Mascha Dabić

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Reibungsverluste.

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Reibungsverluste
Reibungsverluste
 (3)
Erschienen am 15.02.2017

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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Reibungsverluste" von Mascha Dabić

Mascha Dabić - Reibungsverluste
miss_mesmerizedvor einem Jahr

Ein normaler Morgen und schon wieder ist Nora zu spät dran. Sie wird wieder nicht pünktlich zur Arbeit erscheinen, einmal mehr. Dabei geht ohne sie nichts, denn sie ist die Dolmetscherin, die den Geflüchteten eine Stimme bei den Therapeuten verleiht, ihre Geschichten in verstehbare Worte verwandelt. Dabei versteht sie manchmal ihr eigenes Leben nicht. Ihre Zeit in Russland, die überstürzte Flucht nach Wien. Sie muss neutral bleiben, auch wenn sie von schlimmen Gräueltaten hört. Sie darf nicht kommentieren, auch wenn sie die Methoden der Therapeutin seltsam findet. Sie muss die Balance finden zwischen dem wörtlich Gesagten und dem Gemeinten. Und nebenbei das Chaos in ihrem eigenen Leben ordnen. Den ganzen Tag spricht sie, aber es sind nicht ihre Worte, denn das, was sie bewegt, bleibt in ihr und findet keinen Weg, in Worte gefasst zu werden.

Die Flüchtingsthematik ist nach wie vor aktuell und bestimmt die Nachrichtenlage. Zunehmend wird das Thema auch literarisch aufgegriffen und verarbeitet. Meist stehen die Geflüchteten selbst im Zentrum, wie etwa in Jenny Erpenbecks „Gehen, Ging, Gegangen“, Shida Bazyar „Nachts ist es leise in Teheran“, Mohsin Hamids „Exit West“ oder in Abbas Khiders „Ohrfeige“. Diejenigen, die Mitten in diesem Prozess sind, aber hinter den Kulissen arbeiten, bleiben weitgehend auch literarisch im Hintergrund. Mascha Dabić verleiht einer Dolmetscherin eine Stimme und schildert in ähnlicher Weise die seltsame Zwischenstellung, die diese einnehmen, wie auch Shumona Sinha in „Erschlagt die Armen“.

Nora ist keine Heldin und kein Mensch, der sich der guten Sache wegen aufopfert. Das Dolmetschen hat sie nach der Rückkehr zu ihrem Beruf gemacht. Was ich sehr gelungen fand, war, dass innerhalb des Romans nebenbei mit gängigen Fehlern aufgeräumt wird, wie etwa der Tatsache, dass übersetzen und dolmetschen keine Synonyme sind, sondern zwei unterschiedliche Tätigkeiten und dass es unmöglich ist, wörtlich zu übersetzen, da dies oftmals keinen Sinn ergeben würde. Sie beschreibt das Dolmetschen als einen

„alchemischen Prozess, im Zuge dessen das Gesagte in einer bestimmten Wortkombination durch den Gehörgang in ihren Kopf eindrang und in einer anderen Form, möglichst unbeschadet und so wenig wie möglich durch Reibungsverluste in Mitleidenschaft gezogen, durch den Mund wieder verließ. Der etwaige Schaden, den der Kanal, also Noras Kopf, durch diese Transaktion möglicherweise nahm, interessierte nicht. Reibungslos sollte die Kommunikation ablaufen,”
An den russischen Beispielen zeigen sich immer wieder die Problematiken der Translationswissenschaft und wie viel kulturelles und gesellschaftliches Wissen es erfordert, das Gesagte tatsächlich zu verstehen und angemessen in der anderen Sprache wiederzugeben. Allein für diese Leistung hat der Roman schon eine Beachtung verdient.

Aber auch die Figurenzeichnung ist für mich sehr überzeugend. Nora ist nicht eindimensional, sondern gebrochen und vielschichtig. Manchmal genügt ihr auch nicht eine Sprache, um ihren emotionalen Zustand zu erfassen. Dabei verharrt sie nicht passiv und liefert sich aus, sondern unternimmt durchaus Versuche, ihr Leben emotional und organisatorisch zu sortieren. Sie ist in mancherlei Beziehung sehr typisch für ihre Generation, die Menschen um die 30, die kosmopolitisch denken und leben und sich dadurch verlieren.

Daneben die Geschichten der Geflüchteten, kleine Einblicke in ihr Leben vor der Ankunft in Deutschland, in Denkstrukturen und Ordnungsmuster, die uns völlig fremd sind und in die Schwierigkeit, sich in einem fremden Land ein Leben aufzubauen, das immer droht durch einen ablehnenden Asylbescheid von heute auf morgen beendet zu werden.

Ein beachtenswerter Roman, der einen anderen Blick auf das vorherrschende Thema der Jahre 2015 bis 2017 wirft.

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Sumsi1990s avatar

Rezension zu "Reibungsverluste" von Mascha Dabić

Reibungsverluste
Sumsi1990vor 2 Jahren

Nora ist 30, Single und seit Kurzen nach einem mehrjährigen Russlandaufenthalt wieder in Wien. Hier arbeitet sie als Dolmetscherin bei einem Betreuungszentrum für Flüchtlinge und lässt uns an einem typischen Arbeitstag in dieser Einrichtung teilhaben.


Das Buch ist in Kapitel geteilt, die den momentanen Phasen von Noras Tag gewidmet sind. Die Sprache ist leicht zu lesen, jedoch haben die dauernden russischen Wörter samt Interpretationen des Lesefluss etwas gehämmt und waren irgendwann mühsam!


Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich gern mehr über Leute die mit Flüchtlingen zusammenarbeiten erfahren hätte (wenn auch nur in Romanform) sowie weil es in Wien spielt. Leider bringt für mich dieses Buch viel zu wenig rüber, gerade bei einem so wichtigen Thema. Die örtliche  Zuordnung wird eig auch nur in Minianspielungrn verarbeutet! Die Geschichte hat mich weder gefesselt, noch berührt! Vielleicht ist das Buch auch mit 150 Seiten zu kurz um Emotionales zu vermitteln!? Am Ende der Lektüre dachte ich einfach nur, dass mir die Geschichte irgendwie nichtssagend vorkommt! Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich kein Leser bin, der ewig über ein Buch sinniert und hier unzählige Vermutungen  bzw. Interpretationen anstellt - vielleicht liegt es auch daran! 


Ich habe diesen Roman nicht ungern gelesen, aber mir hat hier einfach zuviel gefehlt, um mich begeistern zu können. Daher gibt es von mir leider nur 2 Sterne. 

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