Mathias Enard Kompass

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Inhaltsangabe zu „Kompass“ von Mathias Enard

"Kompass" ist das Buch der Stunde: eine leidenschaftliche Beschwörung der jahrhundertelangen Passion des Westens für die orientalische Kultur. Unter dem Schock einer alarmierenden medizinischen Diagnose verbringt Franz Ritter, Musikwissenschaftler in Wien, eine schlaflose Nacht. Er begibt sich im Geiste noch einmal an die Orte seiner Forschungsreisen: Istanbul, Damaskus, Aleppo, Palmyra – alles Städte, die für ihn untrennbar mit Sarah verbunden sind, der berühmten Orientalistin, seiner großen Liebe. Seine Erinnerung zaubert immer mehr Fakten, Romanzen und Geschichten hervor, die alle von dem entscheidenden Beitrag des Orients zur westlichen Kultur und Identität zeugen. Für diesen Roman erhielt Mathias Enard in Frankreich 2015 den Prix Goncourt.

Wunderbarer Roman über den Orient, der eine Brücke zum Okzident schlägt und den Leser verzaubert zurück lässt.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Ein Konglomerat an Wissen

    Kompass

    serendipity3012

    20. April 2017 um 17:50

    Ein Konglomerat an Wissen „Die Orientalen haben nicht den geringsten Sinn für den Orient. Den Sinn für den Orient, den haben nur wir Westler, […] “ S. 210Das vorangestellte Zitat der Dichterin und Romanautorin Lucie Delarue-Mardrus, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgedehnte Reisen im Orient unternahm, wirft ein denkenswertes Schlaglicht auf das Thema von „Kompass“, den im Jahr 2015 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman von Mathias Enard. Weiter wird erläutert: „Für Sarah fasst allein diese Passage den Orientalismus zusammen, den Orientalismus als Träumerei, den Orientalismus als Beweinung, als stets enttäuschende Erforschung.“ Sarah, eine kluge und belesene Orientalistin, ist die große und unglückliche Liebe des Ich-Erzählers, des Wiener Musikwissenschaftlers Franz Ritter. Es ist schon einige Jahre her, dass beide sich begegneten, Zeit auf Forschungsreisen in Syrien und im Iran miteinander verbrachten. Beide teilten die Faszination für den Orient (und teilen sie noch), kamen sich näher, letztendlich wurden sie kein Paar, hielten aber mehr oder weniger sporadisch Kontakt in Briefen und Emails.Zu Beginn des Romans hat Ritter gerade eine alarmierende medizinische Diagnose erhalten, wobei unklar ist, was genau er hat und wie gefährlich seine Krankheit wirklich ist. Es ist eine einzige Nacht, die wir Leser mit ihm verbringen, eine Nacht der Schlaflosigkeit, in der seine Angst vor Krankheit und Tod teilweise schon hypochondrische Ausmaße anzunehmen scheint, und eine Nacht, in der er seine Geschichte mit Sarah Revue passieren lässt. Dabei zeigt sich, über welch enzyklopädisches Wissen Ritter verfügt. Großes Thema für Sarah und Franz war stets die Beziehung zwischen der westlichen Welt und dem Orient, die Einflüsse der orientalischen Künste auf die unseren. In dieser Nacht, die im Kern seiner unerfüllten Liebe zu Sarah gewidmet ist, lässt er uns Leser teilhaben, erzählt Geschichten, die er beispielsweise in Syrien selbst erlebt hat, schweift ab zu Komponisten und Schriftstellern, zu ihren Werken und ihren Ursprüngen. Er bringt Sitten und Bräuche des Orients zur Sprache und erzählt immer wieder von den Erfahrungen früherer europäischer Reisender in verschiedene Länder des Orients. Die Fülle dessen, was dieser Ritter dabei unterbringt, ist manchmal nahezu erschlagend, die Art und Weise, wie er stets Querverbindungen zieht, wie ihm an der einen Stelle scheinbar zufällig noch eine Episode einfällt, und er mit leichter Hand einen Exkurs startet, an dessen Ausgangspunkt er mühelos zurückfindet - all dies ist brillant und zeugt vom unerschöpflichen Wissen Enards. Umso deutlicher wird aber, wie alles miteinander verbunden ist, wie sich die Künste und das Wissen gegenseitig beeinflussten, wie wir uns am Ende viel näher sind, als uns das klar war, auch wenn die große Sehnsucht des Westens nach dem Orient letztlich womöglich nicht umfassend gestillt werden kann, da eine wirkliche Verschmelzung nicht möglich ist, auch wenn wir uns das mit der eingangs zitierten Lucie Delarue-Mardrus wünschen.„Während ich […] die Dunkelheit absuchte, um sicherzugehen, dass der Hund sich nicht anschickte, mir etwas wegzufressen, dachte ich, dass nur der Hausierer wirklich etwas über das Leben dieses Stammes erfährt, denn nur er nimmt daran teil […] Wir anderen bleiben Reisende, eingeschlossen in ihr Selbst, die vielleicht in der Lage sind, wer weiß, sich im Kontakt mit anderen zu verändern, aber sicher nicht dazu, dieses Leben in seiner Tiefe zu erfahren. Wir sind Spione, unsere Kontakte sind flüchtig und verstohlen wie die von Spionen.“ S. 202So ist es bei der großen Fülle an Wissen, das Enard wie nebenbei vor dem Leser ausbreitet, manchmal wie eine erholsame Verschnaufpause, wenn wir zurückkehren zu Franz Ritter in seine Wohnung, in diese vertraute Alltäglichkeit und zu seinem Liebesleid. Diese Passagen lockern den Roman ein wenig auf.Enard konzentriert sich in „Kompass“ auf Vergangenes; aktuelle Ereignisse werden nur am Rande erwähnt, stehen nicht in seinem Fokus und gehören nicht zu seiner Geschichte. Man kann unglaublich viel lernen bei der Lektüre seines Romans. Sie ist nicht immer ganz einfach, lohnt sich aber, auch durch die gelungene Übersetzung von Holger Fock und Sabine Müller in ein meist elegantes, manchmal – wo angebracht – auch leicht derbes, griffiges Deutsch. Die Sätze, die zwar oft lang und verschachtelt daherkommen, wirken durch ihren Rhythmus lebendig, und man verliert sich nicht in ihnen, obwohl sie durch das manchmal assoziative Monologisieren des Protagonisten zuweilen höchste Konzentration erfordern.Wenn man Enard selbst erlebt, wie ich letztes Jahr auf einer Lesung die Gelegenheit hatte, kann man nicht umhin, ihn als Alter Ego seines Franz Ritter zu betrachten – was man natürlich nie tun sollte – es ist klar, dass beide Gemeinsamkeiten haben: Enards Wissen, das in den Roman Einzug erhalten hat, lässt auch im direkten Kontakt Staunen, doch tritt er nicht auf wie ein verkopfter Professorentyp. Im Gegenteil kann man einen höchst sympathischen Mann erleben, der gut deutsch spricht, sehr humorvoll ist und auch bei vermeintlich trivialen Themen mitreden kann. Sein fulminanter Roman hat den Prix Goncourt und den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung völlig zu Recht gewonnen, und auch wenn die Lektüre dem Leser zuweilen einiges abverlangt, sei sie jedem, der sich für das Verhältnis zwischen der westlichen und der orientalischen Welt interessiert, wärmstens empfohlen.

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  • "Kompass" von Mathias Énard

    Kompass

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    08. January 2017 um 16:34

    Autor: Mathias ÉnardTitel: KompassGattung: Roman, Erzählung, Reisebericht, ErinnerungErschienen: 2015Gelesene Ausgabe: Hanser, 2016ISBN: 978-3-446-25315-5Gelesen auf: Deutsch (Französisch)Gelesen im: Dezember 2016   Zum Buch:Énards Kompass wurde 2015 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, 2017 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und dies absolut zu Recht. Denn in seinem monumentalen Roman schafft er eine wunderbare Verbindung zwischen dem Westen und dem Orient. Der Wiener Musikwissenschaftler Franz Ritter begibt sich in einer schlaflosen Nacht auf einen Spaziergang durch die Stadt, doch nicht nur seine Füße sondern auch seine Gedanken wandern und tragen ihn auf einer Reise durch seine Erinnerungen an seine Zeit im Orient. Forschungsbedingt war er in seiner Jugend in Istanbul, Damaskus, Aleppo oder Palmyra - stets präsent war für ihn seine große Liebe, die Orientalistin Sarah, die nun auch seine Erinnerungen mit begleitet. Énard nimmt den Leser mit auf diese Reise und brilliert mit seinem großen Wissen über die Verknüpfungen zwischen dem Orient und dem Okzident. Für mich war "Kompass" das Buch des Jahres", die wunderbare poetische Sprache hat mich verzaubert, die vielen Infos mich begeistert, der immer wieder aufblitzende Exkurs in die Literatur mich überzeugt - Énard ist ein echter Juwel. Eine der LieblingsstellenZitat: "Wir haben vor dem alten portugiesischen Fort die Verse von Sayyab und Eliot rezitiert, bis zwei Ziegen mit braunrotem Fell in Begleitung eines kleinen Mädchens, dessen Blick vor Neugier strahlte; die Ziegen waren gutmütig, rochen stark und begannen, uns sanft, aber fest mit der Schnauze zu stoßen."[1] Stil und Sprache: poetische, wunderschöne Sprache, Erinnerungsfetzen, Erinnerungsströme, Gedankengänge.Zitat: "Ein Wiegenlied? Was bietet der Katalog der Wiegenlieder: Brahms, der klingt wie eine billige Spieldose, die alle Kinder Europas aus dem Bauch eines rosa oder blauen Plüschtiers im Bett gehört haben, Brahms der Volkswagen unter den Wiegenliedern, leistungsstark und wirkungsvoll, es gibt nichts, was Sie schneller einschlafen lässt als Brahms, dieser böswillige, bärtiger Schumann-Plünderer, der keine Kühnheit, keine Verrücktheit kannte - Sarah schwärmte für eines der Sextette von Brahms, sicher das erste, Opus 18 nach meiner Erinnerung, mit einem, wie soll man sagen, überwältigendem Thema."[2] Schlüssigkeit der Handlung: nicht immer absolut gegeben, allerdings stört es nicht wirklich. Das hat mir gefallen: Die Sprache, der wahnsinnige Informationsgehalt, die Verbindung zwischen Orient und Okzident.Das hat mir nicht gefallen: Leider ein paar Längen, was natürlich auch von der (fast) fehlenden Handlung kommt. In One Sentence: Wunderbarer Roman über den Orient, der eine Brücke zum Okzident schlägt und den Leser verzaubert zurück lässt.Sterne: 5 [1] S.241[2] S.39

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Mathias Enard - Kompass

    Kompass

    miss_mesmerized

    06. December 2016 um 19:42

    Franz Ritter, Musikwissenschaftler aus Wien und schwerkrank, kann nicht einschlafen. Die Nachrichten im Radio berichten über den Krieg in Syrien und er erinnert sich an seine Reisen in den Mittleren Osten, die Erlebnisse in Istanbul, Aleppo, Damaskus. Der Genuss von Opium und das herumirren in der Wüste, die Sitar Musik und vor allem Sarah. Die Orientalistin aus Paris, die er von der ersten Begegnung an faszinierend fand und liebte. Mit der er auf Reisen war und Briefwechsel unterhielt. Die mit ihm die großen Parallelen zwischen der Musik, Kunst und Literatur des Westens und jener der arabischen Welt suchte und fand. Sarah, die einen anderen heiratete und doch nur ihre orientalische Kultur und Literatur liebte. Der Morgen graut langsam. Die Geschichte muss ein Ende finden. 2015 war Mathias Énards Geschichte, im Original „Boussole“, monatelang der Roman der Stunde. Aufmerksamkeit erhielt er nicht nur durch den angesehenen Prix Goncourt für das beste erzählerische Werk der französischen Sprache, sondern auch, weil die Themenwahl den Nerv der Zeit trifft. Ein Kompass weißt die Himmelsrichtungen und bleibt dabei relativ grob: Norden, Süden, Westen, Osten. So undifferenziert blicken wir oft auf den Unterschied zwischen West und Ost, Okzident und Orient. Mit dieser Dichotomie scheint im westlichen Europa Ende des Jahres 2016 alles ausgedrückt, was es zu sagen gibt. Wir und sie – wir, die einen; sie, die anderen. Verbindendes findet sich hier kaum mehr. Der Fokus liegt auf der Differenz der Kulturen, vor allem der Differenz der Religionen, die den Diskus derzeit bestimmen und versöhnliche Worte missen lassen.In diese Gemengelage trifft Énard mit einem gänzlich anderen Ansatz. Er sucht das Gemeinsame und findet den Einfluss des Orients auf unsere so geschätzte Kultur. Musiker wie Dichter, Forscher und Naturwissenschaftler, Historiker und Philosophen – you name it. Die großen der letzten drei Jahrhunderte, die im Westen Verehrten, von Mozart und Beethoven über Goethe und Proust, sie alle sind undenkbar ohne die Einflüsse des Mittleren Osten auf ihr Werk. Geschickt rollt Énard das Feld auf, springt zwischen allen Bereichen der Kunst und Kultur und legt in enzyklopädischer Kleinstarbeit dar, was wir oft verkennen. Was wir heute nur noch als Kriegsschauplätze wahrnehmen, war bis vor nicht allzu langer Zeit die Heimat eines reichen Kulturschatzes, der als solches angesehen und bewundert wurde. Was ist davon geblieben? Hören wir heute Aleppo, denken wir nicht mehr an den Souk, sondern nehmen die Anzahl der aktuell Getöteten wahr. Énard blendet dies aus, politische Fragen kommen nur ganz am Rande, bspw. Bei der Erwähnung der iranischen Revolution, zu tragen. Er bewegt sich auf einem anderen Feld, das er auf beeindruckende Weise zu eröffnen vermag. Detailreich bisweilen fast dozierend und dann wieder in leichtem Ton erzählen - die Faszination des Erzählers kann auch den Leser immer wieder bezaubern – ein durch und durch bemerkenswertes Buch. Nicht immer war ich mir sicher, ob ich alle Namen und Zusammenhänge in der Schnelle erfassen und verarbeiten konnte. Doch dann kam auch wieder die andere Seite des Romans, die Geschichte von Franz und Sarah, die sich zwischen all den Größen abspielt und ihre eigene Spur hinterlässt. Nicht die allumfassende, einzigartige Liebe, sondern eher eine Leidenschaft, die sich durch gemeinsame Faszination und Herkunft speist und damit den Brückenschlag wieder in den Westen schafft. 

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  • Den Orient näher rücken lassen

    Kompass

    michael_lehmann-pape

    23. November 2016 um 13:52

    Den Orient näher rücken lassen„Die Zukunft war so strahlend wie der Bosporus an einem schönen Herbsttag“.Damals, heißt das, was die Zeitabfolge im Roman angeht. Und nicht nur aus einem fernen Urlaub her kennt Franz Ritter diesen „Herbsttag“. Tief verbunden ist er mit dem Orient und das auf verschiedenen Ebenen, die im Roman zu Wort kommen, in denen Ritter in einer schlaflosen Nacht persönliche Erinnerungen an seine große Liebe, künstlerische Verbindungen zwischen Orient und Okzident, Beziehungen von Menschen Revue passieren lässt.„Es gibt im Leben Wunden, die wie die Lepra langsam in der Einsamkeit an der Seele zehren“.Für Ritter ist seine unerfüllte und dennoch auch in der Gegenwart des Romans „brandaktuelle“ Liebe zu jener Sara, Wissenschaftlerin der Orientalistik. Und über dieses Nachdenken und in diesem stillen Resümee seines Lebens in der Nacht lässt Enard seinen Protagonisten tief eintauchen in das „große“ Verhältnis der Kulturen, der damaligen „Orient-Begeisterung“, der vielen Schriftsteller, Denker, Künstler, die ihrer je eigenen Faszination Ausdruck verliehen haben. Wobei die eigentliche „Liebesgeschichte“ zwar mitschwingt, aber nicht die Hauptrolle in dieser Aneinanderreihung von Betrachtungen spielen wird. Und sich, zudem, der genaue Sinn dieser „Liebe“, im Laufe der Lektüre wenig erschließen wird.Hier scheint Enard diese Linie nur zu verfolgen, um immer wieder Anknüpfungspunkte für seine kulturellen Schilderungen zu finden.Für den Leser ist dies nicht immer ohne Anstrengung, sich mit Enard (ohne moralischen Zeigefinger, ohne weltanschauliche Reibungen, ohne religiösen Wahn) in das Gefühl, in die Emotion der Begegnung zu bewegen. Viele Werke der Weltgeschichte unter neuem, „orientalischem“ Licht vor Augen geführt zu bekommen und dabei, im Lauf des Romans, jene „künstlerische“, jene kulturellen Begegnungsmöglichkeiten zu erleben, die aus der gegenseitigen „Befruchtung“ je entstanden und nicht aus den Tendenzen der Abgrenzung, wie sie heute so oft das Bild der Diskussion bestimmen.Wobei Enard nicht in einer teils fast assoziativ die Erzählebene wechselnd poetischen Bildersprache a la „1001 Nacht“ sich ausbreitet, sondern durchaus in all den Bezügen in seinem bildreichen Stil auch das Profane, die Gegenwart in den Blick nimmt.„…zurück am Checkpoint ließen die beiden Rekruten die schwere Kette genauso phlegmatisch herunter wie auf dem Hinweg. Es ist unheimlich, wenn man daran denkt, dass die Panzer und Maschinengewehre, die wir beim Manöver sahen, heute dazu dienen……ganze Städte zu vernichten und ihre Einwohner zu massakrieren“.Eine anregende, intensive Sprache und eine kaum zählbare Zahl an Kunstgeschichte(n), an Künstler von Goethe über Mozart bis Cervantes und den „eher missglückten Abenteuern Germain Nouveaus“.So entsteht zum einen ein eher assoziativ verfasster, in den Sprüngen nicht immer einfach zu lesender, durchaus aber informativer Roman, bei dem die vielfachen Bezüge zu jener „Herzensoffenheit“ und künstlerischer Inspiration durch den Orient durchaus zu fesseln vermögen.Was im Gesamten nicht immer einfach zu lesen ist, aber vermittelt, wie viel mehr da war und sein könnte als Machtpoker, Ausgrenzung, „Kampf der Kulturen“ und wie man all das in der Gegenwart noch nennen kann.Eine anspruchsvolle, gelehrte, sprachlich überzeugende Lektüre, die den „Kompass gen Osten“ ausrichtet, aber auch ihre Längen und in Teilen weniger interessanten Buchseiten in sich trägt.

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