Matias Riikonen

 4,3 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor*in von Matara.

Lebenslauf

Matias Riikonen, geboren 1989, ist ein finnischer Schriftsteller. Er hat Literatur an der Universität Helsinki studiert. Bereits sein Debütroman wurde 2012 für den Helsingin-Sanomat-Literaturpreis nominiert.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Matias Riikonen

Cover des Buches Matara (ISBN: 9783792002797)

Matara

(3)
Erschienen am 24.07.2024

Neue Rezensionen zu Matias Riikonen

Cover des Buches Matara (ISBN: 9783792002797)
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Rezension zu "Matara" von Matias Riikonen

ysmn
„Hier​ wurde eine Stadt erträumt…“

„Hier wurde eine Stadt erträumt, und dieser Traum ist Wirklichkeit geworden, und wir haben ihn geerbt.“


Jeden Sommer entsteht Matara im finnischen Wald, ein Staat mit seinen eigenen Gesetzen und Regeln, einem politischen System und einer Armee. Es ist eine Welt, die sich vom Außen abgrenzt, deren Regeln nur tagsüber und nur innerhalb des Waldes gelten. Entsprungen ist sie der Fantasie von Jungen, die gemeinsam ihre Sommer in einer Art Ferienanstalt verbringen. 


Sie alle haben ihre Rollen, sind Senatoren, Soldaten, Arbeiter oder auch Schauspieler. Die Hierarchien sind streng. Die Regeln klar definiert. 


Der Protagonist des Romans ist Späher. Gemeinsam mit seinem großen Bruder, der schon seit einigen Sommern nach Matara kommt, pirscht er durch den Wald auf der Suche nach Feinden. Denn Matara ist nicht der einzige Staat im Wald. Und kriegerische Angriffe durch die feindlichen Kermen und Kallier bereiten den Jungs ebenso viel Sorge wie die politischen Intrigen innerhalb Mataras. 


Ich hatte das große Vergnügen, den Autor, Matias Riikonen, bei einer Lesung kennenzulernen. Mit dem Wissen, dass er „Matara“ auf Grundlage der Tagebücher seines Bruders geschrieben hat und dass die Geschichte, die er erzählt, keine völlig fiktive ist, sondern vielmehr auf Erfahrungen aus der eigenen Kindheit beruht, habe ich mich der Lektüre gewidmet. 


Auf den allerersten Blick ist der Vergleich zu „Herr der Fliegen“ natürlich naheliegend. Die Themen, die Golding schon so großartig zu verbildlichen wusste, spielen auch hier eine Rolle: die Entzauberung der Kindheit und die Gewaltbereitschaft von Kindern, die in Hierarchiebildungen, Demütigungen, Unterdrückungen, usw. ihren Ausdruck findet. Doch obwohl die beiden Romane diese Gemeinsamkeiten teilen, hat „Matara“ es verdient, für sich alleine stehen zu dürfen. Denn Riikonen zeichnet eine Welt, die eigentlich nicht so fernab der Außenwelt funktioniert, die jeden Abend unterbrochen wird, um am nächsten Morgen wieder zu beginnen. Es ist im Übrigen eine Welt, in der der Natur eine tragende Rolle zukommt. Das spiegelt sich sprachlich wider. 


Zwei Gedanken sind mir während der Lektüre ständig durch den Kopf geschwirrt: Der erste war ein Unverständnis und fast schon eine Art Mitleid dafür, dass diese Jungs ihre gesamten Sommerferien freiwillig mit Kriegsführung, Feindschaften, Überfälle und Versklavungen verbringen. Und der zweite war ein ständiges Vergessen der Tatsache, dass es Jungs sind, die da „spielen“. So ernst, erwachsen und so fern von jeglichem Kindheitsideal wirkt das Erzählte. 


Beide Gedanken haben aber eigentlich fast nie dazu geführt, dass die Geschichte an Glaubwürdigkeit verliert (nur manchmal war die gesprochene Sprache für meinen Geschmack etwas zu hochgestochen). Sie zeigen vielmehr, wie sehr man als LeserIn in diese Welt abtaucht, wie sehr man Teil von ihr wird. Und das ist es, was „Matara“ herausragen lässt: Sein Sog, seine nicht nachlassende Handlung, seine Protagonisten, seine Sprache.


„Matara“: Eine wahre Entdeckung und eine große Leseempfehlung.


Übersetzt aus dem Finnischen von Maximilian Murmann.

Cover des Buches Matara (ISBN: 9783792002797)
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Rezension zu "Matara" von Matias Riikonen

Quint
Eine fantastische Welt inmitten finnischer Wälder

„Plötzlich ragte eine Steilwand auf…..Hier und da gab es Einbuchtungen, und in jeder davon eine oder mehrere mit Reißig bedeckte Hütten…. In den Öffnungen der Hütten, flackerten Sturmlaternen, und solche hingen auch von den Ästen der höchsten Ahornbäume, die über die Felswand ragten. In einigen Einbuchtungen brannten Lagerfeuer. Seite 31


Wir befinden uns in „Matara“ einem Staat erbaut mit der Fantasie von zahlreichen Generationen von Jungen. 


Jeden Sommer zieht es sie in diesen Teil des finnischen Waldes. Weshalb die Jungen ihren Sommer dort in einer Einrichtung verbringen, die sie nur zum schlafen aufsuchen, erfährt der Leser nicht, denn das Gesetz von Matara verbietet es über die Welt da draußen zu reden.


Dieser Ort Matara besteht nicht nur aus ein paar zusammengezimmerten Holzleisten. Er ist ein gewachsenen System mit einer eigenen Wirtschaftstheorie.

Die Jungs haben Hütten erbaut, eine Kampfarena, Thermen und ein Amphitheater. 

Senatoren und Konsulen wurden gewählt und erlassen oder befolgen Gesetzte. 

Es gibt Arbeiter, Soldaten, Schauspieler, Maler und Architekten. 


Ein komplexes Gemeinwesen ist dadurch entstanden. 


Der wilde, üppige, finnische Wald bildet das Gegengewicht zur der reichen Kultur, die die Jungen erschaffen haben.

Das Rauschen der Bäume, die Welt der Insekten und Gräser, das Schmatzen der sumpfigen Böden, alles gehört zur wunderbaren Begleitmusik der kindlichen Imagination. Sie gibt dieser Fantasie einen lebendigen, wandelbaren Rahmen durch die Körperlichkeit des Textes. Zusätzlich erhöht die Musik des Waldes die Spannung und regt die Abenteuerlust an. 


Riikonen meint: „Kinder gelten als kindlich. Ihre Fähigkeiten werden unterschätzt und ihre Handlungen werden nach den Maßstäben der Erwachsenen beurteilt, nicht nach ihren eigenen Dingen, die mit der Kindheit verbunden sind…“


Mit zunehmendem Alter verliert unsere Imagination an Kraft. Ein glitzernder Stein ist nur noch ein Stein und kein Schatz, der Wünsche wahr macht und unser Trutzburg nur noch ein Deckenhaufen über dem Tisch. 

Wäre es nicht schön, wieder im großen Bällebad kindlicher Phantasie zu versinken? Mit diesen Buch gelingt es.


Schlusswort des Autors Riikonen:


„Für mich ist Literatur in erster Linie ein Weg, die Welt in ihrer fantastischen Fülle zu lieben. Was Matara betrifft, so geht es auch darum, diese Welt ernst zu nehmen. Wenn ich den Jungen und ihrer Realität gerecht werden will, muss das Buch reich an der Welt sein, die es schafft, und auch reich an Sprache“.


Und dies kann ich nur bestätigen. Es ist der Duktus eines Cicero oder Tacitus, der hier aus den Knaben spricht. Es ist eine grandiose Naturbeschreibung des finnischen Waldes und ein heilsame Flucht in die Welt der Kindheit.

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