Man muss direkt sagen, dass dieses Buch ganz gewiss keine umfassenden Forderungen nach einem großflächigen Kanon, zahllosen Leseempfehlungen und wohlsprachlich ausführlichen Kritiken befriedigen kann. Jeder der drei Artikel, die in diesem Buch zusammengefasst wurden, war auf 4000 Worte begrenzt und kann somit nicht vielmehr als einen kurzen Blick auf einen ausgeleuchteten Kernkreis von lesenswerten Werken der klassischen Literatur bieten.
Jedoch kann ich mich den Vorrenzsenten insofern nicht anschließen, dass diese Tatsachen als reine Makel abgestraft werden können und das Buch in irgendeinem Sinne überflüssig wäre. Es ist schmal, so viel steht fest, aber ist auch sehr gewissenhaft verfasst und betont einige der wichtigsten Vorzüge des Lesens und der aufgeführten Autoren, ohne dabei (wie ein Vorrezensent behauptete) in Lobeshymnen zu verfallen. Zwar sind alle Betrachtungen Maughams ob der Kürze nicht wirklich zweifelnd, jedoch immer ausgesprochen ausgewogen: es werden zumeist auch (meist sogar zu Anfang) die Fehler, Eigenheiten und Schwächen die Autoren geschildert, bevor die Argumentation in schlichter Schnörkelosigkeit auf den Punkt kommt, warum das betreffende Buch trotzdem Lesegenuss und Reflexion, Tiefe oder sonstigen Gewinn verspricht. Maugham ist ehrlich und differenziert, immer bemüht, den Autor für das zu loben, was er konnte und auch sonst einige kluge Bemerkungen zu machen und dabei Warnungen und Klarstellungen in Richtung des Lesers nicht einzusparen.
Einige Zitate aus dem Buch sind ganz hervorragend, so zum Beispiel: "Pathos ist immer Glückssache. Wenn es gut geht, errreicht man den Gipfel, wenn nicht, fällt man ins Lächerliche." Und auch die Art wie er seine Begeisterung entfaltet, bringt einen sofort dazu, sein Regal auf die entsprechenden Klassiker zu prüfen.
Sicherlich kein Buch für stundenlange Studien und völlig neue Perspektiven. Oder halt: für letzteres vielleicht doch. Denn gerade Klassiker brauchen oftmals, damit wir sie in die Hand nehmen, dann und wann eine Aufrischung der Perspektive, der HInweis darauf, dass sich unter ihren Buchdeckeln ein Erbe der Menschheit verbirgt, auf das wir alle ein Recht haben und das wir sehr günstig erreichen können. Ein Erbe dessen Ausmaß und Bedeutung für uns, wir ob der großen Namen dieser Bücher oft vergessen, bis uns jemand wie Maugham in dieser kleinen 2 Stunden Lektüre darauf hinweist, dass es unterhaltsame und dabei noch geistig inspirierende Gaben sind. Und dieses kleine Erlebnis ist es ebenso wert gemacht zu werden, wie das der ausführlichen literarischen Kritik. Denn irgendwo mündet jede gelungene Betrachtung in dasselbe Gefühl: Die Dankbarkeit für das Buch und seine Möglichkeiten, in unserer Vorstellung und in der uns dann aufgehenden Version beim Lesen, auch in bleibenden Werken der Weltliteratur, wie Maugham sie hier, Englisch, Europäisch, Amerikanisch, kurz und knapp, inszeniert.
Matthias Fienbork
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Matthias Fienbork
Niemandsland
Die Straße der Geister
Neue Rezensionen zu Matthias Fienbork
Es handelt sich um eine Zusammenstellung verschiedener, vorher in Magazinen, Anthologien oder Journalen veröffentlichten autobiographischen Episoden, die über mehrere Jahre entstanden. Zwar schreibt Hemon, dass sie für diese Veröffentlichung überarbeitet worden sind, doch man merkt die Unterschiede, es ist nicht aus einem Guss.
Man merkt die unterschiedlichen Entstehungsanlässe beim Lesen: der Stil ist unterschiedlich. Das hat mich tatsächlich gestört, denn die Geschichten, die sich auf die Zeit in Sarajevo beziehen, haben eine höhere "Emotionalität" (blödes Wort, aber mir fällt gerade kein anderes ein) als später Chicago. Sarajevo ist für mich farbiger, lebendiger, bunter - mit den Chicago-Episoden konnte ich nicht recht warm werden.
Der Held in diesem Buch ist ein arbeitsloser Schriftsteller und sitzt zwischen zwei heißen Stühlen, denn er ist in geheimen Verhandlungen zwischen Nato-Funktionären und einem irren Ölscheich im Nahen Osten verwickelt. Man hat ihn auf die harte Tour - mit einer an ihn adressierten Bombe - in die Ereignisse gezogen, aus deren Strudel er sich herauszuwinden versucht. Der Plot ist zwar keinen Augenblick langweilig, doch der Titel führt in die Irre. Beinahe hätte ich das Buch liegenlassen, wenn ich nicht bereits vom Autor begeistert gewesen wäre.
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