Matthias Dohmen

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Lebenslauf

Dr. Matthias Dohmen, Historiker, Journalist, Schriftsteller, geb. 1947. Mit Mitte 60 promoviert, veröffentlicht er seitdem jedes Jahr mindestens ein Buch. "Geraubte Träume, verlorene Illusionen" beschäftigt sich mit dem Kampf der Historiker Ost und Historiker West. "Die 1966er von Münstereifel" ist - so ein Rezensent - eine "Zeitreise an den Beginn der Studentenbewegung". "Männer" und "Frauen im Tal" je 27 Porträts hauptsächlich lebender Wuppertaler. "Der Mann, der keinen Bahnhof kaufen wollte" ein eigentümliches Porträt eines Bergmannes.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Matthias Dohmen

Cover des Buches Freunde und andere Menschen (ISBN: 9783750411579)

Freunde und andere Menschen

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Erschienen am 16.12.2019

Neue Rezensionen zu Matthias Dohmen

Cover des Buches Der Mann, der keinen Bahnhof kaufen wollte (ISBN: 9783944566917)
A

Rezension zu "Der Mann, der keinen Bahnhof kaufen wollte" von Matthias Dohmen

Angelika16
Auf den Spuren eines besonderen Charakters


Immer wieder stehen wir im Lauf unseres Lebens an Gräbern, verabschieden uns von Älteren. Spätestens dann bemerken wir, wieviel Wissen, Erfahrung, oft sehr Vorbildhaftes unter uns gewesen ist und dass wir manches versäumt haben zu fragen.
Im vorliegenden Buch geht der Herausgeber, Dr. Matthias Dohmen, einer Spurensuche nach. Er stellt seinen Schwiegervater Fritz Teschner vor, gemeinsam mit anderen Menschen aus seinem Umfeld, die diese bemerkenswerte Persönlichkeit gekannt haben. Hier berichtet jeder in seiner eigenen Art – in vielen Facetten, die sich einem Gesamtbild annähern können.
Fritz Teschner wurde im deutschen Breslau geboren, das seit dem Ende des 2. Weltkriegs zu Polen gehört und heute den Namen Wroclaw trägt.
Die Familiengeschichte spielt in Schlesien, in Bayern und schließlich im Ruhrgebiet. Fritz Teschner war kein Mann, der in seinem bewegten Leben zurückschaute. Mit der Vergangenheit schloss er ab – nach Breslau, dem Ort seiner Kindheit, fuhr er nie wieder. „Mit alten Geschichten hielt sich Opa nie lange auf,“ schreibt der Enkel. „Zeit für Neues“.
Fritz Teschner hatte in Schlesien zunächst Maler und Anstreicher gelernt. Noch mit über 70 Jahren half er in der Familie beim Tapezieren und Streichen. wann immer Not „am Mann“ war. („Blau? Bist du verrückt? Das ist verdammt schwer.“)
Später war er Ruhrgebiet gelandet. Lange Arbeitsjahre waren vollgepackt mit schwerer Tätigkeit unter Tage. Früh lernte man da die Zusammenarbeit mit Migranten. Dies schildern auch andere Ruhrgebietskumpel, unabhängig von diesem Buch. Von solchen Zeitzeugen haben wir heute zu lernen.
Fritz Teschner interessierte sich für Fußball und Trabrennsport. Er besaß früh ein Auto, kannte sich mit Sternbildern aus, war SPD-Stammwähler und aufgeschlossenes Mitglied eines Buch-Clubs. Seine Bibliothek, seine Lieblingsmenüs, die Autos, die er gefahren hat und manches andere sind im Buchanhang angefügt - inklusive zahlreicher Fotos, Faksimiles und einem Personenregister. Auch zeichnete er farbige, empfindsame Bilder (ein paar Werke zieren das Buch).
Fritz Teschner zeigte ein immerwährendes Engagement für die Familie und war auch sonst ein guter Zuhörer. Fröhlich und humorvoll wird er beschrieben – und galt auch als geschätzter Nachbar. „Nicht einmal Zoff gehabt… Er nahm Hilfe nicht gerne in Anspruch, war aber selbst sehr hilfsbereit.“ „Pflichtbewusst“, „umsichtig“, “immer korrekt.“ So heißt es in sich ähnelnden Begriffen.

Doch sind es bei dieser Spurensuche weniger Teschners Interessen, die berühren, auch wenn sie vielseitig sind. Es beeindruckt vor allem sein besonderer Charakter. Ein verlässlicher Handwerker, ein Mann, der sich aus einfachen Verhältnissen herausgearbeitet hat, sich bildete - aber auch nicht nach allzu Hohem verlangte. Das Menschsein, ganz aus dem Herz heraus, war ihm vielleicht das Wichtigste. Und dieses Vorbildhafte ergreift beim Lesen der vielen kleinen Momente besonders - vielleicht, weil wir alle gefragt sind, wie wir uns im Leben und gegenüber unseren Nächsten verhalten und was wir dabei noch immer zu lernen haben.
Fritz Teschner handelte aus der Mitte heraus. Das brachte er mit. Da hatte er wohl kaum zu üben, doch vieles weiter zu geben.

Als Vater war er besorgt und gegenüber der 15-jährigen Brigitte durchaus streng, wie es damals üblich war. Aber „die Familie kam immer an erster Stelle“. Man konnte sich auf ihn verlassen.

Fritz Teschner blickte vorwärts, er ging mit der Zeit. Während andere Kriegskameraden noch den Dienst am Militär rechtfertigten und Kriegserlebnisse erzählten – oder Peinliches davon gänzlich verschwiegen – knöpfte er sich seinen Enkel in aller Stille vor, als dieser sich für oder gegen eine Bundeswehrzeit zu entscheiden hatte. („Der Vater erzählte nie von der Zeit bis 1945 – nur seinem Enkel“). Das Gespräch zwischen den beiden ist nicht überliefert. Aber alle sahen das Ergebnis. Enkel Jan entschloss sich zu einem Zivildienst an Menschen.
Als Teschner mit gebrochenen Rippen kurz vor seinem Ende leben musste, verzichtete er auf großartiges Jammern. „Kein Grund…zu resignieren. Er war ein zäher Kämpfer.“
So starb er auch später, als die Ärzte vorausgesagt hatten.

Die Pfarrerin Coco Fidora sagte in der Ansprache auf der Trauerfeier, „alles hat seine Zeit…Schweigen hat seine Zeit…Reden hat seine Zeit“. Für das Reden nach dem Tod von Fritz Teschner kann man dem Herausgeber Matthias Dohmen und vielen seiner Angehörigen nur dankbar sein. Nicht zuletzt Irmgard Teschner, die viele versprengte Familienmitglieder wieder zusammenbrachte und ihre Daten in einen Stammbaum übertrug.
Das Soldatenfoto des 1944 gefallenen Heinz Teschner ähnelt verblüffend meinem damals ebenfalls früh verstorbenen Onkel. Wie viele Bilder dieser aus unnützen Gründen gefallenen oder an TBC/Typhus verstorbenen jungen Männer – die sich die Krankheit im Krieg geholt haben - mögen heute noch in Wohnzimmern hängen?
„Und so sollen sie sich erinnern,“ endet die Trauerrede für Fritz Teschner: „An seine Zukunftshoffnung und an seinen Humor – auch wenn er manchmal etwa bissig sein konnte. An seine Fähigkeit, aus jeder Situation zu lernen…an sein Engagement, wenn es um Politik ging, an seine gradlinigen Prinzipien, … an seine Toleranz und seine Neugier, seine Offenheit gegenüber fremden Menschen und Orten.“


Angelika Zöllner

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