Matthew Goodman

 4 Sterne bei 8 Bewertungen

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In 72 Tagen um die Welt

In 72 Tagen um die Welt

 (7)
Erschienen am 16.12.2013
Die schnellsten Frauen der Welt

Die schnellsten Frauen der Welt

 (1)
Erschienen am 11.09.2017

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Rezension zu "Die schnellsten Frauen der Welt" von Matthew Goodman

Wettfahrt um den Erdball
YukBookvor einem Jahr


Wenn wir heute auf Reisen gehen, genießen wir die Muße fernab von der Hektik des Alltags. Davon kann in diesem Roman kaum die Rede sein. Denn wie der Titel schon sagt: Um Schnelligkeit und nichts anderes ging es bei der Weltumrundung, die zwei Journalistinnen am14. November 1889 antraten. Statt in 80 Tagen, die Jules Vernes Romanfigur Phileas Fogg gebraucht hatte, wollen Nellie Bly von der Zeitung 'New York World' und Elizabeth Bisland von der Zeitschrift 'Cosmopolitan' bereits nach 75 Tagen wieder in ihrer Heimat New York zurück sein. Matthew Goodman hat die Wettfahrt der beiden Frauen, die in entgegensetzte Richtungen aufbrachen, in eine mitreißende Reportage verpackt.

Zunächst werden die zwei Protagonistinnen vorgestellt, die höchst gegensätzlich sind. Nellie Bly hat sich als investigative Journalistin einen Namen gemacht und schreckt vor keinem Abenteuer zurück, auch nicht vor einer Weltumrundung, die sie selbst der Redaktion vorschlägt. Dagegen steht ihre Kontrahentin aus vornehmem Hause gar nicht gern im Rampenlicht, liebt Gedichte, Romane und wird von ihrem Arbeitgeber zu der strapaziösen Reise mehr oder weniger gezwungen.

Denn strapaziös ist sie gewiss – die Reise, die unter anderem über London, Brindisi, Suez, Singapur, Hongkong und San Francisco führt. Man leidet mit Nellie Bly mit, der die Seekrankheit arg zu schaffen macht, und fühlt die Verzweiflung Elizabeth Bislands nach, die benommen vor Kälte, Hunger und Erschöpfung versucht, ihren Dampfer zu erreichen. Genauso detailreich wie die Wege werden auch die Städte und die Atmosphäre geschildert, in die sie, wenn auch nur kurz, eintauchen. Goodmans Beschreibungen sind so üppig mit Lokalkolorit garniert, dass ich das Gefühl hatte, hautnah dabei zu sein, das Rattern der Züge zu spüren, den Curry in Indien zu schmecken oder die Seeluft in Yokohama zu riechen. Vermutlich ging es den Zeitungslesern damals genauso, die gespannt auf Neuigkeiten der rasenden Reporterinnen warteten und mitfieberten.

Darüber hinaus erfuhr ich viel Interessantes über die damalige Zeit, zum Beispiel über die Zeitungsbranche, die statt Frauen lieber studierte Männer mit klassischer Bildung einstellte, den harten Konkurrenzdruck im Schiffbau, die rasante Ausweitung des Eisenbahnnetzes oder den Komfort amerikanischer Züge, die neben Schlaf- und Speisewagen auch über Bibliotheks- und Salonwagen, Stenografen und Kammerzofen verfügten. Diese in rasantem Tempo erzählte historische Reportage führt mitten durch das Herz des viktorianischen Zeitalters und wird nicht nur Reiselustige begeistern. 

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Rezension zu "In 72 Tagen um die Welt" von Matthew Goodman

Faszinierendes Wettrennen zweier Journalistinnen um die Welt anno 1889
Penelope1vor 3 Jahren

Inhalt:
New York 1889: Ist es möglich, die Welt in 80 Tagen oder gar weniger zu umrunden – wie in Jules Vernes‘ berühmten Roman? Zwei Journalistinnen setzen sich ein neues Ziel: Sie wollen den Globus innerhalb 75 Tagen umreisen ! Ausgangspunkt ist New York, doch während sich Nelly Bly Richtungen Osten auf den Weg macht, begibt sich Elisabeth Bisland nach Osten hin auf die Reise um die Welt. Und was als Newspaper-Story begann, entwickelt sich immer mehr zu einem Wettrennen der besonderen Art …

Meine Meinung:
Diese abenteuerliche Story zweier Frauen, die die Welt in nur 75 Tagen umreisen wollen, ist eine wahre Geschichte ! Genau genommen handelt es sich um ein erzählendes Sachbuch, in dem keines der geschilderten Ereignisse fiktiv ist! Doch nicht nur das: Dialoge und viele Textstellen wurden einer schriftlichen Quelle entnommen, die man im Anhang des Buches nachverfolgen kann.
Umsomehr begeisterte mich diese wahre Geschichte um zwei Journalistinnen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts – mehr oder weniger freiwillig – auf den Weg auf diese besondere Reise machten. Beide Journalistinnen wollen beweisen, dass sie sich in dieser von Männern beherrschten und dominierten Welt behaupten können. Außerdem soll dies eine besondere und lesergewinnende Story werden ! Die Öffentlichkeit nimmt interessiert Anteil daran, von der Presse auf dem Laufenden gehalten und durch ein Gewinnspiel zur aktiven Beteiligung aufgefordert.

Fasziniert begleitet auch der Leser die beiden Frauen auf ihrer Reise, erhält teilweise detaillierte Einblicke in das damalige Zeitalter – erfährt nicht nur so manches über die Transportmittel Dampfschiff und Eisenbahn, sondern erhält auch vielfältige Eindrücke über Leben und Kultur auf den verschiedenen Reise-Stationen wie z.B. in China, Japan, Ceylon, Italien, London und natürlich in Amerika/New York. Dem Autor gelingt es meisterhaft, den Zeitgeist des viktorianischen Zeitalters festzuhalten und auch den Leser daran teilhaben zu lassen. Und das immer in der Gewissheit, dass hier nichts erfunden, sondern real ist/war.
Und nebenbei immer die Zeit im Blick: Sind die beiden Reisenden noch im Zeitplan, werden sie den Anschlussdampfer erreichen? Und natürlich die Frage: Wer wird zuerst wieder in New York eintreffen, wer wird Sieger, wer Verlierer? Werden sie es innerhalb der selbst gesetzten Frist von 75 Tagen schaffen? Die Kapitelüberschriften sind mit Datum und Ort versehen, einige s/w-Abbildungen vertiefen die Eindrücke und sorgen dafür, dass man sich als Leser noch besser in die beschriebene Zeit hineinversetzen kann.

Fazit:

Für mich war dies eine unterhaltsame und informative Reise um die Welt, gemeinsam mit zwei  außergewöhnlichen und starken Frauen ihrer Zeit. Unterhaltsam und sehr informativ – ein Roman bzw. ein „erzählendes Sachbuch“, das den Leser in die Welt des 19. Jahrhunderts entführt – sehr empfehlenswert !

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M

Rezension zu "In 72 Tagen um die Welt" von Matthew Goodman

Historische Reportage
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

 

Jules Verne hatte die fiktive Vorlage geliefert für dieses reale Unterfangen, das im November 1889 seinen Anfang nahm.

 

Im Zeitalter der beginnenden Technik, der Dampfmaschinen in Lokomotiven und auf Schiffen war es erstmalig möglich, die Geschwindigkeit der Bewegung rasant zu steigern. Alle Unternehmungen vor dieser Zeit waren und blieben immer begrenzt auf die maximale Geschwindigkeit von Pferden. Nun aber eilten Schiffe zu Rekorden im Blick auf transatlantische Überquerungen und durch die Erschließung der Kontinente durch Eisenbahngesellschaften waren auch Überlandreisen enorm beschleunigt.

 

Sollte es also möglich sein, die Fiktion von Verne in die Realität umzusetzen, gar noch zu unterbieten?

 

Zwei amerikanische Zeitungsredaktionen schickten dieses Unternehmen auf den Weg. Und das ganz außerordentlich für die damalige Zeit, nicht mittels „verwegener Männer“, sondern tatsächlich mittels zweier Frauen.

 

Nelly Bly, erst seit zwei Jahren Reporterin bei der „New York World“ macht den Anfang und schifft sich in New York auf die „Auguste Victoria“ ein, um zunächst nach Britannien und dann quer durch Europa durch die Kontinente die Welt zu umrunden (ein Weg, auf dem im Übrigen Jules Verne durchaus eine reale Rolle spielen wird). Ein Rekordversuch, der ihre eigene Idee war und von dem sie die Redakteure zunächst mit viel Geduld überreden musste.

 

John Brisbane Walker, Besitzer des „Cosmopolitan“, erfuhr aus der Zeitung von Nellie Blys Umsetzung und überredete seinerseits die Autorin und Literaturkritikerin Elizabeth Bisland, sich als „Konkurrentin“ ebenfalls auf den Weg zu machen. In umgekehrter Richtung, sprich, zunächst mit der Bahn ans andere Ende Amerikas und dort dann per Schiff quasi der Route Blys entgegengesetzt.

 

Zwei Frauen, von unterschiedlichem Charakter (die burschikose Nellie und die eher feingeistige Elizabeth).

 

Von beiden Frauen berichtet Goodman in komprimierter Form zu nächst biographisch, um dann in ruhigen Perspektivwechseln die historischen Fakten der beiden Reisen nachzuerzählen. Hierbei ist es sein ausgesprochenes Unterfangen, möglichst wenig zu redigieren und möglichst eng an den Quellen seine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die er zum Ende hin in ebenfalls biographisch komprimierter Form ausklingen lässt durch das weitere Ergehen der beiden Frauen bis zu deren Tod hin.

 

So legt Goodman einerseits keinen Abenteuerroman vor, wie es Jules Verne tat, sondern beschreibt sehr genau die technischen Herausforderungen, das Planen und Einhalten von Fahrplänen (die damals alle eher in Schätzwerten nur vorlagen) und die Stationen der jeweiligen Reisen. Zudem bietet er einen intensiven Einblick in jene Zeit des ausklingenden viktorianischen Zeitalters, zeigt die Einflussnahme von Technik und Geschwindigkeit auf den Menschen und vermag es sehr treffend, das Lebensgefühl jener „Aufbruchjahre“ vor den Augen des Lesers auferstehen zu lassen.

 

Spannend im eigentlichen Sinne ist diese etwas trocken geratene historische Reportage nicht zu nennen, wohl aber informativ und in den gut recherchierten Details gelungen.

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