Matthew Stokoe High Life

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Inhaltsangabe zu „High Life“ von Matthew Stokoe

Auf der Suche nach Geld, Sex und Macht zieht es Jack nach Los Angeles. Doch der Traum von Ruhm und Reichtum bleibt unerfüllt. Stattdessen fristet Jack ein elendes Dasein und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. In der Hoffnung auf ein kleines, bescheidenes familiäres Glück nimmt er schließlich die Prostituierte Karen bei sich auf. Doch Karen verlässt ihn. Wenige Tage später wird ihre Leiche in einem Abwasserkanal gefunden, entstellt und ausgeweidet. Jacks Leben gerät vollends aus den Fugen. Bis er beschließt, sich dem Grauen, das über ihn hereingebrochen ist, zu stellen. Er erfüllt sich seinen Traum von einem Leben im Scheinwerferlicht – und begibt sich auf eine Reise in die Finsternis.
High Life ist ein erschütterndes Buch über das Böse – das unvorstellbar Böse unter der gleißenden Sonne Kaliforniens.

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  • Rezension zu "High Life" von Matthew Stokoe

    High Life

    michael_lehmann-pape

    18. May 2012 um 12:08

    Drastisch Jene Leser, die „American Psycho“ vielleicht grenzwertig fanden und nur mit Mühe die drastischen Sex- und Gewaltszenen dort ertragen haben, sollten sich äußerst gewappnet diesem Buch von Matthew Stokoe, welches bereits im Jahre 2002 erstmalig erschien, nähern. Vordergründig sind zunächst zwei Erzählthemen im Raum. Einerseits der Mord an Karen. Der „Kurzzeitehefrau“ von Jack, Prostituierte, die vollkommen „ausgeweidet“ wie weggeworfen gefunden wird. „Ausgeweidet wie ein Fisch und ausgespritzt“. Bis auf den männlichen Samen, den man in der Körperhöhle findet. Und der post mortem dahin gelangt sein muss. Auch wenn Karen schon längere Zeit verschwunden war, ihn verlassen hatte, das schlägt Jack doch auf den Magen. Ihm, der in Los Angeles gestrandet ist. Nicht durch Zufall, sondern weil sein ganzes Sinnen und Trachten jener Traumwelt Hollywood gilt, die er in einer Endlosschleife durch bunte Fernsehmagazine hindurch betrachtet. Die einzige Welt, die für ihn gilt, die lebenswert ist. Das ist das zweite vordergründige Thema des Buches, die Obsession des Jack für Stars und Sternchen. Alles würde er dafür tun, zu dieser Welt zu gehören. Und es wird sich ihm eine Chance ergeben, aber anders, als er es vermutet. Ein abgehalfteter Inspektor der Sitte, Ryan, nähert sich Jack, hängt sich an ihn, will den Mord aufklären. An jenen Jack, der mittlerweile aus reinem Geldmangel als Stricher auf dem hintersten Strich der Stadt landet, der sich über eine Agentur für sexuelle Dienste jedweder Art verdingt und so zufällig mit einer geheimnisvollen Frau in Kontakt gerät, die mit ihrem Vater einer sehr speziellen „Beziehung“ und einem sehr speziellen „Hobby“ nachgeht. „Jedweder Art von Diensten“ sollte der Leser übrigens durchaus wörtlich nehmen, denn die sexuellen Praktiken, die „im Finstern Hollywoods“ vorherrschen, zu denen Jack sich selbst intensiv hingezogen fühlt, an denen auch der Polizist interessiert und intensiv teilnimmt, die brauchen schon einen starken Magen auf Leserseite. Was da an Exkrementen, Verdrehungen, purer Gewalt, realem Snuff und vielem mehr gelebt und erlebt wird überschreitet jedes Tabu, dass allgemein noch für Ekel oder Verstörung stehen mag. Weidlich, plastisch, direkt, klar und ohne Filter von Stokoe geschildert, versteht sich. Wie jenes bedauernswerte junge Mädchen, dass mit einem Presslufthammer „bedient“ wird. Nichts an drastischen Fantasien und drastischen Schilderungen lässt Stokoe aus. Wenn dann noch erwähnt wird, dass Jack den höchsten Grad seiner Erektion erreicht, wenn das gegenüber nicht mehr atmet und nur mehr starr den Akt über sich ergehen lassen kann (Männer wie Frauen, da macht Jack keinen Unterscheid, wenn genügend Salatöl zur Hand ist), dann ist eindeutig zu ahnen, auf welche innere Reise sich ein Leser einzulassen hat in diesem Buch. Sprachlich kompromisslos und klar, in durchaus hohem Tempo, mit überraschenden Wendungen in allen Bereichen der Geschichte und durchaus großem Wortschatz legt Stokoe diese „Reise ins Finstere“ vor. Und lässt hinter all dem Drastischen, Dreckigem, Dunklem und Triebgesteuerten noch eine andere Ahnung aufblitzen, eine tiefer Erkenntnis. Wie leer eine solche Welt letztlich ist, in der jeder jeden für ein sexuelles Erlebnis, für eine Chance vor irgendeiner Kamera, für den eigenen Vorteil fallen lässt. IN er alle entweder gelangweilt vor Reichtum den eigenen, dunklen Strömungen nachgehen oder in der Gier nach ebendiesem Reichtum jede Haltung fallen lassen. So wie Jack seinen besten Freund Rex, seine erste Kollegin, jeden und jede einfach. Leer wie die Welt der geheimnisvollen Frau, auf die Jack trifft, sich in eine triebgesteuerte Beziehung stürzt, eine Frau, für die Morde und gemordet werden anstehen könnte. Leer wie all dieser Hollywood-Glitzer-Tand. So könnte man am Ende der Lektüre gerade die massive und vorherrschende Nekrophilie im Buch auch als ein Bild verstehen, wie die Protagonisten (aber vielleicht auch viele, viele andere) ungeheuer viel Energie darin hineinsetzen, etwas einfach „Totes“ bis zum Exzess haben zu wollen.. Ob der Mord an Karen aufgeklärt werden wird, dass Jack vielleicht sein Ziel erreicht, dass einige Leichen noch die Wege im Buch pflastern werden, dies ist übrigens zudem eine intelligent erzählte Geschichte, die leider hinter all die drastischen pornographischen Schilderungen fast ein wenig zu sehr zurücktritt. Hinter diesen auch Ekelgrenzen überschreitenden „Abgesang“ auf die schönen Fassaden und die Gier nach Ruhm und Reichtum. Ein hartes, drastisches, Grenzen zerstörendes Buch, das gute Nerven braucht und dennoch sprachlich und in den vielfachen Ebenen weit über trivialen Schilderungen von Pornographie und Gewalt steht. Loslassen lässt einen das Buch jedenfalls nicht.

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