Matthias Göritz

 3.8 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Parker, Träumer und Sünder und weiteren Büchern.
Matthias Göritz

Lebenslauf von Matthias Göritz

Poesie und Prosa: Der 1969 geborene deutsche Autor hat Philosophie und Literaturwissenschaften studiert und einige Zeit im Ausland verbracht. Seinen ersten Gedichtband „Loops“ veröffentlichte der Lyriker 2001, sein Debütroman „Der kurze Traum des Jakob Voss“ erschien vier Jahre später. Matthias Göritz arbeitete in mehreren Ländern auf unterschiedlichen Kontinenten als Gastdozent, Moderator und Übersetzer und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Schriftsteller lebt in Frankfurt am Main, wo auch 2008 sein Theaterstück „Liebe Frau Krauss“ uraufgeführt wurde.

Alle Bücher von Matthias Göritz

Matthias GöritzTräumer und Sünder
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Träumer und Sünder
Träumer und Sünder
 (2)
Erschienen am 15.07.2013
Matthias GöritzParker
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Parker
Parker
 (3)
Erschienen am 15.03.2018
Matthias GöritzDer kurze Traum des Jakob Voss
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Der kurze Traum des Jakob Voss
Der kurze Traum des Jakob Voss
 (2)
Erschienen am 01.09.2007
Matthias GöritzPools
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Pools
Pools
 (1)
Erschienen am 01.09.2006
Matthias GöritzTools
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Tools
Tools
 (0)
Erschienen am 25.02.2012
Matthias GöritzLoops
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Loops
Loops
 (0)
Matthias GöritzShanghai Blues
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Shanghai Blues
Shanghai Blues
 (0)
Erschienen am 16.04.2015
Matthias GöritzStop Stories
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Stop Stories
Stop Stories
 (0)
Erschienen am 01.01.2002

Neue Rezensionen zu Matthias Göritz

Neu
M

Rezension zu "Parker" von Matthias Göritz

In sich verzahntes Getriebe der (möglichen) Macht
michael_lehmann-papevor 4 Monaten

In sich verzahntes Getriebe der (möglichen) Macht

Drei Ebenen sind es, die Göritz ins einem neuen Roman eng verzahnt auf den Weg schickt.

Das erste ist das Leben der modernen „Erfolgs-Nomaden“. Irgendwie was auf die Beine stellen, ein Buch schreiben, kurzen Erfolg haben und diesen lange und weidlich ausnutzen. Bestens gekleidet, sich um vieles an Verpflichtungen (auch Mieten und Rechnungen, wenn es dann finanziell mal eng wird) herumdrücken, Hauptsache, das Image stimmt noch (für eine Weile) nach außen und der Rezeptionist des Hotels, in dem man abgestiegen ist, nagelt einen genauso wenig auf die eigenen Kreditkarten fest, wie die Universität in New York, bei der sich Mietschulden anhäufen.

Das zweite ist der Griff nach der Macht. In Deutschland. Mit aller Bigotterie, mit aller kühlen Planung und dem dazu notwenigen, genau richtig getimten Auftreten. Wozu Parker, der „Nomade“ Mahler, dem „Shooting-Star der Nord-SPD“ (nur aus karrieretaktischen Gründen, wohlgemerkt, ist man dieser Partei beigetreten) dringend verhelfen soll.

Und das dritte ist die Macht der Worte, der Rhetorik. Wohlgesetzt, um genau das zu transportieren, was gewünscht ist. Eine Person, einen Politiker „zu machen“.

Alles Dinge, die am Ende, das dringt hintergründig durch diesen Roman, wenn Parker sich erinnert und seine „Liebesgeschichte“ im Rückblick erzählt, aus der Sehnsucht nach Nähe und Liebe heraus entstehen. Und der zugleich Unfähigkeit, sich dieser zu stellen und hinzugeben.

Denn selbst das einschneidende Erlebnis, dass Parker ertragen werden muss, was geneigt wäre, tiefgreifende Erkenntnisse und eine gewisse Läuterung hervorzubringen, ja, dass sogar die Liebe richtig ins Leben setzen könnte, hat am Ende wohl nicht genügend Kraft für eine Echte „Anders-Besinnung“.

Während also über die größte Strecke des Romans hindurch Parker, der auch bei Obamas Kampagne am Rande mitgewirkt hat, der ein Werk über Rhetorik verfasste (und ihn damit zur „Kraft der Worte“ im Sinne eines „Images“ prädestiniert) dringend einen Vertrag bekommen möchte (am besten mit hohem Vorschuss) und jede Menge edle Kleidungsstücke und Marken ihn ein Stück selbstverliebt durch den Kieler Winter treiben (das erinnert in Teilen durchaus an eines der Stilmittel von „American Psycho“), erhält er tieferen Einblick in die Persönlichkeit des „neuen Politikers“, als ihm lieb ist.

Vor allem, als es ein wenig vor die Wand läuft, Eifersucht das traute „Dreisame“ stört und Parker von jetzt auf gleich in rigider Art und Weise benutzt werden soll.

Das alles ist einprägsam geschrieben, hat durchaus Tempo, steht aber, gerade zum Ende des Romans hin, auch ein stückweit unverbunden nebeneinander. Ganz schlüssig und logisch ergeben sich jene schicksalhaften Wandlungen nicht unbedingt und zu stereotyp sind Haltungen „im Knast“ und eder sogenannter „Mentoren“ dann auch beschrieben.

Vor allem aber ein Mehr an politischem „Theater“ wäre wünschenswert gewesen, denn gerade in dieser Analyse trifft Göritz immer wieder prägnant den Punkt. Der eine Politikverdrossenheit sehr grundsätzlich begründet und dessen Blaupause man ohne Weiteres auf einen nicht geringen Teil des politisch-prominenten Betriebes in Berlin und den Ländern anlegen kann. Mit den perfekt geschnittenen Anzügen und Kostümen, mit den Scheuklappen des eigenen Aufstiegs versehen und erschreckend blutleer und inhaltslos. Aber ums Image äußerst bemüht und professionell in dieser Richtung unterwegs.

Dieser Strang des Romans kommt am Ende leider nicht nur ein wenig zu kurz und wird viel zu abrupt und wie nebenbei abgeschnitten. So dass ein Vergleich, wie hier und da propagiert zu „House of Cards“ in machtpolitischer Dichte doch arg überstrapaziert klingt.

Dennoch, im Gesamten trifft Göritz eine zentrale Neigung der Gegenwart und bietet auch nicht vorschnell irgendwelche Antworten, die es besser machen würden.

Die Korrespondenz des unstetigen und rein äußerlichen im Leben der aktuell Erfolgreichen (oder zumindest der scheinbar Erfolgreichen) mit dem, was sie selbst als politische Kräfte mitformen und mit aufbauen ist das, was dem Leser vor allem in diesem Roman vor Augen geführt wird.

Mitsamt eines Versuchs der inneren Begründungen, warum das eigentlich alles so stattfindet in einer veräußerlichten Welt, der Fakten weniger Wert als Erscheinungsbilder und griffige Slogans zu sein scheint, der durchaus plausibel erscheint.

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seschats avatar

Rezension zu "Parker" von Matthias Göritz

Zu viel Nabelschau und zu wenig Politik
seschatvor 5 Monaten

Der spannende Klappentext zu Matthias Göritz' Roman "Parker" hat mich auf der Stelle neugierig gemacht und zur Lektüre verleidet. Doch auf die Begeisterung folgte bald Ernüchterung.

INHALT
Der Redenschreiber und Rhetorikprofi Matthew Parker soll dem schleswig-holsteinischem Politiker Mahler als Berater und Redenschreiber zum Wahlsieg verhelfen. Doch ehe sich der ambitionierte Karrierist um die 30 versieht, findet er sich in einem perfiden Spiel um Macht und Ansehen wieder. 

MEINUNG
Was wie ein Politthriller angepriesen wurde, kam schlussendlich als laues Lüftchen daher. Mich hat Göritz' Geschichte um den Senkrechtstarter Matthew Parker, der ganz oben in den Zentren der Macht gewesen ist und dann tief fiel, leider nicht wirklich erreichen können. Denn zu häufig wurde innerhalb des Plots auf sein unstetes Leben, seine Rhetoriktipps und zu wenig auf die Politik abgehoben. Infolge schleppte sich die Story nur so dahin, was durch häufige Rückblenden in Matthews Vergangenheit nicht besser wurde. Im Gegenteil, mehr als einmal musste ich mit mir kämpfen, das Buch nicht abzubrechen. Obgleich die Abgründe der Politik angeschnitten wurden und sich eine Intrige um und mit Matthew entspann, konnte mich die Handlung nicht mitreißen, geschweige denn von sich überzeugen. Daran konnte auch der durchaus geistreiche Sprachstil nichts ändern. Einzig der Schlussteil mit der teils überraschenden Auflösung und der unausweichlichen Läuterung vom Saulus zum Paulus vermochte mich ein wenig  für die insgesamt doch recht dröge Inszenierung mit einer blassen Hauptfigur zu entschädigen. 

FAZIT
Viel heiße Luft um wenig Inhalt. Hier wurde viel Potenzial verschenkt.

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ralluss avatar

Rezension zu "Träumer und Sünder" von Matthias Göritz

Filmische Zeitreise
rallusvor 4 Jahren

Ein Interviewer, meist auch so genannt, wird ausgeschickt den alternden Filmproduzenten Helmut Erlenberg zu befragen. Nicht nur dass über seine Vergangenheit so gut wie niemand Bescheid weiß, auch hat dieser Erlenberg, Quentin Tarantino am Set von Inglourious Basterds geohrfeigt.
 Was für ein Eklat! So macht sich der Interviewer auf, mit seinem Aufnahmegerät und sitzt bald der lebenden Legende gegenüber. Erlenberg sitzt im Rollstuhl und ist gezeichnet von seinem Alter - ist er krank?

Behutsam beginnt er das Gespräch, er will sich langsam an das Thema herantasten. Irgendwann entgleitet es ihm, der alte Mann fängt an zu reden und hört nicht mehr auf. Erlenberg redet und redet, über seine Vergangenheit über die Geschichte des Films über die Menschen die traf, sein aktuelles Projekt. Der Interviewer schweigt und nickt, versenkt sich in seine Gedanken.

 “Es ist ein Machtspiel, sagte er sich. Weiter nichts. Du sitzt hier, genau da, wo er dich haben will, er dreht auf, und du drehst ab.Er will dich nur klein machen, damit du seinem Gerede folgst. Unkommentiert. Er hat einen Plan und du nicht.“

Der einzige Brocken den Erlenberg ihm zuwirft, ist sein neues Filmprojekt namens Görlitz. Der Auftraggeber des Interviewers gibt ihm eine zweite Chance, auch scheint der Interviewer das Vertrauen Erlenbergs gewonnen zu haben. Der Interviewer reist nach Cannes zur zweiten Session, doch auch hier entgleitet ihm die Situatiion:

 “Er hatte das Gefühl, mit einem unberechenbaren Maniker eingepfercht zu sein, einer immer schneller laufenden, grinsenden weißen Ratte, die das Laufrad einer monströsen Maschine bediente, weil sie genau zu wissen schien, dass diese Maschine für sie da war und nicht umgekehrt.“

Dunkel hat er das Gefühl für etwas missbraucht zu werden.

 “Der alte Mann schien ein feineres Gespür für die Dinge zu haben, als er sich vorstellen konnte. Er war ein großer Manipulator, das war er.“

Der Auftraggeber ist entsetzt, sicher ist das Interview interessant, aber es ergibt sich keine verwertbare Geschichte, bekommt der Interviewer noch eine Chance?

'Träumer und Sünder' oder 'Der Interviewer und Erlenberg oder 'Der Leser und der Autor' ist hauptsächlich ein Kammerspiel, mit 2 Personen, die restliche Welt wird nur marginal berührt. Auf der einen Seite ist der mächtige Produzent mit seiner klaren, starken Sprache, Macht pulsierend, selbstverliebt. Auf der anderen Seite ist einer, der träumt und schweigt, die Absätze und Gedanken des Interviewers sind immer wieder eine Art Zeitreise, bremst den Leser nach den weitschweifigen Gedanken von Erlenberg. Zeitreise, weil hier die Zeit fast stehen bleibt in Betrachtungen des Interviewers, aus dem Fenster, in sein Innenleben, alles manchmal aus dem Zusammenhang gerissen. Oder metaphysisch betrachtet, ist Erlenberg der Autor der erzählt, der Interviewer der Leser, der ab und zu mal von dem Buch auftaucht und seine Blicke schweifen lässt.

Es ist interessant was Erlenberg erzählt, eine geschichtliche Zeitreise durch die Dekaden und er läßt kaum ein gutes Haar an seinen Kollegen.

“Demnächst, wenn die 3DKameras billiger sind, fangen all die Nachwuchsstars an, ihre Pornofilme in 3D zu drehen. Aufgeblähte Titten hier, das rosa Wundfleisch der Vulva als Kraterlandschaft, der Anusring als Allesverschlinger, pulsierend, in den sich das Raumschiff Penis zu Erkundungszwecken hineinschiebt. Drohne. Schweine im Weltall.“

Dabei spürt man bei beiden eine starke Liebe zum Film, aber auch eine sehr kritische Betrachtung der eigenen Zuneigung:

“Filme sind immer emotionale Erpressung. Sie sitzen da und lassen sich die Haut von den Augen kitzeln. Und es ist nicht immer das Größte, das Geistige, was sie berührt, es sind die niederen Instinkte. Kino war immer wie Jahrmarkt, die Freakshow, der Trommelwirbelmoment, wenn die Frau am Trapez durch die Luft wirbelt – und fällt. Zumindestens in der Vorstellung muss sie fallen. Tod macht geil.”

Göritz ist etwas sehr eigenes gelungen, sein Buch ist wie ein Sog in den man sich begibt. Irgendwann wird man gelesen, man begibt sich in die Rolle des Interviewers und hört dem alten Mann zu. Langweilig? Nein, in keiner Sekunde, auch wenn viele Erzählungen aus der Welt der Reichen und Schönen bekannt klingen. Göritz hat für den Leser noch einen besonderen Schluss übrig, ein Schluss der Erlenberg und Göritz als großen Manipulator zeigen.

“Aber in der Katastrophe zeigt sich, wer man ist. Man muss in Momenten, in denen einem die Zukunft wie ein schwarzes Loch erscheint, wieder anfangen zu planen, man darf sich dem Schock nicht überlassen, sonst fällt man durch die Ritzen der Welt.“

In die will keiner durchfallen, doch wer hat jetzt wen manipuliert?

Matthias Göritz hat 2011 den Robert Gernhardt Preis erhalten und so ein bisschen schimmert dessen Schalk auch durch. Ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte.

 

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Matthias Göritz wurde am 11. September 1969 in Hamburg (Deutschland) geboren.

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