Matthias Glaubrecht

 4,9 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf von Matthias Glaubrecht

Matthias Glaubrecht, Jahrgang 1962, leitet als Evolutionsbiologe und Professor für Biodiversität das Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg. Er schreibt regelmäßig für Zeitungen und Zeitschriften und hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „Am Ende des Archipels, Alfred Russel Wallace“ (2013).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Matthias Glaubrecht

Neue Rezensionen zu Matthias Glaubrecht

Cover des Buches Eskapaden der Evolution (ISBN: 9783777629094)B

Rezension zu "Eskapaden der Evolution" von Matthias Glaubrecht

Grundlegende Evolutionsprozesse anhand vieler Art erläutert
belanaherminevor 5 Monaten

Inhalt

Das Buch ist eine Sammlung von Essays über die evolutionäre Anpassung von Tieren, den Ablauf evolutionärer Anpassungsprozesse und die Geschwindigkeit solcher Anpassungsprozesse. Im Hintergrund stehen immer die Fragen, was das Artensterben verursacht und warum das so tragisch ist.

Die Essays lassen keine Tierart/Spezies aus. Dabei geht es durchaus nicht ausschließlich um Eskapaden (gemäß Titel), also Ungewöhnliches, in der Evolution, sondern eher um die grundlegenden Vorgänge, die durchaus auch mal Überraschendes hervorbringen können.

Der Epilog am Ende des Buches geht noch einmal auf 7 wichtige Aspekte der Evolution der Arten und ihr Aussterben ein und versucht Wege zu zeigen, wie wir dem zumindest ein Stückweit begegnen können.

Am Ende des Buches finden sich 16 Seiten Literaturhinweise zum Weiterlesen und ein 17-seitiges Register zur besseren Orientierung im Buch.

Subjektive Eindrücke

Die Evolution hat mich schon immer sehr fasziniert. Deshalb habe ich das Buch nahezu verschlungen. Es ist überwiegend gut lesbar geschrieben. Die vielen fachlich korrekten Artbezeichnungen lassen einen manchmal ein wenig stolpern.

Das Buch ist sehr breit angelegt und schlägt immer wieder den Bogen zu Fragen des Umwelt-/Klimaschutz.

"Nebenbei" erfährt man auch sehr viel darüber, mit welchen Fähigkeiten und Eigenschaften die Evolution uns Menschen eigentlich ausgestattet hat. Auch das kann unter Umständen sehr erhellend sein.

Für mich war dieses Buch eine wahre kleine Perle.

Fazit

Wissenswertes über grundlegende evolutionäre Prozesse auf breiter Basis.

Weitere Rezensionen von mir gibt es unter https://belanahermine.wordpress.com/category/rezension/

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Cover des Buches Das Ende der Evolution (ISBN: 9783570102411)

Rezension zu "Das Ende der Evolution" von Matthias Glaubrecht

Macht Euch die Erde untertan falsch verstanden
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

Ich bin nicht religiös, möchte aber eines anmerken- wenn Gott den Menschen erschaffen hat und gesagt hat "Macht Euch die Erde untertan", dann wurde das von uns Menschen völlig falsch interpretiert. Bei dem Spiel "Die Sims" kann man den freien Willen vor Spielbeginn ausschalten, ansonsten kommt der Sim dauernd mit seinem eigenen Willen dazwischen, dh er will nicht essen, wenn man es ihm sagt usw.- ich übertrage dies nun mal (leicht ironisch) auf den Menschen- Gott hätte einfach nur den freien Willen bei den Amöben schon ausradieren müssen. Vielleicht wäre dann alles anders geworden.

Man kann dieses Buch nicht so einfach mal weglesen und wer so etwas erwartet, ist schon allein durch den Seitenumfang bald überfordert. Ich sah im Fernsehen ein Interview mit Glaubrecht und holte mir das Buch. Zeitgleich sehe ich "Unsere Erde aus dem All" und habe auch die Serie davor gesehen in der ARD, wie der Mensch die Erde kaputtmacht. Und ja, ich schäme mich, ganz ehrlich- ich schäme mich dafür, wenn junge Menschen mir erzählen oder propagandieren, daß sie die Schule schwänzen müssen für das Klima, aber dann eben jene sind, die sich schminken, Haarspray in die Haare machen, Kleidung kaufen, die in Bangladesh produziert wird oder- selbst gesehen- und sehr schön- sich Essen holen beim Chinaimbiss, futtern und dann den Müll davon einfach in die Büsche werfen. Diese Generation wird nicht leiden, aber die nächste könnte manche Tiere schon nicht mehr in der Natur kennenlernen.

Ich bin nicht erhaben, sicher nicht, doch ich lehne eben gewisse Dinge ab- ob das noch hilft- wahrscheinlich nicht, denn wir Menschen reagieren erst immer, wenn es zu spät ist. Ich fahre kein Auto, nur Fahrrad oder gehe zu Fuß, ich benutze keine Schminke, kein Haarspray oder ähnliches, kaufe nur Bio oder beim Bauern, fliege nicht, fahre Bahn und Öffis, kaufe recycletes in Plastikflaschen, also diese neuen aus 100% Flaschen für Shampoo, umweltfreundliches Spülmittel, benutze keine Plastiktüten, sondern schon ewig Stoffbeutel oder Korb....man kann diese Liste beliebig erweitern...aber bin ich deshalb ein besserer Mensch? Mitnichten!

Ich habe kein Handy, weil mir der Gedanke missfällt, daß Kinder in Afrika das Coltan dafür in Minen fördern müssen, ich kaufe niemals so etwas wie Puma etc.- Frauen in Indien werden gerne auch mal in den Höfen der Betriebe, wo genäht wird, angekettet in der prallen Sonne, wenn sie nicht ihr Soll erfüllen- ohne Wasser zu bekommen natürlich. Ich habe aber einen PC. Auch nicht gut.

Als Kind sah ich in Rumänien einen großen Bären mit Ring in der Nase, der zur Geigenmusik tanzen musste- ich habe bitterlich geweint und meine Mutter gebeten mir den Bären zu kaufen, damit der widerliche Ring aus seiner Nase kommt, die Kette, er frei sein kann. Ich habe den Zirkus nie gemocht- wenn Ponys im Dreck stehen hinterm Zelt, Hufrehe haben- eklig. 

Und wieder ich schäme mich...ich schäme mich kollektiv, wie man mit der Natur umgeht, mit den Lebewesen- es gibt Orte, da gibt es keine Bienen mehr und die Menschen müssen selbst bestäuben- hierbei auch mal Maja Lunde lesen. Wir sind alle zu sorglos mit dieser Erde umgegangen- weil es egal war, ob Tiere keinen Lebensraum mehr hatten, Wälder brannten, damit dort Farmen für Rinder entstehen und vieles vieles mehr. Traurig, wenn Walmütter ihre Babys mit der plastikverseuchten Milch vergiften, dann tagelang das tote Baby vor sich herschieben, es an die Oberfläche bringen wollen, damit es Luft holt. Ich habe oftmals bei dem Lesen das Buch niedergelegt, geschluckt...es wird in einem Teil Alaskas keine neuen Eisbären mehr geben- die die letztes Jahr geboren worden, waren die letzten. 

Ich habe Wildbienen gezüchtet, diese in unserem Wildgarten ausgesetzt letztes Jahr, dem Igel ein schönes Zuhause gebaut, Wildblumen zieren den Garten- ein leichtes Chaos für andere, für mich eine Oase, wo Vögel in Wasserschalen baden, sogar ganz nahe kommen. Es verschafft aber nur ein gutes Gefühl, beruhigt für einen Moment, aber man weiß, daß die Mehrheit das anders sieht. 

Hierbei- es gibt leider Menschen in Deutschland, die sozial benachteiligt eben nicht ökologisch sparen können oder Bio kaufen, verstehe ich. Öffis fahren teilweise zu echt doofen Zeiten- da nimmt man lieber das Auto. Und die Deutsche Bahn- oft ein Erlebnis. Das müsste besser werden- müsste.

Unser ökologische Bilanz ist mangelhaft, ganz klar, wir wollen billig, alles haben- keiner fragt sich, was der Bananenanbauer bekommt für seine Bananen und die werden meilenweit hin- und hergekarrt- das kostet auch Flugbenzin etc.- war es früher besser? Vielleicht um 1900- da fragte man sich in London, ob die Abfälle der Pferde an den Kutschen nicht Auswirkungen auf die Umwelt haben könnten. Doch mit den technischen Neuerungen wollte diese auch jeder haben. 

Glaubrecht geht auf vieles ein und er schreibt zwar schon wissenschaftlich, dennoch bewegt es, stimmt nachdenklich und hinterher bleibt die Scham.

Ob allerdings ein kurzes Umdenken helfen wird die Arten zu erhalten? Sicher nicht. Es ist schon fünf nach Zwölf- wir müssen das so hinnehmen. Wieviel Mensch kann die Erde verkraften? Wieviel die Natur, die Tiere? Endkapazität erreicht- leider- auch, wenn ich jedem sein Leben gönne- von Herzen- sonst hätte ich auch keine Patenkinder weltweit- aber aus Afrika höre ich oft auch nichts Gutes- klimatechnisch, aus Brasilien...schade eigentlich..

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Cover des Buches Am Ende des Archipels - Alfred Russel Wallace (ISBN: 9783869710709)H

Rezension zu "Am Ende des Archipels - Alfred Russel Wallace" von Matthias Glaubrecht

"Every species has come into existence coincident both in time and space..."
HeikeGvor 6 Jahren

"Jede Art ist sowohl räumlich als auch zeitlich aus einer vorher existierenden, nahe verwandten Art in Erscheinung getreten." Im Februar 1855 postulierte Alfred Russel Wallace diesen kurzen und knappen Satz. Ein Satz gleichsam als evolutionäres Manifest. So dynamisch und veränderlich wie die Erde selbst sind auch die Lebewesen, die sie bevölkern, alle angetrieben durch die Gesetze der Natur. Eine Formulierung, die zu dieser Zeit keineswegs selbstverständlich war. Darwins "The Origin of Species" sollte erst im Juli 1858 veröffentlicht werden, ihn damit weltweit berühmt und bekannt machen und der Evolutionstheorie ans Leben verhelfen. Alfred Russel Wallace hat dabei einen ganz entscheidenden Anteil, auch wenn dieser in heutiger Zeit eher in Vergessenheit geraten ist. Wallace, dem zu dieser Zeit zweiunddreißigjährigen Autodidakten aus Wales, gelang mit einer erstaunlichen Weit- und Klarsicht ein Meisterstück. Mit Darwin und auch Wallace änderte sich das Denken über die Natur.

Ein überaus spannender Wettkampf brach damals zwischen den beiden großen Evolutionsverkündern aus. Ein Wissenschaftskrimi der Sonderklasse. Hat Darwin vielleicht gar zentrale Teile seiner Theorie aus dem ihm zugesandten Manuskript von Wallace abgeschrieben - "ein Plagiatsfall auf höchstem intellektuellen Niveau und verbunden mit einer konstroversen wissenschaftlichen Theorie?", wie sich der Autor fragt. Doch auch andere Biografen haben bis heute keine eindeutige Antwort gefunden. Entscheidende Dokumente fehlen, um dies endgültig aufklären zu können. Auf jeden Fall wurde Alfred Russel Wallace zum Katalysator für Darwin.
Warum nur geriet dieser britische Naturaliensammler par excellence, dieser verwegene Naturforscher, der die Tropenwälder der Erde durchstreifte, dieser Mann, für den sich leicht Superlative finden lassen, völlig in Vergessenheit? Warum existiert in Deutschland bis dato nicht eine einzige Biografie über ihn? Dem geht Matthias Glaubrecht kompetent und informativ auf die Spur. Er holt das Versäumte nach und stellt dem Leser diese schillernde und kontroverse Persönlichkeit, diesen faszinierenden, weil facettenreichsten Forscher im viktorianischen England, diesen "Indiana Jones der Naturforschung", den "Ernest Hemingway der naturkundlichen Reisebeschreibung", in seinem Buch vor. Es bleibt zu hoffen, dass er in Zukunft nicht mehr nur als Fußnote der Wissenschaftsgeschichte fungiert.

Der Leser begleitet den Begründer einer eigenen Wissenschaftsdisziplin, die derzeit eine Renaissance erlebt - die evolutionäre Biogeographie - auf seinen beiden großen Expeditionen in den Amazonas (1848-1852) sowie auf die andere Seite des Globus, ans Ende des (Indonesischen) Archipels (1854-1862) und damit zum Anfang der Evolutionsbiologie. Wallace ist auf Handelsschiffen unterwegs, auf Praus oder mit Auslegerbooten, in Kanus und Einbäumen. Er trotzt den Unwägbarkeiten des tropischen Wetters ebenso wie tropischen Krankheiten und der permanenten Belästigung durch Parasiten. Er lebt wie die Einheimischen. Und er sammelt. 125 660 Einzelstücke enthält allein seine Dublettensammlung - vom Käfer bis zum Krokodil, vom imposanten Orang-Utan bis zum handtellergroßen Ornithoptera-Falter, vom schillernden Paradiesvogel zur Perlmuttschnecke. Insgesamt wurde die Wallace-Expedition durch den Malayischen Inselarchipel zur erfolgreichsten Ein-Mann-Unternehmung der Naturkunde überhaupt. Und: Wallace stößt auf diese Weise in neue Regionen vor - als Reisender und als Denker. "Seine Gedanken zu Vorkommen und Verbreitung der Tiere verwandeln nicht nur ihn, sondern die Naturkunde - und schließlich unser Verständnis von uns selbst."

Spannend, gut lesbar und mit einer Fülle an Informationen zeichnet Matthias Glaubrecht ein leidenschaftliches und informatives Bild eines in Vergessenheit geratenen, großen Wissenschaftlers. Dass im Frühjahr/Sommer 1858 nicht alles mit rechten Dingen zuging, wird dabei allzu deutlich. Sie ließen vor allem Darwin in einem weitaus besseren Licht erscheinen, als er es möglicherweise verdiente. Seitdem gilt er in der öffentlichen Wahrnehmung als alleiniger Vater der Abstammungslehre. Glaubrecht setzt mit seinem Buch dem "Verlierer" ein nachträgliches Denkmal und eine gebührende Anerkennung. Denn ohne ihn hätte Darwin sein Werk noch lange nicht publiziert und wohl auch nicht in einer straffen gut lesbaren Version abgefasst. Seine Worte in einem Brief an Wallace aus dem Jahre 1864 sind beredtes Zeugnis davon: "Was die Theorie der natürlichen Selektion selbst betrifft, so werde ich stets behaupten, dass sie tatsächlich Ihre und allein Ihre ist. Sie haben sie in derart vielen Details ausgearbeitet, die ich niemals bedacht hatte, und zwar Jahre bevor ich auch nur den ersten Lichtstrahl auf diesen Gegenstand fallen sah. Mein Aufsatz hätte niemanden überzeugt oder wäre nur mehr als eine geistreiche Spekulation wahrgenommen, während Ihr Buch die Naturforschung revolutioniert hat."

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