Mary Beard

 4,3 Sterne bei 58 Bewertungen

Lebenslauf von Mary Beard

Mary Beard lehrt an der Cambridge University Alte Geschichte. Sie gilt in der angelsächsischen Welt als die bekannteste lebende Althistorikerin und zugleich als eine der streitbarsten. Immer wieder schaltet sie sich in aktuelle Debatten ein. Sie ist Herausgeberin des Bereichs Altertumswissenschaften für das »Times Literary Supplement« sowie Autorin und Moderatorin der berühmten BBC-Serie ›Meet the Romans‹. Für ihre große Geschichte Pompejis erhielt sie 2008 den Wolfson History Prize. Im Juli 2010 wurde Mary Beard zum Fellow of the British Academy gewählt. 2016 erschien bei S. Fischer ihr Welt-Bestseller »SPQR. Die tausendjährige Geschichte Roms«.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Mary Beard

Cover des Buches Frauen und Macht (ISBN: 9783103973990)

Frauen und Macht

 (36)
Erschienen am 08.03.2018
Cover des Buches SPQR - Die tausendjährige Geschichte Roms (ISBN: 9783100022301)

SPQR - Die tausendjährige Geschichte Roms

 (11)
Erschienen am 13.10.2016
Cover des Buches Pompeji (ISBN: 9783596299690)

Pompeji

 (4)
Erschienen am 26.10.2017
Cover des Buches Kleopatras Nase (ISBN: 9783103972177)

Kleopatras Nase

 (4)
Erschienen am 22.06.2017
Cover des Buches Das Lachen im alten Rom (ISBN: 9783805349796)

Das Lachen im alten Rom

 (0)
Erschienen am 01.04.2016
Cover des Buches Das Kolosseum (ISBN: 9783150186114)

Das Kolosseum

 (0)
Erschienen am 01.06.2010
Cover des Buches The Roman Triumph (ISBN: 0674032187)

The Roman Triumph

 (1)
Erschienen am 07.04.2010

Neue Rezensionen zu Mary Beard

Cover des Buches Frauen und Macht (ISBN: 9783103973990)lillywunders avatar

Rezension zu "Frauen und Macht" von Mary Beard

Ein Blick in die Antike, der die Wahrnehmung der Gegenwart schärft
lillywundervor 2 Monaten

Dass Frauen zum Schweigen gebracht und von den Zentren der Macht ferngehalten werden ist nicht nur von vorgestern, sondern hat tausende Jahre Tradition. In Form von zwei kurzen, aber pointierten Essays zeigt die Historikerin Mary Beard wie die heutige Debattenkultur und die Strukturen der Macht mit Blick auf die antiken Griechen und Römer erhellt werden können. 

Denn schon in Homers Odyssee verbietet der junge Telemachos seiner Mutter Penelope den Mund - Frauen haben mit der öffentlichen Rede nichts am Hut, geschweige denn mit Macht und sie solle sich gefälligst um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Mit dieser Einstellung war Telemachos ein Kind seiner Zeit und Mary Beard findet viele weitere Beispiele in der klassischen Literatur. Die Redekunst war nicht nur eine den Männern vorbehaltene Tätigkeit, sondern ein entscheidendes Merkmal von Männlichkeit, Frauen hingegen hatten keinen Anteil an der öffentlichen Rede. Die einzigen Ausnahmen, und das ist interessant, waren Frauen, die als Opfer von Gewalttaten bzw. als Märtyrerin sprechen oder aber Frauen, die für sich und ihre Kinder einstehen - und klar kann man an dieser Stelle mal einen Gedanken daran verschwenden, ob Frauen heutzutage eigentlich eher Familienministerin oder Finanzministerin werden. In der klassischen Welt wurde unsere heutige Rhetorik begründet und die Basis dafür gelegt, was als gut und überzeugend wahrzunehmen ist und was nicht. Und da wundert es kaum, wenn es die tiefen, dunklen Männerstimmen sind, die noch immer als Beleg für Autorität wahrgenommen werden und Frauenstimmen lange Zeit im besten Fall lieblich in die Kindererziehung hineinwirkten, ansonsten aber eher "kreischten" und "zeterten". 

Und auch die frühen Erzählungen von Frauen "an der Macht" wurden eher als Gruselgeschichten erzählt - von den furchterregenden Amazonen bis hin zu Medusa, die auch heute noch als abschreckendes Beispiel in Wahlkämpfen verwendet wird. In den griechischen Mythen müssen mächtige Frauen von Männern um ihre Macht gebracht werden, um die Menschheit vor dem Chaos zu bewahren, das sie anrichten würden. So wurden mit den klassischen Erzählungen die tatsächliche Ausschließung von Frauen aus dem öffentlichen Leben legitimiert und Mary Beard spannt von da aus einen weiten Bogen bis ins 21. Jahrhundert und die kulturelle Einbettung der Exklusion von Frauen. 

Nun stellt sich allerdings die Frage, wie man Traditionen entgegenwirken kann, welche die Menschheit schon seit Jahrtausenden begleiten. Was ist zu tun, damit Frauen heute gehört und ernst genommen werden und einen Unterschied machen können? Mary Beard erachtet es jedenfalls nicht als Lösung, wenn Frauen sich möglichst wie Männer kleiden, eine tiefere Stimme trainieren und alles tun, um möglichst männlich (und damit mächtig) zu wirken. Es kann also nicht darum gehen, Frauen in zutiefst männlich kodierte Machtstrukturen bestmöglich einpassen zu wollen, sondern vielmehr dieser Strukturen zu ändern und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie diese kulturell begründet und konstruiert sind und hierzu will das Buch einen Beitrag leisten.

Insgesamt ein sehr markanter Puzzlestein im Themenfeld gender und Gleichberechtigung, der zwar eher auf Erklärung aus ist als auf Lösung, dafür allerdings durch jahrtausende alte Texte neue Denkanstöße in die Debatte einbringt und die Wahrnehmung von Penelope-Momenten in Meetings, Medien und Politik schärft.

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Cover des Buches Frauen und Macht (ISBN: 9783103973990)Dagi_KnoHas avatar

Rezension zu "Frauen und Macht" von Mary Beard

Jahrtausendelange Unterdrückung erklärt
Dagi_KnoHavor 3 Monaten

Mary Beard erklärt in ihrem äußerst kurzweiligen Buch "Frauen und Macht" in sehr flüssiger Sprache und deutlichen Worte, warum Frauen auch heute noch nicht erhört werden und sich in sogenannten "Machtpositionen" immer noch schwer tun.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, die jeweils auf einen Vortrag der Autorin zurückgehen. Im ersten Teil geht es darum, dass Frauen auch heute noch strukturell zum Schweigen gebracht werden und ihnen das öffentliche Reden abgesprochen wird. Beard führt das bereits auf das Altertum zurück. 

Im zweiten Teil geht es darum, wie sich Frauen in Machtpositionen 1. bringen, 2. dort verhalten und 3. sich dort halten können. Besonders bemerkenswert war dabei der Vergleich wieder mit der griechischen Antike, in der "mächtige" Frauen eigentlich immer gemetzelt wurden. Diese Bilder werden auch heute noch verwendet.

Es ist ein enthusiastischer Aufruf an Frauen, die Stimme zu erheben, ohne jedoch eine männerfeindliche Kampfansage zu sein. Es geht der Autorin nicht darum, Männer zu demontieren, sondern das ganze System der Macht völlig neu zu überdenken. 

Das Buch ist allen Frauen zu empfehlen und allen Männern: Es beleuchtet Mechanismen hinter unserem Tun und versucht zu erklären, dass wir aufgrund unserer kulturellen Lehren nur schwer aus unserer Haut heraus kommen.

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Cover des Buches Frauen und Macht (ISBN: 9783103973990)KateRapps avatar

Rezension zu "Frauen und Macht" von Mary Beard

Die klassischen Wurzeln der Misogynie
KateRappvor 5 Monaten

In diesem kleinen aber schwerwiegenden Buch sind zwei Essays von 2014 und 2017 der englischen Historikern Mary Beard versammelt, in denen sie versucht, die Diskriminierung und Frauenfeindlichkeit in Politik und Öffentlichkeit zu ergründen.

Sie weist auf die weit zurückliegenden Ursprünge in Homers Odyssee hin, wo der junge Telemachos in aller Öffentlichkeit seiner Mutter und der Ehefrau von Odysseus, Penelope, das Wort verbietet und sie zurück an den Herd schickt. Ähnlich sind die Erfahrungen, die Frauen in Führungspositionen auch heute noch nicht selten machen. Je starrer die Hierarchien, je angesehener der Beruf, desto geringer die Bereitschaft, ihnen zuzuhören.

Dass dieses gefürchtete Mansplaning tradierte klassische Wurzeln bei den alten Griechen und Römern hat, die noch immer bemüht werden und unterbewusst weiterwirken, führt zu einem „traditionellen Bündel von Ansichten über die allgemeine Unfähigkeit der Frauen, öffentlich zu reden“, die eine mehr als zweitausendjährige Geschichte haben.

Auch die Überzeugung, dass tiefe Stimme und autoritäres Auftreten Vorraussetzungen der Macht seien, stammt aus der Antike und führte dazu, dass mächtige Frauen sich anpassten und Stimmtraining absolvierten, an ihrer Beurteilung änderte sich nichts. Sollte eine Frau unpopuläre oder kritische Meinungen äußern, wird sie als dumm dargestellt, als jemand, der es nicht besser weiß, selbst wenn ihre Einwände begründet sind.

Frauen, die dennoch an die Macht gelangen, sind brutaler Kritik ausgesetzt, ihre Worte werden trivialisiert oder reprivatisiert, oder sie werden als Monster oder Medusa dargestellt. Drehen sie den Spieß um, werden sie womöglich entlassen, wie eine Komikerin in den USA, die Trumps abgeschlagenen Kopf zeigte, wohingegen Hilary Clintons Kopftrophähe auf Kaffeetassen und Stickern gelandet ist.


Wie tief die Misogynie in der Tradition unserer Gesellschaft verwurzelt ist, ist erschreckend und aufrüttelnd. Daher ist dieses Buch nicht nur ein Anstoß, über die Verteilung von Macht nachzudenken, sondern auch über eine moderne, zeitgemäße und erweiterte Definition davon.

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