Matthias Blazek

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Rezension zu "Carl Großmann und Friedrich Schumann. Zwei Serienmörder in den zwanziger Jahren" von Matthias Blazek

Rezension zu "Carl Großmann und Friedrich Schumann. Zwei Serienmörder in den zwanziger Jahren" von Matthias Blazek
Luca-Seraphinvor 6 Jahren

In diesem Buch werden in erster Linie die Fakten zu den Serienmördern Carl Großmann und Friedrich Schuhmann aufgerollt. Karl Denke, ein nicht zu unterschätzender Massenmörder und Kanibale wird nur angeschnitten.
Alle drei Männer wurden in den 20er Jahren gefasst. Während Großmann und Schuhmann beide Triebtäter waren, deckt sich bei Großmann und Denke der Punkt Kannibalismus.
Alles in allem könnten die drei Mörder unterschiedlicher nicht sein.
Großmann aus dem niederen, einfachsten Volk, Schuhmann, ein Handwerker und Denke, der aus gutem Haus kam.
Da das Buch mit Abschriften der Gerichtsakten, der Polizeiberichte, Ärzte und des Verteidigers Dr. Frey (Schuhmann/ Großmann) belegt ist, bekommt man aus der Sichtweise des jeweiligen Prozessbeteiligten/ Beamten ein recht interessantes Bild über den jeweiligen Mörder.
Großmann, dem man 1922 zumindest drei Morde zur Last legen konnte (es waren vermutlich 11 und mehr), hatte bereits in den 1899 ein vierjähriges Mädchen vergewaltigt und dadurch getötet, weswegen er bis 1913 im Gefängnis saß.
Bereits in jungen Jahren, auf seiner ziellosen Wanderschaft durch Deutschland, wurde er immer wieder festgenommen. Zuerst wegen Ruhestörung, Hausierens und Schlägereien, einmal betrieb er Sodomie mit einer Ziege, mehrfach belästigte er Kinder, hielt sich – nach seinem Gefängnisaufenthalt in seinem späteren Wohnort Berlin – eine recht hohe Anzahl Frauen als Geliebte. Sein Sexualtrieb und seine niedere Aggressionsschwelle waren aber nur ein Grund, ständig in Schwierigkeiten zu geraten. Er war zusätzlich ein Sadist, was zu den späteren, extrem brutalen Frauenmorden am Schlesischen Bahnhof (Berlin Friedrichshain) führte.
In seinen Vernehmungen und bei der Verhandlung versuchte er sich damit zu erklären, dass die Morde im Affekt passiert seien und die Frauen ihn bestohlen haben.
Vor Prozessende erhängte er sich.
Schuhmann, der gefühlskalt und fern erschien, schaffte es, trotz der unzusammenhängenden, kaltblütigen Morde und Vergewaltigungen, seinen Anwalt Dr. Frey, zu faszinieren. Im Gegensatz zu Großmann stand er zu seinen Taten, er blieb ruhig, neigte in keiner Weise zur Hysterie, versuchte auch nicht, sich das Leben zu nehmen. Erst als das Todesurteil bekannt war und lange Zeit hinausgezögert wurde, bat er Frey, dem ein Ende zu machen, nicht noch einmal den Prozess in höherer Instanz aufzurollen und ihm seinen Frieden zu gewähren. Sein Grund für die Morde am Falkenhagener Forst erklärte er damit, dass die Menschen, die er tötete, die Ruhe und den Frieden seines Waldes gestört haben. Eine Stunde vor seiner Hinrichtung verriet er Frey, dass er 25 Menschen getötet habe.
Karl Denke, einem unauffälligen, freundlichen Sonderling, der in seiner Heimatstadt nah Hannover lebte, wurde nachgesagt, ein Wohltäter zu sein. Er kümmerte sich um Obdachlose, bewirtete sie – tötete sie. Sein letztes Opfer entkam schwer verwundet und konnte aussagen. Zuerst glaubte man ihm nicht, doch schließlich wurde Denke verhaftet. Bevor noch das ganze Ausmaß seiner Perversion zutage trat, erhängte er sich in seiner Zelle.
Karl Denke werden mindestens 30 Morde zur Last gelegt. Er führte darüber genau buch – schlimmer, er verwertete seine Opfer, konservierte sie zum späteren Verzehr und nachte aus menschlicher Haut Hosenträger und Schnürsenkel.

Das Buch ist in seiner erschreckenden Detailgenauigkeit ein Einstieg in den Verstand und die Gefühlswelt dieser unterschiedlichen Männer, aber auch all derer, die mit ihnen in Berührung kamen. So finden besonders die Gerichtsärzte, Kommissar Gennat und Dr. Frey sehr viel Spielraum. Diese Personen bekommen alle weitaus mehr tiefe, als es der übliche Bericht im Internet kann. Die Recherchearbeit von Matthias Blazek ist wirklich beeindruckend, ebenso die emotionslose Berichterstattung. Dieses Buch ist nicht meinungsbildend sondern sehr objektiv. Dem Leser bleibt offen, wie er sich zu den drei Mördern stellt.
Ich muss zugeben, dass das eines der besten kriminalistischen Sachbücher war, was ich je gelesen habe.

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