Mary Robinette Kowal Shades of Milk and Honey

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Inhaltsangabe zu „Shades of Milk and Honey“ von Mary Robinette Kowal

Jane Ellsworth and her sister Melody's lives still revolve around vying for the attentions of eligible men. While Jane's skill with glamour is remarkable, it is her sister who is fair of face, and therefore wins the lion's share of the attention. At the ripe old age of twenty-eight, Jane has resigned herself to being invisible forever.

Gekonntes Charakterporträt und starke Variation über "Jane Austen mit Magie". Etwas Fantasy, etwas Regency-Ära, etwas Spiel mit Klassiker.

— Louisdor
Louisdor
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  • Cross-Over zwischen Fantasy und klassischem Stoff

    Shades of Milk and Honey
    Louisdor

    Louisdor

    Ich gestehe, eine Kurzbeschreibung "Jane Austen mit Magie" hätte mich normalerweise nicht zum Lesen verleitet, aber nachdem ich die Autorin Mary Robinette Kowal nun seit Jahren als sehr kompetente und lebhafte Ratgeberin im Autoren-Podcast "Writing Excuses" kennen gelernt habe, war ich neugierig, wie sie selbst denn nun schreibt. Die Anlehnung an Jane Austen ist überdeutlich und bewusst gewollt. Wir befinden uns im England des frühen 19. Jahrhunderts, in "Regency"-England. Es geht um Sitten, um Heiraten und für die lokale Upper und Middle Class ganz viel um gegenseitige Familienbesuche und Ansehen. Und - es gibt Magie. Allerdings rangiert sich in ihrer Bedeutung in etwa auf einer Stufe von Malerei oder Musik. Sie ist für die vornehmen Damen eine Freizeitbeschäftigung, und nur für einige Künstler ein Beruf, der aber ebenfalls eher unter "Bespaßung & Kunst" fällt. Denn die Magie in Kowals Welt, "Glamour" genannt, kann Illusionen erschaffen, sie kann das Licht beugen, Lichtstrahlen verbiegen, Schatten erschaffen. Tatsächlich erinnert die Beschreibung dieser Magie sehr stark an das, was Maler oder Fotografen von ihrer Kunst erzählen. Eingesetzt wird sie, um Häuser zu verschönern, Make-Up zu ersetzen oder "virtuelle" Gemälde und Theaterstücke zu erschaffen. Die Hauptheldin Jane ist besonders begabt in "Glamour", allerdings gleichzeitig nicht übermäßig attraktiv, und außerdem mit 28 Jahren schon viel zu alt fürs Heiraten, was sie in der vorliegenden Gesellschaft auf diversen Dinners, Partys und Picknicks zur Außenseiterin macht. Und zum Gegenstück ihrer Schwester Melody, die jünger, hübscher und umschwärmter ist. Damit wären dann schon fast alle Puzzleteile für einen klassischen Jane-Austen-Sittenroman zusammen. Es fehlen noch diverse Männer, um deren Gunst die beiden Schwestern wetteifern. Tatsächlich passiert in der ersten Hälfte des Romans, könnte man meinen, gar nicht viel, außer dass sich haufenweise wohlhabende Familien gegenseitig besuchen und, nun, "parlieren". Das feine Charakterporträt, das dabei von Jane gesponnen wird, ist allerdings große Unterhaltung: Jane ist ein deutlich komplexerer Charakter, als es zunächst den Anschein hat, tatsächlich ist sie in ihren eigenen Widersprüchen und tugendhaften Idealen verstrickt, und im Grunde ihrer Zeit deutlich voraus. Die Magie läuft dabei zunächst als Amüsement und interessantes Detail nebenher, bis sie natürlich im letzten Drittel des Buches doch noch gehörig an Relevanz gewinnt. Sowohl in ihrer Bedeutung als Kunstform, und der Frage, für wen Kunst eigentlich gedacht ist, was man damit anfangen sollte, wie man sie leben sollte, und eben auch als - nun, als Magie eben, die vielleicht doch ein wenig mehr kann, als nur Räume zu dekorieren. Mir persönlich war das Ende dann doch ein wenig zu kitschig, aber vermutlich war auch das gnadenlose und nüchterne Absicht. Der Roman hat einige sehr deutliche Parallelen zu Austens "Persuasion" (deutsche Titel variieren, u. a. "Überredung" oder "Verführung"), und spielt insgesamt immer wieder recht raffiniert mit dem klassischen Vorbild. Es ist ein "Cross Over" im guten Sinne: Was passiert, wenn man Magie mit Jane Austen kreuzt? Antwort: Ein durchaus unterhaltsames Buch über die Frage, wofür genau Tugend da ist, was Kunst ausmacht, und wie sich Menschen so mit all ihren Lastern verhalten, zwischen Liebe, Geltungssucht und Neid. Dazu kommt ein sehr angenehmer Schreibstil, der bewusst mit einigen altertümlichen Elementen spielt, aber vor allem trotzdem modern und flüssig lesbar ist. Aus dem Buch ist mittlerweile eine Serie geworden ("The Glamourist Histories"), und die Themen nachfolgender Teile variieren offenbar stark. Meine Neugier ist jedenfalls geweckt, auch wenn die Aufmachung, Cover und Thematik erstmal ganz laut "Frauenroman!" schreien. Wie jeder gute Genre-Roman ist "Shades of Milk and Honey" mehr als nur sein Genre.

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