Massimo Carlotto Der Flüchtling

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Inhaltsangabe zu „Der Flüchtling“ von Massimo Carlotto

Die besten Krimis schreibt das Leben

Padua 1976: Eine Studentin wird mit neunundfünfzig Messerstichen ermordet. Durch Zufall entdeckt der neunzehnjährige Massimo Carlotto das Opfer. Er läuft zu den Carabinieri, um den Fall zu melden – und wird verhaftet und unter Mordanklage gestellt. Carlotto flieht nach Paris und von dort einige Jahre später nach Mexiko. Unter politisch Verfolgten lernt er zu überleben, ohne den Verstand zu verlieren.

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  • Der Flüchtling

    Der Flüchtling

    Angel10

    26. September 2017 um 09:18

    - Exil in Paris und Mexico

  • Italienische Justizgeschichte: Der "Caso Carlotto"

    Der Flüchtling

    BeaMilana

    08. August 2014 um 08:31

    1976 findet der neunzehnjährige Massimo Carlotto eine Studentin mit neunundfünfzig Messerstichen ermordet auf. Er wird unter Mordanklage gestellt. Die erste Instanz spricht ihn mangels Beweisen frei, doch das Oberlandesgericht der Provinz Venedig verurteilt ihn 1979 zu achtzehn Jahren Zuchthaus. Das Kassationsgericht lehnt den Revisionsantrag der Verteidigung ab und bestätigt das Urteil. Massimo flieht, erst nach Paris, dann nach Mexiko. "Der Flüchtling" erzählt von Carlottos Erlebnissen und Begegnungen aus der Zeit der Flucht. Er beschreibt nicht nur die psychischen und physischen Qualen, die das Leben abseits jeder Legalität im Exil mit sich brachte, sondern auch eine Zeit, in der Gruppierungen verschiedenster ideologischer Anschauungen gegen den politischen Feind kämpften. Ich fand das alles ungewöhnlich und sehr interessant. Das Buch (es ist sein Debüt) steckt auch voller kleiner Anekdoten und liest sich erstaunlich leicht. Zurück zur Chronik: Absolut erschütternd ist der Irrsinn, der Massimo – von seinem mexikanischen Anwalt verraten und ausgeliefert –, erneut in den grotesken Mühlen der italienischen Justiz widerfährt. 1991 verkündet das Verfassungsgericht seinen Freispruch, doch ein Jahr später bestätigt der Kassationsgerichtshof das Urteil der Provinz Venedig und spricht ihn wieder schuldig. Auf Druck verschiedener Menschenrechtsorganisationen, internationalem Protest und achtzehntausend Unterschriften wird Massimo Carlotto 1993, kurz vor dem Selbstmord, begnadigt. Wie die Justiz ein ganzes Leben versauen kann – ein Skandal, der seines gleichen sucht.

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  • Rezension zu "Der Flüchtling" von Massimo Carlotto

    Der Flüchtling

    Ati

    20. November 2012 um 17:05

    Seine Genre sind Thriller und Krimis in denen es um die Mafia, die korrupte Gesellschaft, bestechliche Politiker, das Militär, um Skandale geht, die einen nicht einfach so kalt lassen können, weil sie zu viele reale Bezüge enthalten. Seit seinem Debütroman Il fuggiasco verfasste er etwa 20 Romane, die übersetzten tragen Titel wie Tödlicher Staub, Wo die Zitronen blühen, Banditenliebe oder auch Die dunkle Unermesslichkeit des Todes. In seinem autobiografischen (Debüt-)Roman erzählt Massimo Carlotto jedoch seine Geschichte, die ihren Anfang 1976 nahm. Damals meldete der linksradikal eingestellte 19jährige Massimo Carlotto den Mord einer Kommilitonin, wurde festgenommen, wegen Mordes angeklagt. Über ein Jahr später wurde er zunächst freigesprochen, dann zu 18 Jahren verurteilt, sein Revisionsantrag 1982 abgelehnt. Carlotto gelang die Flucht, die ihn über Paris nach Mexico führte. Drei Jahre später kam er erneut ins Gefängnis. Bevor seine Begnadigung im Jahr 1993 aufgrund einer Gesetzesänderung aus Mangel an Beweisen erfolgte, musste Carlotto lernen zu überleben. Unter politisch Verfolgten ebenso wie unter Schwerverbrechern. Heute zählt der 1956 in Padua geborene Carlotto zu den erfolgreichsten Krimiautoren Italiens. Doch zurück zu Der Flüchtling, der im Original bereits 1994 erschienen ist und dazu beigetragen haben dürfte, dass der Autor nach 17 Jahren Exil und Gefängnis als Opfer der Justiz auch über die Grenzen Italiens und diverser Organisationen hinaus bekannt ist. Der Roman beginnt nach seiner Abschiebung aus Mexico und der erneuten Festnahme in Italien. Das Buch lag bedauerlicherweise länger auf meinem SuB. Nicht wirklich ungelesen, aber unbesprochen, weshalb ich es am vergangenen Wochenende ein zweites Mal in Angriff nahm. Gleich vorab: Die Wirkung ist die gleiche geblieben. Wer erwartet, Genaueres über den Mordfall zu lesen oder denkt, dass Carlotto nur mit der italienischen Justiz abrechnen will, liegt falsch. Stattdessen erfährt man von seinem jahrelangen Untertauchen, der Angst vor Verfolgung, daraus resultierender Panik, Todesangst, schweren gesundheitlichen Folgen. Die Flucht und das Untertauchen - beides ist nur durch Helfershelfer möglich und man kann Carlotto einerseits getrost beglückwünschen, dass er darauf zurückgreifen konnte. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wohin ich mich im Fall der Fälle so schnell und sicher wenden sollte. In gewisser Weise hatte er auch Glück, weil sich beispielsweise 1985 das internationale Komitee Gerechtigkeit für Massimo Carlotto gründete und in Italien, Frankreich und England aktiv um seine Freilassung bemühte oder ab 1987 auch die Internationale Liga für Menschenrechte für ihn kämpfte, indem sie eine Untersuchung des Falles einleitete und sich für eine Wiederaufnahme des Verfahrens aussprach. Andererseits half ihm das zwar insgesamt betrachtet, konnte jedoch weder die psychischen noch die physischen Folgen verhindern. Die Jahre, die ihm so genommen wurden, kann ihm niemand zurückgeben, die gemachten Erfahrungen niemand abnehmen. Unsentimental, geradezu nüchtern und gleichförmig distanziert berichtet der Autor von diesen Erlebnissen. Dennoch werden Verzweiflung und Verfolgungswahn deutlich, fordern zunehmend Raum. Obwohl er unter falschem Namen mit falscher Identität leben kann und dabei durchaus kein vollkommen isoliertes Dasein in einem abgeschlossenen Raum fristet, befindet sich der Autor doch in keiner Gemeinschaft, fühlt sich alleine. Niemand kann den Druck abfedern, der auf ihm lastet und der plötzlichen Entwurzelung geschuldet ist. Der durch falsche Identitäten ebenso wächst wie durch das Fehlen eines sicheren sozialen Milieus. Da hilft es auch nichts, dass seine Familie ihn finanziell in der Fremde unterstützt. Aus Angst vor Entdeckung führt ihn seine Flucht von Paris nach Mexico. Was in Paris zunächst noch recht gut funktioniert, kann in Mexico nicht gut gehen. Dort wird nicht nur der Kontakt zu seiner Familie zunehmend schwieriger bis unmöglich. Zu katastrophal ist auch das damalige Leben dort. Dennoch überlegt Carlotto, ob er die mexikanische Staatsbürgerschaft annimmt. Dazu braucht er jedoch Hilfe. Er vertraut sich dem Falschen an. Der nimmt ihn nicht nur nach Strich und Faden aus, sondern verrät ihn zudem an die dortigen Behörden. Prompt wird Carlotto nach Italien abgeschoben. Paranoia ist ein Gefühl, das entsteht, wenn wir uns verfolgt fühlen. Es ist keine Paranoia mehr, wenn wir denn tatsächlich verfolgt werden und so scheint der Begriff im Bezug auf den Autoren eindeutig falsch gewählt. Doch ohne dass Carlotto etwas davon ahnt, ist der Haftbefehl gegen ihn auf wundersame Weise verloren gegangen. Niemand sucht nach ihm. Und nur, weil er sich nach seiner Abschiebung bei der Ankunft in Italien selbst stellt, wird er wieder fest genommen. Es folgen nicht nur für ihn nervenaufreibende Jahre, in denen sein Fall wiederbelebt wird und gleichzeitig unendlich scheint. Carlotto droht zwischen den Mühlrädern der Justiz zerrieben zu werden. Hängt hoffnungslos zwischen Verfahren, Urteilen, Folgeprozessen, Gefängnis und Haftverschonung, ohne dass die Aussicht besteht, dass alles irgendwann einmal ein Ende hat. Ein Gnadengesuch könnte ihm helfen. Allerdings stellt sich die Frage, wie er bereuen soll, was er nicht getan hat. Um es selbst stellen zu können, müsste er jedoch Reue zeigen. All das fordert nicht nur in zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden Tribut, sondern lässt auch Suizidgedanken in ihm aufkeimen. Erst ein entsprechendes Gesuch seiner Eltern sorgt letztlich für seine Begnadigung, nachdem die italienische Gerichtsbarkeit auch auf zunehmenden öffentlichen, teils internationalen Druck nicht bereit war, einzulenken. In diesem autobiografischen Roman geht es wie eingangs erwähnt, weniger um die juristische Aufarbeitung und Abrechnung mit der Justiz. Die gefühlsmäßigen Folgen der Flucht, des Untertauchens, der elf teils selbst initiierten Prozesse und der Gefängnisaufenthalte stehen im Vordergrund. Zwar wird sehr deutlich, wie die Justiz gegen rechtsstaatliche Denkweisen verstößt. Doch noch viel klarer kristallisieren sich die Folgen aus der eigentlich an sich unspektakulären Tatsache heraus, dass der Autor zur falschen Zeit am falschen Ort war. Die daraus entstehende alltägliche und sich über viele Jahre hinziehende Tortur füllt die Seiten des 184 Seiten starken Hardcoverbuches sehr nachdrücklich. Bildhaft und erschütternd lässt Carlotto seine LeserInnen daran teilhaben, hebt das Unerträgliche daran gerade durch seinen distanzierten Sprachstil hervor. Fazit: Obwohl flüssig geschrieben, lässt sich Der Flüchtling nicht einfach so nebenbei lesen. Dazu erschüttert die Thematik zu sehr. Wer leicht verdauliche, vor allem unterhaltsame Mainstream-Geschichten mag, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Was davon der Fantasie des Autors oder der von ihm erlebten Realität geschuldet ist, weiß vermutlich nur er selbst. Mit Der Flüchtling hat er jedoch einen autobiografischen Roman geschaffen, der auch nach Beendigung der Lektüre für ein überaus unangenehmes Gefühl sorgt, den man nicht so einfach vergisst. Deshalb möchte ich dem Roman fünf von fünf Punkten geben. Copyright ©2012, Antje Jürgens (AJ)

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  • Leserunde zu "Tödlicher Staub" von Massimo Carlotto

    Tödlicher Staub

    Auron

    Eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein... für allzu Neugierige kann sie jedoch tödlich sein! Der italienische Krimiautor Massimo Carlotto, von der Zeitung "Il Manifesto" zum Besten seiner Zunft gekürt, präsentiert in diesem Frühjahr sein neuestes Werk: "Tödlicher Staub", erschienen bei Klett-Cotta. Massimo Carlottos Vision von Sardiniens idyllischen Gestaden ist tödlich: Statt sich an türkisblauen Buchten am Fuße malerischer Berge zu erfreuen, steigt er mit uns hinab in den zwielichtigen Sumpf von Militär, Mafia und Industrie. Und dabei wird Italiens Trauminsel zum Spielball krimineller Machtinteressen. Mehr zum Inhalt: Als Deserteur ist Pierre Nazarri auf der Flucht vor der Militärpolizei. In den Untergrund abgetaucht arbeitet er für eine zwielichtige paramilitärische Organisation. Von dieser wurde er auf Nina angesetzt, deren Nachforschungen auf Sardinien einigen Mächtigen ein Dorn im Auge sind. Denn die junge Tierärztin droht, das schmutzige Geheimnis um die mysteriösen Erkrankungen und Missbildungen bei den einheimischen Tieren zu lüften. Und schon beginnt das spannungsgeladene Ränkespiel im Schussfeld zwischen Militär und Mafia. Erste Eindrücke zu "Tödlicher Staub" könnt ihr in dieser Leseprobe gewinnen. Carlottos aufreibender Krimi basiert auf jahrelangen Recherchearbeiten des Autors und Mama Sabot, einer Gruppe sardinischer Journalisten und Schriftsteller. Sie haben im Vorfeld einen Öko-Skandal an Sardiniens Stränden aufgedeckt, der im Verdacht steht, für sich häufende Krankheitsfälle auf der Insel verantwortlich zu sein. Mehr zum Autor: Der 1956 in Padua geborene Massimo Carlotto geriet in seiner Vergangenheit selbst in Schwierigkeiten mit dem Staat. Nachdem er in den 1970er Jahren als Sympatisant der extremen Linken wegen Mordes zu Unrecht verurteilt worden war, gelang ihm die Flucht. Erst in Paris, später drei Jahre in Mexiko wurde Carlotto zuletzt wieder an Italien ausgeliefert. Nach mehreren Prozessen und Gefängnisaufenthalten wurde er schließlich 1993 begnadigt. Seitdem lebt der Schriftsteller auf Sardinien. Bewerbung als Testleser: Alle Fans des politischen Krimis haben bei dieser Leserunde die Chance, eines von 25 Exemplaren von "Tödlicher Staub" zu gewinnen. Bewerbt euch dafür einfach als Testleser. Die einfallsreichsten Kommentare zum Thema werden mit Massimo Carlottos Kriminalroman prämiert. Dazu habt ihr bis einschließlich 28. Mai Zeit. Danach werden die Gewinner hier bekannt gegeben. An der Verlosung nehmen alle teil, die uns über Folgendes aufklären: Wo lauern eurer Erfahrung nach versteckte Gifte, über deren Gefahren längst aufgeklärt werden müsste? Was wird ahnungslos genossen, was fahrlässig konsumiert? Und über welche Warnhinweise hat sich längst tödlicher Staub gelegt?

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  • Rezension zu "Der Flüchtling" von Massimo Carlotto

    Der Flüchtling

    michael_lehmann-pape

    22. October 2010 um 15:54

    Unschuldig verurteilt In Italien kennt jeder Erwachsene den Fall Carlotto. Doch über die Grenzen des Landes heraus ist Massimo Carlotto, wenn überhaupt, aus den letzten Jahren eher als Kriminalschriftsteller bekannt, denn als die Hauptperson eines Kernstückes der italienischen Justizgeschichte. Sechs Jahre Gefängnis und fünf Jahre als Flüchtling, vornehmlich in Paris und Mexiko haben den, zu Beginn des Falles 19jährigen, jungen Mann geprägt. Die Zeit der Flucht, aber auch die darauffolgenden Jahre im Gefängnis und mit Blick auf die 11 Prozesse, die über Carlotto einerseits hereinbrachen und die er andererseits zum Erweis seiner Unschuld je selber angestrebt hat, diese Geschichte erzählt Massimo Carlotto in seinem Buch. 1994 in Italien erschienen markiert das Buch das Ende der Zeit als Verurteilter. Allerdings nicht, weil offiziell seine Unschuld in einem der Prozesse festgestellt und ausgesprochen wurde, sondern aufgrund einer Veränderung im Rechtssystem selbst, die es endlich in den Raum stellt, dass aus Mangel an Beweisen freizulassen und nicht zu verurteilen ist. In Zuge seines Falles wurde letztendlich das entsprechende Gesetzeswerk in Italien grundlegend verändert. Carlotto hat somit auch in der Wirkungsgeschichte seines Falles ganz handfest Gesetzesgeschichte geschrieben. Dies allerdings erwähnt er im Buch nur am Rande der Einleitung, sein eigentliches Thema ist seine Erinnerung an jene Jahre der Flucht und des Untertauchens im Exil. Seine Odyssee durch die Gefängnisse und seine Flucht beginnt 1976 mit dem Mord an der Studentin Margherita Magello. Massimo Carlotto, ebenfalls Student und gerade 19 Jahre alt findet das Opfer und meldet den Mord der Polizei, die ihn umgehend festnimmt, anklagt und in einem Schauprozess zu 15 Jahren Gefängnis zu verurteilen gedenkt. Einem Prozess, der den linksradikalen Hintergrund Carlottos fest im Blick hat, keinen Unterschied zu seiner politischen Vereinigung und terroristischen Gruppen kennt. Kurz vor der Urteilsverkündung flieht Carlotto und taucht zunächst in Paris, später in Mexiko unter. Immer, und das ist mit seine eigentliche Crux, wirkte er im Kontakt mit den Justizbehörden, kühl, unnahbar, distanziert. Eine innere Haltung, die seinem Schreibstil eng verwandt ist. Und empfindet doch zunehmend Verzweiflung über das, was über ihn hinein bricht. Nichts Abenteuerliches ist dann auch im Verlauf des Buches an seinem Leben im Untergrund erkennbar. Ein Kerker ohne Mauern, mehr aber auch nicht, ist das Leben als Flüchtling. Der häufige Wechsel der Identitäten, das ständige Leben in Angst vor jedem forschenden Blick im Cafe, nichts wirklich zu besitzen, was ein Gefühl von Heimat geben könnte, denn alles muss in eine Tasche packen und schnell verstaut sein. Der Verlust der inneren Heimat seiner Familie, mit der zunächst nur erschwert, in Mexiko dann gar kein Kontakt mehr möglich ist. Das alles gekrönt von den brutalen Erfahrungen in den diversen Gefängnissen lässt ein Bild vor dem Auge des Betrachters entstehen, das erschreckender kaum sein könnte. Die Solidarität unter den Flüchtlingen, in deren Gemeinschaft Carlotto von Beginn an eintaucht, mildert diesen erschreckenden Impetus des Buches in keiner Weise. Mit kühler, präziser Sprache öffnet Carlotto den Blick auf einen Menschen, der äußerlich hart und kühl wirkt, der aber im Gegenzug alles in sich hineinfrisst und dies im wörtlichen Sinne des Wortes. Fresssüchtig und nikotinsüchtig in hohem Grad taumelt Carlotto mehr durch sein Exil, denn das er für sich selber Hoffnung zu finden vermag. Einen Sprachstil zudem pflegt Carlotto, der lapidar und distanziert sich einprägt, der das Erschrecken gerade in einigen Szenen aus den Hafttagen intensiv in den Raum zu setzen vermag, Szenen, die an Brutalität kaum zu überbieten sind und gerade aufgrund der nüchternen Beschreibung unerträglich werden. Ein flüssig und gut zu lesendes Buch, das einen über die Dauer des Lesens hinaus nicht loslässt im Blick auf das, was in modernen Zeiten von Seiten der Justiz und im Blick auf ein Leben im Untergrund immer noch möglich ist.

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