Matt Ruff

 4.1 Sterne bei 1.097 Bewertungen
Autor von Ich und die anderen, Fool on the Hill und weiteren Büchern.
Matt Ruff

Lebenslauf von Matt Ruff

Abgedrehtes Lesevergnügen jenseits aller bekannten Genres: Andere Jungen wollten Feuerwehrmann werden, Matt Ruff aber Schriftsteller und Geschichtenerzähler. Im zarten Alter von fünf Jahren beschloss er, Romane zu schreiben, berichtet der 1965 in New York City geborene Autor. Diesen Plan setzte er zielstrebig um. Sein Erstlingswerk „Fool on the Hill“ (1988; deutsch 1991), das er als Abschlussarbeit verfasste, entwickelte sich schnell zum Kultroman. Ähnliche Erfolge erzielte er mit seinem Roman „Sewer, Gas and Electric: The Public Works Trilogy“ (1997; deutsch „G.A.S. Die Trilogie der Stadtwerke“, 1998). In seinem Thriller „Set This House in Order“ (2003; deutsch „Ich und die anderen“, 2004) stellte Ruff Menschen mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung in den Mittelpunkt der Handlung. Für diesen Roman und für sein Werk „Bad Monkeys“ (2007; deutsch 2008) erhielt er mehrere Literaturpreise. In seinen Büchern verbindet Ruff seine blühende Fantasie mit schrägem Humor und der gekonnten Vermischung unterschiedlicher Genres. Dies gilt ebenfalls für „The Mirage“ (2012; deutsch „Mirage“, 2014) und für „Lovecraft Country“ (2016; deutsch 2018). Für dieses von HBO als Serie verfilmte Werk, das die wahnwitzigen Abenteuer einer farbigen Familie in Chicago zur Zeit der Rassengesetze beschreibt, nahm er zahlreiche Auszeichnungen entgegen. Matt Ruff ist verheiratet und lebt in Seattle.

Alle Bücher von Matt Ruff

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Buchformat:
Ich und die anderen

Ich und die anderen

 (380)
Erschienen am 01.05.2006
Fool on the Hill

Fool on the Hill

 (369)
Erschienen am 21.06.2011
Bad Monkeys

Bad Monkeys

 (204)
Erschienen am 01.11.2009
G.A.S.

G.A.S.

 (140)
Erschienen am 01.11.2004
Mirage

Mirage

 (31)
Erschienen am 19.06.2015
Lovecraft Country

Lovecraft Country

 (22)
Erschienen am 14.05.2018
Ich und die anderen: Roman

Ich und die anderen: Roman

 (6)
Erschienen am 17.07.2017
Bad Monkeys

Bad Monkeys

 (12)
Erschienen am 22.02.2008

Auf einen Kaffee mit...

Matt Ruff veröffentlichte mit seiner Magisterarbeit "Fool on the Hill" 1987 zugleich sein Romandebüt, das 1991 auch in Deutschland erschien. Bereits zuvor widmete der 1965 in Queens geborene US-Amerikaner sein ganzes Leben dem Schreiben und experimentierte mit Worten und Sätzen, ehe er seinen eigenen Stil fand. Kurz vor dem Erscheinen seines sechsten Romanes "Lovecraft Country" 2018 hat der Autor uns sein größtes Laster und sein Lieblingswort verraten und ganz exklusiv einen ersten Satz aus seinem neuen Buch...

Hallo Matt, was ist für dich das schönste Feedback von Lesern?

Meine Lieblingsreaktion ist, wenn mir ein Leser erzählt, dass er nicht erwartet hat, dass ihm das Buch gefällt und es letztendlich geliebt hat.

Wann kommen dir die besten Ideen?

Wenn ich draußen bin. Immer, wenn ich beim Schreiben einen Hänger habe, gehe ich auf eine lange Wanderung.

Hast du ein Liebslingswort?

"Epilog" finde ich super, denn es bedeutet, dass ich fast fertig bin.

Welchen anderen Job würdest du gerne für einen Tag ausüben?

Nachtwächter in der Alhambra Festung.

Wie prokrastinierst du am liebsten?

Computerspiele sind mein größtes Laster.

Kannst du uns eine gute TV-Serie empfehlen?

Die britische Miniserie "Ultraviolet" aus dem Jahr 1998. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film mit Milla Jovovich.

Welches Buch verschenkst du gerne?

"Little Big oder das Parlament der Feen" von John Crowley.

Wohin sollten wir unbedingt einmal reisen und welches Buch sollte uns begleiten?

Mit "The Skeleton Coast" (dt. Schlangenjagd) von Clive Cussler an die gleichnamige Küste in Namibia. Eine sehr gute, lange Strandlektüre.

Was ist dein Seelentier?

Eine Französische Bulldogge.

Gibt es etwas, was du gerne lernen würdest?

Wie sich die menschliche Geschichte entwickelt, nachdem ich nicht mehr hier bin, um es miterleben zu können.

Hast du eine heimliche Leidenschaft?

Ja, aber wenn ich dir das erzählen würde, wäre sie nicht mehr geheim.

Ein Satz über dein neues Buch:

Es ist wie Akte X, wenn Scully und Mulder zwei schwarze Reiseschriftsteller wären, die zur Jim-Crow-Ära ("Jim die Krähe") leben.

Ein Satz aus deinem neuen Buch:

"Atticus war schon beinahe zu Hause, als der State Trooper ihn rechts heranfahren ließ." (Lovecraft Country, 2018)

Zu guter Letzt: Welchen Buchcharakter würdest du gerne treffen und was würdet ihr zusammen unternehmen?

Es ist pervers, aber ich würde tatsächlich gerne an Professor Dyers Expedition in die Antarktis aus H. P. Lovecrafts "Berge des Wahnsinns" teilnehmen. Natürlich wäre ich einer der glücklichen Typen, die lebendig zurückkommen.

Neue Rezensionen zu Matt Ruff

Neu

Rezension zu "Lovecraft Country" von Matt Ruff

Lovecraft Country
KaraBetavor 2 Tagen

Atticus Turner macht sich zusammen mit seinem Onkel George und seiner Jugendfreundin Letitia auf die Suche nach seinem verschwundenen Vater. Dabei müssen sie sich nicht nur mit dem allgegenwärtigen Rassismus der 1950er herumschlagen, sie geraten auch in die Machenschaften einer Geheimgesellschaft und ihres machtgierigen und undurchsichtigen Anführers, der dunkle Mächte entfesselt.

Von H.P. Lovecraft kannte ich bisher nur The Call of Ktulu und das auch nur in der Version von Metallica (die finde ich allerdings großartig), deshalb hätte mich das Buch wohl nicht weiter interessiert, wenn es nicht von Matt Ruff wäre, dessen Fool On The Hill zu meinen Allzeit-Top-Ten-Büchern gehört.

Gleich im ersten Kapitel blieb mir die Luft weg, als ich hautnah miterlebte, wie ein Schwarzer (Atticus Turner) willkürlichen Demütigungen und Schikanen ausgesetzt ist, einfach nur, weil er mit dem Auto nach Hause fährt.
Lovecraft?

Geheimgesellschaft, dunkle Mächte, Heimsuchungen und Tore in fremde Welten stoßen bald dazu, aber schnell wird klar, dass das eigentliche Monster und die mit ihm einhergehende existenzielle Bedrohung (Lovecraft!) der Rassismus mit seinen weißen Schergen ist.

Matt Ruff erzählt locker, mit Charme und Witz eine turbulente Abenteuergeschichte, zeigt die Ungeheuerlichkeit der rassistischen Gesellschaft sehr anschaulich und spürbar ohne zu belehren und punktet mit liebenswerten Personen (vor allem die drei tollen Frauen Hippolyte, Ruby und Letitia), die nie in eine Opferrolle abrutschen, sondern die Dinge beherzt anpacken und am Ende den Erzschurken auslachen.

Hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es für Matt Ruff sehr zahm war und für meinen Geschmack gerne noch ein bisschen abgedrehter hätte sein dürfen.

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Rezension zu "Lovecraft Country" von Matt Ruff

Erzählungen aus Lovecraft Country
Gallert-Oktaedervor 11 Tagen

"Lovecraft Country" erzählt von zwei schwarzen Familien in einem noch von Segregation und Rassendiskriminierung geprägten Amerika. Der Spur seines verschwundenen Vaters folgend gerät Atticus Turner, ein Vietnam-Veteran, der für den Safe Negro Travel Guide arbeitet, nach Ardham; einem Ort der vom Rest der Welt nicht nur scheinbar vergessen worden ist, sondern auch den Zufluchtsort einer geheimnisvollen Loge darstellt. 

Matt Ruff erschafft im Stile Lovecrafts durch eine Sammlung zusammenhängender Kurzgeschichten einen eigenen Kosmos, in dem ungesehen das Übernatürliche schlummert, bis es nach und nach vom Leser und den Protagonisten entdeckt wird. Im Buch finden sich zahlreiche Anlehnungen an H.P. Lovecrafts Werk, es hat aber genug eigene, wirklich kreative Ideen, mit denen mich "Lovecraft Country" beim Lesen überzeugen konnte. 
Der Start in die Geschichte vollzieht sich zunächst noch etwas langsam und unspektakulär, die Ereignisse nehmen zum Ende der ersten Erzählung dann jedoch rapide an Fahrt auf. Ab diesem Zeitpunkt konnte mich das Buch durchgehend bis zum Ende hin fesseln. 
Sprachlich gesehen, steigt Matt Ruff nicht unbedingt in die Fußstapfen Lovecrafts. Statt verzweifelt, wahnsinnig und düster erzählt er auf einer eher bodenständigeren und oft auch leicht humoristischen Ebene vom Umgang mit dem "Übersinnlichen", was grundsätzlich nicht völlig meinen Geschmack trifft, mich hier aber auch nicht wirklich gestört hat. Vermutlich weil das Buch immer noch genug ernste Passagen enthält, um nicht ins Parodistische abzudriften.

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Rezension zu "Lovecraft Country" von Matt Ruff

Jim Crow’s Country und die Großen Alten
Monkbergvor einem Monat

Der Roman von Matt Ruff spielt Mitte der 1950er in einem auf eine Weise tief gespaltenen Land, wie man sich das heute kaum mehr vorstellen kann. Und es auch nicht möchte. Es gibt die alten Familien - Weiße – in deren Händen alles Geld und alle Macht liegen, und es gibt … die Anderen. Die, die in der weißen Gesellschaft quasi unsichtbar sind. Sie mögen wohl sieben Tage die Woche unzählige Stunden in den Häusern Weißer arbeiten oder in ihrer Armee dienen. Doch die Weißen betrachten Menschen ihrer Hautfarbe als Diebe, Mörder, Vergewaltiger oder noch schlimmer: als Opfervieh.

Es fällt ihnen auch leicht, denn es gibt kaum Berührungspunkte zwischen Weißen und Nicht-Weißen. Das Leben diese Gruppe der Bevölkerung der USA findet in anderen Straßen statt. Man muss schon sagen: In einer anderen Welt. Sie berührt jene der Weißen kaum. Denn nur abseits von Weißen, abseits ihrer Kontrollen und ihrer Polizei, die jeden Nicht-Weißen unter Generalverdacht nimmt und auch gern einmal auf der Flucht erschießt, straffrei übrigens, können diese Menschen einigermaßen in Sicherheit leben.

Wer jetzt jedoch glaubt, The Safe Negro Travel Guide, ein Reiseführer, den der Onkel des Helden Atticus Turner betreibt, sei eine, vielleicht sogar witzige, Erfindung des Autors, den verweise ich hiermit auf das Original, das Matt Ruff benutzt hat:

Es gibt das Negro Motorist Green Book herausgegeben von Victor H. Green wirklich. Und es gab zwischen 1940 und dem Ende der 1960er Jahre offensichtlich dafür Bedarf.

Das muss man erst einmal sacken lassen.

Der Alltag, das alltägliche Misstrauen, ja er Hass, der Weißen gegen Nicht-Weiße, der die gesamte Handlung des Romans durchzieht, ist schwer zu ertragen. Atticus Turner, der mit gerade 22 als Veteran aus dem Krieg zurückgekehrt ist, war in einem Regiment für die weiße Gesellschaft nützlich. Doch nun muss er sich wieder vor jeder Kontrolle hüten. Atticus braucht er das Wissen seines Onkels George, der in den gesamten USA Unterkunftsmöglichkeiten, Restaurants und Werkstätten daraufhin testet, ob sie Nicht-Weiße als Kunden akzeptieren, als beide mit Atticus‘ Freundin Letizia von Chicago aus zur Rettung seines Vaters in die New England Staaten aufbrechen.

Trotzdem kommen sie nur deshalb in Artham an, wo Atticus‘ Vater von einem Geheimbund festgehalten wird, weil ihnen ein geheimnisvoller Fremder zu Hilfe kommt.

Das wie, was und warum Atticus von dem Geheimbund nach Artham gelockt wird, die Akteure und ihre Gegenspieler dieser Ebene des Romans, der ein Episodenroman ist, in dem etliche Mitglieder des verzweigten Clans von Atticus eine Stimme bekommen, soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Wie sich die Handlungsstränge verknoten, verzweigen, teils auch abbrechen, hat durchaus seinen Reiz. Man möchte beim Lesen gerne wissen, ob der Held die Prüfungen besteht, die sich vor ihm auftürmen. Ob er seine Widersacher überwinden kann. Matt Ruff enttäuscht mit Lovecroft Country in dieser Beziehung nicht.

Doch die Mischung aus realem Horror, wie ihm Menschen wie Atticus damals ausgesetzt waren und dem fiktiven, den der Autor auf die echten Verhältnisse packt, bleibt blass. Das Artham und der Geheimzirkel, den Matt Ruff auferstehen lässt, sind beide Epigonen. Das tiefe Grauen, das Lovecrafts Werk durchzieht, bleibt aus. Es ist Jim Crow’s Country, das mir beim Lesen den Magen umgedreht hat.

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Zusätzliche Informationen

Matt Ruff wurde am 08. September 1965 in New York, Queens (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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