Maryam Madjidi

 4.1 Sterne bei 29 Bewertungen

Lebenslauf von Maryam Madjidi

Von der Tragik zur Poesie: Maryam Madjidi wurde 1980 in Teheran geboren. Mit sechs Jahren floh sie mit ihren Eltern nach Frankreich. Ihr schriftstellerisches Debüt gab die Iranerin 2017. Der autobiographischer Roman „Marx et la Poupée“ (deutsch: „Du springst, ich falle“, 2018) schildert fesselnd ihre Suche nach Identität und Heimat. Maryam Madjidi verbrachte ihre Kindheit im Iran. Die regimekritischen Eltern setzten sich für den Kommunismus ein, weshalb Maryam Madjidi nicht selten ihr Spielzeug an die anderen Kinder im Viertel verschenken musste. Ihre Lieblingssachen versteckte sie jedoch im Garten, um sie später mit nach Frankreich zu nehmen. In Paris angekommen, fühlt sich die Protagonistin zunächst sehr fremd. Die Sehnsucht treibt sie als junge Frau zurück nach Teheran. Dort verliebt sie sich und bricht mit allem, begreift aber auch, dass sie weder im Iran noch in Frankreich zu Hause ist. In ihrem Roman gelingt es Maryam Madjidi hervorragend, Phantasie und realistische Szenen zu mischen. 2017 erhielt sie dafür den Prix Goncourt für das beste Debüt des Jahres. Maryam Madjidi lebt in Paris. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit unterrichtet sie dort Flüchtlinge in Französisch.

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Du springst, ich falle

Du springst, ich falle

 (29)
Erschienen am 18.05.2018

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Rezension zu "Du springst, ich falle" von Maryam Madjidi

Zwischen den Welten
OliverBaiervor 5 Tagen

Inhalt/ Klappentext:


In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken musste. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen – ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde. Als junge Frau fährt Maryam nach Teheran zurück, verliebt sich und bricht mit allem." Du springst, ich falle" gewann 2017 in Frankreich den Prix Goncourt für das beste Debüt des Jahres. Ein kraftvoller Roman über das, was unsere Zeit bestimmt – die Suche nach Identität und Heimat.

Persönliche Meinung:

Es lag jetzt etwas auf meinem  Stapel, es hatte mich interessiert und ich war dankbar es bei LB gewonnen zu haben. Schnell war es gelesen und mich hat auch nichts wirklich gestört, ist die Grundidee hochspannend und dramatisch. Maryam Madjidi hat mich dennoch immer auf Distanz gehalten, auch wenn sie nahe Erlebnisse geschildert hat, sehr persönlich und mit deutlicher Tragik hat sich dieses Gefühl nicht auf mich übertragen. Die Protagonistin kam mir nicht auf emotionaler Ebene entgegen, sonder blieb für mich auf einer sachlichen Betrachtunsweise stehen. Das hätte ich mir persönlich anders gewünscht. Vielleicht liegt es aber auch an der Zerrissenheit der Autorin und es war ein Stilmittel. Dann war es gut gemacht und findet auch genug Leser, die dies zu schätzen wissen. Mir hat es einen kleinen Eindruck in den Iran gegeben und die schwierige Situation sich zwischen den Stühlen zu spüren. Da hätte für mich noch mehr funktionieren können, denn die Story ist absolut hochaktuell.

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Rezension zu "Du springst, ich falle" von Maryam Madjidi

Zameen khordam
Aspasiavor 8 Tagen

Ich habe zwei Freundinnen, Neguine & Najla, deren Vater 1979 nach dem Sturz des Schahs & den ersten, wenn auch noch leisen, Vorbereitungen zur Errichtung des iranischen Gottesstaates als junger Mann nach Paris ins Exil ging, das Ruholla Musawi Khomenei gerade unter großem Pressewirbel Richtung Teheran verlassen hatte.

So wie er fanden viele Gegner der islamischen Revolution im Iran nach 1979 in Europa Asyl. Zu ihnen gehört auch die Familie von Maryam Madjidi, der Autorin des Romans Du springst, ich falle , deren Eltern als Anhänger der Volksmudschahedin (millitante, iran. Freiheitsbewegung mit marxist. Ideologie, ab 1981 verboten, viele Führungsmitglieder gingen nach Frankreich ins Exil) im neuen Iran mit dem Leben bedroht waren & deshalb 1985 das Land verließen & in Frankreich als politische Flüchtlinge anerkannt wurden. Anders als meine Freundinnen oder deren Vater war Madjidi aber ein Kind als sie erstmals französischen Boden betrat.

In ihrem autobiografisch inspiriertem Debüt, das im französischen Original Marx et la poupée (Marx & die Puppe) heißt, erzählt Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, in den sie erst 2003 als Erwachsene zurückkehrte. In dem kommunistischen Haushalt, gehörten nicht nur die geistigen Vordenker wie Marx & Guevara zum Lektürekanon, sondern auch das Model des Gemeinschaftseigentumes wurde im Kinderzimmer praktiziert.

Der deutsche Titel verweist auf ein traumatisches Erlebnis ihrer hochschwangeren Mutter, die sich & ihr ungeborenes Kind nur durch einen lebensgefährlichen Sprung aus dem Fenster vor einem durch die Lehrräume der Universität Teheran ziehenden Erschießungskommando der sogenannten religiösen Wächter in Sicherheit zu bringen glaubte. Immer wieder kehrt die Ich-Erzählerin gedanklich zu diesem auch für sie Seins entscheidenen Erlebnis zurück, pendelnd zwischen Vorwurf & Anerkennung. Meint in diesem pränatalen Moment den Grund all ihrer Ängste auszumachen.

Wie bei vielen Migranten, die jung ihre erste Heimat verlassen mussten, sich ihren Platz im Exil schmerzhaft erobern mussten, wird das Geburtsland oft zu einem verklärtem Sehnsuchtsort. So ist es auch hier. Das kleine Mädchen verstummt in der neuen Heimat erst einmal für einige Monate, wird zur Beobachterin der neuen, fremden Welt, in der auch ihre so klugen & eloquenten Eltern mühsam um Worte ringen. um dann als Urahnin Rumis & Hafiz zurück zu kehren.

Die Erzählung reiht episodenhaft Erinnerungsstücke aneinander, schreibt gegen jede Chronologie. Die gebrochene Kinderbiographie, die Erinnerungen an die über alles geliebte, aber zurückgelassene Großmutter, das Bemühen sich über die neue Worte das neue Land zu erobern, die jugendliche Phase der „Persianisierung“, die Reise im Jahr 2003 als erwachsene Frau in einen mundtoten Iran, der jedwede Hoffnung auf Demokratisierung verloren glaubt (die unter Präsident Chatami einsetzende Liberalisierung wurde vom Wächterrat blockiert) & deren Bewohner sich ins Private zurückziehen, eine leidenschaftliche Liebesaffaire mit einem Iraner & die Rückkehr nach Frankreich.

Madjidi wie die Erzählerin ist zweisprachig aufgewachsen & obwohl in ihrem persischen Elternhaus Marx gelesen wurde, ist sie doch eine Ahnin Firdausis (940-1020, Autor des pers. Nationalepos, Schāhnāme, geschrieben in 60.000 Versen) , Saadi ( 1210-1292, Dichter & Mystiker, seine wichtigsten Werke sind Bustān & Golestān) & Hafiz (1315-1390, Autor des Diwan, gr. Teile geschrieben in der pers. Gedichtform Ghasel). Auch wenn die meisten Leser meine Theorie, dass drei vor über 1000 Jahren verstorbene Dichter vielleicht noch die Sprache einer heute knapp 40-Jährigen, belesenen Autorin beeinflussen können, aber es doch eher unwahrscheinlich ist, dass ein junges Mädchen in Metaphern spricht, schließlich sprechen deutsche Teenager auch nicht wie Walter von der Vogelweide, dem kann ich nur entgegenhalten: Doch definitiv! Beide Werke sind kein verstaubtes Kulturgut, sondern werden nicht nur heute noch gelesen, sondern haben die Art zu denken & zu sprechen nachhaltig beeinflusst. Das Problem ist eher die Übersetzung des Persischen in eine Fremdsprache, weil es sehr viel Wissen um die Etymologie der Worte bedarf, damit es nicht zu einer verwirrenden Wort für Wort Übersetzung kommt.

Zameen khordam, der Titel meiner Rezension, der auch ein passender möglicher Titel für die persische Ausgabe des Romans wäre, heißt übrigens: Ich habe den Boden gegessen. & meint nichts Anderes als, dass man gestürzt, zu Boden gefallen ist.

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Rezension zu "Du springst, ich falle" von Maryam Madjidi

Gelungenes Debüt!
booklovingvor 17 Tagen

INHALT
In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken musste. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen – ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde. Als junge Frau fährt Maryam nach Teheran zurück, verliebt sich und bricht mit allem.

(Quelle: Klappentext Blumenbar/Aufbau Verlag)

MEINE MEINUNG
Mit ihrem autobiographischen Roman „Du springst, ich falle" ist der in Teheran geborenen Autorin Maryam Madjidi ein beeindruckendes, fulminant geschriebenes Debüt gelungen, das in Frankreich den Prix Goncourt du premier roman 2017“ erhielt.
Geschickt konfrontiert die Autorin den Leser in ihrem verstörenden Einstieg zunächst mit der brutalen Realität und dem Lebensumfeld ihrer politisch aktiven Eltern, denen im Kampf gegen das Regime schließlich nur noch die Flucht als Ausweg bleibt. In ihrer Geschichte erzählt sie über ihre Kindheit im Iran, ihre Flucht mit ihren regimekritischen Eltern nach Paris und ihre schwierige Jugend im französischen Exil, in dem sie ein freies Leben führen kann aber ohne ihren kulturellen Hintergrund und ohne die ihr so vertrauten, iranischen Wurzeln wie ihre Sprache, Freunde oder ihre geliebte Großmutter. Der schmerzliche Selbstfindungsprozess dieser jungen Frau wird sehr eindringlich und einfühlsam in vielen verschiedenen Episoden beschrieben. Sie erzählt sehr anschaulich von den Folgen von Entwurzellung und innerer Zerrissenheit und behandelt zugleich eine bedeutsame und sehr aktuelle Thematik unserer Zeit – der Suche nach Identität, den eigenen Wurzeln und Heimat.
Dreimal sei sie geboren worden, so schreibt Madjidi. Das erste Mal 1980 in Teheran, dann 1986 als Exilantin in Paris, und schließlich zum dritten Mal 2002, als sie durch ihren Magister an der Sorbonne über den iranischen Dichter Omar Khayyâm ihre Muttersprache wiederentdeckte. Entsprechend untergliedert sie ihren Roman in drei Abschnitte – den drei Geburten – und widmet sich in ihnen den prägenden Phasen ihres Lebens: dem schmerzvollen Weggehen, dem verstörenden Ankommen in einer ihr vollkommen fremden Welt und den Schwierigkeiten des Lebens zwischen den zwei Welten und dem Bleiben. In ihren sehr intensiven Schilderungen macht Madjidi deutlich, dass ein Wechsel der Identitäten zwischen Perserin und Französin lässt sich nicht leicht bewerkstelligen lässt und eine bedrückende Stimmung von Verzweiflung, Fremdheit und Zerrissenheit legt sich über die Erzählung. Erst im letzten Teil schwingt eine versöhnlichere Note mit und präsentiert einen tröstlichen Ausblick. Madjidis Leben geht weiter, sie ist auf dem Weg zu sich - zwischen den Sprachen und Kulturen, aber mit der heilenden Kraft der iranischen Literatur als Begleiter.
Die Autorin macht dem Leser die Lektüre ihrer tiefgründigen Geschichte allerdings nicht gerade einfach. Die nicht chronologisch erzählten Episoden verwirren zudem durch einen rasanten Wechsel der Zeitebenen und Erzählperspektiven, die wir mal aus Sicht der Beobachterin und mal als Betroffene erleben. Es ist ein fragmentarischer Flickenteppich, den es hier zusammenzusetzen gilt, und der erhöhte Aufmerksamkeit beim Lesen erfordert. Für Abwechslung sorgt auch die bunte Mischung aus verschiedenen Genres wie exotischen Märchen, Gedichten und erzählenden Passagen. Vor allem die prägnanten, atmosphärisch dichten Schilderungen der verschiedenen Stimmungen konnten mich sehr begeistern und machen den Roman neben dem wundervoll poetischen Schreibstil der Autorin zu einem anspruchsvollen, aber einzigartigen Leseerlebnis.

FAZIT
Der beeindruckende, autobiographische Roman ist fulminant geschrieben und bietet interessierten Lesern ein anspruchsvolles, aber lohnenswertes Leseerlebnis!

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Autoren oder Titel-Cover„Maryam Madjidi verwandelt die Tragik des Lebens in glasklare Poesie.“ Julia Schoch.

In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken musste. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen – ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde. Als junge Frau fährt Maryam nach Teheran zurück, verliebt sich und bricht mit allem." Du springst, ich falle" gewann 2017 in Frankreich den Prix Goncourt für das beste Debüt des Jahres. Ein kraftvoller Roman über das, was unsere Zeit bestimmt – die Suche nach Identität und Heimat.

Hier zur Leseprobe: http://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/leseproben/9783351050504.pdf

Über Maryam Madjidi

In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken musste. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen – ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde. Als junge Frau fährt Maryam nach Teheran zurück, verliebt sich und bricht mit allem." Du springst, ich falle" gewann 2017 in Frankreich den Prix Goncourt für das beste Debüt des Jahres. Ein kraftvoller Roman über das, was unsere Zeit bestimmt – die Suche nach Identität und Heimat.

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Zusätzliche Informationen

Maryam Madjidi wurde am 09. August 1980 in Teheran geboren.

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