Mathias A Winde Bürgerliches Wissen - Nationalsozialistische Herrschaft: Sprache in Goebbels' Zeitung Das Reich

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Inhaltsangabe zu „Bürgerliches Wissen - Nationalsozialistische Herrschaft: Sprache in Goebbels' Zeitung Das Reich“ von Mathias A Winde

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    Bürgerliches Wissen - Nationalsozialistische Herrschaft: Sprache in Goebbels' Zeitung Das Reich
    Schmettaling

    Schmettaling

    11. November 2009 um 23:00

    Die Zeitung “Das Reich”, die vom 26.05.1940 bis zum 15.04.1945 während der Zeit des Nationalsozialismus im “Deutschen Verlag” in Berlin erschienen ist, bildet den Kern dieser Lektüre. Das Hauptaugenmerk legt der Autor dabei auf die Artikel zum Thema “Sprache“ und fokussiert sich nicht, im Vergleich zu zahlreichen anderen Sprachwissenschaftler, auf die rhetorische Analyse der vorherrschenden Parteisprache. Um zunächst den Aufbau zu skizzieren: Das Buch ist in folgende fünf Kapitel unterteilt: Kontinuität von Wissen, Muttersprache und “Das Reich”, Sprache in der Zeitung “Das Reich”, Herstellung des Einverständnisses und Ausblick- Von der Schuld der Sprache und der Unschuld der Überzeugung. Das erste Kapitel bildet eine Wissensgrundlage und stellt den Untersuchungs- sowie Forschungsgegenstand dar. Dies ist für den Leser notwendig, um dem weiteren Verlauf folgen zu können. Das nächste Kapitel geht auf das bürgerliche Wissenssystem und die nationalsozialistische Sprachauffassung ein. Der Autor bezieht sich auf die Muttersprachideologie, indem er die Entwicklung der bürgerlichen Werte und Überzeugungen zur Sprache als Basis für die Analyse des Wissenssystems Sprache in der Zeitung “Das Reich” darlegt. Es stellt sich dem Leser die Frage: Wie ist das Sprachverständnis des Bürgertums während der NS-Zeit? Dabei ist es entscheidend, die Entstehung und Ausweitung der rassistisch geprägten Sprachideologie zu betrachten. Zuzüglich zeigen sich zwei Konflikte im sprachpraktischen Bereich (die bürgerliche Sprachkritik steht in Diskrepanz zur propagandistischen Nutzung von Sprache im Nationalsozialismus) sowie in der Sprachtheorie (die Sprachideologie bildet einen Kontrast zu der Rassenideologie). Die Idee einer einheitlichen deutschen Sprache diente zunächst dem Zugehörigkeitsgefühl. Im Gegensatz dazu nutzt die nationalsozialistische Spracherfassung die Sprache bzw. das gesprochene Wort als „Instrument der Massenbeeinflussung”(S.51). Der überschwängliche Patriotismus bildet dabei die ersten Anzeichen von Rassismus und Antisemitismus. Während die Vertreter des Sozialnationalismus die Verwendung von Metaphern und weitgehend Fremdwörtern befürworten, fordert der deutsche Sprachverein den Erhalt der deutschen Hochsprache (Bühnenaussprache) und die Unterbindung von Fachwörtern. Dieser Gesichtspunkt bildet eine entscheidende Konfliktlinie. Das dritte Kapitel wird mit Hilfe einiger Übersichtsinformationen zu der Zeitung “Das Reich” eingeleitet. Diese Presse, die an eine breite bürgerliche Masse adressiert war, wurde von Goebbels protegiert und zur propagandischen Einflussnahme genutzt. Dabei stieg die Anzahl von 300 000 auf 1.421 Millionen Exemplare. Fortlaufend analysiert Winde einzelne Artikel, wie „Was ist ein Opfer” (S.71) oder „Fremdwort und Sprachreinigung”(S.84) zum Thema “Sprache“, und verdeutlicht die Intention der Verfasser, nämlich eine „Überhöhung des Deutschen und eine Abwertung der anderen Nationalsprachen”(S.100). So lassen sich in dem gesamten Erscheinungszeitraum nur zwei Artikel auffinden, die einen Widerspruch erkennen lassen. Die letzten Kapitel bieten eine präzise und kompakte Zusammenfassung der ausführlich, vorangehenden Kapitel. In der Einleitung wird die Entwicklung der Sprache von dem Kaiserreich bis hin zum zweiten Weltkrieg, der Zeit des Nationalsozialismus, kommentiert. Der Einbezug der historischen Sicht ist für den Leser positiv zu bewerten. Die Wortwahl des Autors ist fassettenreich und bedient sich oftmals der Fachtermini. Demgemäß ist es abwechslungsreich und auch für Laien ansprechend gestaltet. Die Lektüre ist nicht nur für Sprachwissenschaftler und Interessiere an dem Thema “Sprache” geeignet, sondern auch für Historiker, aufgrund des umfangreichen geschichtlichen Hintergrundwissen, ansprechend. Zahlreiche Verweise, wie beispielsweise auf den Dichter Herder oder den Wissenschaftler Humboldt dokumentieren und belegen die fundieren Aussagen. Diese Aspekte zeichnen eine wissenschaftliche Arbeit aus. Desweiteren wird in dem Kapitel „Die nationalsozialistische Sprachauffassung“ (S.49) das politische Grundlagenwerk Hitlers „Mein Kampf“ zitiert. Der einzige Mangel betrifft die Informationen zu den Verfassern der einzelnen Artikel, darunter Reifferscheidt und Korn. Es sind keine biografischen Angaben vorhanden, so dass sich der Leser leider kein Bild über die Person und ihren Stellenwert zu der Zeit machen kann. Dessen ungeachtet ist das Buch “Bürgerliches Wissen- Nationalsozialistische Herrschaft. Sprache in Goebbels' Zeitung Das Reich“ trotz alledem eine Bereicherung auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft und meines Erachtens nach sehr zu empfehlen.

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