Matthias Höltje Zeitentempel

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Inhaltsangabe zu „Zeitentempel“ von Matthias Höltje

Was Matthias Höltje schreibt und in Texte einfließen lässt, ist weit mehr als ein Kontinuum der uns bewegenden Zeit, oder auch anrührenden Nicht-Zeit. Wer Höltje liest, gewinnt auch eine Vorstellung von den ungeheuerlich-paradoxen Wechselfällen des uns befremdlich traktierenden Lebens. Dies gilt besonders dann, wenn der Dichter Wahrheiten im Strom eines entfernten kosmonautischen Treibens beleuchtet. Wie aber könnte menschliche Existenz in ihrer wohl ewigen Vielschichtigkeit anders überhaupt erklärt werden?
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Alle Diskurse enden im Nichts – oder sie enden auch in der Ganzheit der Prozesse. Dichtung muss sich a priori zwischen den Rändern der Worte täglich neu erschaffen und spielt mit deren Sinn. Das menschliche Treiben kann durchaus wie eine Verhöhnung kosmischer Existenz empfunden werden, oder auch als Erfüllung, die sich über alle Zeiten als das überlagernde Element erstreckt, was niemand zu (er)messen vermag. Indem das Gedicht vielfältige Zusammenhänge erbaut, versucht das Humanum den Visionen des Unverstandes zu enteilen. An den Rändern dieser Sinnhaftigkeit bricht sich das Logische – und zwar immer wieder. Ähnlich versteht Matthias Höltje den Sinn. und damit spielt er auch. Im kosmonautischen Treiben wird er, der Dichter, dann derjenige, der alles findet: das Prinzip der Göttlichkeit, astrologische Verkettungen und eine Liebe, die im Verblühen noch lodert. Er beschreibt auch das Leben, das uns beständig entflieht, um zugleich jedoch unser ständiger Begleiter zu sein. Höltjes Weisheit scheint unbegrenzt und zeitenlos. Er textet die Welt neu ein. Dabei kennt er sich aus in der Mystik, der Antike, der Klassik. Er weiß von der Zahlensymbolik und den Religionssuchen. Er betrachtet das weltliterarische Schaffen als ein bescheidenes Mittel, die uns unverständlichen Geschehnisse des Daseins zu ordnen. Weil wir Schritte der Verderblichkeit längswandeln, verdingen wir uns an den Dichter und zugleich an sein Wissen vom Sein. Die Widersprüchlichkeit der Existenz einzufangen – das vermag vielleicht am besten die postmoderne Lyrik in ihren stets mehrdeutigen Sinneinheiten. Matthias Höltje legt mit dem Zeitentempel, seinem ersten Gedichtband, einen universalen und gewaltigen Blick auf die Existenz vor. Er kommt aus anderer Dimension. Darüber hinaus erschließen uns seine neuartigen Selbst-Kommentare zu den Gedichten eigener Schreibe weitere Hochebenen literarischen Schaffens.
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Matthias Höltje, geboren in Braunschweig, aufgewachsen in der Lessingstadt Wolfenbüttel, studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften und Hispanistik an der Freien Universität in Berlin. Nach einem zusätzlichen Lehramtsstudium mit den Fächern Deutsch und Spanisch war er anderthalb Jahre als Referendar an Gymnasien in Halle/Saale in Sachsen-Anhalt tätig. Sein langjähriger literaturwissenschaftlicher Arbeitsschwerpunkt umfasst die Weltliteratur – und hier insbesondere deren symbolische Formen, die Aspekte der Esoterik und Metaphysik einschließen. Der Autor, der u. a. im Tourismus arbeitete, konnte durch viele Reisen, auch in außereuropäische Länder, sein Kulturwissen erweitern. Dies schließt die Kenntnis fernöstlicher Religionen und aus diesem Kulturkreis stammende Meditationstechniken ein. Der Dichter versteht sich als Kosmopolit und fühlt sich als weiterer Kunstform der zeitgenössischen Musik zugetan. Obwohl gebürtiger Niedersachse, ist er seiner Wahlheimat, dem kulturellen Schmelztiegel Berlin, verbunden, wo er auch lebt und arbeitet. Literaturwissenschaftlich wegbereitende Arbeiten zu Stéphane Mallarmé und García Lorca sind von ihm in den Jahren 2000 und 2004 erschienen.

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