Mary Gaitskill

 4 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Das ist Lust, Bad Behavior. Schlechter Umgang und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Mary Gaitskill

Mary Gaitskill, geboren 1955 in Detroit, verdiente ihr Geld als Stripteasetänzerin, Blumenverkäuferin, Sekretärin, Model und Buchhändlerin. Während des Studiums begann sie mit dem Schreiben. Seit ihrem Debüt »Bad Behavior« (1988) lotet sie die Ambiguität menschlicher Gefühle und Beziehungen aus wie sonst kaum jemand. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und war u. a. Finalistin für den National Book Award. Sie lebt in New York. Bei Blumenbar liegt bereits ihr Debüt »Bad Behavior. Schlechter Umgang« vor.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Mary Gaitskill

Cover des Buches Das ist Lust (ISBN: 9783351050825)

Das ist Lust

 (6)
Erschienen am 12.04.2021
Cover des Buches Bad Behavior. Schlechter Umgang (ISBN: 9783351050795)

Bad Behavior. Schlechter Umgang

 (4)
Erschienen am 18.02.2020
Cover des Buches Die Stute (ISBN: 9783608981094)

Die Stute

 (2)
Erschienen am 04.03.2017
Cover des Buches Der verschwundene Kater (ISBN: 9783038200048)

Der verschwundene Kater

 (0)
Erschienen am 12.03.2014
Cover des Buches Veronica (ISBN: 9783351051013)

Veronica

 (0)
Erscheint am 17.05.2022
Cover des Buches Two Girls, Fat and Thin (ISBN: 0684843129)

Two Girls, Fat and Thin

 (1)
Erschienen am 01.02.1998
Cover des Buches Bad Behavior (ISBN: 9781439148877)

Bad Behavior

 (1)
Erschienen am 21.07.2009
Cover des Buches This is Pleasure (ISBN: 9781788165037)

This is Pleasure

 (0)
Erschienen am 01.01.2019

Neue Rezensionen zu Mary Gaitskill

Cover des Buches Das ist Lust (ISBN: 9783351050825)M

Rezension zu "Das ist Lust" von Mary Gaitskill

MeeToo
Maus86vor einem Monat

In dieser Miniatur eines Romans werden wir mit Quin und dessen langjähriger (weitgehend) platonischen Freundin Margot vertraut gemacht. Quin ist so etwas wie ein "Frauenversteher", mit starkem Hang zum Flirten, mitunter auch zu verbalen und körperlichen Übergriffigkeiten gegenüber Frauen. Margot kennt Quin so, hat sich im Laufe der Jahre mit diesem Verhalten arrangiert und legt ihr Augenmerk mittlerweile einfach mehr auf seine positiven Eigenschaften als guter Freund. Doch als Quins Name auf einer Liste mit Männern auftaucht, die der sexuellen Übergriffigkeiten gegenüber Frauen angeklagt werden, kommt auch sie ins grübeln.


Die Geschichte wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden Protagonisten erzählt. Während Margot, auch wenn sie ihren Freund verteidigt, ambivalent ist, wird uns bei Quins Abschnitten sehr deutlich gemacht, wie wenig Schuldbewusstsein es bei ihm gibt. Das beeindruckende an diesem Buch ist für mich, dass mir plausibel gemacht wird, wie es sein kann, dass Männern solche Grenzüberschreitungen passieren, ohne dass sie merken ab welchem Punkt es zu weit geht. Der schmale Grad zwischen Flirt und Belästigung wird von der Autorin gut ausgeleuchtet. Das Bewusstsein dafür, dass die eine Frau klar Grenzen aufzeigen kann (wie Morgot), andere dieses Selbstbewusstsein jedoch nicht haben, fehlt bei der Figur Quin einfach vollständig. Auch der innere Konflikt, den Margot mit sich austrägt, auf der einen Seite als (auch Betroffene) Frau und auf der anderen Seite als Freundin, die ihren langjährigen Gefährten auch für vieles schätzt, ist spannend zu lesen.


Das Buch gibt keine klaren Antworten auf Fragen der Debatte, ist aber ein wertvoller literarischer Beitrag, wie ich finde.

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Cover des Buches Das ist Lust (ISBN: 9783351050825)C

Rezension zu "Das ist Lust" von Mary Gaitskill

Es gibt mindestens zwei Seiten
ckfreevor 3 Monaten

Kein Roman, sondern eine kurze Erzählung. Dennoch ausreichend, um wachzurütteln. Cover und Titel finde ich hingegen nicht so geeignet; sind sie doch recht eindimensional.

Sie handelt von Quin, einem gefeierten Lektor, der sich gern mit Frauen umgibt und so in den Strudel von #MeToo gerät.
Und von Margot, die seit über 20 Jahren mit ihm befreundet ist, obwohl er ihr damals unvermittelt zwischen die Beine griff, was sie jedoch rigoros abwehrte.

Durch abwechselnde Kapitel wird aus beider Sicht die unterschiedliche Wahrnehmung von Vorkommnissen deutlich. Er, der selbst von seiner Frau als "nicht mal ein Weiberheld“ bezeichnet wird, sondern als "ein anzüglicher, übergriffiger, doppelbödiger Spinner“, legt in Gedanken dar, was ihn dazu bewegt, so mit Frauen umzugehen, wie er es tut.
Vielleicht meint er es wirklich so? Vielleicht hat er gar keine Hintergedanken? Oder sind seine verbalen Äußerungen bereits zu viel des Guten?

Margot berichtet eher die Fakten. Ist einerseits böse auf ihn, versucht aber gleichzeitig, ihren Freund zu verstehen und die Frauen, die damals seine Gesellschaft genossen und ihn nun zu Fall bringen wollen. Sie sagte damals entschieden "Nein" und ergreift nun in gewisser Weise Partei: "Sie [Frauen] sollten nicht in die Lage gebracht werden, sich wehren zu müssen." Und gegen Ende konstatiert sie - musste ich mehrfach lesen - : "Ich würde das niemals in der Öffentlichkeit sagen. [...] Frauen sind wie Pferde. Sie wollen geführt werden. Sie wollen geführt, aber auch respektiert werden. Du musst dir immer wieder ihren Respekt verdienen. Und sie sind scheißstark. Wenn du sie nicht respektierst, schmeißen sie dich ab und stolzieren auf der Koppel herum, während du am Boden liegst und blutest."

Der Schreibstil Gaitskills ist sachlich, fast nüchtern. Auf alle Fälle neutral. Und doch gelingt es der Autorin mit sprachlicher Prägnanz (vielleicht liegt es auch an der Übersetzung), für emotionalen Aufruhr zu sorgen. Man wird zwischen den Parteien hin- und her gerissen. Wer ist im Recht, wer im Unrecht? Lässt sich das überhaupt trennen?
Sie wirft Fragen auf, ohne diese konkret zu stellen. Sie gibt ebenso wenig Antworten, sondern überlest deren Findung den Lesern.
Wo beginnt ein Übergriff überhaupt? Mit einem Augenzwinkern? Mit nicht einvernehmlichem Sex? Lässt sich das allgemeingültig festlegen? Wer ist Täter, wer Opfer? Gibt es beide Rollen überhaupt? Ist alles schwarz-weiß?
Nichts scheint mehr klar.
Wir stehen somit bei #MeToo erst am Anfang.

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Cover des Buches Das ist Lust (ISBN: 9783351050825)G

Rezension zu "Das ist Lust" von Mary Gaitskill

Sexuelle Belästigung
Gwhynwhyfarvor 5 Monaten

Der erste Satz: «Ich kannte Quin seit vielleicht fünf Jahren, als er mir diese Geschichte - eigentlich eher eine Anekdote als eine Geschichte über eine Frau erzählte, die er auf der Straße getroffen hatte.»


Der gefeierte Lektor Quin wird durch Vorwürfe von Mitarbeiterinnen öffentlich zu Fall gebracht, da Caitlin den Stein ins Rollen bringt, andere Frauen damit dazu bringt, ebenfalls gegen ihn wegen sexueller Belästigung auszusagen. Margot kennt Quin seit zwanzig Jahren und auch ihr griff er bei einem ihrer ersten Treffen zwischen die Beine. Ein Aufschrei, Abwehrhaltung, STOPP! Ihre Entschlossenheit imponierte ihm - und sie genoss nach wie vor die Aufmerksamkeit des schillernden Salonlöwen, eine Freundschaft entstand. Margot berichtet über Quin, sein übergriffiges Verhalten, erzählt von Situationen im Verlag. Eine Angestellte lud er zum Shoppen ein und befummelte ihre Brüste wegen der Größenauswahl, bevor er ihr ein T-Shirt kaufte. Margots Berichte sind neutral, wirken fast protokollarisch. Quin denkt sich nichts dabei, doch sein Verhalten gegenüber Frauen ist oft inkorrekt – einerseits, andererseits versucht Margot das Handeln des Freundes zu verstehen. 


«Ihre Stimme hat viel mehr Kraft als damals! Sie haben so viel mehr Kraft! Sie sprechen direkt aus der Klitoris!› Und - als wäre es die natürlichste Sache der Welt - fasste er mir zwischen die Beine.»


Die andere Erzählstimme gehört Quin, der völlig perplex den Anschuldigungen entgegensteht. Niemals habe er eine Frau sexuell belästigt oder gar Sex mit ihr gehabt. Im Gegenteil, die Frauen kamen ständig mit ihren Sorgen zu ihm, holten sich Rat. Nie hat sich eine beschwert! M – Q – M – Q ... die Kapitel wechseln wie der Ball in einem Tennismatch. Opfer und Täter haben eine andere Wahrnehmung. Dieser Mann spielt mit Frauen, nutzt seine Machtposition eindeutig aus, bis an die Grenzen und darüber hinaus. Dominanz per Lizenz – weil er ein Mann ist und weil es schon immer so war, Frauen kleinzuhalten. Diese ständig wechselnde Sichtweise zwingt auch den Leser, immer wieder sich auf eine andere Position einzulassen. Patriarchale Machtverhältnisse kippen heute, Opfer trauen sich, ihre Stimme zu erheben. 


«Er war nicht schön, vermittelte aber einen überraschenden Eindruck von Schönheit - bis er unmerklich den Unterkiefer vorschob, seine Lippen leicht öffnete und seine Unterzähnen hervor blitzen. Dann wirkte sein zusammengekniffenes Insektengesicht sonderbar raubtierhafte, so fast als hätte es Mandibeln.»


Quin ist verbal übergriffig. Z.B. befragt er alle Kolleginnen nach ihren Masturbationsfantasien. Enger Körperkontakt, ein Schnüffeln im Haar, ein Streichen über die Schulter, ein kurzes Berühren des Knies, unangemessene Fragen. Margot bestätigt, Quin ist an sich kein schlechter Mensch, sie ist mit ihm befreundet, und doch hat er eine unangenehme Seite für Frauen – für die eine mehr, die andere weniger. Quin selbst betrachtet sich als Charmeur, als Frauenversteher, als Wohltäter für die Frauen, weil er immer behilflich ist und ein offenes Ohr hat für Sorgen. Er stammt aus einer wohlhabenden Familie, hat sich immer in der Oberschicht bewegt, legt ein Verhalten an den Tag, das sich über Jahrhunderte gefestigt hat – wo ist hier das Problem?, überlegt er sich. Er fragt seine Frau, der er erklärt, er habe noch nie Sex außerhalb der Ehe gehabt, er versteht die Aufregung nicht. 


«Du bist nicht mal ein Weiberheld›, sagte sie leise. ‹Nicht einmal das. Du bist ein Spinner. Ein anzüglicher, übergriffiger, doppelbödiger Spinner. Das ist das eigentlich Unerträgliche daran.»


Der Skandal ist gemacht, der schlüpfrige Quin verliert seinen Job. Juristisch kann man ihm wahrscheinlich kein Fehlverhalten vorwerfen. Margot beschreibt taffe Frauen, aber auch die, welche sich unterwürfig alles bieten lassen. Ist hier der Fehler im System? Ist Quinlan M. Saunders ein übergriffiges Monster? Eine Geschichte vor Ambivalenzen. Der Leser wird hin und hergerissen, jeder muss für sich selbst Position beziehen. Mary Gaitskill schreibt erfrischend und eindringlich, hat geschickt dieses Gegenspiel entwickelt, bei dem Margot ihre neutrale Position nie verlässt, beobachtend. Es ist, wie es ist – wir müssen drüber reden ...


«Es ist alles so schrecklich und absurd. Absurd, dass ich bestimmte Dinge getan habe, ja. Absurd aber auch, dass Caitlin eine Stelle hat, die ich ihr verschafft habe, und dass sie mir von dieser Stelle aus Dinge vorwirft, bei denen sie selbst mitgemacht hat. Noch absurder ist, dass man sie dafür ‹mutig› nennt.»


Mary Gaitskill, geboren 1955 in Detroit, verdiente ihr Geld als Stripteasetänzerin, Blumenverkäuferin, Sekretärin, Model und Buchhändlerin. Während des Studiums begann sie mit dem Schreiben. Seit ihrem Debüt »Bad Behavior« (1988) lotet sie die Ambiguität menschlicher Gefühle und Beziehungen aus wie sonst kaum jemand. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und war u. a. Finalistin für den National Book Award. Sie lebt in New York.

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/das-ist-lust-von-mary-gaitskill.html


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