Matthias Göritz Träumer und Sünder

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Inhaltsangabe zu „Träumer und Sünder“ von Matthias Göritz

<p>Ein junger Journalist erhält die Chance, ein Interview mit einer Schlüsselfigur des deutschen Kinos zu führen, einem alternden, schillernden Produzenten. Der hat, schon von Krankheit gezeichnet, all seine Mittel und Ideen in das Film-Projekt "Gleiwitz" investiert, in dem es um den arrangierten Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gehen soll. Nicole Kidman soll eine Rolle übernehmen, Ridley Scott Regie führen. Das Projekt stößt an seine Grenzen, die Presse lechzt nach Vorabinformationen, der alte Mann spielt ein Katz- und Maus-Spiel mit dem Interviewer, der wiederum seine eigenen Interessen verfolgt. Und doch enthüllt sich nach und nach das Lebensgeheimnis des Produzenten, entwickelt sich eine ganz eigene Nähe zwischen ihm und dem Journalisten, die zu einer überraschenden Wende führt. In seinem spannenden und rasanten Dialog-Roman erzählt Matthias Göritz eine ungewöhnliche Art von Vater-Sohn-Geschichte und stellt die Frage nach der Kunst im Spannungsfeld von Geschäft, Massenpublikum und Wahrheit.</p>

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    Träumer und Sünder
    rallus

    rallus

    20. March 2015 um 11:08

    Ein Interviewer, meist auch so genannt, wird ausgeschickt den alternden Filmproduzenten Helmut Erlenberg zu befragen. Nicht nur dass über seine Vergangenheit so gut wie niemand Bescheid weiß, auch hat dieser Erlenberg, Quentin Tarantino am Set von Inglourious Basterds geohrfeigt.  Was für ein Eklat! So macht sich der Interviewer auf, mit seinem Aufnahmegerät und sitzt bald der lebenden Legende gegenüber. Erlenberg sitzt im Rollstuhl und ist gezeichnet von seinem Alter - ist er krank? Behutsam beginnt er das Gespräch, er will sich langsam an das Thema herantasten. Irgendwann entgleitet es ihm, der alte Mann fängt an zu reden und hört nicht mehr auf. Erlenberg redet und redet, über seine Vergangenheit über die Geschichte des Films über die Menschen die traf, sein aktuelles Projekt. Der Interviewer schweigt und nickt, versenkt sich in seine Gedanken.  “Es ist ein Machtspiel, sagte er sich. Weiter nichts. Du sitzt hier, genau da, wo er dich haben will, er dreht auf, und du drehst ab.Er will dich nur klein machen, damit du seinem Gerede folgst. Unkommentiert. Er hat einen Plan und du nicht.“ Der einzige Brocken den Erlenberg ihm zuwirft, ist sein neues Filmprojekt namens Görlitz. Der Auftraggeber des Interviewers gibt ihm eine zweite Chance, auch scheint der Interviewer das Vertrauen Erlenbergs gewonnen zu haben. Der Interviewer reist nach Cannes zur zweiten Session, doch auch hier entgleitet ihm die Situatiion:  “Er hatte das Gefühl, mit einem unberechenbaren Maniker eingepfercht zu sein, einer immer schneller laufenden, grinsenden weißen Ratte, die das Laufrad einer monströsen Maschine bediente, weil sie genau zu wissen schien, dass diese Maschine für sie da war und nicht umgekehrt.“ Dunkel hat er das Gefühl für etwas missbraucht zu werden.  “Der alte Mann schien ein feineres Gespür für die Dinge zu haben, als er sich vorstellen konnte. Er war ein großer Manipulator, das war er.“ Der Auftraggeber ist entsetzt, sicher ist das Interview interessant, aber es ergibt sich keine verwertbare Geschichte, bekommt der Interviewer noch eine Chance? 'Träumer und Sünder' oder 'Der Interviewer und Erlenberg oder 'Der Leser und der Autor' ist hauptsächlich ein Kammerspiel, mit 2 Personen, die restliche Welt wird nur marginal berührt. Auf der einen Seite ist der mächtige Produzent mit seiner klaren, starken Sprache, Macht pulsierend, selbstverliebt. Auf der anderen Seite ist einer, der träumt und schweigt, die Absätze und Gedanken des Interviewers sind immer wieder eine Art Zeitreise, bremst den Leser nach den weitschweifigen Gedanken von Erlenberg. Zeitreise, weil hier die Zeit fast stehen bleibt in Betrachtungen des Interviewers, aus dem Fenster, in sein Innenleben, alles manchmal aus dem Zusammenhang gerissen. Oder metaphysisch betrachtet, ist Erlenberg der Autor der erzählt, der Interviewer der Leser, der ab und zu mal von dem Buch auftaucht und seine Blicke schweifen lässt. Es ist interessant was Erlenberg erzählt, eine geschichtliche Zeitreise durch die Dekaden und er läßt kaum ein gutes Haar an seinen Kollegen. “Demnächst, wenn die 3DKameras billiger sind, fangen all die Nachwuchsstars an, ihre Pornofilme in 3D zu drehen. Aufgeblähte Titten hier, das rosa Wundfleisch der Vulva als Kraterlandschaft, der Anusring als Allesverschlinger, pulsierend, in den sich das Raumschiff Penis zu Erkundungszwecken hineinschiebt. Drohne. Schweine im Weltall.“ Dabei spürt man bei beiden eine starke Liebe zum Film, aber auch eine sehr kritische Betrachtung der eigenen Zuneigung: “Filme sind immer emotionale Erpressung. Sie sitzen da und lassen sich die Haut von den Augen kitzeln. Und es ist nicht immer das Größte, das Geistige, was sie berührt, es sind die niederen Instinkte. Kino war immer wie Jahrmarkt, die Freakshow, der Trommelwirbelmoment, wenn die Frau am Trapez durch die Luft wirbelt – und fällt. Zumindestens in der Vorstellung muss sie fallen. Tod macht geil.” Göritz ist etwas sehr eigenes gelungen, sein Buch ist wie ein Sog in den man sich begibt. Irgendwann wird man gelesen, man begibt sich in die Rolle des Interviewers und hört dem alten Mann zu. Langweilig? Nein, in keiner Sekunde, auch wenn viele Erzählungen aus der Welt der Reichen und Schönen bekannt klingen. Göritz hat für den Leser noch einen besonderen Schluss übrig, ein Schluss der Erlenberg und Göritz als großen Manipulator zeigen. “Aber in der Katastrophe zeigt sich, wer man ist. Man muss in Momenten, in denen einem die Zukunft wie ein schwarzes Loch erscheint, wieder anfangen zu planen, man darf sich dem Schock nicht überlassen, sonst fällt man durch die Ritzen der Welt.“ In die will keiner durchfallen, doch wer hat jetzt wen manipuliert? Matthias Göritz hat 2011 den Robert Gernhardt Preis erhalten und so ein bisschen schimmert dessen Schalk auch durch. Ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte.  

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