Massiv

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Erschienen am 12.10.2012
MassivMassiv: Solange mein Herz schlägt
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Massiv: Solange mein Herz schlägt
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Erschienen am 12.10.2012

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Rezension zu "Massiv" von Massiv

Rezension zu "Massiv" von Massiv
Rainevor 6 Jahren

Wasiem Taha wächst als Sohn palastinänsischer Eltern im rheinland-pfälzischen Pirmasens auf. Dabei ist seine Kindheit alles andere als rosig: Neben einem scheinbar lieblosen Vater, leidet der Junge vor allem unter dem Rassismus und der Grausamkeit seiner Umgebung. Trotzdem findet Wasiem kein Gehör bei seiner Familie. Doch ein fataler Unfall verändert den einsamen und schüchternen Außenseiter vollkommen. Er rutscht ins kriminelle Milieu, bricht mehrere Ausbildungen ab und geht auf Diebestouren mit seinem Freund. Doch er merkt, dass dies nicht alles sein kann. Wasiem beschließt seinen Traum zu leben: Er will Rapper werden!

Beginnen wir mit den Äußerlichkeiten: Das Cover finde ich unglaublich hässlich. Ich lasse mich nicht gerne mit aggressivem Blick von einem Buch heraus anstarren. Zudem unterstützt es fast sämtliche Klischees, die man von einem Gangster-Rapper haben kann und lässt mich nicht vermuten, dass große Weisheit zwischen den beiden Buchdeckeln steckt. Ansonsten ist die äußerliche Qualität des Buches jedoch sehr gut. Ein recht stabiler, ausklappbarer Pappeinband und mehrere Seiten mit farbigen Fotos aus Wasiems Leben machen einen sehr guten Eindruck, auch wenn der Preis von knapp 17 Euro nicht unbedingt günstig ist (wenn man mal die Zielgruppe bedenkt).

Doch der Inhalt überrascht. Sehr anschaulich wird von dem Wandel eines schüchternen Jungen in einen ehrgeizigen Musiker erzählt. Dabei ist das Buch wie auch Wasiems Leben in drei Abschnitte gegliedert: die Kindheit (Wisam), seine Jugendzeit (Wasiem) und sein Leben jetzt (Massiv). Leider fehlen zwischenzeitig wichtige Passagen, um die Wandlung wirklich nachvollziehen zu können. Von einem auf den anderen Tag scheint Wasiem vom Außenseiter zum selbstbewussten Stecher mutiert zu sein. Der eingängige Erzählstil ist dabei vermutlich vor allem der Co-Autorin Mariam Noori zu verdanken, wobei die Metapher ihr favorisiertes Stilmittel zu sein scheint. Die Worte "wie ein" ("wie ein Stein", "wie eine Katze", wie ein wasweißich) fallen auffällig häufig in dem Text. Trotzdem kann man die Geschichte des Rappers leicht und flüssig lesen und wird dabei mit Details aus seinem Leben konfrontiert, die viel Mut brauchen, um sie zu erzählen.

Natürlich enthält dieses Buch auch Stellen, die man der Image-Pflege zuschreiben könnte. Ziemlich unreflektiert wird über Drogen, Knast, Umgang mit Mafiosi und anderen Kriminellen, Gewalt und vulgäre Songtexte erzählt, die genauso in das Klischee des Ganster-Rappers passen wie Aussagen über seine Familie oder seinem Traum vom Starruhm. Zudem ergeht er sich in philosophischen Gedanken, die man ihm vielleicht vom Cover (und von Interviews, die ich nach dem Lesen des Buches gesehen habe) her gar nicht zutrauen würde. Ob die Geschichten geschönt sind oder absolut der Wahrheit entsprechen, vermag ich nicht zu beurteilen. Trotzdem glaube ich, dass die Kernaussage richtig ist: ein Junge von "unten" kämpft sich nach "oben". Mit diesem Bild werden sich natürlich viele Jugendliche der heutigen Zeit identifizieren können. Gleichzeitig suggeriert es jedoch die utopische Vorstellung, dass diesen Aufstieg jeder schaffen kann.

Ich würde dieses Buch vor allem Fans von Massiv empfehlen. Es ist ein Buch, das Mut machen kann und auch einen etwas persönlicheren Blick auf den Rapper werfen lässt. Natürlich fehlen dem Text ein paar vernünftige Aussagen wie "Macht gefälligst euren Schulabschluss und bringt eure Ausbildung zu Ende, nicht jeder kann Rapper werden!" oder "Gewalt ist keine Lösung!", aber okay. Es ist eine Biografie und kein Lebensratgeber.

Für mich persönlich war das Buch interessant, mehr aber auch nicht. Die 352 Seiten ließen sich in zwei Tagen runterlesen und ich kann nicht behaupten, dass ich gelangweilt war. Trotzdem werde ich nun weder zur Rap-Hörerin, noch zum Massiv-Fan.

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erdbeerliebe.s avatar

Rezension zu "Massiv" von Massiv

Rezension zu "Massiv" von Massiv
erdbeerliebe.vor 6 Jahren

Bisher war mir Massiv ehrlich gesagt gar kein so richtiger Begriff. Klar, wurde man mal irgendwo negativ in den Medien erwähnt aber Ahnung von ihm oder seiner Musik hatte ich bis dato noch nicht. Das sollte sich dann jetzt wohl ändern.
Vorn weg sei allerdings gesagt, dass es sich bei dem Buch von ihm nicht um ein Buch VON ihm sondern MIT ihm handelte - mit geholfen am Buch hat die gute Frau Mariam Noori, über die leider wenig herauszufinden ist. Welche Teile im Werk also von Massiv stammen und wieviel er mitgewirkt hat ist unklar.
Apropos "Massiv spaltet mit seinen Worten Deutschland.": Die Meinungen WAS sein Buch nun ist (also Biografie oder Autobiografie) gehen stark auseinander. Während im Wikipedia Artikel über Massiv von seiner Autobiografie gesprochen wird, listen Amazon und lovelybooks das Buch unter "Biografien", rapupdate.de betitelt es auch als "Biografie" und 16bars.de sowie rappers.in ordnen es wieder den Autobiografien ein.. Da ich von offizieller Seite keine genaue Stellungnahme finden konnte kann ich mich dazu nicht genau äußern. Irgendwie doof.

In dem Buch selbst geht es also um Massivs, der mit bürgerlichem Namen Wasiem Taha heisst, Kindheit, kleinkriminelle Jugend und seinem Werdegang zum berühmten (Skandal-) Rapper.
Da ich mich gerne mit der Widerlegung von Vorurteilen befasse (ich meine, solche angebliche "Skandal-Rappern" gibt es ja wie Sand am Meer) dachte ich mir, ich fang' damit mal an.. schließlich sind Rapper auch irgendwo nur Menschen, die eben äh.. einen etwas anderen Geschmack haben. Es kann nicht falsch sein, sich mal für sie zu interessieren - ich war gespannt, was Massiv mir so erzählen würde. Ob man nun deshalb seine Musik mögen muss, ist etwas anderes. (;

Das Buch Solange mein Herz schlägt teilt sich grob in drei Teile auf: Kindheit, Jugend und Gegenwart. Dabei nimmt allerdings der erste Teil, Wasiems nicht so schöne (im Grunde genommen ziemlich beschissene) Kindheit einen großen Teil, ungefähr die Hälfte des Buches ein. Das ist interessant, frage ich mich dann doch, wieso seine doch ach so kriminelle Jugend so stark dezimiert dargestellt wurde. Kaum wird es nämlich interessant und Wasiem verliebt sich als junger Erwachsener, macht das Buch einen GROSSEN Sprung von sieben Jahren und statt niedlicher Verliebtheit wird der Leser schon wieder mit Problemen konfrontiert, der Leser findet sich in einer zerrütten Beziehung, die mehr als kriselt, wider. -
Als würde Massiv aber auch partout keine Freude daran haben, mal von den schönen Seiten des Lebens zu berichten! Naja. Skandalrapper rappen eben nicht über Sonnenschein und Ponies, ne? Doch zurück zum Buch.

Wobei ich auch schon an meinem Hauptärger des Buches wäre: Es ist alles so einseitig berichtet! Natürlich ist mir klar, dass es sich bei Solange mein Herz schlägt um ein sehr persönliches Werk welches nur subtil dargestellt werden kann, handelt, aber die Personen, von denen Wasiem berichtet haben so gut wie nie Schattierungen. Kaum widerfährt dem jungen Wasiem etwas gutes (beispielsweise in einer Art Jugendfreizeitheim, welches von Nonnen geleitet wird), taucht auch schon wider eine abgrundtief und wirklich ABSOLUT BÖSE Person auf, hier Schwester Brigitte, die den Jungen dazu zwingt, sogar sein Erbrochenes nochmal zu essen! Stundenlang! Bis er nicht mehr aufhören kann zu Zittern.
Es fällt mir sehr schwer solchen Erzählungen Wort für Wort Glauben zu schenken. Ich komme nicht umhin, da etwas an dem Wahrheitsgehalt und der Authenzität des Werkes zu zweifeln. Wären solche Erzählungen der Kindheit etwas dreidimensioneller mit längeren inneren Monologen oder oder und hie- und da mal mit Schilderungen des täglichen Lebens (also auch ganz alltäglichen Dingen, die eben erzählt werden müssen) sowie erfeulichen Beispielen aufgehellt, wäre mir der Gedanke Massivs Kindheit könnte etwas "überdramatisiert" dargestellt sein, gar nicht gekommen.
Freunde hat der kleine Massiv nämlich scheinbar gar keine (abgesehen von seiner Schwester) - erst in seiner Jugend wird ein Kumpel namenhaft erwähnt.

Leider hat der Abschnitt der "Jugend" in Solange mein Herz schlägt eine sehr kurze Rolle: Schon nach wenigen Kapiteln (besonders verglichen mit der Kindheit Massivs) gehen die Schilderungen und Erzählungen über in die Gegenwart vor ein paar Jahren, dem jungen Erwachsenen Massiv, der nach Berlin aufbricht um dort sein Glück zu finden. Das finde ich etwas schade, da mir dadurch auch die Chance genommen wird, Massiv etwas besser kennen zu lernen - In einigen Abschnitten wird von massivem (ist das jetzt wortfies?) Diebstahl zusammenfasst berichtet, doch das einzige was ich dachte war: Und ich als Leser bin nicht dabei!! Vielleicht fehlte Wasiem an dieser Stelle einfach die Perspektive eines Buchlesers: Der leidet mit ihm in seiner Kindheit mit und möchte natürlich auch mit ihm die Jugend, die erste Rebellion gegen seinen Vater und seine Ausflüchte in die Welt der Kriminalität durchstehen dürfen. Und ist enttäuscht, wenn darüber dann gar nicht berichtet wird.

Stattdessen finde ich als Leser mich langsam in Berlin ein, dort erhofft sich Wasiem nämlich große Chancen für seine Karriere als Rapper. Hier wird wieder viel zusammengefasst, hauptsächlich, weil es wohl ein sehr langwieriger und geduldsamer Teil seines Lebens war. Als er dann den Durchbruch schafft wird es meiner Meinung nach sehr langatmig: Er ergibt sich in Lobeshymnen über sich selbst, wie man doch an sich und seine Träume glauben sollte und daran festhalten müsste, um etwas zu erreichen und sich selbst bestehen zu können. Das ganze ist sehr löblich, eignet sich allerdings nicht als Füllstoff für mehrere Kapitel und ich habe danach endgültig den Bezug zu Massiv verloren: Zu abgehoben und stolz erscheint er mir, nicht mehr greifbar, es gibt nur noch wenige persönliche Ereignisse von denen er mir erzählt und letztendlich kommt in mir der Eindruck hoch, dass er seinen Fans nicht sehr dankbar zu sein scheint. Schließlich prügelt er sich mit ihnen, beleidigt in einigen seiner Songs Fans im Ruhrpott und versucht immer noch einen drauf zu setzen. Er betitelt seine Handlungen zwar im Buch als "die größten Fehler seines Lebens" aber direkt entschuldigen oder seine Fans im Buch ansprechen tut er nicht. Dabei ist so ein Buch doch ein ultimatives Medium dafür! Ich empfand es als leicht bitter, dass er sich am 'Ende' (von Ende kann ja nicht die Rede sein, der gute Kerl ist nur ein paar Jahre älter als ich) seiner Auto/Biografie nicht noch Mal Wort an seine Leser und ggf. Fans richtet.

Fazit: Solange mein Herz schlägt ist ein aufwühlendes und dramatisches Buch über die Biografie eines Rappers, der im Grunde genommen mehr Mensch ist, als man hinter seinen brutalen und harten Songs vermuten könnte. Leider könnte das Buch an einigen Stellen (trotz der Tatsache, dass es eine Bio- bzw. Autobiografie ist) etwas mehr Tiefe und Dreidimensionalität vertragen, da gewisse Abschnitte im Buch Authentizität missen lassen. Dies wird meiner Meinung nach immer deutlicher gegen Ende des Buches, in dem stark zusammengefasst wird und immer weniger von Ereignissen aus Massivs privatem Leben berichtet wird. Ich als Leserin hatet nicht mehr das Gefühl wirklich einen Einblick in Massivs Leben zu bekommen und verlor die Bindung zu ihm und seinem Buch. Schade, da der Anfang wirklich gut war!

Weiterempfehlen würde ich das Buch trotzdem. Gerade Menschen, die mir mit Reaktionen wie "Ist nicht dein ernst?" "Sowas liest du?" und "Guckt der aber unfreundlich auf dem Cover?" (gut, tut er wirklich), begegneten, würde ich ein Buch wie Solange mein Herz schlägt, empfehlen zulesen. Letzentlich schadet man seinem eigenen Urteilsvermögen, wenn man vorurteilsbelastet ist und Menschen mit größerem Aufmerksamkeits- und Rapbedürfnis (wie Massiv) in eine Schublade steckt, ohne sich selbst die Zeit zu nehmen, sie wenigstens durch eine (Auto-)Biografie ein klitzekleines Stück besser kennen- und verstehen zu lernen.
Auf Fans sei das Buch natürlich ans Herz gelegt (;

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