Mats Olsson

 3.6 Sterne bei 68 Bewertungen
Autor von Demut, In den besten Kreisen und weiteren Büchern.

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In den besten Kreisen

 (4)
Neu erschienen am 12.11.2018 als Taschenbuch bei btb.

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Demut

Demut

 (64)
Erschienen am 27.02.2017
In den besten Kreisen

In den besten Kreisen

 (4)
Erschienen am 12.11.2018
DEMUT

DEMUT

 (0)
Erschienen am 27.02.2017

Neue Rezensionen zu Mats Olsson

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Rezension zu "In den besten Kreisen" von Mats Olsson

Rocker, Drogen, Neo-Nazis - Anspruchsvoller Schwedenkrimi voller Spannung
evaczykvor einem Monat

Mit “In den besten Kreisen” hat Mats Olsson einen Schwedenkrimi in der besten Tradition von Kriminalliteratur mit aktuellen gesellschaftspolitischen Bezügen geschrieben. Merke: Es gibt nicht nur Stieg Larssen und die “Millenium” Reihe. Auch Olsson ist Journalist, und auch sein Erzähler Harry Svensson hat lange als investigativer Journalist gearbeitet. Den Jagdinstinkt nach einer guten Story verspürt er immer noch, auch wenn er mittlerweile eine Kneipe besitzt und dem stressigen Medienalltag den Rücken gekehrt hat.


So völlig stressfrei läuft es dann aber doch nicht, als erst ein verschrecktes, traumatisch verstummtes Mädchen mitten in der Nacht vor Harrys Tür steht, offenbar verfolgt von zwei Männern. Die Kleine will nicht reden, und Svensson weiß keinen anderen Rat, als das Mädchen bei seinem alten Kumpel Arne unterzubringen und erst einmal zu recherchieren.


Auch wenn der Ex-Reporter lange Zeit nicht durchblickt, stößt er in der schwedischen Provinz auf ein paar Merkwürdigkeiten. Was wollen die Motorradrocker, die in letzter Zeit gehäuft in der Gegend auftauchen? Warum hat das Mädchen panische Angst vor einem SUV mit russischem Kennzeichen, der einem Geschäftsmann aus einflussreicher Familie gehört? Und in welche schmutzigen Geschäfte und politischen Kreise ist diese Familie verflochten?


Die schöne, aber offenbar nicht besonders glückliche Unternehmersgattin Agneta könnte mehr wissen, doch bald ist nicht mehr klar, wer hier wen auszunutzen versucht und für Informationen nutzt. Je weiter Harry in die Verstrickungen der besten Kreise vordringt, zwischen Drogengeschäften, Geldwäsche und Neonazi-Aktivitäten, desto brenzliger wird es. Wie gut, dass er ein Netzwerk inoffizieller Helfer hat, angefangen mit dem litauischen Kleinunternehmer Andrius, der befreundeten Polizistin Eva, einem ehemaligen Nachrichtenchef und einer lesbischen Fischerin.


Eingewoben in die Handlung sind kleine Insidersticheleien und -betrachtungen zur Lage der Medien, die auch in Schweden unter dem Druck möglichst kostenloser Online-Angebote stehen, wo die Ansprüche sinken und sich mancher resigniert zurückzieht. Wenn Olsson an einer Stelle über Harrys Unbehagen in einer verlassenen, kalten und trostlosen Halle schreibt. “Es könnte eine Zeitungsredaktion sein”, dann sagt dieser Satz viel über das Zeitzungssterben und den Schwanengesang auf eine Branche, die nicht zuletzt in Schweden lange aufklärerische Ansprüche hatte und nun auf verlorenem Posten gegen Platitüden und schlecht recherchierten Journalismus kämpfen muss. Insofern ist es nicht die schlechteste Alternative, Romanschriftsteller zu werden.



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Rezension zu "In den besten Kreisen" von Mats Olsson

Emma rennt
walli007vor 2 Monaten

Seit er vor etwa einem Jahr in einen Kriminalfall verwickelt war, will der ehemalige Journalist Harry Svensson eigentlich nichts als seine Ruhe haben und seine Teilhaberschaft an einem Restaurant lieber an den Gästetischen genießen. Eines Nachts jedoch hämmert ein kleines Mädchen an seine Tür, dass offensichtlich sehr verstört ist. Die Kleine versteckt sich unter dem Bett. Harry steht noch in der Nähe eines offenen Fensters, da bemerkt er wie zwei zwielichtige Gestalten um sein Haus schleichen. Selbstverständlich versteckt er seinen Gast und auch sich selbst. Schon am nächsten Tag bringt er das Kind zu seinem Freund Arne, wo er sie in Sicherheit hofft. Harry selbst dagegen kehrt heim, um herauszufinden weshalb das kleine Mädchen, das nicht redet, solche Angst hat.


Einmal Journalist, immer Journalist. In diesem Fall kann und  will Harry es nicht lassen. Er muss einfach herausfinden, wieso die Kleine so verstört ist. Er kennt sie aus dem letzten Sommer. Hier und dort beginnt Harry nachzubohren. Viele Ansatzpunkte hat er dabei nicht, eigentlich hauptsächlich nur die zwei Gestalten, die er schemenhaft gesehen hat und deren Auto, einen großen SUV. Und gerade hier spielt ihm Kommissar Zufall in die Hände, denn an mehreren Stellen wird der Wagen gesichtet. Und so bekommt Harry eine Spur zu den Reichen und Schönen, die aus Stockholm heraus im Sommer an der Küste einfallen.


Auch in seinem zweiten Auftritt gewähren die Nachforschungen Harry Svenssons wieder einen Einblick hinter die Kulissen der malerischen schwedischen Küstenregion und ihrer Bewohner. Wie in jeder anderen Gegend auch, gibt es die treusorgenden Familienväter, aber auch richtige Schurken. Harrys Griff in ein Wespennest zeigt, dass gerade Letztere manchmal nicht fern sind und eine vermeintliche Idylle sehr trügerisch sein kann. Wie sich die Schlechtigkeit durch alle Gesellschaftsschichten frisst, ist sehr eindringlich geschildert. Wie viel Misstrauen gegenüber den vermeintlich integren Unternehmern ist angebracht, wie viel Vertrauen gerechtfertigt? Haben sie etwa alle Dreck am Stecken? Oder gibt es auch die Ordentlichen, die sich an die Regeln halten? Nun, nach der Lektüre dieses spannenden Romans wird wieder einiges an Misstrauen gesät sein.


Packende Unterhaltung mit einem investigativen Journalisten der besonderen Art.

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Rezension zu "In den besten Kreisen" von Mats Olsson

Ein nüchterner Blick auf die Welt
HansDurrervor 2 Monaten

Von Mats Olsson ist unter anderem bekannt, dass er der schwedische Übersetzer von Joseph Wambaugh, Robert Crais und James Lee Burke ist. Und mehr muss ich eigentlich gar nicht wissen (James Lee Burke ist mein amerikanischer Lieblingsautor), um seinen gerade auf Deutsch erschienen Thriller In den besten Kreisen mit Sympathie anzugehen. Dazu kommt, dass ich bereits vom Vorgänger "Demut" sehr angetan gewesen bin und somit davon ausgehe, dass ich auch diesmal bestens unterhalten werde und zudem was lerne. Und so ist es dann auch.
 
Der packende Einstieg beginnt mit einem Traum des Ex-Journalisten und Kneipiers Harry Svensson, der, wie es Träume so an sich haben, beunruhigend unverständlich ist. Als er aufwacht, klopft es an der Tür und als er aufmacht, stürmt ein Mädchen an ihm vorbei in die Wohnung, wo sie sich unter dem Bett versteckt. Höchst anrührend wird geschildert wie die Kleine allmählich Zutrauen zu Harry fasst. „Ich hatte keine eigenen Kinder und war so gut wie nie mit Kindern in Kontakt gekommen, allerdings hatte eine Bekannte von mir einmal behauptet, ich wäre ein Kindermagnet.“
 
Das Mädchen hat panische Angst. Und Harry Svensson versucht herauszufinden, wovor und weshalb. Dabei stösst er auf eine Marihuanaplantage und ein Dealer wird ermordet, bevor er sich mit ihm treffen kann; auch eine Biker-Gang mit Namen 'Dark Knights' und ein sehr reicher Schwede sowie ein russischer Oligarch, beide gewalttätig, spielen eine Rolle. Eine spannende Geschichte, aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt. Und auch die Psychologie kommt nicht zu kurz – die Herzenskälte der Erfolgreichen wird dabei genau so eindrücklich geschildert wie das Phänomen, dass es so unfassbar lange dauert, bis der Mensch sein Schicksal in seine eigenen Hände nimmt. 
 
Der Autor Mats Olsson, geboren 1949, ist ein lebenserfahrener Journalist („Ich hatte nie verschiedene Jobs ausprobiert oder eine bestimmte Traumkarriere vor Augen gehabt. Irgendetwas war mir ganz einfach immer vor die Füsse gefallen, oder aber ich war daraus wieder hinausgestolpert, immer hatte sich eins aus dem andern ergeben“, lässt er seinen Protagonisten Harry Svensson sagen), der die heutigen Medien illusionslos betrachtet. „Nicht ein einziger Leitartikler oder Meinungsmacher regte sich öffentlich über die Folgen übertriebenen Alkoholismus' auf, aber der allererste Zug an einem Joint führte angeblich zwangsläufig zu Heroin, in die Gosse und zum verfrühten Tod mit einer Kanüle in der Armbeuge in irgendeinem Klo in Helsingør, Vermutlich lag das einfach daran, dass die eine Droge legal und von oben sanktioniert war und die andere eben nicht.” Und: „Die Wahrheit interessiert doch niemanden, und echte Berichterstattung gibt es kaum noch. Es geht doch nur noch darum, so viele Promis wie nur möglich abzulichten.“
 
Was diesen Autor unter anderem auszeichnet, ist sein nüchterner Blick auf die Welt. So beschreibt er den Flughafen Malmö: „Es war schon eine Weile her, dass ich zuletzt dort gewesen war, und ich hatte vollkommen vergessen, dass dieser nach Ostblockvorbild errichtete Flughafen irgendwann in das verwandelt worden war, was angeblich die Sehnsucht der gesamten westlichen Hemisphäre verkörperte: ein Shoppingcenter.“
 
„In den besten Kreisen“ handelt, wie der Titel verrät, auch von den Machenschaften von Teilen der schwedischen Geldelite. Und von jungen Schweden, die 1963, als Popmusik und Jugendrevolte die Schlagzeilen beherrschten, nazistisches Gedankengut pflegten. Niemand nahm damals diese Leute Ernst. „Wer hätte denn ahnen können, dass in Schweden fünfzig Jahre später Männer und Frauen mit rechtsradikaler Gesinnung wieder zu politischer Macht gelangen würden? Wie naiv wir doch gewesen waren.“


Wer wissen will, wie es auf der Welt zu und her geht, und dabei auch noch gut unterhalten werden möchte, sollte Thriller lesen. Nicht alle, doch „In den besten Kreisen“ sollte dazugehören.

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