Wir sind nicht wir

von Matthew Thomas 
4,7 Sterne bei51 Bewertungen
Wir sind nicht wir
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Positiv (50):
StefanieFreigerichts avatar

Ein starkes Buch - stark in der Wirkung, an Seiten (aber erstaunlich leicht + flüssig lesbar), an Sätzen, Figuren, als Einblick

Kritisch (1):
EFST79s avatar

Schöne Schriftstellerei mit einigen ergreifenden (Gedanken-) Sätzen an eine belanglose Story verschwendet. Schade um die Zeit.

Alle 51 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Wir sind nicht wir"

Eileen wächst als Kind irischer Einwanderer in Queens auf und wünscht sich nichts sehnlicher, als den engen Verhältnissen ihrer Herkunft zu entfliehen. Als sie dem jungen Wissenschaftler Ed Leary begegnet, scheint das Ersehnte so nah: ein schönes Haus, eine kleine Karriere, eine glückliche Familie. Thomas erzählt von ganz gewöhnlichen Menschen auf ihrer verzweifelten Suche nach Glück und Selbstverwirklichung. Doch der amerikanische Traum erweist sich bisweilen als Chimäre und so erfahren auch Eileen, Ed und ihr Sohn, wie schnell alles scheinbar Erreichte ins Wanken geraten kann.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783833310553
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:896 Seiten
Verlag:Berlin Verlag Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.08.2016

Rezensionen und Bewertungen

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    StefanieFreigerichts avatar
    StefanieFreigerichtvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein starkes Buch - stark in der Wirkung, an Seiten (aber erstaunlich leicht + flüssig lesbar), an Sätzen, Figuren, als Einblick
    „Ein Tag nach dem anderen“, sagte ihre Mutter, und Eileen dachte: Und alles auf einmal.“

    Selten habe ich ein Buch gelesen, dass sich gleichzeitig anfühlt wie so „typisch New York“ wie diese Familiengeschichte– und das, während das Buch doch gleichzeitig so universell ist in seiner Beschreibung von Familie, von Träumen und Sehnsüchten, von Ängsten und Bewältigungsstrategien. „Ein Tag nach dem anderen“, sagte ihre Mutter, und Eileen dachte: Und alles auf einmal.“ S. 126


    Selten habe ich so fasziniert an den Seiten geklebt, um dann plötzlich herauskapituliert zu werden durch solche Sätze wie in diesem Buch. Da wird Eileens Vater „Big“ Mike Tumulty beschrieben als „mit einer Bitterkeit im Herzen, die er mit Schweigen nähren würde“ S. 55 Da begreift Eileen nach der Eheschließung und einer gewissen Ernüchterung über ihren Mann Ed „…, dass die Unvollkommenheit ihres Mannes etwas Vollkommenes hatte…“ S. 120.


    Selten habe ich über Seiten, viele Seiten, hinweg etwas gelesen, das zusammengefasst gar nicht viel Handlung wäre – zum Beispiel wäre über lange Strecken von Teil III zu sagen „Eds Verhalten ändert sich“ – und das war völlig ohne das Gefühl von Länge, es passte, es war stimmig.


    Selten habe ich erlebt, wie ein Autor es schafft, eine Geschichte aus der Sicht von zwei Protagonisten zu erzählen, noch dazu ein Mann UND eine Frau, verschiedener Generationen, Eileen und Connell, ohne sie als Ich-Erzähler auftreten zu lassen und das in einer derartigen Komplexität. Beide haben ihre Stärken und ihre Schwächen – und selbst die Schwächen, mit denen man sonst als Leser gerne ungnädig wird, wirken so stimmig, dass man sich immer noch mit den Personen identifiziert, wie Eileens Aufstiegsträume, ihre Probleme mit Nähe.


    Selten habe ich ein Buch gelesen, dass sich so locker-flockig-leicht lesen ließ – und das bei einer Stärke von fast 900 Seiten und einer Einordnung zur eher anspruchsvollen Literatur. Da sind keine sperrigen Sätze, keine Fülle gleichzeitig auftauchender Personen – das Buch liest sich wie ein guter Schmöker, ohne Kitsch oder falsche Romantik. Das hier kann lesen, wer vorher von der Clifton-Saga fasziniert war (als Beispiel für die Schmöker) oder von Benedict Wells‘ „Vom Ende der Einsamkeit“ (für die eher literarischen Bücher). Herrlich, wie Eileens Vater auf das jugendliche Alkoholexperiment seiner Tochter reagiert: er besorgt eine ganze Batterie an Hochprozentigem und zwingt sie zum Trinken. Das Fazit? „Trink Whiskey…Guten Whiskey. Nicht zu viel. Das ist der langen Rede kurzer Sinn.“ S. 62


    Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so sehr „Familie“ auf den Punkt brachte. Liebe, Fürsorge, Peinlichkeit, Sorge…Gleichzeitig  waren da aber so viele individuelle Themen – Aufstiegspläne, die Verzweiflung, wenn man sich am anderen aufreibt.


    Selten...ach, einfach: Bitte lesen!

    Kommentare: 5
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    Sarafinchens avatar
    Sarafinchenvor 3 Jahren
    Authentische Familiengeschichte, die zu begesitern weiß


    Die Geschichte dreht sich um Eileen Tumulty, Tochter einer irischen Einwanderer Familie.
    In dem knapp 900 Seiten starken Buch wird sehr ausführlich und authentisch die Geschichte von
    Eileen und ihrer Familie ab Eileens Kindheit erzählt. Sehr lebensnah und realistisch geschrieben, weiß der Autor Metthew Thomas
    den Leser mitzureißen.

    Inhaltlich haben hier viele schon einiges erzählt, da möchte ich gar nicht weiter ausschweifen.

    Ich habe lange an dem Buch gelesen, um diese vielen Informationen zu verarbeiten. Da war schon etwas Ausdauer erforderlich, aber es hat sich gelohnt, dran zu bleiben.

    Der Leser erhält einen sehr intimen und umfangreichen Einblick in das Leben dieser amerikanischen Familie.
    Vor allem die zweite Hälfte des Buches weiß zu überzeugen.
    Der Schreibstil ist einfach, aber sehr ausdrucksstark und ausschmückend.

    Fazit: Ein besonderes Buch für Liebhaber von Familiengeschichten mit realistischem Hintergrund, in die man sich sehr gut
    hineinversetzten und mitfiebern kann.


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    LilaKekss avatar
    LilaKeksvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Voller Emotionen und für alle die das Leben lieben,oder auch nicht. Das Leben pur. ABSOLUT lesenswert!
    Wir sind nicht Wir

    Eileen wächst im Trubel des New Yorker Stadtteils Queens auf. Ihre Eltern nehmen sie nicht war und mit Elf Jahren übernimmt sie die Hausarbeit, kocht und wäscht. Mit einem besorgten Vater und einer Alkoholikerin als Mutter, hat sie es nicht leicht. Doch durch ihre Kindheit setzt sie sich selbst das Ziel selbst nie so zu werden wie ihre Familie. Mit viel Mühe bringt sie ihre Mutter auf Kurs und fängt an mit ihrem eigenen Leben. Durch die Begegnung werden ihre Wünsche auf ein sicheres Leben komplett. Doch Wie es das Schicksal so will läuft nicht immer alles nach Plan. Auch eine perfekte Ehe hat höhen und Tiefen. Nach lang aufgegebenen Versuchen und kaum Hoffnung, wird ihr Sohn geboren, in den sie die gleichen Hoffnungen, wie in sich selbst damals setzt. Aber auch diesmal hat sie die Rechnung ohne das Schicksal gemacht.

    Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt. Auf den ersten Seiten fühlt man Eileens Traurigkeit auf jeder Seite, aber auch die Lebenslust, die in diesem Mädchen steckt. Die ersten Kapitel gehen wie in einem Fluss und macht den Leser sehr zufrieden denn es werden einzelne Situationen geschildert und man bekommt einen Eindruck von ihren Lebensjahren. Das Leben wird nich schön geredet. Es ist so wie es ist. Und es steckt die pure Wahrheit in dem Buch, wie das Leben nun einmal spielt. Die Story ist nicht aus der Luftgegriffen sondern in jedem kleinen Detail genau bedacht. Dieses Buch ist Abgrundtief und voller Emotionen, die einen überfallen, wenn man sie am wenigsten erwartet hat und dies spricht wieder für das Leben in all seiner Umfassenden Silhouette. Der Schreibstil ist einfach und klar und sagt alles wie es ist ohne Schnörkel. 

    Ich denke dieses Buch ist für jeden etwas, der das Leben liebt oder auch nicht. Dieses Buch überzeugt und lässt einen über sein eigenes Leben und die eigenen Wünsche nachdenken.

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    Albel_Noxs avatar
    Albel_Noxvor 4 Jahren
    Dramatisch

    "Wir sind nicht wir" erzählt die Geschichte mehrerer Personen aus dem New York der 40er und 50er, allen voran die von Eileen, die ein Kind irischer Einwanderer ist. Eileen träumt von einem besseren Leben und bald scheint sie das wirklich zu bekommen, als sie Ed heiratet und ein Kind bekommt. Das Buch beschreibt nun Eileens Wunsch nach einem besseren Leben und ihren Kampf gegen diverse Schicksalsschläge.

    "Wir sind nicht wir" beginnt zuerst wie eine typische Familiengeschichte über so etwas wie den "Amerikanischen Traum", mit allen Irrungen und Wirrungen, die dazugehören. Wer sich für amerikanische Geschichte und Gesellschaft interessiert, kommt voll auf seine Kosten, denn das Buch überzeugt mit guten Darstellungen der damaligen Zeit und Mentalität, Politik eingeschlossen. Es werden jedoch auch weitere, ernste Themen angesprochen, die ich hier nicht verraten möchte. Beim Lesen von Rezensionen zu diesem muss muss man leider sowieso schon aufpassen, dass einem nichts Wichtiges verraten wird.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, denn die Schicksalsschläge werden toll beschrieben, sind herzzerreißend, jedoch immer mit der Hoffnung im Hintergrund, dass sich noch etwas ändern könnte. Eileen, Ed und all die anderen sind mir entsprechend ans Herz gewachsen, denn sie sind Charaktere, deren Probleme man nachvollziehen kann und die richtig authentisch wirken.

    Ein komplexes, dramatisches Buch und eine gelungene Darstellung der USA zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

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    tweedledees avatar
    tweedledeevor 4 Jahren
    Eine zutiefst bewegende Familiengeschichte

    Matthew Thomas erzählt in seinem Debütroman "Wir sind nicht wir" die Geschichte einer amerikanischen Familie aus New York. Im Mittelpunkt steht Eileen Leary, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird und die im Jahr 1951 mit Eileens Kindheit beginnt.

    Eileen hat irische Wurzeln, ist ein Einzelkind und lebt mir ihrer Familie in einer kleinen Wohnung in Queens. Das Geld ist knapp, ihre Mutter ist alkoholkrank und Eileen lernt schon früh Verantwortung zu übernehmen. Genauso früh steht für sie fest, dass sie in ihrem Leben mehr erreichen möchte. Sie träumt von einem Haus in einer besseren Gegend und von einem unbeschwerten Leben. Als sie Ed Leary heiratet, einen Wissenschaftler, scheinen ihre Wünsche in Erfüllung zu gehen. Die beiden bekommen einen Sohn, Connell, leben in einem Haus, doch das Viertel in dem sie wohnen verändert sich langsam, Eileen strebt wieder nach höherem. Ihre Welt gerät ins wanken, als Ed in jungen Jahren an Alzheimer erkrankt und sich ihr Leben schlagartig verändert.

    Für mich war das Buch eine große Überraschung, in mehrerlei Hinsicht. Mir war vorher nicht klar, dass in der Geschichte die Krankheit Alzheimer eine Rolle spielt. Bis fast zur Hälfte ist die Handlung um Eileen und ihre Familie eine amerikanische Familiengeschichte, der Traum vom besseren Leben, in der man die einzelnen Personen sehr gut kennenlernt. Man lernt vor allem Eileens Charakter gut kennen, kann ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen. Ihre Entwicklung und ihre Zielstrebigkeit, mit der sie ein perfektes Leben plant. Die Beschreibung der Personen, der damaligen Lebensumstände ist sehr treffend und realistisch, ich fühlte mich bei lesen in die Zeit zurückversetzt. 

    Der Autor bringt Eds Wandel durch die beginnende Krankheit sehr gut rüber, kleine Dinge die sich verändern, Reaktionen die nicht passend erscheinen. Als gegen Mitte des Buches langsam klar wird, dass mit Ed etwas nicht stimmt hatte ich einige Vermutungen. Als die Diagnose Alzheimer gestellt wird ist es wie ein Schlag ins Gesicht. Connell ist inzwischen 16 Jahre und hat als Teenager seine eigenen Probleme, Eileen muss mit der Situation alleine zurande kommen. Im Vordergrund ist das Problem der fehlenden Krankenversicherung und Eds Behandlungskosten, die irgendwie getragen werden müssen. Die finanzielle Lage ist durch einen erneuten Umzug und Schulden nicht berauschend. Eileen, die nicht immer sympathisch rüberkommt, manchmal gefühlskalt wirkt, wächst in dieser Zeit über sich hinaus. Hier zeigt sich, wie tief ihre Liebe zu  Ed ist. Sie versucht ihm das Leben zu erleichtern und hilft mit all ihrer Kraft. Nach außen hin, gegenüber den Freunden versucht sie lange Zeit den Schein zu wahren. So lange, bis sich Eds Krankheit nicht mehr verbergen lässt.

    Auf fast 900  Seiten erzählt Matthew Thomas eine zutiefst bewegende Geschichte, ohne dabei rührselig oder kitschig zu wirken. Eine Geschichte, die betroffen macht, da Eds Krankheitssymptome so detailliert geschildert sind. Ich habe mitgelitten, als Ed im Laufe der Zeit immer mehr von seiner Persönlichkeit verlor und sowohl geistig als auch körperlich abbaute.

    Normalerweise habe ich ein Buch innerhalb weniger Tage ausgelesen, Eds tragisches Schicksal habe ich irgendwann dann aber nur noch häppchenweise ertragen. Ich habe lange keine Geschichte mehr gelesen, die mir so nahe ging und die mich so bewegt hat.

    Fazit: Eine zutiefst bewegende Familiengeschichte und ein Buch, das schon jetzt zu meinem Favoriten des Jahres gehört.

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    Lyannas avatar
    Lyannavor 4 Jahren
    Gute Familiengeschichte

    Eileen ist ein Kind irischer Einwanderer und wächst in den USA auf. Sie hat es während ihres Lebens nicht leicht, träumt aber stets davon, sich irgendwie zu verbessern. Auf knapp 900 Seiten wird nun ein großer Teil von Eileens Leben abgehandelt, während denen sie allerhand Enttäuschungen, aber auch positive Dinge erlebt. Eingesponnen wurde dies in allerhand Alltägliches und zwischendurch begegnet man außerdem einer Handvoll weiterer Personen, die irgendwie versuchen, ihr Leben zu meistern.

    "Wir sind nicht wir" ist kein Buch, das man mal eben nebenbei lesen sollte, denn durch seine Erzählweise und die Menge an Informationen, die man hier bekommt, ist es leicht, zwischendurch damit durcheinander zu geraten. Andererseits enthält das Buch auch viele Informationen, die beinahe banal wirken und eingestreute Erzählungen, weshalb ich es schwer fand, die Geschichte in einem kurzen Absatz zusammenzufassen.
    Das Buch ist einerseits eine interessante Lebensgeschichte, aber auch eine Darstellung der USA der 40er und 50er; überzeugen konnte es mich in beiderlei hinsicht.
    Dennoch empfand ich die Ladung an Informationen, mit denen man hier zugeschüttet wird, manchmal als etwas viel und vor allem am Anfang brauchte das Buch ein wenig, um spannend zu werden. Gelangweilt habe ich mich aber nicht und mochte vor allem die letzten 200 Seiten sehr.
    Nur sprachlich war mir das Buch oft zu nüchtern, wodurch manche Szenen emotionslos wirkten. Schade, denn einiges hätte schon sehr bewegend sein können.

    Für Leser von Familien- und Entwicklungsromanen ist das Buch zu empfehlen, denn trotz mancher Längen weiß die Geschichte zu überzeugen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Es ist, wie es ist.

    Es ist schwer zu diesen Buch eine Rezi zu schreiben, denn das Buch ist keine leichte Kost. Es macht betroffen, kann beängstigend sein für manche, es wühlt einen auf.
    Es ist die Lebensgeschichte von Menschen, deren Leben nicht anders verläuft, wie erhofft.  Und dadurch einen mit vielen Fragen an das eigene Leben zurück lässt. Worin liegen unsere Lebenswerte? Und was passiert, wenn wir uns selbst verlieren?
    Mit den 900 Seiten sind für ein Buch recht viel und oft gibt wird da bei manchen Büchern, das Lesen zur Qual, weil der Autor die Handlung auch deutlich kürzer abegfasst haben könnte.
    Doch bei Matthew Thomas ist dies nicht so. Es ist, wie es ist. Emotional, ohne Übertreibung.


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    Sicks avatar
    Sickvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein ruhiges Buch, ein Familienepos im kleinen Rahmen, eine Geschichte mitten aus dem Leben.
    Das Leben verläuft nicht immer nach Plan...

    Eileen Tumulty wächst in New Yorks Stadtteil Queens auf und hat es alles andere als leicht. Ihre Eltern sind irische Einwanderer der ersten Generation und schwanken zwischen dem Glück des amerikanischen Traumes und der Sehnsucht nach der Heimat. Beide Elternteile sind dem Alkohol sehr zugetan und Eileen wird schnell mit der harten Wirklichkeit konfrontiert. Sie strebt ein besseres Leben für sich an und beginnt schon früh mit den Planungen dafür. Als sie Edmund Leary trifft, steht schnell fest, dass die beiden heiraten wollen und ihre Ehe verläuft eigentlich auch recht glücklich. Ed ist Dozent an der Bronx University und betreibt nebenbei medizinische Forschungen und Eileen arbeitet als Krankenschwester. Nach und nach erarbeiten sie sich finanzielle Sicherheit und Stabilität und als Eileen schon nicht mehr glaubt, dass sie je Kinder bekommen würden, kommt ihr Sohn Connell zur Welt. In ihn setzt sie ebenso große Hoffnungen wie seinerzeit in ihre eigene Zukunft, doch das Leben verläuft nicht immer nach Plan...

     

    Eileens Geschichte und das ihrer Familie beginnt im New York der fünfziger Jahre. Man erfährt, wer Eileen ist und welche Ziele sie verfolgen will. Diese erlangten Informationen ziehen sich durch das ganze Buch, denn Eileen wird es auch als Erwachsene nicht schaffen, aus der eigenen Haut herauszukommen. Ihre ersten vierzig Lebensjahre werden auf gerade einmal etwa 150 der insgesamt fast 900 Seiten abgehandelt und man fragt sich unweigerlich, was da noch groß kommen soll. Was noch kommt, sind viele Szenen aus dem Familienleben, Ausschnitte aus dem Alltag, aber auch lebensverändernde Entscheidungen, absichtlich herbeigeführt oder unkontrollierbar. Wie das Leben so spielt, könnte man sagen, etwas, das Eileen überhaupt nicht zusagt.

    Der Personenkreis ist sehr überschaubar und besteht im Wesentlichen aus Eileen, Ed und Connell. Anfangs spielen noch Eileens Eltern eine Rolle, später einige Freunde der Learys, aber die meiste Zeit über bleibt die Handlung innerhalb des Familienuniversums, sodass man die drei Protagonisten ausführlich kennenlernt. Dabei bewahrt der Autor eine gewisse Distanz, als wäre man ein Beobachter, der nur ganz bestimmte Einblicke in das Familienleben werfen darf. Ob es Szenen aus der Partnerschaft sind, Mutter-Sohn-Gespräche oder Vater-Sohn-Erlebnisse - alle sind nur kurze Momentaufnahmen auf dem Weg zur Katastrophe, die die kleine Familie erschüttern wird. Denn Ed wird im Laufe der Zeit immer seltsamer und man rätselt mit Eileen mit, ob es die Midlife-Crisis oder etwas Ernsteres ist. Irgendwann steht fest, dass Ed unheilbar krank ist und ab sofort ist nichts mehr wie es war. Die Lehrstelle an der Uni bekommt ein anderer, die ohnehin beinahe aufgebrauchten Ersparnisse schrumpfen zusammen und Eileen wird noch mehr gefordert, als damals bei der Pflege ihrer alkoholkranken Mutter. Das alles lässt sich beim Lesen nur ertragen, weil diese unsichtbare Barriere zu den Learys vorhanden ist. Selbstverständlich werden Gefühle transportiert, aber die Figuren sind einem nicht so sehr ans Herz gewachsen, dass es wehtut. In meinen Augen ein großartiges Kunststück.

    Obwohl die meisten Kapitel aus ihrer Sicht erzählt werden, wird einem Eileen erst zum Ende hin richtig sympathisch, zuvor ist sie in ihren Zwängen und überzogenen Vorstellungen gefangen. Erst mit Eds Krankheit beginnt sie zu verstehen, was wirklich wichtig im Leben ist. Und sie erfährt, wer wahre Freunde sind und dass die Wärme einer Familie durch nichts ersetzt werden kann. Den Rest des Buches begleitet man Connell, wie er vom kleinen Jungen zu einem Erwachsenen reift, wobei lange nicht klar wird, ob er seinen Weg finden wird. Aus Eds Perspektive erfährt der Leser nichts.

    Das umfangreiche Werk fordert einen schon und manche Szenen hätte man vielleicht auch weglassen können. Aber obwohl es keinen konstanten Spannungsbogen gibt, wird es einem beim Lesen nicht langweilig.

     

    "Wir sind nicht wir" ist ein ziemlich ruhiges Buch, ein Familienepos im kleinen Rahmen, eine Geschichte mitten aus dem Leben. Der Autor hat darin viele persönliche Erlebnisse verarbeitet und man merkt, dass er Erfahrung mit dem Thema hat. Wer gerne Alltagsgeschichten mit besonderem Hintergrund liest, wird sich mit diesem Buch bestimmt wohlfühlen.

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    freiegedankens avatar
    freiegedankenvor 4 Jahren
    Über allem die Liebe

    In Matthew Thomas´ Debütroman „Wir sind nicht wir“ steht die Familie Leary - das Ehepaar Ed und Eileen sowie ihr Sohn Connell – im Zentrum. Die Geschichte beginnt in den 50er Jahren in Queens, wo Eileen eine mühsame Kindheit durchlebt. Sie reift zu einer ambitionierten Frau heran, die im Leben mehr erreichen möchte, als ihre irischstämmigen Eltern. Sie lernt ihre große Liebe Ed, einen Wissenschaftler, kennen und träumt den Traum eines perfekten Lebensentwurfs – Karriere, Kind, Haus. Eileen muss im Laufe der Zeit jedoch feststellen, dass es keineswegs leicht ist, dieses Ideal umzusetzen. Einen tragische Wendepunkt bedeutet Eds Alzheimer Erkrankung, die einschlägt wie eine Bombe und alles ins Wanken bringt.

    Das Buch behandelt viele Themen, beispielsweise von der Schwierigkeit eine reibungslose Ehe zu führen und dem Ringen um ein wohlsituiertes Leben. Knackpunkt ist für mich die detaillierte Darstellung der Alzheimer Erkrankung, die von Ed etwa ab der Mitte des Romans Besitz ergreift. Erst durch diese schwere Thematik begann ich zu reflektieren über das Was-wäre-wenn.
    Man kann sich dieser Geschichte schlecht entziehen, ihre realitätsnahen Schilderungen und eingängigen Charakterstudien machen das unmöglich. So regt man sich über Eileens Streben nach Geld und Prestige auf; ist schockiert über Eds stetem Verfall; schämt sich fremd; fragt sich, was man tut, wenn das eigene Kind so ungeniert pubertiert wie Connell; Streitgespräche zwischen Ed und Eileen sind ein wahrer Genuss. Wie ein Film laufen die Szenen vor meinem inneren Auge ab. Die Personen werden greifbar, besonders Eileen, die mir trotz aller Ecken und Kanten sehr nahe kommt.

    Thomas´ Sprache ist keine große Offenbarung. Sie ist schlicht, um nicht zu sagen einfach. Daran muss man sich gewöhnen, wenn man, wie ich, gerne auch mal poetische Sätze liest. Es ist aber vermutlich die geeignetste Sprache für diese Geschichte, auch für seinen Umfang. Denn Thomas schreibt flüssig, die Seiten fliegen dahin und das ist wichtig, wenn man in der Mitte des Buches feststellt, dass man noch rund 400 Seiten vor sich hat. Das Buch hat seine Längen, die sich zum Teil auch zäh wie Kaugummi lesen. Dennoch lohnt sich die Lektüre.

    Matthew Thomas hat einen überbordenden Familienroman geschrieben, der uns alle treffen wird, denn schließlich haben wir ja alle Familie und mit ihr vermutlich allzu menschliche Erfahrungen gemacht. Er zeigt auf, wie das Leben so ist, dass nicht immer alles läuft, wie man hofft, dass man aus fiesem Unglück dennoch stark hervor gehen kann. Und ja auch, dass das Leben groß und gut sein kann, wenn man nicht allzu viel hadert und natürlich wenn man liebt.

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    TochterAlicevor 4 Jahren
    Den amerikanischen Traum

    besingt Matthew Thomas in seinem Roman "Wir sind nicht wir" - und das tut er quasi von der Pike auf und lässt keinen aus: weder den Lebenstraum noch den Alptraum. Nur eines findet man nicht in seinem Buch: Traumtänzer nämlich. Die Charaktere: es handelt sich um die irischstämmige Eileen Tumulty und Ed Leary, ein vielversprechender Student mit demselben ethnischen Hintergrund, den  sie bald heiratet. Aus Eileens Perspektive entwickelt sich die Geschichte ihrer Familie, bald kommt die Sicht von Ed und irgendwann auch die ihres gemeinsamen Sohnes Connell hinzu. Die Geschichte ist durchgehend in New York angesiedelt.

    Der Leser hat außerordentlich viel Zeit, die Charaktere und ihr Leben kennenzulernen: Thomas' Roman umfasst nahezu 900 Seiten und im Gegensatz zu James Joyce ist die Geschichte der Familie Leary nicht auf einen Tag beschränkt, sondern vielmehr über mehrere Jahrzehnte ausgedehnt.

    Und ich muss gestehen, ich musste mich zeitweilig ranhalten - ich tat mich mit dem epischen Stil des Autors durchaus schwer, auch wenn ich an keiner Stelle geneigt war, es abzubrechen. Keineswegs weitschweifig, aber durchaus ein wenig breit angelegt ist die Familiengeschichte.

    Vor allem Eileen verfolgt ihre Träume, die viel mit materiellem Erfolg zu tun haben und ist nicht bereit, sie aufzugeben - bis sie bemerkt, dass es viel schwerer ist, sich selbst aufzugeben. Es geht um Werte und diese ändern sich im Laufe des Buches, denn auf Familie Leary kommt im Laufe der Jahre so einiges zu, irgendwann jedoch geht es vor allem um Würde und spätestens da hatte das Buch mich: Der letzte beinhaltet so viel davon, dass es mir Schauer über den Rücken jagte.

    Also: wer sich eines der besten Enden der Literaturgeschichte - selbstverständlich auch dieses wie der gesamte Roman überaus breit angelegt - nicht entgehen lassen will, der muss dafür zahlen. Und zwar mit Lesezeit, mit zahllosen Stunden. Ich will Ihnen keine leeren Versprechungen machen, aber für mich hat es sich mehr als gelohnt, denn die letzten ca. 100 Seiten, ihre Kraft, ihre Wortgewalt: sie haben sich in mein Gehirn, aber vor allem in mein Herz gebrannt.

    Kein lautes, aber auch kein richtig leises Buch, sondern eines, das sich heranschleicht, während man es liest und dann immer beharrlicher am Leser haften bleibt. Für mich eine ganz eigene Leseerfahrung, die ich nicht missen will.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Berlin_Verlags avatar
    »Herzzerreißend und vollkommen glaubwürdig, wunderbar konstruiert, ein reiches und mächtiges Buch. Und einer der ehrlichsten Romane, die je über die Liebe geschrieben wurden.«
    The New York Times

    Ein besonderes Buch erfordert besondere Maßnahmen. Deshalb verdoppeln wir für das 900 Seiten lange Epos WIR SIND NICHT WIR unsere übliche Anzahl an Freiexemplaren und gehen mit 40 LeserInnen an den Start.


    Ob in dem kleinen Apartment in Queens, in dem Eileen in den 1940er- und 50er-Jahren aufwächst, gelacht oder geweint wird, kommt ganz darauf an, wer gerade zu Besuch ist oder wieviel getrunken wird. Nicht ihre Eltern möchten, dass sie es einmal besser hat – sie selbst will dieser Enge unbedingt entfliehen.

    Als sie Ed Leary begegnet, einem jungen Wissenschaftler voller Sanftmut, scheint das Ersehnte so nah: ein schönes Haus, eine kleine Karriere, eine glückliche Familie. Doch was, wenn Träume in Erfüllung gehen, das Glück sich aber nicht hinzugesellt?

    Thomas erzählt nicht von Tellerwäschern und Millionären, sondern von ganz gewöhnlichen Menschen. Denn sie – die Mittelschicht – sind es, die Amerika zu einem mythischen Ort der Freiheit und Selbstverwirklichung gemacht haben.

    Aber so, wie wir längst wissen, dass dieser Mythos nur eine Chimäre war, erfahren auch Eileen, Ed und ihr Sohn Connell, wie schnell Sichergeglaubtes ins Wanken gerät. Dann stellen sich die drängenden Fragen: Was ist wirklich wichtig im Leben? Hat man ein Recht auf Glück? Und wer sind wir, wenn wir nicht mehr wir selbst sind?

    Hier im Berlin Verlag fiebern wir schon alle dem Erscheinungstermin entgegen und wir sind natürlich sehr gespannt, wie Matthew Thomas' Debütroman beim Publikum ankommen wird. Deshalb bitten wir alle, die sich für diese Leserunde bewerben wollen, um eine erste Einschätzung – auf Grundlage der Leseprobe (Anfang – S. 49).

    Wir freuen uns auf viele Bewerbungen! Einsendschluss ist der 11. Februar. Wenn die Post mitspielt, sollten die 40 Glücklichen also noch kurz vor dem offiziellen Verkaufsstart je ein Exemplar in Händen halten.

    Euer Berlin Verlag

    »Durch das Schreiben lernte ich, was es bedeutet, überhaupt ein Mensch zu sein.«
    Matthew Thomas
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    Letzter Beitrag von  Sarafinchenvor 3 Jahren
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