Was ist auf Sark geschehen? Eine Tragödie, ein Mord oder vielleicht doch nur ein böser Kinderstreich? Diese Frage beschäftigt die Bewohner der Insel, nachdem nahe der Küste ein ordentlich gefaltetes Kleiderbündel gefunden wird. Niemand scheint das verschwundene Paar zu kennen, geschweige denn zu vermissen, weswegen die junge Autorin Phyll beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Ihre Nachforschungen führen sie nicht nur zu alten Bekannten und Schatten der Vergangenheit, sondern auch zu tief verborgenen Geheimnissen der wilden Insel...
Direkt ins Auge springt die doch sehr ungewöhnliche Erzählperspektive. Ein allwissender Wir-Erzähler führt den Leser durch die Handlung, blickt in die Zukunft ebenso wie in die Vergangenheit und verleiht der Geschichte eine ganz eigene Dynamik. Zwar fällt es zu Beginn schwer, den Überblick über die vielen Figuren, parallelen Handlungsstränge, Zeitungsartikel und wechselnden Zeitebenen zu behalten. Doch je weiter man liest, desto besser findet man sich zurecht und taucht in die besondere Atmosphäre der Insel ein. Gerade durch die vielschichtige Erzählweise entsteht das Gefühl, tatsächlich Teil einer kleinen Gemeinschaft von fünfhundert Seelen zu sein: Jeder weiß etwas, doch niemand weiß alles und Gerüchte sowie Halbwahrheiten verbreiten sich wie ein Laubfeuer, bis nur noch Verwirrung und Chaos bleibt.
Immer wieder stellt sich die Frage, ob die Geschehnisse tatsächlich real sind oder ob Übernatürliches im Spiel ist. Dabei ist „Das Geheimnis von Little Sark“ kein klassischer Kriminalroman. Vielmehr handelt es sich um eine vielschichtige Geschichte über Freundschaft, Liebe, die zerstörerische Macht von Männern und die subtile Kraft von Frauen, über den Zusammenhalt von Gemeinschaften und das, was sie zu zerreißen droht. Auch wenn manche Passagen etwas konstruiert wirken und die Handlung stellenweise zu verschachtelt erscheint, bleibt das Buch ein spannendes Leseerlebnis, das am Ende trotz aller Irrungen und Wirrungen überzeugt und großen Lesespaß bereitet.




