Mary Buffett

 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Buffettology, Das Tao des Warren Buffett und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Das Tao des Warren Buffett" von Mary Buffett

"Die Geschichte zeigt, dass der Mensch nichts aus der Geschichte lernt"
R_Mantheyvor einem Jahr

Eigentlich finde ich den Ansatz zu diesem Buch ziemlich grenzwertig: Da lässt einer der erfolgreichsten Anleger dieser Welt ein paar Bemerkungen am Kaffeetisch fallen, die seine Ex-Schwiegertochter und Mister Clark eilfertig notieren. Später werden sie daraus dieses Buch machen und der interessierten Öffentlichkeit nach den entsprechenden Zitaten erklären, was der Investment-Guru mit seinen oft sarkastischen, aber sehr treffenden Aussagen wohl gemeint hat.

Andererseits sind Buffetts Worte so aussagekräftig und auf den Punkt gezielt, dass es ein intellektueller Genuss ist, sie zu lesen. Zu glauben, man könne aus solchen Büchern ableiten, wie Buffett und Munger bei ihren Investments vorgehen, ist allerdings ziemlich naiv, aber gerade deshalb Teil einer gewissen Vergötterungsstrategie durch die Börsenunterhaltungsliteratur, zu der auch dieses Buch gehört. Immerhin heißt es im Untertitel dieses Werkes "Folgen Sie dem besten Anleger der Welt auf dem Weg zum Börsenerfolg". Das ist geradezu lächerlich, wenn man die Investments von Buffett und Munger kennt. Ein Kleinanleger befindet sich weder in der jetzigen Ausgangslage der beiden Herren, noch kennt jemand die tatsächliche Vorgehensweise, zu der nämlich auch ein gewisser Teil gehört, der sich ausschließlich in den Köpfen von Buffett und Munger befindet. Zum Sinn dieses Buches steht in ihm: "Ich wundere mich immer wieder über intelligente Menschen, die unreflektiert etwas nachmachen." (Nr. 43).

Zur Schizophrenie der Börsenliteratur gehört auch Folgendes: Man verehrt Buffett dort als Guru. Gleichzeitig aber findet man in solchen Büchern immer wieder den Hinweis, das eigene Depot so breit wie möglich zu diversifizieren. Dazu Buffett (Nr. 64): "Diversifikation ist eine Vorsichtsmaßnahme gegen Ignoranz. Sie ist nicht nötig für die, die wissen, was sie tun." Buffett diversifiziert nie, sondern macht das genaue Gegenteil (Nr. 67): "Breite Diversifikation ist nur dann nötig, wenn Investoren ihr Handwerk nicht verstehen." Das sitzt. Wie so vieles andere bei Buffett. Nie hat er sich um den Unfug gekümmert, der in den meisten Börsenbüchern steht. Seine Methodik brachte ihn von einem sehr geringem Anfangskapital zu einem unfassbarem Reichtum. Viel falsch gemacht kann er also nicht haben.

Das Buch lohnt sich für alle, die Buffetts Sarkasmus lieben und seine Sprüche gerne lesen. Die den 125 Aussagen nachfolgenden Erklärungen zeigen allerdings auch, dass nicht jeder Buffett intellektuell das Wasser reichen kann. Auch die eigentlich gute Übersetzung stolpert manchmal. Was soll man denn aus "Die einzige Zeit, so etwas zu kaufen, ist an einem Wochentag ohne –tag." machen? Mittwochs kaufen? So war das sicher nicht gemeint. Auch beim Übersetzen schadet Nachdenken nicht.

Meine Bewertung richtet sich nur nach den Buffett-Zitaten. Über die darunter stehenden Texte kann man sicher anderer Meinung sein. Ob es nun an der Übersetzung oder der Unkenntnis der Autoren liegt, ist nicht klar, aber die Aussage "Er kaufte sich bei Berkshire Hathaway ein, als noch niemand den Fond haben wollte" (S. 38) ist Unfug, weil Berkshire Hathaway zu dieser Zeit noch überhaupt kein Fond war, sondern eine Textilbude, die erst von Buffett später zu einem "Fond" gemacht wurde.

Das sind jedoch nur Randbemerkungen. Tatsächlich findet der Leser ein recht gut geschriebenes Buch vor, dessen Erklärungen die ursprünglichen Aussagen Buffetts zwar nicht besser, aber für manche vielleicht verständlicher macht. Buffett selbst ist ein absoluter Außenseiter der Branche, was aber aus welchen Gründen auch immer nicht in den Vordergrund gestellt wird. Man vermittelt gerne den gegenteiligen Eindruck. Wer also Buffett folgen möchte, sollte solche Bücher nicht lesen, denn Buffett würde das auch nicht tun. Das ist die kaum wahrgenommene Komik hinter solchen Texten.

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