Masami Iwata

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Cover des Buches Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch (ISBN: 9783730613221)

Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch

(4)
Erschienen am 20.09.2023

Neue Rezensionen zu Masami Iwata

Cover des Buches Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch (ISBN: 9783730613221)
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Rezension zu "Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

Metalfischchen
Inhalt hui, Ausgabe pfui

Zur Ausgabe

Im Vorwort des Übersetzers Watanabe steht:

„Zum Beispiel kannte die damalige Sprache beinahe keine Pronomen, wie ‚ich‘, ‚er‘, ‚ihr‘, usw. Sei Shonagon machte diesen ‚Mangel‘ der Grammatik zum ästhetischen Vorteil […] Dass es sehr schwer oder beinahe unmöglich ist, solche Eigenschaften in eine fremde Sprache zu übertragen, liegt auf der Hand.“ S. 10

So weit, so gut. 

Dann schreibt der Übersetzer aber etwas, das ich schon ziemlich bevormundend finde: 

„Die vorliegende Ausgabe enthält zwei Drittel des Originaltextes. Es wurden nur Dinge und Kapitel weggelassen, die dem europäischen Leser allzu fremd und daher unverständlich sein würden.“ 

Hätte ich das gewusst, hätte ich die Ausgabe nicht gekauft. Ich möchte ja gerade eine fremde Kultur kennenlernen. Entweder es gibt Bemerkungen durch den Herausgeber, oder man überlässt es halt die Lesenden selbst mit der „Fremdheit“ umgehen, wie sie es können oder möchten. Wer das Impressum liest, findet heraus, dass diese Version das erste Mal 1952 erschienen ist. Das erklärts.

Auch sonst ist diese Ausgabe ist eine vertane Chance, etwas wirklich Besonderes, anstatt nur „ganz nett“ zu sein. Die eigens angefertigten (eher spärlich vorhandenen) Zeichnungen sind hübsch aber leider etwas verpixelt, genau so auch das eigentlich wunderschöne Hardcover. Die grosse Schrift wirkt ausserdem etwas verloren auf den Seiten. Man hätte das Format besser klein und fein gehalten.

Schade.


Jetzt zum eigentlichen Inhalt

Den erhoffen Einblick ins japanische Hofleben vor tausend Jahren habe ich erhalten. Der Text ist eine Ansammlung von Eindrücken und losen Gedanken, die Sei Shonagon zu diversen Themen aufgeschrieben hat. Wir lernen zum Beispiel, dass morgens im Winter Becken mit glühender Kohle in die Zimmer getragen werden, oder das ausereheliche Liebschaften ganz normal waren.

Sei Shonagon erinnert mich an einen verwöhnten Teenager. In einer Episode beschreibt sie, wie sie und andere Hofmitglieder einen grossen Schneehaufen bauen lassen und wetten, wie lange es dauert, bis er geschmolzen ist. Weil der Haufen früher zu schmelzen beginnt als von Sei Shonagon angenommen, beginnt diese zu weinen, zu intrigieren, sich Siegesszenarien auszumalen…

Sei Shonagon regt sich über Kleinigkeiten auf, kann sich aber auch über Kleinigkeiten freuen. Blüten, Vögel und Bräuche welche sie durch den Jahresverlauf begleiten, sind häufige Themen. Auch Liebschaften und Poesie sind zentral im Leben der Autorin.

Schade, kann man den Klang von japanischer Poesie wohl nicht ins Deutsche übersetzen. Ich habe das Gefühl, einen wichtigen Aspekt vom Kopfkissenbuch nicht mitgekommen zu haben.


Für den Inhalt würde ich gerne 5 von 5 Sternen vergeben, weil ich es so faszinierend finde, 1000 Jahre alte Erinnerungen durchblättern zu können.

Diese spezifische Ausgabe fühlt sich aber an wie Geldmacherei, und ich hätte lieber eine vollständige, modernere Übersetzung gelesen.


Cover des Buches Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch (ISBN: 9783730613221)
Sirenes avatar

Rezension zu "Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

Sirene
Faszinierend und unterhaltsam!

Was ist ein Kopfkissenbuch? 


Wenn man damals sagte, man würde daraus ein Kopfkissen machen (zu einem Stapel Papier), meinte man damit ein Notizbuch, in dem man die Dinge schreibt, dem man nur seinen Kopfkissen anvertrauen würde. Im modernen gesagt, ein Tagebuch, in das man nicht jeden Tag reinschreibt. 

Bei dem Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon sind es Beobachtungen aus ihrer Zeit am Hofe und ihrer unverblümten Meinung dazu. 


Und diese faszinierende Sammlung hat sich bis heute erhalten, zu unserem Glück. 

Es ist nämlich ein kleines Meisterwerk aus der Heian-Ära Japans und eine Sammlung von Notizen, Anekdoten und Beobachtungen vom Hofe, die sich so lebendig anfühlen, dass man sich fühlt, als wäre man direkt in den Palastgärten von Kyoto. 

Shonagon, eine Hofdame der damaligen Kaiserin, entführt uns mit ihrem einzigartigen, sympathischen Schreibstil in eine Welt voller Schönheit, die sie in den einfachsten Dingen sieht und interessante Beobachtungen am Hofe. 

Die Art und Weise, wie sie ihre Gedanken aufzeichnet, ist so charmant, dass man sich gleich in die Autorin verliebt. Ihre Texte über das höfische Leben, die Natur oder ihre Mitmenschen sind humorvoll, als auch erhellend und ich habe das Buch gerne nach einem stressigen Tag gelesen. 

Es sind nämlich sehr viele kurze Texte, die entspannen (“Was vom Himmel fällt”), unterhalten (“Eine Anweisung für Kavaliere”) und teilweise zum Nachdenken (“Über menschliche Eigenschaften”) anregen.



Was mir an ihren Beobachtungen ebenfalls gefällt, ist neben der Vielfalt an Themen, die sie aufgreift, ihre Intelligenz, die sie durchscheinen lässt, mit einem Hauch von Ironie. Beim Lesen denkt man sich nur “Diese Frau muss wirklich interessant gewesen sein.”.


Es gibt keine wirkliche Anordnung der Einträge, es ist eher mit einem Mosaik zu vergleichen, bunt und gemischt. Auch die Länge der Texte ist unterschiedlich und reicht von mehreren Seiten bis hin zu wenigen Sätzen. 


Das Buch würde ich vielen Lesern empfehlen, von Japan-Enthusiasten bis hin zu literarisch interessierten Lesern!


“Wenn ich fast täglich meine Gedanken zu Papier bringe, dene ich oft, es wäre besser, nichts aufzuzeichnen, und auf keinen Fall sollten Fremde mein Skizzenbuch zu Gesicht bekommen; denn ich schreibe alles nieder, was mir in den Sinn kommt, auch merkwürdige und unerfreuliche Dinge.”


Meine Ausgabe von diesem Juwel der Weltliteratur war die aus dem Anaconda Verlag und mit der Übersetzung von Mamoru Watanabé. Ich empfand sie als sehr eingängig und locker. Außerdem gibt es dazu noch eine wunderbar interessante Einleitung zum Buch von Watanabé, wie auch zum Abschluss ein Wort zu den Illustrationen, die man in dieser Ausgabe findet! 


Cover des Buches Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch (ISBN: 9783730613221)
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Rezension zu "Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

lesezeitmitmama
Rezension zu "Das Kopfkissenbuch" von Sei Shonagon

„Das Kopfkissenbuch“ wurde in der späteren Heian-Zeit (ca. 1.000 n. Chr.) von der Hofdame Sei Shonagon verfasst. Darin schreibt sie ihre Beobachtungen, Gedanken und Geschichten auf.

Das Buch bietet einen interessanten Einblick in das damalige Leben am Hofe. Durch die große Schriftgröße war es angenehmen und schnell zu lesen. Bedauerlicherweise hat es keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ganz nett für Zwischendurch.

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