Mathilde Schwabeneder Die Stunde der Patinnen

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Inhaltsangabe zu „Die Stunde der Patinnen“ von Mathilde Schwabeneder

Modernität und Emanzipation machen auch vor dem organisierten Verbrechen nicht Halt. Als ihre Brüder verhaftet werden, übernimmt Giusy Vitale das Kommando im sizilianischen Familienclan. Sie wird Herrin über Leben und Tod und als erste Frau wegen Vergehens gegen den Mafiaparagrafen von der Staatsanwaltschaft Palermo angeklagt. Nunzia Graviano führt die Mafia-Geschäfte im sicheren Frankreich und wäscht schmutziges Geld mit harter Hand rein. Anna Mazza, die schwarze Witwe der Camorra, erweitert das Reich der Schutzgelderpressungen. Auch Ilenia Bellocco ist für ihre Skrupellosigkeit bekannt. Die schwarz gekleideten, schmerzerfüllten Ehefrauen der Mafia-Bosse gehören längst der Vergangenheit an. Frauen werden zum „Boss mit Rock“. Frauen, die an Härte und Brutalität ihren Männern nicht nachstehen. Clanchefinnen, die den Drogenmarkt beherrschen, Geld waschen, Killer anheuern. Patinnen, die aber auch immer häufiger der Polizei ins Netz gehen. 142 sind derzeit in Haft. Und mit ihnen wächst die Zahl der Kronzeuginnen. Insiderinnen, die der Justiz Einblick in die blutgetränkte Welt des organisierten Verbrechens geben. Wie Carmela Iuculano, die aus Liebe zu ihren Kindern den Ausstieg gewagt hat. Gestützt auf intensive Recherchen vor Ort und zahlreiche Gespräche schildert Mathilde Schwabeneder die neue Rolle der „Donna-Bosse“ – eine packende Reportage aus dem Süden Europas.

oft von hollywoodfilmen verklärte erschreckende realität.

— Buecherspiegel
Buecherspiegel

Hervorragend recherchiert, sehr informativ - über die "weibliche Seite der Maffia"

— Ichbinswieder
Ichbinswieder
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  • Frauen an der Mafia-Spitze

    Die Stunde der Patinnen
    Kerry

    Kerry

    Cosa Nostra, Camorra und ´Ndrangheta - sobald man diese Worte hört, weiß man, es geht um das Thema Mafia. Automatisch denkt jeder an den Film "Der Pate", an das organisierte Verbrechen und dran, dass das eine männerdominierte Welt ist. Doch diese Sicht entspricht nicht mehr den derzeitigen Gegebenheiten, denn immer mehr Frauen stehen an der Spitze des organisierten Verbrechens: Die Patinnen. Zumeist handelt es sich um Frauen, die bereits in eine Mafia-Familie hineingeboren wurden, die mit dem Ehrenkodex des Clans aufgewachsen sind und sie übernehmen anstelle ihrer Väter und Brüder, wenn diese verstorben sind oder in Haft. Doch es gibt auch die Frauen, die sich in ein Mafia-Mitglied verliebten und mit einer Ehe versuchten, dem familiären Zwangen der eigenen Familie zu entkommen, nur um festzustellen, dass sie in ein anderes Gefängnis eingeheiratet haben und dennoch übernehmen sie die Aufgaben ihrer Ehemänner, wenn diese in Haft sitzen. Doch glücklich sind die wenigsten Patinnen mit ihrer Aufgabe, denn diese führen sie meist unter Zwang aus, solange die Brüder und Ehemänner es nicht können. Ein normales Leben, das ist es, was sich viele wünschen und wenn sie verhaftet werden, nutzen sie diese einzige Chance, sich aus ihrem Leben und den damit verbundenen Zwängen zu befreien und sagen als Kronzeuginnen gegen ihre Familie aus. Mit diesem Akt der Befreiung ist jedoch eines klar: Sie können nie mehr zurück, sie müssen immer im Verborgenen leben, denn für ihre Familien sind sie tot und zum Abschuss freigegeben. Über diese Frauen berichtet das Buch.   Frauen an der Mafia-Spitze! Bei diesem Buch handelt es sich um eine sehr gut recherchierte und aufgearbeitete Reportage über Anführerinnen der italienischen Mafia. Klar und verständlich schildert die Autorin, wie es dazu kam, dass einst unschuldige junge Frauen Anführerinnen des organisierten Verbrechens wurden und welche Wege sie unternommen haben, im Sinne ihrer Familie zu handeln, aber auch, wie sie es geschafft haben, all dies hinter sich zu lassen. Die, die es geschafft haben, leben heute im Verborgenen, teils fern ihrer Kinder und dennoch wissen sie, es war die einzig richtige Entscheidung. Wer sich also für Frauen innerhalb der Mafia interessiert, dem sei dieses überaus faszinierende und sehr gut aufgearbeitete Buch wärmstens empfohlen.

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    Sabine17

    Sabine17

    12. January 2015 um 20:52
  • Die Frauen der "Ehrenwerten Gesellschaft"

    Die Stunde der Patinnen
    Buecherspiegel

    Buecherspiegel

    07. December 2014 um 11:23

    Das, was uns Hollywood in wildromantischen Farben auftischt, ist für einige Frauen in Italien brutalste Realität. Mathilde Schwabeneder hat in vielen Jahren durch Interviews und Recherche ein Buch zusammengestellt, das uns Einblicke in eine Welt gibt, die für die meisten von uns unvorstellbar ist. In „Die Stunde der Patinnen, Frauen an der Spitze der MAFIA-Clans“, führt sie uns in das Leben der Familien im tiefsten Süden Italiens ein. In das Leben der Cosa-Nostra, der Camorra und ʾNdrangheta. Wie funktionieren diese Familien, in der so viel Brutalität, Angst und Abhängigkeiten vorherrschen, dass kaum ein Staatsanwalt, Geistlicher oder die Polizei es jemals aus eigener Kraft geschafft hätten, dem etwas entgegenzustellen. Macht, Geld, Gier, und Selbstbewusstsein, das sind die Hauptkomponenten des Erfolges der Mafia. Diese sogenannten „Ehrenwerten Familien“ und ihre Verknüpfungen untereinander, die Weltweit überall dort vorzufinden sind, wo es gilt, schnell und sicher durch Unterdrückung , Erpressung und was sonst noch auf der Gewaltkarte zu finden ist, Geld zu machen, das alles versucht uns die Autorin zu erklären. Welche Rolle nun spielen die Frauen dabei? In erster Linie sind sie für den Erhalt der Familien zuständig, Kinder zu bekommen, das gesamte Programm der Hausfrauentätigkeiten, so wie es bekannt ist. Darüber hinaus sollen sie aber die Kinder im Sinne der „Ehrenwerten Familie“ erziehen und nicht etwa nach den Werten einer demokratischen Gesellschaft. Hier ist es natürlich schwer, die bekannten Strukturen zu durchbrechen, oder vielleicht sogar dort auszubrechen, den Kindern ein anderes Leben aufzuzeigen, außerhalb von Gewalt und Gegengewalt. Manche der Frauen der „Ehrenwerten Gesellschaft“ stehen ihren Männern in Sachen Gewalt in nichts nach, handeln und leben nach ihren Gesetzen und machen selbst vor ihrem eigenen Nachwuchs nicht halt, wenn es denn darum geht, die Familie zu schützen. Im Klartext heißt das, dass sie ihre Söhne, und vor allem abtrünnige Töchter, eher töten lassen, als dass die Familie verraten wird. Anhand geschichtlicher Einblicke bekommen wir eine Ahnung dessen, wie es zu diesen Strukturen gekommen ist, warum Frauen und junge Mädchen keine Sekunde aus den Augen gelassen werden, überwacht, bewacht, bespitzelt, keine Chance, aus diesem Leben zu entfliehen. Und zwar bis zum heutigen Tag! Wir lernen einige dieser Persönlichkeiten kennen, die Frauen, die ihren Männern bis zu einem gewissen Punkt folgen, selbst in hohen Machtpositionen gelangen, Gefallen finden an der Gewalt und deren Auswirkungen. Aber auch Frauen, die keine Lust mehr dazu haben, ein solches Leben zu führen und teilweise einen bitteren Preis dafür zu zahlen haben und daraus flüchten, um mit der Polizei zusammenzuarbeiten.  Fazit: Wer sich näher mit der Welt der Patinnen, der Mafia und ihrem Gesamtgefüge auseinandersetzen will, bekommt hier gute Einblicke. Eine Welt, die einer Sekte gleicht, wo es gefährlich ist, aus dieser ausbrechen zu wollen.

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  • Wer hätte das gedacht....

    Die Stunde der Patinnen
    Ichbinswieder

    Ichbinswieder

    25. November 2014 um 23:59

    Natürlich war mir vor dem lesen des Buches nicht fremd, dass es in Italien organisierte, kriminelle Vereinigungen gibt. Auch von den größten Gruppen Camorra, Cosa Nostra und `Ndrangheta hatte ich schon gehört. In meiner Vorstellung waren es allerdings die Männer, die diese Organisationen beherrschen, auch wenn ich sicherlich hin und wieder von den Frauen gehört habe, die ihnen zur Seite stehen. Doch es war mir vollkommen fremd, dass eben diese Frauen nicht mehr nur schmückende Begleitung sind, sondern auch vielfach selber die Fäden in der Hand halten. Genau das erregte meine Aufmerksamkeit: „den Paten“ kennt man, „die Patin“ muss noch entdeckt werden. In sehr guter Recherchearbeit hat Mathilde Schwabeneder verständlich und übersichtlich herausgearbeitet, welchen Kodex die „Familien“ haben, und wie die hierarchischen Strukturen aufgebaut sind. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf 14 Frauen, die innerhalb der größten mafiösen Vereinigungen Italiens eine Schlüsselrolle einnehmen bzw. einnahmen. Jedes Kapitel beschreibt das Leben und die Arbeit einer Patin. Möglich wurde dies durch Einsicht in die polizeilichen Ermittlungsergebnisse, zahlreiche Presseberichte, aber es gibt auch einige wenige „pentita“ (Abtrünnige). Diese Frauen haben sich von ihrer Familie losgesagt und arbeiten nun mit der Polizei zusammen. Dies tun sie in ständiger Angst entdeckt zu werden, denn der Familien-Kodex kennt für diesen Verrat nur eine Strafe. Die gesammelten Informationen und lebendigen, aber immer sachlichen Darstellungen stürzten mich immer wieder in ein Wechselbad der Gefühle. Von ungläubigem Staunen bis hin zu schockiert aufgerissenen Augen war alles vertreten. Wer sich mit dem Thema der italienischen, mafiösen Gesellschaft näher befassen möchte, dem empfehle ich dieses Buch. Hervorragend recherchierte, sehr informative und reich bebilderte Literatur, die weit über die Grenzen eines reinen Sachbuches hinausgeht.

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