es hat sich gelohnt :-))

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