Anstand

von Matthew Quick 
4,2 Sterne bei13 Bewertungen
Anstand
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Sommermaedchen23s avatar

Mit seinem eigenwilligem Erzählstil schleicht sich David Granger in mein Herz und widerlegt alle meine Vorurteile

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Radikal und speziell - hat mir nur bedingt gefallen

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Inhaltsangabe zu "Anstand"

Er liebt sein Land, das er nicht mehr versteht. Er hasst die Liberalen. Er schläft nicht ohne seine Waffen. Er ist das Gegenteil von politisch korrekt. Er ist unbequem. Er liebt seine Enkelin Ella über alles. Er hat einen Gehirntumor, für den er das Agent Orange aus dem Vietnamkrieg verantwortlich macht. Er überlebt die Operation. Er nimmt die letzte Chance wahr, sich mit seiner Vergangenheit, seinem Sohn und seinem Erzfeind aus dem Krieg, Clayton Fire Bear auszusöhnen. Er heißt David Granger, 68 Jahre, Vietnamveteran. Er ist: Ein Mann mit Anstand.

"Ganz großes Kino" (Christine Westermann zu "Silver Linings")

"Originell, fesselnd, erhebend." (Graeme Simsion zu "Die Sache mit dem Glück")

"Es ist unmöglich, diese tief zerrissenen Figuren nicht zu mögen." (USA Today)

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783959671354
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:HarperCollins
Erscheinungsdatum:09.10.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 29.09.2017 bei Lübbe Audio erschienen.

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    HibiscusFlowers avatar
    HibiscusFlowervor 3 Monaten
    Das Leben als Mission

    Klappentext des Verlages:
    Er liebt sein Land, das er nicht mehr versteht. Er hasst die Liberalen. Er schläft nicht ohne seine Waffen. Er ist das Gegenteil von politisch korrekt. Er ist unbequem. Er liebt seine Enkelin Ella über alles. Er hat einen Gehirntumor, für den er das Agent Orange aus dem Vietnamkrieg verantwortlich macht. Er überlebt die Operation. Er nimmt die letzte Chance wahr, sich mit seiner Vergangenheit, seinem Sohn und seinem Erzfeind aus dem Krieg, Clayton Fire Bear auszusöhnen. Er heißt David Granger, 68 Jahre, Vietnamveteran.
    Er ist: Ein Mann mit Anstand.


    "Meine Bildung fußt auf Wahrheit und Erfahrung..." (S. 18)

    ...und Granger ist nicht daran gelegen, diese zu beschönigen, selbst dann nicht, wenn man ihn für ein starrköpfiges Arschloch hält oder ihn als Rassisten schimpft.

    "Wenn man genau hinschaut, erkennt man einen Idioten auf eine Meile Entfernung." (S. 89)

    ...und in fast sieben Jahrzehnten hat er nicht wenige davon getroffen. Doch im Grunde interessiert er sich so gar nicht für diese. Für Granger haben schon immer Fähigkeiten, Verstand und Einsatz gezählt, die genutzt werden, um im Leben etwas zu erreichen. Dass sein eigener Sohn ihn als unflätigen Kerl sieht oder bei jeder Gelegenheit belehren will oder eben als Rassisten bezeichnet, lässt erkennen, wie wenig dieser seinen Vater kennt und dass es an der Zeit ist, dies zu ändern.

    Ein Raubein mit Herz, das eine letzte Mission zu erfüllen hat.
    Dabei erscheint das/sein Leben an sich eine einzige Mission zu sein, die Granger mit festen Vorstellungen verfolgt. Man mag ihn als ungehobelt bezeichnen, während er von den Reisfressern oder seinem Spinning-Trainer Homo-Timmy erzählt. Wenn jemand dazu neigt kein Blatt vor den Mund zu nehmen, dann Granger. Und doch kommt es zu keiner Zeit stupide bei den LeserInnen an. Da sind die Zwischentöne, die von einem bewegten Leben erzählen, einem Leben mit Anstand.

    Dieser eigenwillige Protagonist, der unverblümt von den Folgen des Krieges, über Vorurteile und Klischees, aber auch von Schuld und deren Sühne erzählt, hat sich ungebremst in mein Leserherz geschlichen.
    Eine klare Leseempfehlung meinerseits.

    Kommentare: 1
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    Callsos avatar
    Callsovor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Radikal und speziell - hat mir nur bedingt gefallen
    Das kann Matthew Quick besser - nicht fesselnd genug...!

    Der US-Autor Matthew Quick ist für mich einer der Stars der mordernen Literatur. Vier Bücher hatte ich zuvor von dem so kreativen und mutigen US-Schreiber gelesen.
    Demzufolge hatte ich an das neue Werk "Anstand" eine sehr hohe Erwartungshaltung. Ich kann es vorweg nehmen, diese wurde nicht erfüllt.

    Mich hat das Buch nicht gefesselt, nicht gepackt. Vielelicht war mir die Person des Geschichtenerzähler doch zu speziell, nochmehr fehlt mir indes eine Geschichte, wo zumindest der Ansatz eines roten Fadens zu erkennen war.

    Aber auch dieser Quick verdient sich Bonuspunkte. Die Art und Weise wie der Autor die Hauptperson darstellt ist schon bemerkenswert.

    Er ist Patriot, Vietnamveteran, wenig charmant, sondern vielmehr ein ewiger Nörgler und harter Hund. Einer, der mit mit Tarnanzug und zumeist Waffen im Gepäck durch das Leben spaziert.
    Aber er ist zugleich liebevoller Opa, tolerant gegenüber Schwulen und Schwarzen. Eine sehr spezielle Type, die aneckt, die fast immer austeilt und voller (alter) Kriegsgeschichten ist.

    Vielleicht ist der Roman auch zu amerikanisch, zu patriotisch oder zu abstrakt - bei mir gab es auf alle Fälle einige Abzüge in einigen B-Noten, weil mich das Gesamtpaket trotz starker Momenet, die das Buch zweifellos hat  - und in denen ich über die diesen zynischen und aberwitzigen David Granger herzhaft lachen konnte - zu wenig fasziniert hat.

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    Meereszeilens avatar
    Meereszeilenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Genau nach meinem Geschmack! - Ein Buch, welches zum Nachdenken anregt!
    Genau nach meinem Geschmack!


    Inhalt:
    Er schläft nicht ohne seine Waffe und er liebt sein Land, welches er nicht mehr versteht. Dabei ist er das Gegenteil von politisch korrekt und liebt seine Enkelin Ella über alles. Das Agent Orange, aus dem Vietnamkrieg, macht er für seinen Gehirntumor verantwortlich und überlebt die Operation. Nun nimmt er die letzte Chance wahr, um sich mit seinem Sohn und seinem Erzfeind Clayton Fire Bear, auszusöhnen.
    Sein Name ist David Granger, er ist Vietnamveteran, 68 Jahre alt und ein Mann mit Anstand.

    Cover:
    Ich mag das Cover echt gerne und habe mir auch deswegen das Buch genauer angesehen. Der Mann, vorne auf dem Cover, lässt es irgendwie Geheimnisvoll wirken und er stört auch keineswegs. Dabei hat der Titel eine sehr schöne Größe und Position, genauso wie der Name des Autors. Auch wirkt das Cover sehr schlicht, was mir besonders gefällt. Mir gefällt es auch sehr, dass auf der Rückseite des Buches, wo der Klappentext steht, auch der Mann von hinten abgebildet ist.

    Meine Meinung:
    "Anstand" wurde von Matthew Quick verfasst und aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann übersetzt.
    Dabei war mein erster Eindruck schon mal sehr positiv. Das Buch fühlt sich in der Hand sehr gut an und hat auch eine sehr schöne Größe. Auch die allgemeine Idee fand ich extrem interessant, weil ich mich für sowas auch sehr interessiere.
    Dabei habe ich eine spannende Geschichte mit ehrlichen Worten und interessanten Gesprächen erwartet. Und genau das habe ich auch bekommen.
    Was mir deshalb besonders gefiel war, dass das Buch von Anfang an ehrlich und direkt war. Hier wurden alle Wörter in den Mund genommen und nichts wurde irgendwie schön geredet, was auch nicht schön war. Und so war es die ganze Zeit und ich liebe sowas ja. Ich liebe es, wenn jemand seine ehrliche Meinung sagt.
    David Granger war dabei mein absoluter Lieblingscharakter in dem Buch, weil er einfach so ehrlich und direkt war. Vielleicht ist diese Direktheit von David nicht jedermanns Sache, doch diese passt perfekt zum Charakter und er hat definitiv seine eigene Denkweise.
    Man könnte auch sehr gut sagen, dass David Granger perfekt ins rassistische Klischeebild passt, so wie er zum Beispiel von Homos, Flower-Power-Händchenhalter und Schlitzaugen spricht. Aber genau dieser Mann hat ebenfalls Homosexuelle Freunde, verkehrt mit Schwarzen und hat eine vietnamesische Fast-Tochter.
    Auch wenn es kein besonders dickes Buch ist, konnte man die Charaktere sehr gut kennenlernen und ich habe auch alle gemocht. Jeder hatte seine eigenen Vorstellungen und Denkweisen, deswegen war jeder einzelne Charakter auch besonders und einzigartig.
    Dabei liebe ich den Schreibstil von Matthew Quick, der ist nicht nur flüssig zu lesen, sondern auch besonders ehrlich und direkt. Einfach etwas, was ich liebe, was in diesem Buch auch besonders hervorstach und sehr gut umgesetzt wurde.
    Die Schriftgröße war auch wirklich sehr schön und passte zur Seitenzahl. Man kam sehr gut voran, was mir immer besonders gefällt. Ich habe auch nicht erwartet, dass das Buch so dünn sei und war auch da sehr positiv überrascht.
    Das Ende habe ich so definitiv nicht erwartet aber es war keinesfalls schlecht. Ich hatte sogar zum Ende hin Tränen in den Augen, was nicht oft passiert. Aber dieses Buch hat mich berührt, es hat mich zum Nachdenken angeregt und zeigt einem auch, wie wertvoll die Zeit ist.
    Im Allgemeinen ging es somit um Vorurteile, Familie und Freundschaft.

    Fazit:
    Ich bin in das ganze Buch verliebt, der Inhalt und auch die Außenseite, sind beide Traumhaft. Es war ein Buch genau nach meinem Geschmack, mit einem sehr interessanten Thema und ehrlichen Worten.


    'Vielen dank an den HarperCollins Verlag, der mir dieses Exemplar kostenlos zu Verfügung gestellt hat.'

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor einem Jahr
    Ein Protagonist mit Ecken und Kanten

    Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
    Verlag: HarperCollins (9. Oktober 2017)
    ISBN-13: 978-3959671354
    Originaltitel: The Reason You’re Alive
    Preis: 18,00€
    auch als E-Book und als Hörbuch-Download erhältlich

    Hier findet ihr eine Leseprobe.

    Kaufen könnt ihr das Buch hier.

     

    Ein Protagonist mit Ecken und Kanten

    Inhalt:
    David Granger ist 68 Jahre alt und ein traumatisierter Vietnamveteran. Nach einer Gehirnoperation kann er nicht allein leben und muss bei seinem Sohn Hank einziehen, mit dem er nach einem Streit seit Monaten nicht mehr gesprochen hat. Aus dieser Zwangssituation ergibt sich endlich die Möglichkeit für David, sich Hank wieder anzunähern und auch sonst in seinem Leben aufzuräumen.

    Meine Meinung:
    Ich muss sagen, ich habe ein paar Seiten gebraucht, um mich an diesen sperrigen Protagonisten mit seiner extrem derben Ausdrucksweise heranzutasten. Er entspricht so gar nicht meinen Vorstellungen von einem Menschen, mit dem ich gerne zu tun haben möchte. Anfangs wirkt er sehr rassistisch und verbohrt. Er besitzt jede Menge Waffen und einen unbändigen Nationalstolz. Gleichzeitig lässt er kaum ein gutes Haar an der US-amerikanischen Regierung. Sein „weichgewaschener“, „linksliberaler“ Sohn ist ihm oft ein Dorn im Auge. Doch eigentlich ist der verbitterte alte Mann gar nicht so griesgrämig, wie er tut. Seine Enkelin Ella schafft es immer wieder, sein Herz zu erweichen. Ebenso die Erinnerungen an seine Frau Jessica.

    David erzählt in der Ich-Form und spricht sein Gegenüber immer wieder direkt an. Auch wenn er seine Erlebnisse nicht dem Leser als solchem erzählt, fühlt man sich doch angesprochen und damit als Teil der Geschichte. Der Roman ist zwar locker zu lesen, aber auch anspruchsvoll.

    Davids Leben wird mehr oder weniger von hinten aufgerollt, von der Gegenwart her. Durch seinen Bericht oder Dialoge mit seinem Sohn oder seinen Freunden ergeben sich immer mehr Puzzleteile aus der Vergangenheit, die zusammengesetzt klar machen, warum David heute so ist, wie er ist.

    Matthew Quick gelingt es dabei immer wieder, die Lesenden durch unvorhergesehene Wendungen zu überraschen. Und je weiter man vordringt, umso spannender wird es auch, denn David ist im Begriff, sich seinem Erzfeind aus dem Vietnamkrieg zu stellen, Clayton Fire Bear – eine Begegnung, deren Ausgang David nicht erahnen kann.

    Konnte ich mich zu Beginn mit David nicht wirklich anfreunden, hatte ich ihn bis zum Ende dann doch ins Herz geschlossen. Denn der Autor lässt uns hinter die Fassade dieses Menschen schauen und sein wahres Ich erkennen.

    ★★★★☆

    Vielen Dank an HarperCollins für das Rezensionsexemplar.

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    Zaliras avatar
    Zaliravor einem Jahr
    Was kommt nach dem Krieg?

    David Granger ist nicht der Typ Charakter, der einem von Grund auf sympathisch ist. Er hat sehr feste Ansichten und Denkweisen. Als ehemaliger Vietnamveteraner mit einer ordentlichen Portion Patriotismus hat er auch keine Angst davor diese Ansichten jedem mitzuteilen. Ich muss sagen, mir gefällt die Art, wie er seine Geschichte erzählt, auch wenn ich nicht immer mit ihm einer Meinung bin. Aber das muss auch nicht sein. In seiner Geschichte erzählt er vom Krieg, was danach passiert und Werten. Der Klappentext trifft es ganz gute, wenn er David als „das Gegenteil von politisch korrekt“ bezeichnet. Mit ihm haben wir eine wirklich interessante Figur in einer Geschichte über Amerika und seine Schattenseiten. Gerade im und nach dem Krieg müssen sich Soldaten mit dem was passiert ist auseinandersetzen und da ist die amerikanische Regierung nicht unbedingt eine Hilfe dabei.
    Der Fokus des Buches liegt aber nicht beim Krieg und seinen Schrecken selbst, sondern David erzählt sehr nüchtern, rückblickend von seinen Erlebnissen, vor allem aber vom Veteranenleben nach dem Krieg. Ein zentraler Erzählstrang ist Clayton Fire Bear, der sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte zieht und man bis zum Schluss gespannt ist, was dahinter steckt.
    Insgesamt bietet das Buch viele tolle Charaktere, die aus Davids -nicht immer politisch korrekter- Perspektive beschrieben werden, sodass der Leser jedoch eine Ahnung bekommt, mit wem er es zu tun hat. Die Ich-Erzählperspektive mit Betonung auf „Erzählen“, weil es wenig wörtliche Reden gibt. Die Geschichte ist aber trotzdem stimmig, da dadurch die Hauptfigur vom Charakter wiedergespiegelt wird. Das Buch bringt durch Davids Eigenheiten Witz in die Geschichte, die so viel mehr ist als man am Anfang vermutet.
    Vielleicht zu viele Klischees? Ich finde nicht, das Buch trägt zwar an einigen Stellen dick auf, schießt aber keineswegs über das Ziel hinaus.

    Ich bin unglaublich froh dieses Buch gelesen zu haben, aufgrund der Kürze hat man es auch schnell durch. David ist vielleicht kein Typ, mit dem man immer einer Meinung ist, aber den man trotz allem doch sehr mag. Es geht vor allem um Familie und Freundschaft. Eine wirklich schöne Geschichte, die toll erzählt wird.
    Vielen Dank an den HarperCollins Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Meine Meinung bleibt jedoch unbeeinflusst.

    Kommentare: 2
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    yellowdogs avatar
    yellowdogvor einem Jahr
    Was für ein Buch!

    Ein sehr amerikanischer und sehr lebhafter Roman! Eine starker Hauptfigur, aus denen Perspektive konsequent erzählt wird. Der Erzähler ist ein Original. Vietnamveteran und vorgeblich konservativ, doch blitzt immer wieder seine große Toleranz durch, die er den Menschen entgegen bringt. Besonders liegt ihm sein Sohn Hank am Herzen und erst Recht seine Enkelin Ella.

    Der Mann hat Witz, aber es gab auch harte und tragische Schicksalsschläge, die sein Leben prägten.

    Matthew Quick zeigt anhand seines Protagonisten, wie man mit seinen eigenen Vorurteilen umgehen kann. Dazu gehört die Suche nach den Ursachen dafür,
    Ich bezweifle, dass der Protagonist mit seiner Fähigkeit zur Selbsterkenntnis ein typischer Vertreter des Trump-Wählers ist. Das Buch zeigt nicht, wie diese Spezis tickt, vielmehr wird ein Einzelfall im Detail gezeigt und man erfährt, was diesen 68jährigen US-Amerikaner zu dem machte, was er ist. Er musste als junger Mann in den Krieg ziehen und die schrecklichen Erlebnisse in Vietnam lassen ihn noch Jahre später Alpträume haben. Damit muss man erst einmal fertig werden und ganz wird das Kapitel nie abgeschlossen sein.
    Hinzu kam die Liebe zu einer labilen Frau, die an schweren Depressionen litt und eine Entfremdung zum erwachsenen Sohn, der mit Mitte 40 von seiner Frau verlassen wurde.
    Nach einer schweren Erkrankung kommt Granger seinem Sohn und seiner geliebten Enkelin wieder nahe.
    So ganz glaubwürdig und realistisch finde ich die Hauptfigur nicht, aber das macht nichts. Dafür ist der Roman umso unterhaltsamer.Ganz unbekannt ist die Masche mit dem grantelnden, aber gutherzigen Antihelden nicht. Man denkt z.B. an Clint Eastwood in Gran Torino. Und es funktioniert auch hier.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein herrlich eigenwilliger Roman über Vorurteile, Rassismus, Kriegsfolgen, Schuld und Sühne, erzählt von einem unvergesslichen Ich-Erzähler.
    Eine rassistische, wahnwitzige Veteranengeschichte mit Stil!

    Ein herrlich eigenwilliger Roman über Vorurteile, Rassismus, Kriegsfolgen, Schuld und Sühne, erzählt von einem bornierten Ich-Erzähler, den man nicht vergessen kann.

    Seine Sprache ist herb, seine Ausdrucksweise heftig. Er nimmt kein Blatt vor dem Mund. Sein Name: David Granger. Vietnam-Kriegsveteran. Er ist Erz-Republikaner, läuft in Tarnklamotten und bewaffnet herum. Er leidet unter Verfolgungswahn und Albträumen. Wer ihn des Nachts weckt, riskiert sein Leben. Den Ärzten, die sein Gehirn operiert haben, traut er nicht, denn David ist sich sicher, dass die Regierung den Auftrag gegeben hat, Teile seiner Erinnerung herauszuschnippeln.
    Durch den äußeren Anschein steckt man ihn schnell in eine Schublade. Sogar sein Sohn hält seinen Vater für rassistisch. Doch wenn der Leser genauer hinsieht, sieht er zweierlei: Seine rassistischen Äußerungen und seine nicht rassistischen Taten.

    Schublade auf. Wenn jemand von "Schlitzaugen, Pyjamaträgern, Homos, Windmühlenschlampen, Dschihad-Jennys, Flower-Power-Händchenhalter, iranischen Sauhunden, …" spricht, passt er wunderbar ins rassistische Klischeebild. Schublade zu.
    Auf. Wenn die gleiche Person aber mit Homosexuellen befreundet ist, eine vietnamesische Wunschziehtochter hat, mit Schwarzen verkehrt, tja dann entsteht ein herrlicher Widerspruch zwischen Äußerungen und Taten. Als Leser wird man angeregt, genauer hinzusehen. Zu unterscheiden, was jemand sagt, was jemand tut.
    Dazu unterhält die gestörte Vater-Sohn-Beziehung noch zusätzlich. Denn sein "verweichlichter linksliberaler" Sohn hält seinen Vater für den Rassisten in spe. Sein Vater wiederum sieht seinen Sohn als jemanden, der zwar keine rassistischen Äußerungen von sich gibt, aber Probleme damit hat, mit Minderheiten zu kommunizieren. Wer ist hier also eher rassistisch veranlagt?

    Am Ende bleibt dem Leser nur eines übrig: sich ein eigenes Bild zu machen. Denn nicht immer ist es innen so, wie es außen den Anschein hat.

    Die sehr eigenwillige Sprache des Ich-Erzählers ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Hier aber passt sie herrlich zu David Granger, untermauert die Missverständnisse, den Charakter, das Trauma. Herb und deftig sind seine Äußerungen, so richtig "frei nach Schnauze", was David Granger zu einer Figur macht, die unvergesslich bleibt.

    Matthew Quick ist ein Roman gelungen, der unterhält und den Leser über Vorurteile und Klischeedenken nachdenken lässt, der aber auch die Folgen des Krieges für Soldaten und deren Familienmitglieder am Rande mitzieht, über Schuld und Sühne streift, und somit auch eine gute Gesellschaftskritik hinterlässt.

    Ein Buch, das für anspruchsvollere Leser voll ins Schwarze trifft und mit der eigenwilligen Sprache besondere Lesestunden liefert. 

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    DieBuchkolumnistins avatar
    DieBuchkolumnistinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Emotional, unterhaltsam, politisch - ein amerikanisches Leben entgegen aller Vorurteile, ebenso überraschend wie lehrreich!
    Eine unterhaltsame Schicksalskomödie gegen Interolanz & eigenes Klischeedenken!

    Auf den ersten Blick entspricht der 68-jährige Vietnamveteran David Granger genau der Vorstellung, die wir von einem weißen, konservativen, amerikanischen Republikaner haben – er ist ein intoleranter, sexistischer, misanthropischer alter Mann mit eigenem Waffenschrank, einem gestörten Verhältnis zur eigenen Familie und kriegsbedingtem Verfolgungswahn. Bereits nach den ersten Seiten haben wir ihn in unsere eigenen Klischeeschubladen gesteckt und sind damit genau dort, wo der Autor uns haben will. Seite für Seite lernen wir den politisch völlig inkorrekten Granger besser kennen, er erzählt uns von seiner Sicht auf die Welt, von seiner Familie und seinen Freunden. Seite für Seite triggert er unsere eigenen Vorstellungen von liberalem Denken und Handeln an, provoziert uns und bringt uns dabei ebenso kräftig zum Lachen wie zum Nachdenken.
    David Granger hat nach einer Gehirnoperation noch eine Chance bekommen und allerlei zu klären – seine Vergangenheit, seine Gegenwart und damit auch seine Zukunft bzw. die derer, die ihm am Herzen liegen und dieses ist weit größer als anfangs gedacht …

    Matthew Quick, der internationalen Erfolg mit der Verfilmung seines Bestsellers „Silver Linings“ hatte, hat mit „Anstand“ eine unterhaltsame, aber nicht unbedingt leichte Lektüre geschaffen. Er erzählt den amerikanischen Traum einmal ganz anders und wirbt mit seiner schwer zugänglichen Figur David Granger für mehr Nähe und Toleranz in allen Bereichen. Er schreibt stellenweise recht hart am Kitsch vorbei, wenn er seine Charaktere und den Leser über den Sinn des Lebens nachdenken lässt und wie wertvoll die uns verbleibende Zeit ist, das Zurückfinden auf die persönlichen Werte. Der Roman ist perfekt für die wahrscheinlich längst optionierte Hollywoodinterpretation geschrieben, dies macht ihn aber nicht minder lesenswert! „Anstand“ ist eine kurzweilige Lektüre für alle Fans von „Ziemlich beste Freunde“ & ähnlichen Schicksalskomödien!

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    Sommermaedchen23s avatar
    Sommermaedchen23vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Mit seinem eigenwilligem Erzählstil schleicht sich David Granger in mein Herz und widerlegt alle meine Vorurteile
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    Nepomurkss avatar
    Nepomurksvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein überraschend genialer Roman: inhaltlich sehr kontrovers, tolle Charaktere und ein packender Schreibstil! Absolute Leseempfehlung!!!
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