Matthew Syed

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Rezension zu "Das Black-Box-Prinzip" von Matthew Syed

Fehler als Chance, sich weiterzuentwickeln
Buecherspiegelvor 2 Jahren

Fehler? Mach ich doch keine! Ich? Ich habe keinen Fehler gemacht. Das waren die Anderen. Wir machen keine Fehler! Das kommt einem sehr bekannt vor. Oder nicht? Matthew Syed aber beschreibt, wie kostbar es sein kann, sich Fehler genau anzuschauen, zu analysieren, um daraus zu lernen. Und nicht nur das. Auch alte Verfahren, Meinungen, Thesen mal auf den Prüfstein zu legen, hat seinen Sinn. Sein Buch „Das Black BOX PRINZIP – Warum Fehler uns weiterbringen“ versucht, mit dem Klischee aufzuräumen, dass Fehler bloß vertuscht werden sollten. Sicher, im Grunde wissen wir das. Aber wir fallen immer wieder auf unser seit Kindheitstagen eingeprägtes Verhalten zurück, dass Fehler etwas sind, was böse ist. Fehler werden bestraft, statt zum Anlass zu nehmen, sie gründlich zu durchleuchten, wie es dazu kam, wie man es besser machen kann, um in Zukunft diese zu vermeiden. Sprich: wie wir daraus lernen können.

Der Autor stellt sehr viele Beispiele vor, wie wir mit Fehlern umgehen, in welchen Branchen mit Fehlern konstruktiv umgegangen wird und wo und wie sie demonstrativ geleugnet werden. Die Energie, Zeit, Geld und Ressourcen aufbrauchen, nur um zu beweisen, dass der Fehler keiner war, das wir weitermachen sollten wie bisher. Dabei schaut Syed auch in die Vergangenheit, in die Entwicklung, wie in welchen Ländern eine Fehlerkultur entwickelt wurde. Wie es dazu kam, dass Jahrhundertelang an alten Tatsachen festgehalten wurde, anstatt sie einmal einem Test zu unterziehen, ob denn alles seine Richtigkeit hat oder die Menschheit einem Trugschluss unterliegt. Kirche, Machtstrukturen, Obrigkeitsdenken, strenge Hierarchien, all diese sozialen Begebenheiten, schreibt Syed, hinderen uns daran, Fehler zu sehen und sie laut und deutlich zu benennen.

Sehr anschaulich und gut verständlich taucht der Autor in einzelne Geschichten ein. Von dem Ehemann und Vater, der seine Frau bei einer Routineoperation verloren hat und sich nicht beirren ließ, bis herausgefunden wurde, warum das passiert ist und wie dieser Fehler nicht mehr passieren kann. Ihm kam es nicht auf eine Bestrafung an, sondern dass daraus gelernt wird und die Konsequenzen für alle Operationssäle bekannt gemacht werden, damit in diesen mehr Menschenleben gerettet werden können. Der Erfolg gibt ihm recht. In der Flugzeugindustrie ist das Blackboxprinzip gang und gebe. Jeder noch so kleinen Unregelmäßigkeit wird nachgegangen.

Syed hat viele Interviewpartner aus der Industrie zu Wort kommen lassen und führt vor, wie aus einer Idee und vielen Versuchen ein neues Produkt auf den Markt kommen kann. Allein daraus, dass sich jemand über eine Sache ärgert, die nicht richtig funktioniert.

Die Schattenseiten der Fehleranalyse zeigt der Autor anhand der Rechtsprechung in Amerika auf. Seit die DNA Verbrecher überführen kann, kann sie aber auch Unschuldige aus dem Gefängnis befreien. Die Uneinsichtigkeit von Richtern und Polizisten, einen Fehler gemacht zu haben scheint Grenzenlos. Und so sitzen Menschen, obwohl bewiesen ist, dass sie unschuldig sind, noch Jahre hinter Gittern. Gerade diese Unfähigkeit, Fehler einzugestehen, ist ein weiterer wichtiger Punkt in Syeds Buch. Ob es nun Richter in Amerika sind, der Autor vergleicht hauptsächlich Großbritannien und die Vereinigten Staaten, oder Politiker auf beiden Seiten des „großen Teiches“, die Angst, einen Fehler einzugestehen und die dadurch entstehenden Konsequenzen anzugehen, sind enorm. Denn je größer der Mensch ein Machtpotenzial zur Verfügung hat, um so schwerer wiegen die Folgen einer Fehlentscheidung. Dabei geht es meist um Menschenleben. Ob es nun im Gesundheitswesen, mit der noch immer klein gehaltenen Fehlerkultur ist, oder als Politiker, der über Krieg und Frieden entscheiden muss.

Syed stellt zu Recht fest, dass Fehler uns weiterbringen, nur dadurch kommt es zu Fortschritt in allen Bereichen unseres Lebens. Aber wenn „Fehler machen“ immer noch zu oft zu Strafen oder Missachtung führen, statt zu einer Änderung im Betriebsablauf und vielem mehr, ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

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Rezension zu "Das Black-Box-Prinzip" von Matthew Syed

Scheitern ist nur ein weiterer Schritt zum möglichen Erfolg
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Scheitern ist nur ein weiterer Schritt zum möglichen Erfolg

Auch wenn im Buch eine Vielzahl von „Scheiter-Geschichten“ angeführt wird, auch wenn das Buch bereits mit einer dramatischen dieser Geschichten eröffnet, bei dem es um Leben und Tod geht und Fehler zum Tod führen, im eigentlichen Kern bietet Syed doch ein Angebot zur Reflexion, zum Nachdenken über eine eigene „Black-Box“ im Leben, das sich darum dreht, wie Erfolg möglich ist.

In der Form typisch „amerikanisch“, das heißt im leichten Plauderton und durchsetzt mit vielfachen Geschichten, Beispielen, Bezügen zu Begebenheiten des Lebens arbeitet Syed dabei in sehr flüssiger Erzählweise jene Prinzipien und Regeln heraus, die dem Leser verhelfen können, zum einen das Scheitern, mögliche Fehler, mit einzukalkulieren und zum zweiten aus diesen dann aber auch die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Sei es Google oder Pixar als große Unternehmen, seien es David Beckham oder Michael Jordan als erfolgreiche, herausragende Individuen, wie der „lange Weg“ zum Erfolg eben auch von Fehlern begleitet wird, gar teils krachendes Scheitern zunächst dazugehört, wie aber vor allem der Unterschied sich gestaltet in der Angst, die jedem Menschen inne liegt und wie es gelingt, den „Angst-Überwinden“ Impuls stärker zu leben als den Impuls der „Erstarrung“ oder gar „der Flucht“ durch Angst, das legt Syed durchaus nachvollziehbar und motivierend im Buch vor die Augen des Lesers.

„Und wir werden feststellen, dass in all diesen Fällen Erfolg auf eine machtvolle und oft auch der Intuition zuwiderlaufenden Weise davon abhängt, wie wir auf Misserfolg reagieren“.

Da sich diesem zum einen dem „Verstand“ zunächst zu wenig erschließt (der oft nach in der eigenen Welt, bis zum Rand des eigenen, kleinen Tellers nur schaut und sich darin einrichtet) und auch das „Gefühl“, die „Intuition“ den Menschen stark in Richtung „Sicherung und Sicherheit“ treibt, beides aber einen weiten, offenen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus und aus der eigenen Angst heraus vor dem Risiko des Neuen, Unbekanntem verstellt, benötigt es bestimmte, zu lernende und zu trainierende „Haltungen“, sich ins mögliche Risiko zu begeben und Misserfolge konstruktiv zu verarbeiten.

Sehr griffig ist dabei das Beispiel aus der Luftfahrt, was titelgebend für das Programm dient. Aus der fast absolut sicher eingebauten Black-Box heraus gelingt es, nach Auswertung derer Daten, sehr genau den Fehler, der zu Störungen oder gar zu einem Absturz eines Flugzeuges führte, zu finden, einzugrenzen und darauf für die Zukunft zu reagieren.

Dieses Prinzip führt Syed nun im Weiteren aus um die „kognitive Dissonanz“ (die falsche Einordnung von Fakten durch subjektive Haltungen) des Menschen zu erläutern.

Manchmal sind Misserfolge tatsächlich das einzige Mittel, um den Organismus, die Firma, das Individuum neu auszurichten und zum Erfolg nötige Veränderungen in der Lebensstrategie umzusetzen.

Nicht umsonst spricht die Psychotherapie davon, das nur jemandem geholfen werden kann, der inneren Leidensdruck verspürt und der dieses „Problem“ (Misserfolg) lösen will.

Alles Neue aber kann nun einmal zunächst zu Fehlern oder Irrtümern führen, erst in diesem „Trial and Error“ Verfahren werden meist jene Fertigkeiten erlangt, mit neuen Aufgaben und Situationen Umgang zu finden und „besser“ darin zu werden.

Ein aufmunterndes, durchaus motivierendes Buch, um durch eine Relativierung und teils positive Umdeutung von Fehlern im Vorfeld bereits die Angst vor dem Risiko als „Antreiber“ zu verstehen und nicht als „Ratgeber“, der man beständig nachgeben muss, um vermeintlich „in Sicherheit“ zu bleiben. Denn dies kostet am Ende einfach die eigenen Möglichkeiten, die nicht erprobt werden.

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