Ich bin ein großer Bewunderer von Matthew Sweeneys Poesie, vor allem von seiner Fähigkeit, mit Komik und Imagination die unbeholfene und erbarmungswürdige Konsistenz der menschlichen Existenz treffend, unterhaltsam und doch niemals ohne Mitgefühl zu schildern, in wunderbar eigenwilligen Fabeln und Geschichten.
2017 wurde bei dem irischen Dichter eine tödliche Erkrankung festgestellt, an der er im Verlauf von wenigen Monaten sterben sollte. Im Zyklus "Der Schatten der Eule" wird der Nachtvogel zur Personifikation oder zumindest zum Handlanger dieses abrupt-entgültigen Schicksals.
Aber auch in der Gestalt von anderen Tieren und Gestalten tritt das Todesurteil auf, nimmt immer wieder neue Formen an, derer sich Sweeney mit seiner fabulösen Energie und einer zu Herzen gehenden Verzweiflung zu erwehren sucht.
Dabei geht es mitunter ziemlich makaber und morbid zu, aber die Feinheiten und skurrilen bis liebenswerten Wendungen, von Jan Wagner auch im Deutschen gut in Szene gesetzt, lassen sie nicht zu Grotesken verkommen, sondern machen sie zu ergreifenden Dokumenten eines Lebendigen, der mitten im Lebendigsein auf den Tod blickt, immer nachdrücklicher von ihm umgeben, umzingelt ist.





