„‚Das ist es, was mir immer wieder zu schaffen macht. Dass erst Angst uns politisch werden lässt. Nicht das Gute, nicht Mitleid, Freude, Liebe. Nur Angst. [... ]‘“
„‚Hüzün nennt man hier diese besondere Melancholie, die nur Weltstädte haben, voller Schichten und Geschichten, wissen Sie. [...]‘“
Dieses Buch hat perfekt in den Herbst gepasst, dabei ist die Thematik doch schwer, aber aktueller denn je. Lee, eine junge US-Amerikanerin, begibt sich auf die Reise nach Istanbul auf der Suche nach ihrer familiären Vergangenheit. Kunstvoll verwebt Matthias Göritz in seinem Roman „Die Sprache der Sonne” die Themen Identität, Verlust und Treue in der NS-Zeit und dem generationenübergreifenden Umgang damit in der aktuellen Zeit. Dabei wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen den 1930er und 2010er Jahren.
Emotional hat mich das Zitat Ahmet Hamdi Tanpinars zu Beginn sehr berührt und auch im weiteren Verlauf liest sich Göritz’ Sprache sehr melodisch und rhythmisch. Durch die vielen zeitlichen Wechsel und auch dem Wechsel zwischen langen, verschachtelten und sehr kurzen Sätzen wurde der Roman ab dem Mittelteil leider etwas langatmig. Das Einbringen von sehr vielen Nebensträngen hat zusätzlich dazu beigetragen, dass mich der Roman nicht ganz überzeugen konnte. Historisch etwas ungenau (der Todestag Atatürks ist nicht am 09.11.1938, sondern am 10.11.1938) hat Göritz aber eines wirklich sehr gut umgesetzt: die Liebe zur Stadt Istanbul, dem Umbruch durch Atatürk und zur türkischen Philologie werden auf jeder Seite spürbar.
















