Mathijs Deen

 3,9 Sterne bei 35 Bewertungen
Autor von Unter den Menschen, Der Schiffskoch und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Mathijs Deen

Niederländische Wurzeln: Mathijs Deen, geboren 1962, ist Schriftsteller und Radioproduzent. Er veröffentlichte bereits  Romane, Kolumnensammlungen und ein Band mit Kurzgeschichten. Sein Debütroman Unter den Menschen erschien erstmals 1997 und wurde 2016 in einer überarbeiteten Fassung als Wiederentdeckung gefeiert.

Alle Bücher von Mathijs Deen

Cover des Buches Unter den Menschen (ISBN: 9783866482807)

Unter den Menschen

 (30)
Erschienen am 12.02.2019
Cover des Buches Der Schiffskoch (ISBN: 9783866486508)

Der Schiffskoch

 (3)
Erschienen am 16.02.2021
Cover des Buches Über alte Wege (ISBN: 9783832165338)

Über alte Wege

 (2)
Erschienen am 19.05.2020

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Mathijs Deen

Cover des Buches Der Schiffskoch (ISBN: 9783866486508)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Der Schiffskoch" von Mathijs Deen

Ein Böckchen, das alles durcheinanderwirbelt, ein Unwetter, das alles verschluckt, ein Koch im langen Delirium der Malariaanfälle.
Gwhynwhyfarvor einem Monat

«Das ist kein Vieh, Gijs, das ist Proviant.»


Feuerschiffe sind im wirklichen Sinn keine Schiffe, denn werden an seefahrtswichtigen Positionen verankert, an denen ein Leuchtturm schwerlich zu errichten ist. Die meist roten Boote geben Zeichen, signalisieren den Schiffen die Position, leuchten in der Nacht; im Nebel geben sie zusätzlich Hornsignale. Manche von ihnen sind bemannt, wie die «Texel». Eine Mannschaft wird eingeschifft für eine bestimmte Zeit, dann von einer anderen abgelöst. Hier ist Schiffskoch Lammers Herr der Kombüse, serviert der Mannschaft täglich ein anständiges Dreigangmenü. Auf engstem Raum schiebt die Besatzung Dienst, ein langweiliges Seemannsdasein, da man ja niemals einen Hafen ansteuert; überhaupt nirgendwohin steuert. Täglich auf dem gleichen Fleck, täglich eine stupide Arbeit. Das ändert sich, als der Koch, in seinem Rucksack versteckt, lebendigen Proviant an Bord bringt: einen kleinen Ziegenbock.


«Aber wir sind hier mehr auf See als alle anderen zusammen. Wir leben auf See, die anderen sind nur auf dem Wasser zu einem Hafen unterwegs, zu einem Ort, an dem es keine See mehr gibt. Für sie ist die See eine Unterbrechung, für uns eine Bestimmung.»


Auf diesem Schiff, über das die meisten Matrosen nur lächeln, versammeln sich verschrobene Typen. Matrose Geert Snoek notiert nicht nur die Messdaten, er hält in seinem Notizbuch Datum, Urzeit, Position und Farbgebung fest: «Himmel: schwellend grau-weiß, aber blau am Horizont; See: hochwirbelnde Flecken Schwarz in Graugrün.» Er sinniert über die täglich wechselnde Farbgebung der Natur, versucht sie in Worte zu fassen. Das Böckchen wird ein gutes «Gulai kambing» geben, ein Ziegencurry nach einem Rezept seiner indonesischen Mutter, so jedenfalls von Lammert geplant. Es springt herum und nimmt zu, aber auch die Sympathie zu ihm nimmt zu ...  Lammert spürt, die Malaria in sich hochwachsen, er wird ein paar Tage voll ausfallen. Doch vorher ist das Böckchen dran! Nur wo mag es sein? Plötzlich ist die Ziege verschwunden ...


«Der Wind frischte auf sechs Beaufort auf, das Schiff stampfte ruhig und gut gelaunt, Wellen schäumten vorüber. Über dem östlichen Horizont sah man die vier Lichtblitze des Lange Jaap, sehr weit im Süden glühte ein Streifen Himmel über den Hochöfen von IJmuiden.»


Auf engsten Raum zusammengedrängt, doch jeder ist hier für sich allein, jeder hat seine Gründe, hier gelandet zu sein. Zu den Mahlzeiten kommt man zusammen, genießt die Geselligkeit, doch dann zieht es die Einzelgänger in ihre persönlichen Rückzugsorte. Ein Böckchen, das alles durcheinanderwirbelt, ein Unwetter, das alles verschluckt, ein Koch im langen Delirium der Malariaanfälle. Eine nette Novelle, humorig, aber gleichzeitig mit Tiefgang. Eine feine Lektüre für Meeresfreunde, gegen Meeressucht, für Schiffsliebhaber.


Mathijs Deen, geboren 1962, ist Schriftsteller und Radioproduzent. Er veröffentlichte Romane, Kolumnen und einen Band mit Kurzgeschichten, der für den renommierten AKO-Literaturpreis nominiert war. 2018 wurde ihm für die literarische Qualität seines Werks der Halewijnpreis verliehen.

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/der-schiffskoch-von-mathijs-deen.html



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Cover des Buches Unter den Menschen (ISBN: 9783866482807)krimielses avatar

Rezension zu "Unter den Menschen" von Mathijs Deen

Sperrige Beziehungsgeschichte
krimielsevor einem Jahr

Matthijs Dien hat 1997 mit „Unter den Menschen“ eine sperrige ungewöhnliche Beziehungsgeschichte zweier Eigenbrötler vorgelegt, angesiedelt in der Einsamkeit der niederländischen Deiche wirkt der Roman noch schräger.


Man denkt sofort an „Bauer sucht Frau“ und andere Klischees, wenn man die Inhaltszusammenfassung liest, doch das macht gar nichts. Denn mit diesem Stück guter und sehr unterhaltsamer Literatur werden alles andere als Klischees bedient, im Gegenteil. Voller Spott und mit schöner Lakonischer Sprache erzählt beginnt zwar die Beziehung auch hier via Kontaktanzeige, aber die leisen einsamen Töne spielen eine mindestens genauso große Rolle für die Atmosphäre wie die existenziellen hemmungslosen Passagen.


Jan, der seit dem Unfalltod seiner Eltern allein auf dem Hof an der niederländischen Nordsee lebt, sehnt sich nach Gesellschaft, am liebsten die einer Frau. Wil antwortet auf seine Kontakt-Anzeige hin, doch sie sucht Ruhe vor dem Stadtleben und ihren vergangenen Enttäuschungen statt Liebe. Sie will unbedingt ans Meer. Die Beziehung ist alles andere als traute Zweisamkeit, Jan und Wil sind definitiv nicht füreinander geschaffen. Unausgesprochenes gepaart mit Erwartungen, alten und neuen Verletzungen, verschärft das Schweigen zwischen den beiden.



Die Geschichte steckt voller tragisch-komischer Passagen, manches überspannt, manches fast zum Weinen schön. Sprachlich knapp und klar wird der Plot und das herrschende Schweigen sehr gut unterstrichen. Stimmungsvoll bekommt auch die Küstenlandschaft ihren Platz, bildlich in ihrer Weite und Einsamkeit. Und die Langsamkeit, mit der sich das spröde sperrige Paar annähert, wie Existenzielles, Hemmungen und Verletzungen hochkommen, ist manchmal anrührend und oft einfach nur schön.


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Cover des Buches Über alte Wege (ISBN: 9783832165338)R_Mantheys avatar

Rezension zu "Über alte Wege" von Mathijs Deen

Kleine Episoden aus der europäischen Geschichte
R_Mantheyvor 2 Jahren

Beim Titel dieses Buches kann man auf ganz unterschiedliche Mutmaßungen kommen. Vielleicht, so war mein erster Gedanke, begleitet der Autor seine Leser tatsächlich entlang alter Straßen, die es schon seit Jahrhunderten durch Europa gibt, und erzählt ihnen dabei Geschichten von Belang, die sich an solchen Orten abgespielt haben. Bei den ersten Episoden fühlt man sich vielleicht sogar in einer solchen Erwartungshaltung bestätigt. Aber eigentlich geht es gar nicht um alte Wege, sondern mehr um gewisse Episoden, die für die europäische Geschichte gewiss nicht von Belang gewesen sind, sie aber wohl auf ihre spezielle Weise recht gut illustrieren.

Ein entfernter Vorfahre des Autors musste, schwindsüchtig wie er war, mit Napoleon gen Russland ziehen. Er kam wohl nicht ganz bis Moskau, kehrte aber immerhin lebend zurück und war danach völlig verändert. Von ihm selbst hat man über diese Zeit nie viel erfahren. Deshalb bediente sich Mathijs Deen anderer Quellen, um sich eine Vorstellung vom Marsch der Truppe zu machen, in der sein Vorfahre diente. Und so erzählt er sie dann als eine Mischung aus solchen Quellen und seiner eigenen Vorstellungskraft. Diesen Stil zieht er durch das ganze Buch.

Wie ist die Besiedlung Europas durch unsere afrikanischen Vorfahren eigentlich vonstatten gegangen? Wann genau war dies? Um solche Fragen dreht sich eines der ganz verschiedenen Kapitel dieses Buches. Ein anderes befasst sich mit der Pilgerreise einer Isländerin nach Rom und zurück, geschehen im 11. Jahrhundert. Auch hier erzählt Deen die Geschichte unter Zuhilfenahme externer Quellen. Auf dieselbe Weise schildert er das Schicksal eines gerissenen Straßenräubers im Römischen Reich. Immerhin kommt in diesem Kapitel die berühmte Via Appia ins Spiel, deren Bau 312 vor Christus begonnen wurde und die heute noch als Staatsstraße 7 eine wichtige Rolle in Italien spielt.

Nicht alle Kapitel erweisen sich als gleichermaßen interessant und spannend. Als Ganzes jedoch ist dieses Buch lehrreich und unterhaltsam. Gelegentlich hätte man dem Autor etwas mehr Schwung, Kürze und Würze bei seinen Schilderungen gewünscht.

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Gespräche aus der Community

Bauernsohn sucht Frau. Wohnt allein. 80 Hektar.

Jan lebt auf einem Hof am Deich, die Nordsee ist nur einen Steinwurf entfernt, doch was ihm fehlt, ist eine Frau. Auf seine Anzeige meldet sich Wil, aber bald wird klar: Wil sucht keine Liebe, sondern ein Haus mit Meerblick.


Liebe Freunde guter Literatur,

wir blicken aufgeregt auf das neue mare-Programm und freuen uns auf eine weitere Leserunde mit euch!
Bewerbt euch für ein Rezensionsexemplar von Mathijs Deens »Unter den Menschen« und begleitet den ungewöhnlichen Prozess einer Paarwerdung.

Seit dem Unfalltod seiner Eltern wohnt Jan allein auf dem Hof am Rande der Nordsee, das Leben geht seinen Gang, aber die Einsamkeit nagt an ihm. Ein bisschen Gesellschaft wäre schön, eine Frau, Gespräche, Sex, vielleicht sogar eine eigene Familie? Jan gibt eine Anzeige auf und erhält Antwort von Wil. Wil jedoch, so stellt sich heraus, verfolgt einen ganz eigenen Plan – sie sucht keine Liebe, sondern Ruhe vom Stadtleben und von den Enttäuschungen der Vergangenheit. Ihre einzige Bedingung lautet: Von dem Haus, in dem sie künftig leben wird, muss sie das Meer sehen können.
Literarisch, atmosphärisch und mit einem feinen Gespür für das Skurrile beschreibt Mathijs Deen den Prozess einer ungewöhnlichen Paarwerdung. Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, versuchen zusammenzufinden. Kann das gut gehen?

Mathijs Deen , geboren 1962, ist Schriftsteller und Radioproduzent. Zu den von ihm veröffentlichten Büchern zählen Romane, Kolumnensammlungen und ein Band mit Kurzgeschichten. »Unter den Menschen« erschien erstmals 1997 und wurde 2016 in einer überarbeiteten Fassung als Wiederentdeckung gefeiert, in deren Zug auch die Filmrechte verkauft wurden. Bei Dumont erscheint auch zeitgleich sein Sachbuch »Über alte Wege«.

Übrigens wird Mathijs zu Besuch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse sein und am Lovelybooks-Stand (Halle 5, D406) über seine Arbeit sprechen. Einen Vorgeschmack, wie der holländische Autor ein paar Seiten aus der deutschen Übersetzung liest, findet ihr hier. Und wer selber lesen möchte, wird eine Leseprobe an dieser Stelle finden.

Wir verlosen insgesamt 15 Rezensionsexemplare von »Unter den Menschen« an Menschen, die Lust haben, diese besondere Geschichte zu lesen.

Aufgabe:  Schreibe uns, warum du gerne mitlesen möchtest
266 BeiträgeVerlosung beendet

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