Mary Gaitskill Die Stute: Roman

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Inhaltsangabe zu „Die Stute: Roman“ von Mary Gaitskill

Für zwei Wochen darf die junge Velvet ihren ärmlichen Verhältnissen entfliehen und Ferien in einem ländlichen Vorort machen. In dieser gehobenen Umgebung erregt Velvet sofort Aufmerksamkeit; doch nicht nur ihre Gastmutter, sondern auch ein besonderes Pferd werden ihr Leben nachhaltig verändern. Velvet wohnt mit ihrer alleinerziehenden Mutter ohne Englischkenntnisse und dem jüngeren Bruder in einem Armenviertel New Yorks. Sie ist elf Jahre alt, als sie im Rahmen eines Austauschprogramms ins idyllische Rhinebeck kommt. Velvets dunkle Hautfarbe fällt in dem wohlhabenden, weißen Wohnort sofort auf; zudem eckt das Mädchen mit seinem vorlauten Verhalten überall an. Doch Gastmutter Ginger empfängt Velvet mit offenen Armen. Nach ihrem Aufenthalt bricht der Kontakt zwischen den beiden nicht ab. Aber erst eine menschenscheue Stute lässt Velvet wachsen und begreifen, worauf es im Leben wirklich ankommt.
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  • Interessantes Portrait eines außergewöhnlichen Pferdemädchens

    Die Stute: Roman

    Miramis

    04. April 2017 um 21:03

    Im Rahmen eines Austauschprogramms kommt das Mädchen Velvet aus Brooklyn in einen idyllischen New Yorker Vorort zu Ginger und Paul, die kinderlos sind. Aus einem zweiwöchigen Ferienaufenthalt wird eine jahrelange Verbindung und Velvet lebt fortan in zwei Welten. Ihr trostloses Leben im Armenviertel gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrem jüngeren Bruder steht im krassen Kontrast zum Reichtum der weißen Gastfamilie. Hier ist ein Reitstall in der Nachbarschaft, und fortan bestimmen die Pferde Velvets Leben, vor allem aber eine schwierige, verdorbene Stute, an der ihr Herz hängt. Allen Schwierigkeiten zum Trotz geht Velvet ihren Weg und versucht, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Mary Gaitskill pflegt einen eigenwilligen und anspruchsvollen Schreibstil, der dem Leser einiges abverlangt. Sie erzählt ihre Geschichte ausschließlich aus verschiedenen Ich-Perspektiven, die oft von Seite zu Seite wechseln und jeweils ihren eigenen Sprachstil bekommen, je nachdem welche Figur gerade dran ist. So muss man sich sowohl auf die sehr geschliffene, ausgereifte Sprache einer Künstlerin und eines Professors einstellen, als auch auf eine eher ungelenke, holperige Jugendsprache aus einem bildungsfernen Lebensraum. Ich empfand diesen ständigen Perspektivenwechsel teilweise als recht anstrengend, nichts desto trotz war ich aber auch fasziniert von der Möglichkeit, eine Szene mehrfach aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt zu bekommen. Der Text will also erarbeitet werden und ist auf keinen Fall leichte Unterhaltung. Da sich diese Erzählweise wirklich konsequent durchs ganze Buch zieht, empfand ich an so manchen Stellen durchaus Längen. Inhaltlich begleiten wir die Protagonisten über mehrere Jahre und verfolgen ihre Entwicklung. Durch die Ich-Perspektive besteht eine große Nähe zu den Figuren; der Schwerpunkt der Erzählung liegt auf ihrem inneren Erleben und ihren Gefühlen. Hauptsächlich kommen dabei Ginger, die weiße Pflegemutter, und Velvet, das dunkelhäutige Mädchen aus Brooklyn zur Sprache. Der Kontrast zwischen ihnen scheint unüberwindbar, und da man als LeserIn ihre innersten Gedanken kennt, weiß man auch, wie weit die beiden tatsächlich voneinander entfernt sind, wie verschieden im Denken. Dennoch, es besteht ein inniges Band zwischen den beiden, das sich bis zum Schluß nicht ganz erklären lässt. Bei Ginger scheint es eine Art Obsession sein, ein Ausgleich ihrer Kinderlosigkeit und ein Verarbeiten eines Verlustes, nämlich den ihrer jüngeren Schwester, die sie zu Velvet hinzieht. Velvet dagegen scheint vor allem von den Pferde angezogen zu sein, und scheint Ginger bisweilen als Mittel zum Zweck zu benutzen. Velvets Beziehung zu den Pferden fand ich sehr faszinierend, da sie rein gefühlsmäßig agiert und fast ausschließlich intuitiv mit den Tieren umgeht. Insofern waren die Pferdeszenen tatsächlich meine Lieblingsszenen, weil sie funktionieren. Ebenfalls sehr gut hinbekommen hat die Autorin die Entwicklung vom Kind zur jungen Frau; das innere Erleben der Pubertät, die Verwirrung über die eigene Veränderung, die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, das alles ist sehr eindringlich dargestellt. In Kombination mit dem harten Leben im Armenviertel, mit einer Mutter die sie ständig schlägt und kaum Nestwärme bieten kann, fand ich es sehr erschütternd zu verfolgen, wie Velvet sich dabei fühlt. Aber genau wie sie sich weiterentwickelt und reift, wächst auch die Beziehung zu "ihrem" Pferd, der verdorbenen Stute, die sie am Anfang nicht mal anfassen, am Ende aber sogar im Springparcours reiten darf. Hier hat die Autorin ganz bewusst Parallelen zwischen Mensch und Tier anklingen lassen, was für mich stimmig war. Ich empfehle das Buch gerne weiter an LeserInnen anspruchsvoller Lektüre, die mit mehreren Ich-Perspektive zurecht kommen und sich auch an einer paar Längen im Text nicht stören. Wer Freude an psychologisch ausgerichteten Romanen hat und auch ein wenig pferde-affin ist, wird bestimmt nicht enttäuscht.

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