Mathias Enard Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten

(5)

Lovelybooks Bewertung

  • 8 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(2)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten“ von Mathias Enard

Als Michelangelo in Konstantinopel landet, weiß er, dass er damit den Zorn des Papstes Julius II. provoziert hat und befürchtet seine Exkommunizierung. Verärgert über die schlechte Zahlungsmoral des Papstes, hat er die Arbeit an dessen Grabmal in Rom als Baustelle zurückgelassen und ist nach Florenz geflüchtet. Aber wie hätte er die Einladung des Sultans Bajezid II., eine Brücke über das Goldene Horn, von Konstantinopel zum nördlichen Vorort Pera, zu bauen, ablehnen können? Es ist ein mit 50 000 Dukaten gut bezahltes Projekt, und umso reizvoller, als Leonardo da Vinci, sein ewiger Rivale, zwanzig Jahre zuvor daran gescheitert ist. Konstantinopel ist 1506 ein kosmopolitisches und tolerantes Handelszentrum, in dem sich Christen und Juden frei bewegen dürfen, Refugium der gerade erst von den katholischen Königen aus Spanien vertriebenen Juden, fremd und voller Verführungen für den asketisch lebenden, seinem Werk verpflichteten Michelangelo. Aber nach der Begegnung mit einer hermaphroditischen Schönheit aus Andalusien hat er die Vision einer Brücke, einer Brücke zwischen Orient und Okzident. Das Erdbeben von 1509 wird die Fundamente dieser Brücke zerstören, es bleiben nur die Spuren von Michelangelos osmanischer Episode in seinem späteren Werk. Énard zeichnet das Künstlerporträt Michelangelos, und er füllt, in einer unaufhebbaren Grauzone zwischen Fiktion und historischer Wahrscheinlichkeit, die wenigen Wochen aus, die in den zeitgenössischen Lebensbeschreibungen des Renaissancegenies weiße Flecken geblieben waren.

Stöbern in Romane

In einem anderen Licht

Ein sehr mitreißender Roman abends mit Tee und Kerzen

Anja_Si

Der Junge auf dem Berg

Eine Geschichte, die wach rüttelt und wieder und wieder an das appelliert, was wichtig ist. Wer bestimmt deine Gedanken?

Maren_Zurek

Palast der Finsternis

Zu viel, was man schon gelesen hat.

momkki

Zartbitter ist das Glück

Tiefgründig, exotisch und emotionsgeladene Geschichte von fünf Freundinnen die ihren lebensabend gemeinsam auf den Fidschis erleben möchten

isabellepf

Der Vater, der vom Himmel fiel

Britischer und schwarzer Humor bis hin zu brüllender Komik

Hennie

Liebe zwischen den Zeilen

Eine liebevolle Geschichte, wie Bücher unterschiedlichste Menschen verbinden und ihre Leben verändern können.

MotteEnna

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Historische Fantasie

    Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    13. August 2017 um 15:51

    Ebenso kunstvoll und kostbar wie die Preziosen am Hofe des Sultans Bayezid II. erscheint mir dieser schmale Roman von Matthias Énard, der 2010 auf der Shortlist des Prix Goncourt stand und schließlich den Prix Goncourt des Lycéens gewann und für mich das schönste Buch ist, das ich in diesem Jahr bisher gelesen habe.Es erzählt von jenem Sultan des Osmanischen Reichs, der 1506 den Künstler Michelangelo Buonarotti nach Istanbul einlud, damit der ihm eine Brücke über den Bosporus entwerfe. Aus dem Jahr 1502 stammt ein Modell des Landsmannes und Konkurrenten Leonardo da Vinci, die dem Herrscher aber nicht zusagte. Wer nun allerdings ein Porträt Michelangelos als Künstler und Mensch oder einen genau recherchierten Historienroman erwartet, wird vielleicht ebenso enttäuscht sein wie jener Kritiker,der „westliche Bau- und östliche Ingenieurskunst, dazu ein Hauch 1001 Nacht, und das alles in der Wahrnehmung Michelangelos“ erwartet hatte, dann aber zu seiner Bestürzung feststellen musste, dies nicht zu erhalten, „Denn leider, leider interessiert sich Mathias Énard zwar für das bunte Treiben in der orientalischen Stadt, für Intrigen und heimliche Liebe, aber bedauerlicherweise nicht für Michelangelo“ und fordert, „dass man einer solchen Figur doch etwas konzentrierter gerecht werden sollte“. Für mich ein Beispiel einer völlig danebengehenden Kritik, denn, wie der Kritiker selbst schreibt, „Wenn er sich etwas nicht vorgenommen hat, dann das, nämlich einen historischen Romans zu schreiben.“Es ist eine poetische Parabel, ein anregendes Gedankenspiel, das Matthias Ènard hier verfasst, eine historische Fantasie, „Was wäre wenn“. Was wäre, wenn Michelangelo, anders als angenommen, nicht aus Furcht vor dem Islam, der erst gute fünfzig Jahre zuvor das christliche Konstantinopel endgültig einnahm und das byzantinische Reich beendete, und aus Angst vor Repressalien, vielleicht sogar Exkommunikation durch seinen bisherigen Brotgeber Julius II, die Reise abgelehnt hätte. Was wäre, wenn sein Ärger über die ausbleibende Bezahlung durch den Heiligen Stuhl und die Intrigen gegen ihn, ihn tatsächlich in Richtung Morgenland aufbrechen ließen? Verfeindet mit den anderen großen Künstlern in Rom, mit Bramante, Raffael und dem großen Leonardo da Vinci, könnte er hier die Anerkennung und den unermesslichen Lohn gesucht haben, der ihm dort bisher verwehrt blieb.Matthias Énard bedient sich der Figur des Michelangelo und des historischen Kontexts, verflicht geschickt Historie und Fiktion, um etwas zu erörtern, das ihm als ausgewiesenem Orientalist besonders am Herzen liegt: der Verständigung von Ost und West. Er bedient sich dabei auch etwas pathetischer Metaphern: die Brücke ist natürlich ein Sinnbild für die Verbindung von Orient und Okzident. Ihr letztendliches Scheitern ein Ausdruck für die vielen verpassten Chancen einer Annäherung über die Jahrhunderte hinweg. Ein Scheitern, das heute wieder so aktuell erscheint. Die Jahre um 1500 sind dabei die Jahre, in denen sich das Machtgefüge und die Ordnung Europas grundlegend veränderten. Mit der Vertreibung der Araber und Juden aus dem Spanien Ferdinand und Isabellas gen Osten und der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen bildete sich erst das heraus, was wir heute „den Westen“ und „den Osten“ nennen. Die Versöhnung dieser beiden Teile der Welt, die Betonung der Gemeinsamkeiten, die Tolerierung der Unterschiede und Gegensätze ist für Matthias Énard ein Anliegen, das er auch in seinem neuesten, mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman „Kompass“ verfolgt.In „Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten“ kleidet er es in eine Mischung aus Märchenhaftem und Realem, in kurze, manchmal skizzenhafte Kapitel, die in den Passagen einer sephardischen Tänzerin, die einige (unberührte) Nächte mit Michelangelo verbringt, den poetischen Ton orientalischer Liebesdichtung annehmen, in anderen den trockenen Ton der Briefe Michelangelos an seinen Bruder zitieren, dann wieder in erzählerischen Abschnitten ein farbenprächtiges, orientalische-multikulturelles Panorama erschaffen oder tief in die erdachte Gefühls- und Gedankenwelt Michelangelos eintauchen. Seinen Charakteren gestattet der Autor eine große Ambivalenz, was auch zu der Vielschichtigkeit dieses nur schmalen Romans beiträgt.Ein weiteres Thema, das Énard beschäftigt, und das im titelgebenden Motto von Rudyard Kipling anklingt, ist die Macht und die Kraft von Geschichten.„und dann – da sie ja alle Kinder sind – erzähl ihnen von Schlachten, von Königen, Pferden, Teufeln, Elefanten und Engeln; aber vergiss auch nicht, ihnen von Liebe und dergleichen zu erzählen.“Das Motto ist dem Vorwort zu „Dunkles Indien“ entnommen und wird von Gedanken der geheimnisvollen Sephardin aufgenommen.„Ich weiß, dass Männer Kinder sind, die ihre Verzweiflung, ihre Angst vor der Liebe mit Wut vertreiben. Auf die Leere antworten sie, indem sie Schlösser und Tempel bauen. Sie klammern sich an Erzählungen, tragen sie vor sich her wie Standarten; jeder macht sich eine Geschichte zu eigen, um sich der Menge anzuschließen, die sie teilt. Man erobert sie, indem man ihnen von Schlachten, Königen, Elefanten und anderen Wunderwesen erzählt; indem man ihnen von dem Glück erzählt, das uns jenseits des Todes erwartet (…)“„Wiedergutmachung für all die Länder, die wir ab dem Moment verlieren, da wir den Bauch unserer Mutter verlassen, und die wir durch Geschichten ersetzen, wie gierige Kinder sitzen wir mit weit aufgerissenen Augen vor dem Geschichtenerzähler.“Der Zauber, der Trost, die Macht von Geschichten – der Autor glaubt an sie. Und wenn sie mit so wunderbaren Worten erzählt werden, wie Matthias Énard sie benutzt, dann werden sie zum kostbaren Kleinod. Wie schön beschreibt er beispielsweise den Tod des Sultans Bayezid II.„Er starb im Jahr 1512, kurz nachdem er zugunsten seines Sohn Selim abgedankt hatte, auf dem Weg nach Dimetoka, seinem Geburtsort, den er nie erreichte; das Gift, das ihm ein Scherge Selims verabreichte, oder eines jener anderen tödlichen Gifte wie Traurigkeit und Melancholie obsiegte über den Mann, der von einem Bauwerk in Istanbul von der Hand Leonardo da Vincis oder Michelangelo Buonarottis geträumt hatte.“Ein wunderbares Buch!

    Mehr
    • 4
  • Rezension zu "Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten" von Mathias Énard

    Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten
    Rosa_Pantoffeltierchen

    Rosa_Pantoffeltierchen

    17. September 2012 um 20:39

    Ein Buch über den Bildhauer Michelangelo in Konstantinopel... „und dann – da sie ja alle Kinder sind – erzähl ihnen von Schlachten, von Königen, Pferden, Teufeln, Elefanten und Engeln; aber vergiss auch nicht, ihnen von Liebe und dergleichen zu erzählen.“ (Rudyard Kipling) Ich habe mich sofort in Titel und Cover verliebt und war neugierig über Michelangelo zu lesen, über den ich kaum etwas wusste. Es ist nicht wirklich ein Roman; eher ein paar wenige, unausgefüllte Seiten fragmentarischer Puzzlestücke, welche aus Fiktion, Vermutungen und realen Ereignissen bestehen. Das Buch wird getragen vom Motto, welches auch der Titel ist und aus oben genannten Zitat hervorgeht. Einen wirklichen Erzählfluss gibt es nicht, der Handlungsstrang wird immer wieder unterbrochen von einer weiblichen Erzählerin mit ihren Gedanken und durch die überlieferten Briefe und Listen von Michelangelo. Handlung Der 30 jährige, noch recht unbekannte Bildhauer Michelangelo Buonarroti, flüchtet aus Rom und folgt einer Einladung des Sultans nach Konstantinopel. Dort soll er eine Brücke über das goldene Horn entwerfen, an dessen Planung schon Leonardo da Vinci gescheitert ist. Michelangelo plagen die Geldnot, Angst vor Nachrichten aus Rom und die Begierde zu einer andalusischen Tänzerin. Doch er ist auch gierig nach Geld und Ruhm und stürzt sich vollkommen in seine Arbeit, wodurch er die wahre Liebe, die ihm entgegengebracht wird, zuerst nicht erkennt. Nach langer Zeit sind die Entwürfe erst fertig und der Bau der Brücke beginnt, doch damit enden nicht Intrigen und Gefahr. 1509 zerstört ein Erdbeben die Fundamente der Brücke Michelangelos. Meinung Dieses Büchlein hat ja nun wirklich nicht viele Seiten (172, sparsam bedruckt), aber es stecken doch so viele Ideen und Anregungen dahinter, dass es eine Freude macht es zu Lesen. Ich wusste kaum etwas über Michelangelo, nun weiß ich ein wenig mehr. Die Beziehung zu Leonardo da Vinci, Homosexualität, die vielen nebeneinander lebenden Völker, Orient und Okzident und vieles mehr, skizziert Mathias Énard, auf seine eigene, ganz spezielle Weise. Sein Buch wirkt wie ein Fragment, welches einfach gut passt, da niemand weiß was Michelangelo damals in Konstantinopel wirklich gemacht hat und man sich historisch nur auf Bruchstücke beziehen kann. Mathias Énard hat versucht, diese wenigen Wochen in Michelangelos Leben, durch diese Bruchstücke, mit Leben zu füllen und ich finde es ist ihm durchaus gelungen. Wer sich für Geschichte, die Antike, Gedichte und Kunst interessiert, könnte dieses Buch mögen, genauso wie ich. Man sollte nur keine ausgeklügelte Fantasiesgeschichte mit viel Dramatik erwarten, denn was Énard schreibt, könnte vielleicht wirklich so passiert sein und passt gut zum wahrscheinlichen Charakter Michelangelos. Auch ist es eher nur eine schöne Zwischenlektüre. Mir hat es Lust auf mehr Wissen gemacht. Dieses Buch ist so speziell wie es wohl auch Michelangelo war und zeigt, dass historische Romane nicht unbedingt dick sein müssen.

    Mehr