Matt Ruff

 4.2 Sterne bei 1,080 Bewertungen
Autor von Ich und die anderen, Fool on the Hill und weiteren Büchern.
Matt Ruff

Lebenslauf von Matt Ruff

Abgedrehtes Lesevergnügen jenseits aller bekannten Genres: Andere Jungen wollten Feuerwehrmann werden, Matt Ruff aber Schriftsteller und Geschichtenerzähler. Im zarten Alter von fünf Jahren beschloss er, Romane zu schreiben, berichtet der 1965 in New York City geborene Autor. Diesen Plan setzte er zielstrebig um. Sein Erstlingswerk „Fool on the Hill“ (1988; deutsch 1991), das er als Abschlussarbeit verfasste, entwickelte sich schnell zum Kultroman. Ähnliche Erfolge erzielte er mit seinem Roman „Sewer, Gas and Electric: The Public Works Trilogy“ (1997; deutsch „G.A.S. Die Trilogie der Stadtwerke“, 1998). In seinem Thriller „Set This House in Order“ (2003; deutsch „Ich und die anderen“, 2004) stellte Ruff Menschen mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung in den Mittelpunkt der Handlung. Für diesen Roman und für sein Werk „Bad Monkeys“ (2007; deutsch 2008) erhielt er mehrere Literaturpreise. In seinen Büchern verbindet Ruff seine blühende Fantasie mit schrägem Humor und der gekonnten Vermischung unterschiedlicher Genres. Dies gilt ebenfalls für „The Mirage“ (2012; deutsch „Mirage“, 2014) und für „Lovecraft Country“ (2016; deutsch 2018). Für dieses von HBO als Serie verfilmte Werk, das die wahnwitzigen Abenteuer einer farbigen Familie in Chicago zur Zeit der Rassengesetze beschreibt, nahm er zahlreiche Auszeichnungen entgegen. Matt Ruff ist verheiratet und lebt in Seattle.

Alle Bücher von Matt Ruff

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Buchformat:
Ich und die anderen

Ich und die anderen

 (377)
Erschienen am 01.05.2006
Fool on the Hill

Fool on the Hill

 (368)
Erschienen am 21.06.2011
Bad Monkeys

Bad Monkeys

 (201)
Erschienen am 01.11.2009
G.A.S.

G.A.S.

 (139)
Erschienen am 01.11.2004
Mirage

Mirage

 (29)
Erschienen am 19.06.2015
Lovecraft Country

Lovecraft Country

 (16)
Erschienen am 14.05.2018
Ich und die anderen: Roman

Ich und die anderen: Roman

 (6)
Erschienen am 17.07.2017
Bad Monkeys

Bad Monkeys

 (12)
Erschienen am 22.02.2008

Auf einen Kaffee mit...

Matt Ruff veröffentlichte mit seiner Magisterarbeit "Fool on the Hill" 1987 zugleich sein Romandebüt, das 1991 auch in Deutschland erschien. Bereits zuvor widmete der 1965 in Queens geborene US-Amerikaner sein ganzes Leben dem Schreiben und experimentierte mit Worten und Sätzen, ehe er seinen eigenen Stil fand. Kurz vor dem Erscheinen seines sechsten Romanes "Lovecraft Country" 2018 hat der Autor uns sein größtes Laster und sein Lieblingswort verraten und ganz exklusiv einen ersten Satz aus seinem neuen Buch...

Hallo Matt, was ist für dich das schönste Feedback von Lesern?

Meine Lieblingsreaktion ist, wenn mir ein Leser erzählt, dass er nicht erwartet hat, dass ihm das Buch gefällt und es letztendlich geliebt hat.

Wann kommen dir die besten Ideen?

Wenn ich draußen bin. Immer, wenn ich beim Schreiben einen Hänger habe, gehe ich auf eine lange Wanderung.

Hast du ein Liebslingswort?

"Epilog" finde ich super, denn es bedeutet, dass ich fast fertig bin.

Welchen anderen Job würdest du gerne für einen Tag ausüben?

Nachtwächter in der Alhambra Festung.

Wie prokrastinierst du am liebsten?

Computerspiele sind mein größtes Laster.

Kannst du uns eine gute TV-Serie empfehlen?

Die britische Miniserie "Ultraviolet" aus dem Jahr 1998. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film mit Milla Jovovich.

Welches Buch verschenkst du gerne?

"Little Big oder das Parlament der Feen" von John Crowley.

Wohin sollten wir unbedingt einmal reisen und welches Buch sollte uns begleiten?

Mit "The Skeleton Coast" (dt. Schlangenjagd) von Clive Cussler an die gleichnamige Küste in Namibia. Eine sehr gute, lange Strandlektüre.

Was ist dein Seelentier?

Eine Französische Bulldogge.

Gibt es etwas, was du gerne lernen würdest?

Wie sich die menschliche Geschichte entwickelt, nachdem ich nicht mehr hier bin, um es miterleben zu können.

Hast du eine heimliche Leidenschaft?

Ja, aber wenn ich dir das erzählen würde, wäre sie nicht mehr geheim.

Ein Satz über dein neues Buch:

Es ist wie Akte X, wenn Scully und Mulder zwei schwarze Reiseschriftsteller wären, die zur Jim-Crow-Ära ("Jim die Krähe") leben.

Ein Satz aus deinem neuen Buch:

"Atticus war schon beinahe zu Hause, als der State Trooper ihn rechts heranfahren ließ." (Lovecraft Country, 2018)

Zu guter Letzt: Welchen Buchcharakter würdest du gerne treffen und was würdet ihr zusammen unternehmen?

Es ist pervers, aber ich würde tatsächlich gerne an Professor Dyers Expedition in die Antarktis aus H. P. Lovecrafts "Berge des Wahnsinns" teilnehmen. Natürlich wäre ich einer der glücklichen Typen, die lebendig zurückkommen.

Neue Rezensionen zu Matt Ruff

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Fi-Lous avatar

Rezension zu "Ich und die anderen" von Matt Ruff

Mal ganz anders!
Fi-Louvor 2 Monaten

Ich habe "Ich und die anderen" schon vor einigen Jahren gelesen, es ist mir aber so im Gedächtnis geblieben, dass ich es immer wieder Freunden empfehle. 

Obwohl es um ein eigentlich ernstes und auch kompliziertes Thema geht - vor allem, wenn man beim Lesen erfährt, wieso es dem Protagonisten Andrew so ergeht - ist das Buch sehr unterhaltsam. Zu Beginn kam ich nur etwas schleppend voran, aber nach kurzer Zeit war ich so "eingelesen", dass ich das Buch verschlungen habe, denn die Geschichte ist wirklich mal etwas Anderes. 

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Lovecraft Country" von Matt Ruff

Fantastic!
Gwhynwhyfarvor 2 Monaten

»Egal, was sie dir antun, hinterher ist es, als wäre nichts geschehen. Du sollst einfach bloß dankbar sein, dass du überhaupt noch am Leben bist.«

Eins dieser Bücher, das man unbedingt lesen sollte. Warum? Es ist wundervoll geschrieben, spannend, humorvoll und es ist wichtig in seiner Aussage, erscheint genau zur richtigen Zeit. Worum geht es? Wenn ich Rassismus sage, wäre das zu wenig. Welches Genre? Science-Fiction, Fantastik, Historik, Horror, gesellschaftskritischer Roman … Matt Ruff ist genial, er webt alles zusammen.

»Was sich in den nächsten Augenblicken abspielte, war George und Atticus schrecklich vertraut: Man befahl ihnen, aus dem Wagen zu steigen, sie wurden geschlagen, angeschrien, durchsucht, erneut geschlagen, zum Schluss wieder an die Rückseite des Packard geführt, wo sie sich mit hinter dem Kopf verschränkten Händen und gekreuzten Beinen auf die Stoßstange setzen mussten.«

Die Geschichte ist in verschiedene Episoden gegliedert. Der farbige Korea-Veteran Atticus Turner fährt von Jacksonville, Florida, nach Chicago. Für Farbige ist es lebensgefährlich durch manche Gebiete zu reisen, es gibt nur wenige Orte, in denen sie halbwegs geschützt sind, denn es gibt Flecken, da ist man nicht nur unwillkommen, man muss sogar damit rechnen, es nicht zu überleben, hier durchzureisen. Atticus hatte von seinem Vater eine merkwürdige Nachricht erhalten, es ginge um Geburtsrechte. Die beiden haben sich lange nicht gesehen. Doch der Vater ist zu Hause nicht aufzufinden. Zusammen mit Onkel George geht es nun auf eine Reise nach Ardham, Massachusetts, Montrose Turner zu suchen. Mit dabei ist die unkonventionelle Letitia Dandridge, was Atticus nicht gefällt. Das Ganze spielt in den 1950er-Jahren der USA, zu Zeiten der Jim-Crow-Gesetze zur Rassentrennung. Onkel George vertreibt den »Safe Negro Travel Guide«, der halbwegs sichere Reiserouten für Farbige vorschlägt, Restaurants, Tankstellen, Autowerkstätten und Hotels benennt, die Farbige bedienen, vor No-Go-Areas warnt. Das Dumme an Reiseführern ist, dass sie lediglich das Gestern abbilden. In diesem Fall kann eine überholte Reisempfehlung tödlich sein. Wie gut, dass sie Letitia dabei haben und ihr absolutes Gottvertrauen … Auf der Suche nach dem Haus, in das Atticus von seinem Vater eingeladen wurde, begegnen sie sehr rabiaten Gesetzeshütern. Sie treffen in dem einsamen Herrenhaus ein, und es stellt sich heraus, Montrose ist bei dem »adamitischen Orden der alten Morgenröte« zu Gast. (»Order of the Golden Dawn», hermetischer Orden der Goldenen Dämmerung, kurz: Golden Dawn, war eine okkulte diskrete Gesellschaft von 1888. Im Gegensatz zur theosophischen Gesellschaft, die sich mit asiatischen Philosophien beschäftigte, verstand sich der Golden Dawn als Fortführung der europäischen Mysterien, insbesondere der Tradition der Rosenkreuzer.) Was hat Montrose in dieser rassistischen Loge der »Söhne Adams« zu suchen? Der Vorsitzende Samuel Braithwhite und sein Sohn Caleb heißt die Reisegruppe willkommen. Doch wo steckt Montrose wirklich?

»›Ist alles in Ordnung, Miss? Werden Sie belästigt?‹
Er sah an ihr vorbei, kniff blutunterlaufene Augen zusammen. ›Waren es die da?‹
Etwas im Ton, wie er ›die da‹ sagte, veranlasste Ruby, sich umzudrehen. An der Ecke standen vier halbwüchsige Schwarze und warteten auf Grün. Warteten einfach.
›Waren es die da?‹, wiederholte der Polizist. ›Haben sie was zu Ihnen gesagt? Irgendwas getan?‹
Ruby wurde wieder ganz flau im Magen, und sie dachte: Ich könnte ihm alles und jedes erzählen, und er würde mir glauben. Wenn ich wollte, könnte ich die Jungs umbringen lassen. Ich könnte.«

Das Which-Haus, das Letitia kauft, scheint ein Spukhaus zu sein, es rüttelt und schüttelt sich. Es befindet sich mitten im Weißenvietel, die Nachbarn stehen Kopf, eine farbige Frau in der Nachbarschaft! Ruby, Letitias Schwester, trinkt einen magischen Trank, der sie weißhäutig macht. Plötzlich begegnen ihr die Menschen vor der Tür völlig anders. Zunächst ängstigt sie die Freundlichkeit ihrer Mitmenschen, dann begreift sie den Gewinn und freut sich, zur Herrscherklasse zu gehören, nimmt sie die Welt aus einer anderen Perspektive wahr. Ein Polizist möchte der hübschen weißen Frau imponieren, irgendwas werden die schwarzen Jugs schon angestellt haben … Ruby spürt die Macht, die sie plötzlich besitzt.

»Er stand neben dem Packard und wischte sich den Schlaf aus den Augen, als er Gelächter von den Zapfsäulen her hörte. Ein LKW-Fahrer und ein Typ von der Tankstelle grinsten ihn an und stießen einander die Ellenbogen in die Rippen. Atticus schaute auf die halbaufgegessene Banane in seiner Hand und spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg. Zum ungefähr millionsten Mal in seinem Leben fragte er sich, ob es irgendeine Möglichkeit gab, wie er das ignorieren und einfach seiner Wege gehen konnte, und fand, dass die geringfügigeren Kränkungen am schwersten hinzunehmen waren. Dann begann der Typ von der Tankstelle, sich auf die Brust zu trommeln und wie ein Affe zu kreischen, und Atticus warf die Banane weg und ballte die Fäuste.«

Alle acht Geschichten fügen sich zusammen im letzten Kapitel: »Das Kainszeichen«. Neblige Landschaften, düstere Wälder, ein abgelegenes Herrenhaus, eher eine Festung, Spukhaus, ein Zauberbuch, eine verwunschene Sternwarte, menschenfressende Felsblöcke, der Kontakt mit anderen Universen, im Subtext immer ein wenig dunkel und gruselig… Doch in diesem Roman ist der Mensch an sich eine Horrorgestalt. Sogenannte brave Bürger und Staatsbeamte die Recht und Ordnung aufrecht erhalten sollen, machen Jagd auf Schwarze. Nur ein toter Ne… ist ein guter Ne… Letztendlich sind die Figuren aber wesentlich komplexer. Hier gerät kein Held plötzlich in ein Unglück, wird getrieben. Alle diese Figuren begeben sich freiwillig in Unannehmlichkeiten, Gefahr, sie wissen, was folgen könnte. Genau das ist die Kraft der Protagonisten. Sie sind unbequem, neugierig, pochen auf ihre Rechte, wehren sich. Jeder für sich ist eine Persönlichkeit und Matt Ruff lässt uns hinein in ihr Innerstes. Das ist Matt Ruff, so kennt man ihn, tief eintauchen in Charaktere, den Leser mitnehmen auf eine große Reise, nicht schlicht einen Helden reisen lassen. In der realen Welt, im täglichen Spießrutenlaufs für Afroamerikaners dieser Zeit hat mir das Buch spitzenmäßig gefallen. Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist die reale Welt der 50-er der USA, die noch heute sehr rassistisch ist. Die phantastischen Ausflüge fand ich eine Stufe schwächer, habe sie aber auch gern gelesen. Als Gesamtkonzept ein wundervoller Roman.

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LeenChavettes avatar

Rezension zu "Lovecraft Country" von Matt Ruff

Ich bitte um eine Fortsetzung!
LeenChavettevor 5 Monaten

„Lovecraft Country“ erzählt von einem Amerika der 50er Jahre, Rassentrennung und Magie.


Wir lernen Atticus Turner kennen. Der 22-jährige Kriegsveteran macht sich auf den Weg nach Chicago, seinen Onkel George zu besuchen. Dieser ist kein geringerer als der Herausgeber des „Safe Negro Travel Guide“. Ein Reiseführer für afro-amerikanische Menschen, die auf ihren Reisen nicht unwillkürlich in die Arme von rassistischen Hotel- oder Tankstellenbesitzer laufen wollen. Der Travel Guide zeigt ihnen auf, wo sie sicher einkaufen und tanken können und eine willkommene Unterkunft „on the road“ finden können.

Zusammen mit George und Letitia (einer Freundin aus Jugendzeiten) macht sich Atticus auf den Weg um seinen verschwundenen Vater zu finden. Alle Indizien führen zum mystischen Anwesen der Familie Braithwithe…

Es folgen 7 weitere Kapitel im Charakter von Kurzgeschichten. Angelehnt an H. P. Lovecraft aber auch anderen klassischen Grusel. Jedes Kapitel für sich, schließt sich jedoch zum Ende hin in ein großes Ganzes zusammen.

Anfangs etwas irritiert vom episodischen Erzählstil, konnte mich das Buch voll und ganz überzeugen. Spannende Erzählungen, starke Charaktere und historische Kulissen. Die damalig aktuelle politische Lage bildet die finstere Grundstimmung der Geschichte, die noch garniert wird von mystischem Horror und Magie. Absolut zeitgemäß!

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Zusätzliche Informationen

Matt Ruff wurde am 08. September 1965 in New York, Queens (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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