Masì De Sol

 3.7 Sterne bei 16 Bewertungen

Lebenslauf von Masì De Sol

Masì de Sol, 1971 geboren, lebt seit Abschluss seines Journalismus-Studiums im Jahr 1999 in Berlin. Dort arbeitet er als freiberuflicher Journalist und Autor. De Sol hat – zum Teil in Zusammenarbeit mit einem Koautor, zum Teil alleine – einige Satire-Bände veröffentlicht. „3:46 Uhr“ ist sein erster Roman.

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3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman

3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman

 (18)
Erschienen am 02.12.2011

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Rezension zu "3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman" von Masì De Sol

Rezension zu "3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman" von Masì De Sol
Literaturvor 6 Jahren

Der Panzerwels-Mensch im Meer des Lebens

„Meine vollkommene Freiheit, meine völlige Selbstbestimmtheit: das ist mein Fluch! …Es gibt nichts mehr, was noch zu tun wäre in meinem Leben. Es gibt nichts, worauf ich zusteuere. Ich schwimme in einem Meer der Ereignislosigkeit. Ich weiß, woher ich komme. Aber ich weiß nicht, wohin ich treibe. Und vor mir und hinter mir ist nichts als wässrige Wüstenei.“ (S. 35/36)

Der Leser erhält im Roman „3:46 Uhr. Ein protokollarischer Roman“ ein mikroskopisches Abbild eines nahezu gewöhnlichen Tages im Leben von Christian Moser, der auf Bewährung verurteilt sein einsames Leben ohne Arbeit, ohne soziale Kontakte, ohne Abwechslung fristet. Welche Tat hat Moser begangen und warum? Was verbindet ihn mit der Welt, was trennt ihn? Welche Charakterzüge sind verständlich, welche ungewöhnlich, verschroben, gefährlich?

Der Roman ist mit seinen knapp 200 Seiten inhaltlich und sprachlich intensiv, gehaltvoll und detailliert. Die Sprache des Autors ist prägnant, kreativ, mutig und bildlich zugleich. Die Charakterisierung des Protagonisten ist hervorragend gelungen, denn er wirkt weder sympathisch noch unsympathisch, seine Gedankenwelt und seine bizarr anmutenden Vorstellungen werden dem Leser teilweise verständlich, wenn auch nicht ganz nachvollziehbar, seine Isolation und deren Folgen werden überaus deutlich. Die immer wiederkehrende Metapher des Panzerwels im Aquarium für Mosers ideale Vorstellung eines Daseins in der Welt finde ich treffend und erschütternd zugleich. Ein roter Faden zieht sich durchs Werk, die vielseitige Metaphorik wird immer wieder aufgegriffen, der Roman gipfelt in einem verzweifelten, verrückten und aus Sicht des Protagonisten doch logischen Akt.

Der Roman ist wirklich außergewöhnlich! Der Charakter, die Gefühls- und Gedankenwelt des Protagonisten zeigen sich in eindrucksvoller Weise im Text, seine Zerrissenheit und sein Gedankendrängen werden sprachlich deutlich. Ich bin beeindruckt, irritiert und betroffen zugleich.

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ferkels avatar

Rezension zu "3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman" von Masì De Sol

Rezension zu "3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman" von Masì De Sol
ferkelvor 6 Jahren

Ein Tag im Leben Christian Moser, nicht mehr und nicht weniger ist "3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman". Der verurteilte Straftäter hält auf Anraten seines Bewährungshelfers seinen Tagesablauf fest, um seine Resozialisierung voran zu treiben. Akribisch und sehr detailliert beschreibt Moser sein Leben und seinen Alltag, den er allein mit seinem Panzerwels verbringt, bis alles um 3:46 Uhr endet.

Masì de Sols Debüt ist von vorne bis hinten gnadenlos durchdacht und hat mich wirklich berührt. Umrahmt wird der Monolog Mosers (allein diese Darstellungsform wirkt schon gewaltig) durch einen Brief seines Bewährungshelfers an einen Lektor und dessen Brief an seine Kollegen. Von Anfang an ist klar, dass Moser bereits tot ist und das Ende des Buches kann man sich natürlich denken. Dass es dann doch erschüttert, ist unvermeidlich.

"3:46 Uhr" kann auf einen großen Spannungsbogen verzichten. Humor gibt es nicht. Im Grunde passiert auf knapp 200 Seiten auch kaum etwas. Was einen Seite um Seite vorantreibt, ist vor allem de Sols niveauvoller und packender Schreibstil, die Art, wie er es schafft, auf fast 200 Seiten das Leben eines einzelnen Mannes zu beschreiben ohne zu langweilen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens und die damit verbundene Kritik unserer Gesellschaft ist das zentrale Thema des Buches. Es hat eine unfassbare Ausstrahlung. Ich würde es Flair nennen, würde es einem nicht hin und wieder kalt den Rücken runter laufen.

Den Protagonisten hat sich der Autor nicht von der Stange geholt. Der hoch intelligente Moser vollführt jeden Tag Zwangshandlungen, um seinem Alltag Struktur zu verleihen. Er trinkt zu viel, er meidet andere Menschen, er ist arbeitslos, er verpasst seine Termine, er bekommt sein Leben nach seinem Gefängnisaufenthalt einfach nicht mehr auf die Reihe. Bis zur Auflösung schwingt auch immer die Frage mit - was hat Moser getan? Mit der abstoßenden Wahrheit rückt er recht spät heraus. Was das Buch sowohl davor als auch danach zum Pageturner macht.

Er ist nicht verrückt; er leidet eher unter einer Persönlichkeitsstörung. Und das Leiden darf wörtlich genommen werden – er selbst ist sein größtes Problem. Manche Textstellen verdeutlichen, wie er keinen klaren Gedanken fassen kann und plötzlich wieder ganz da ist – um festzustellen, dass seine Medikamente (u.a. Antidepressiva?) ihn sich und der Welt nicht mehr näher bringen. Dabei geht es ganz und gar nicht darum, die Beweggründe eines Straftäters nachzuvollziehen oder gar verstehen zu können. Sympathie wird nicht aufgezwungen. Vielmehr geht es um das Leben als Drama, als ewige Suche nach dem Sinn und schließlich - Ernüchterung.

"... um herauszufinden, wie viel Christian Moser von uns trennt", ist auf der Rückseite des schlicht strukturierten Taschenbuchs aufgedruckt. Natürlich nichts, könnte man meinen, schließlich ist er ein Straftäter. Doch an verschiedenen Textstellen und in Bezug auf Mosers Sinnfrage war ich überrascht und entsetzt, wie wenig es doch ist.

Es ist schade, dass scheinbar viele Leser dieses Buch nicht verstehen. Wer der Überzeugung ist, dass ein intelligenter Mensch nicht an der Welt verzweifeln kann, braucht das Buch nicht lesen.

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buchfeemelanies avatar

Rezension zu "3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman" von Masì De Sol

Rezension zu "3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman" von Masì De Sol
buchfeemelanievor 6 Jahren

lauter Fragezeichen
also, ich muss gestehen, ich glaube ich bin zu blöd die tiefe dieses Buches zu erfassen.

Form: Cover und Titel sind beide in Ordnung. Die Länge bzw. Kürze der einzelnen Kapiteln fand ich auch gut.

Meine Meinung: Also, ich habe jetzt drüber geschlafen und bin immer noch unschlüssig.
Generell eine wirklich gute Idee, doch leider war das Buch so absolut gar nicht meins.
- die oft abgestumpften Sätze haben meinen Lesefluss oft behindert. Teilweise waren die Sätze auch langschweifig, was für mich genauso wenig gut gelungen war.

Ich verstehe, das Christian, mit seinen Problemen ein bisschen seltsam ist und dies in dem Buch auch dargestellt wurde.Er handelt in seinen gleichen Schema, st beunruhigt, wen dieses durchbrochen wird, und ist sehr kontaktfremd.
Jedoch sind auch viele Informationen überflüssig und langweilig zu lesen.

Das bereits am Anfang klar ist, das Christian nicht mehr lebt war für mich gar nicht hilfreich. Oft dachte ich beim Lesen " ist doch egal, der lebt eh nicht mehr".

Das einzige, was mir echt gefallen hat war die Szene mit der Katze ( obwohl gefallen ja pervers klingt^^) und beim " Ohr - abbeißen wollen " musste ich lachen.

Ich habe es nur weil ich es in dieser Leserunde gewonnen habe zu Ende gelesen. Wenn nicht wäre es bei spätestens Seite 30 auf die Seite gelegt worden.

Fazit: leiider nicht bei mir angekommen - ist mir wohl zu hoch ^^

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fhl_verlag_leipzigs avatar

Lust auf ein neues Buch? Werde Testleser von einem protokollarischern Roman (Thriller)

Dann macht mit bei unserer Leserunde zu einem Thriller/Roman von Masì de Sol. Bewerbt euch um 15 Leseexemplare.

3:46 Uhr - Ein protokollarischer Roman

Inhalt: Es gibt Tage, an denen geschieht scheinbar nichts Außergewöhnliches. Die Stunden verstreichen unaufhaltsam, getrieben vom alltäglichen Einerlei, und ohne dass man ihnen nachtrauert. Auch Christian Moser kennt das unabänderbare Verstreichen der Zeit, durchlebt viele solcher Tage. Doch ist seine Wahrnehmung eine ganz andere. Ermutigt vom Bewährungshelfer R. dokumentiert der Vorbestrafte seinen Tagesablauf und zieht den Leser hinein in diesen Versuch, sich wieder einzugliedern in die Gesellschaft, der er nichts Positives abgewinnen kann. Alltägliches wird zur Last, Banales problematisiert, Ekliges, Verwerfliches zum Alltäglichen. Und dann wird es Abend, und dann - 3:46 Uhr ...


Masì de Sol spielt intelligent mit Sprache, formt Worte neu, stellt sprachlich ungewöhnliche Zusammenhänge her. Scheinbar normales vermag er grotesk darzustellen, Belangloses verkehrt er ins Problematische. Gnadenlos konfrontiert er den Leser mit der verdrehten Realität seines Protagonisten, der nicht immer und ausschließlich sympathisch wirkt.

Autor: Masì de Sol, 1971 geboren, lebt seit Abschluss seines Journalismus-Studiums im Jahr 1999 in Berlin. Dort arbeitet er als freiberuflicher Journalist und Autor. De Sol hat – zum Teil in Zusammenarbeit mit einem Koautor, zum Teil alleine – einige Satire-Bände veröffentlicht. ›3:46 Uhr‹ ist sein erster Thriller/Roman.

Und die 15 Testleser ...
Wer gern dabei sein möchte, kann sich im Unterthema Bewerbung bis zum 15. Juli um ein Leseexemplar bewerben. Und wer eins schon hat, kann gern auch mitmachen.

Leseprobe unter http://issuu.com/fhl-verlag-leipzig/docs/3uhr46?mode=window&backgroundColor=%23222222

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