Matthias Jügler

 4,2 Sterne bei 95 Bewertungen
Autor von Raubfischen, Maifliegenzeit und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Matthias Jügler, geboren 1984 in Halle/Saale, studierte Skandinavistik und Kunstgeschichte in Greifswald sowie Oslo und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für seine Romane wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2022 mit dem Klopstock-Preis für Literatur des Landes Sachsen-Anhalt, 2024 mit dem Rheingau Literatur Preis. »Maifliegenzeit« (2024) stand auf der Shortlist des Evangelischen Buchpreises 2025. Jügler lebt in Leipzig, wo er auch als freier Lektor arbeitet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Matthias Jügler

Cover des Buches Raubfischen (ISBN: 9783351050146)

Raubfischen

(31)
Erschienen am 13.02.2015
Cover des Buches Maifliegenzeit (ISBN: 9783328113577)

Maifliegenzeit

(25)
Erschienen am 17.09.2025
Cover des Buches Die Verlassenen (ISBN: 9783328108641)

Die Verlassenen

(18)
Erschienen am 11.07.2022
Cover des Buches Wie wir leben wollen (ISBN: 9783518467107)

Wie wir leben wollen

(6)
Erschienen am 29.03.2016
Cover des Buches Wir dachten, wir könnten fliegen (ISBN: 9783328604532)

Wir dachten, wir könnten fliegen

(3)
Erschienen am 22.10.2025
Cover des Buches WIR. GESTERN. HEUTE. HIER. (ISBN: 9783492070348)

WIR. GESTERN. HEUTE. HIER.

(2)
Erschienen am 12.10.2020
Cover des Buches Der Zwischenfall (ISBN: 9783769300208)

Der Zwischenfall

(0)
Erschienen am 15.10.2024
Cover des Buches Die Verlassenen (ISBN: 9783868475968)

Die Verlassenen

(7)
Erschienen am 31.03.2021

Neue Rezensionen zu Matthias Jügler

Cover des Buches Maifliegenzeit (ISBN: 9783328113577)
a_dreamers avatar

Rezension zu "Maifliegenzeit" von Matthias Jügler

a_dreamer
Ich brauchte ein wenig, am Ende Fazit: Gut!

Da ich automatisch fast nur zu Büchern von Autorinnen greife, wollte ich mal wieder dem Roman eines Mannes eine Chance geben. So, here it is. "Mailfliegenzeit" ist ein schmales Buch. Ich habe es innerhalb eines Tages durchgelesen. Bisher kannte ich keine Werke des Autors und habe es aufgrund des Themas ausgewählt.

Hans erzählt seine Geschichte. Und die seiner damaligen Frau Katrin, die mittlerweile verstorben ist. Die beiden haben in der ehemaligen DDR ein Kind bekommen. Kurz nach der Geburt wurde ihnen mitgeteilt, dass der Junge verstorben sei. Viele Ungereimtheiten führen dazu, dass Katrin an den Aussagen der Ärzte zweifelt – Hans nicht. Sie entfernen sich innerhalb kürzester Zeit voneinander. Die Beziehung geht zu Ende. Später beginnt Hans doch nachzuforschen. Und rund 40 Jahre später meldet sich plötzlich der tot geglaubte Sohn.

Nach erster Recherche handelt es sich um ein hochumstrittenes Thema. Wer sich näher belesen mag, wird hier sicherlich sehr spannende und auch tragische Geschichten finden, die bis heute nicht aufgeklärt sind.

Die Geschichte geht, auch zwischen den Zeilen, viel tiefer rein: Wie gehen Eltern (unterschiedlich) mit solch einem Verlust und ihrer Trauer um? Und was macht all das mit dem adoptierten Kind, welches unterschiedliche Versionen der eigenen Vergangenheit und Herkunft serviert bekommt? Es ist ein doch eher leises Buch. Es enthält neben der eigentlichen Geschichte teils poetische Kapitel übers Angeln; Erinnerungen an Hans Kindheit und seinen Vater. Zunächst fand ich diese Abschnitte eher befremdlich, sie störten meinen Lesefluss. Ich musste in den Schreibstil erst hineinfinden. Am Ende schließt sich jedoch der Kreis und ich mochte das Buch sehr gern.

Cover des Buches WIR. GESTERN. HEUTE. HIER. (ISBN: 9783492070348)
Trishen77s avatar

Rezension zu "WIR. GESTERN. HEUTE. HIER." von Matthias Jügler

Trishen77
Wichtiges Dokument, immer noch lesenswert


„Die Verantwortung freier Menschen liegt darin, den Konstanten des Lebens zu trauen und sie zu feiern – Geburt, Kampf und Tod sind Konstanten genau wie Liebe, auch wenn uns das nicht immer so scheinen mag – und das Wesen von Veränderung zu erfassen, zur Veränderung bereit zu sein. […] unmöglich, wenn man von Konstanten ausgeht, die keine sind – Sicherheit zum Beispiel oder Geld oder Macht.“

(James Baldwin in „Nach der Flut das Feuer“, 1963 – in diesem Buch zitiert von Deniz Utlu, geb. 1983)


Gute, divers angelegte Anthologien zu gesellschaftlichen Themen sind selten und wichtig. Ich habe in den letzten Jahren einige spannende gelesen, die sich u.a. mit Fremdenfeindlichkeit und (Alltags-)rassismus („Eure Heimat ist unser Alptraum“, Ullstein 2019), Sexismus, sexual harassment und Misogynie („Sagte sie“, Hanser Berlin 2018) und Diversität im Stadt(er)leben („FLEXEN: Flâneusen* schreiben Städte“, Verbrecher Verlag 2019) auseinandergesetzt haben. 

Mit „Wir. Gestern. Heute. Hier.“ ist nun eine Anthologie bei Piper erschienen, in der, so der Untertitel, „Texte zum Wandel unserer politischen Werte“ versammelt sind. Ein sehr allgemeiner Titel, der auf vieles hoffen lässt. Und in der Tat wird einiges in den Texten verhandelt, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass ein leichter Schwerpunkt auf einem Phänomen liegt, das aus unterschiedlichsten Perspektiven (die natürlich noch andere The- und Problematiken mit sich bringen) beleuchtet wird: Der Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten 1989/1990 (oft mit Begriffen wie „Wende“, „Wiedervereinigung“ und „Mauerfall“ in Verbindung gebracht, die in ihren Implikationen auf die ein oder andere Weise durchaus problematisch sind), sowie die damit verbundenen Ereignisse und, vor allem, die Folgen.

Dieser Fokus erweist sich aber schnell als Feature, nicht als Fehler, da sich im Spiegel dieses Knackpunktes der jüngeren deutschen Geschichte ein sehr vielfältiges Bild der Gegenwart und ihrer Hintergründe, und somit vieler, wenn auch nicht aller, gesellschaftlichen Probleme der letzten 30 Jahre (und davor) (re)konstruieren lässt. 


„Die autoritäre Phantasie, die heute ganz Deutschland bedroht: Viele von uns Wendekindern sahen sie damals schon bei unsren Freunden und Verwandten. Und wir standen hilflos vor einem West-Mainstream, der das alles für vernachlässigenswert hielt.
Wenn sich unsere Generation heute meldet und versucht, ihre Erfahrungen in das kollektive Gedächtnis einzuspeisen, dann ist das nicht nur eine Privatsache, dann geht es nicht nur um Kindheitsaufarbeitung. Es geht darum, einen Teil Deutschlands sichtbar zu machen, der das ganze Land immer stärker prägt. […] Zeit, davon zu erzählen.“

(Christian Bangel, geb. 1979)


1990, dieses Datum steht im Kleinen für das Ende der Teilung der beiden deutschen Staaten, im Großen aber für den Anfang einer neuen Epoche mit vielen, ausufernden Entwicklungen: Globalisierung und digitale Revolution, Krieg gegen den Terror und arabischer Frühling (mit anschließenden Bürgerkriegen), Massen an Menschen auf der Flucht vor Krieg und Hunger und das Aufgehen der Schere zwischen Arm und Reich, Finanz- und Eurokrise, Fridays for Future und neuer Rechtsruck. Ich will nicht behaupten, dass all diese Entwicklungen ihren Ursprung im Ende des Kalten Krieges haben/danach erst begannen, aber in vielerlei Hinsicht traten sie nach seinem Ende verstärkt zutage/änderten sich danach Gegebenheiten, die ihnen Vorschub leisteten. 

Es gibt einige Texte in der Anthologie, die sich direkt mit den Realitäten in Ostdeutschland (vielfach: der Perspektivenlosigkeit der Menschen und aufkommendem Rechtsradikalismus) auseinandersetzen, meist in autobiographischer Manier, aber auch fiktiv – u.a. von Christian Bangel, Antje Rávik Strubel, Daniel Schulz, Miku Sophie Kühmel, Jan Böttcher, Julia Schoch, Lukas Rietzschel. Darüber hinaus gibt es einige sehr gute Auseinandersetzungen mit dem Themenkomplex Heimat/Fremde (und auch: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus), u.a. von Deniz Utlu, Katerina Poladjan, Senthuran Varatharajah, Kathrin Röggla und Stephan Thome. Letzterer erzählt von einem Heimatfest, dem Grenzgang in Biedenkopf, bei dem eine als „Mohr“ bezeichnete Person die Prozession anführt. Thome begibt sich auf die historische Spur dieser Gestalt, die von Kritiker*innen als rassistisch, von den Einwohner*innen schlicht als Tradition verstanden und proklamiert wird. Beide machen es sich dabei, wie Thome zeigt, zu einfach. Sein Text legt auf faszinierende Weise Problematiken zu den Ideen von Heimat, Identität und Tradition frei.


„Wenn wir Heimat mit Ausdrücken wie Vertrautheit und Geborgenheit assoziieren, zielen wir auf die Entlastungsfunktion einer Umgebung, in der wir uns problemlos zurechtfinden. Weder gibt es Sprachbarrieren, noch besteht die Gefahr, sich zu verlaufen. In dieser Problemlosigkeit liegt eine subtile Gratifikation, die ich mir nicht verdienen muss, sondern sie erhalte, eben ohne etwas zu tun – ich bin richtig, nämlich zu Hause. […] Dass Identität aus der Anverwandlung des Fremden resultiert, ist ein Gedanke, mit dem man sich in Deutschland eher schwertut. Vor allem die kulturelle Identität gehört für uns eher in die Nähe des Erbes als der Arbeit, sie ist mehr Zustand als Prozess, wir fragen nach ihrem Wesen statt nach ihren Möglichkeiten und sehen uns am Ende genötigt, zu verteidigen, was eigentlich zu entwickeln wäre.“

(Stephan Thome, geb. 1972)


Ein weiterer Text, den ich hervorheben möchte, ist der Essay „Aufwach(s)bilder in Schichten“ von Ulrike Draesner, ein eindringlicher, in seinen Ausschlägen poetischer, ungeheuer widerständiger Text, der viel abdeckt, vom Altnazitum über Rassismus bis zu Sexismus. Es ist ein mäanderndes Gebilde, das seine Sprache abwechselnd fließen und stocken lässt und ein großartiges Beispiel für eine unverstellte, aber dennoch mannigfaltige Darstellung; ein Bericht über die problematischen Zustände in allen Zeiten, nach dem Krieg, vor 1990, nach 1990. 


„Um uns herum lebten Menschen aus dem Krieg. Der Nachbar hatte nur ein Bein. andere hatten zwei Beine und eine Gesinnung. Einer von ihnen schlug auf dem Gehweg nach meinen Beinen, als ich als Mädchen in Hosen an ihm vorüberging. Viele sehr schlecht gelaunte Menschen Menschen fuhren Straßenbahn. Ihre Hände waren aus Eisen. Dass sie Exnazis waren oder Noch Nochnazis, wurde später klar (s. die Witwen aus München und Argentinien).
Versehrte waren fast alle.
Eine brutalisierte Gesellschaft.“

(Ulrike Draesner, geb. 1962)


Von Tschernobyl bis Unterdorf, vom schnörkellosen Bericht bis zum feingliedrigen Arrangement, so groß ist die Bandbreite dieses Buches. Man könnte noch viel zu den einzelnen Texten schreiben, zu dem Strudel aus Erinnerungsfacetten, in den man bei Lara Hampes Text gerät, zu der Komik in David Wagners Telefongesprächsgeschichte, zu dem Titel von Julia Schoch („Die sanfte Vermählung der Gegenwart mit dem Gewesenen“), zum schnell skizzierten und doch reichen Innenleben von Miku Sophie Kühmels Figuren, etc., etc. 

Eine letzte Erwähnung möchte ich dem vorletzten Text des Bandes zuteilwerden lassen, Helene Bukowskis „Teppichparadies“. Ein Bericht über ein Aufwachsen nach 1990, aber auch Bericht über den Wandel der Welt, wie man sie kennt und dann nicht wiedererkennt. Eine Meditation über Privilegien, Verhältnis(und Unverhältnis-)mässigkeiten und die Frage nach dem: was nun/was tun?, mit der uns die Autorin, nachdem viele Texte über die Vergangenheit reflektiert haben, in die Gegenwart, in die Zukunft entlässt: 


„Dort, wo ich liege, bin ich von all dem weit entfernt. Der ICE hält in Berlin an vielen Stellen. Man könnte fast glauben, niemand hätte was zu befürchten. Das Leben hier in einer Blase, bequem. Für mich sogar noch bequemer als für andere. Durch meine Hautfarbe und die Sprache, die ich spreche. Niemals verdächtigt aufgrund des Aussehens. Ich falle durch kein Raster. Muss nicht gerade ich deshalb etwas riskieren?“

(Helene Bukowksi, geb. 1993) 


Cover des Buches Wir dachten, wir könnten fliegen (ISBN: 9783328604532)
A

Rezension zu "Wir dachten, wir könnten fliegen" von Matthias Jügler

Anja_Anja1
So wichtig

Dieses Buch beinhaltet 19 literarische Texte zum Thema Artensterben. Dabei geht es nicht nur um ausgestorbene oder fast ausgestorbene Tiere, sondern auch um Pflanzen. Bekannte Autoren hat sich der Herausgeber hier dazu geholt. So finden wir Beiträge von Daniela Dröscher, Carolin Wahl, T. C. Boyle, Iris Wolff und viele weitere. Die Geschichten könnten kaum  unterschiedlicher sein. Mal gibt es etwas skurrile, witzige Geschichten, andere sind eher melancholisch oder auch anklagend. Sie spielen in verschiedenen Zeiten, aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. 


Mich hat ja schon das Vorwort tief berührt. Lt. WWF sterben jeden Tag 150 - 200 Pflanzen- und Tierarten aus. Das ist kaum vorstellbar. Natürlich hat da auch die Evolution ihre Finger mit im Spiel aber die meisten Arten sterben einfach durch uns Menschen aus. Das lässt sich nicht verleugnen. Wir zerstören Lebensräume, bauen immer noch mehr Fabriken, die Gift in die Umwelt lenken. 


Die Geschichten haben mir alle gut gefallen. Gerade die Geschichten um den chinesischen Flussdelfin und den Riesenalk fand ich sehr bewegend. Die Verbindung in dem Buch zwischen Wissenschaft und Poesie fand ich richtig stark. Überhaupt die Idee eine Sammlung an Texten zum Thema Artensterben zu veröffentlichen, finde ich grandios. Ich hoffe sehr dieses Buch erreicht ganz viele Leser und das Thema Umwelt rückt mehr in den Fokus.


Ich empfehle dieses Buch allen Lesern, die sich für Artenschutz und überhaupt für die Tierwelt interessieren. 

Gespräche aus der Community

Darum geht es im Buch:


Die Schule, die Eltern – Daniels Welt ist voller Zerwürfnisse. Die Ferien in Südschweden mit seinem Großvater bedeuten ihm alles. Die Stunden auf dem See, die geheimnisvolle Welt unter Wasser. Doch dann erkrankt sein Großvater an ALS. Erst verliert er den Appetit, dann seine Stimme, zuletzt die Fähigkeit zu atmen. Daniel erträgt es nicht, tatenlos dabei zuzusehen, und fasst den waghalsigen Entschluss, ein Leben zu retten, das schon verloren ist.

Da gibt es den Trailer zum Buch:

https://www.youtube.com/watch?v=1aZnXcujHYs

www.matthiasjuegler.de


Das sagt die Presse:

»Ein Debüt: Und was für eines! Matthias Jügler schreibt so, als ob es keiner Anstrengung bedürfe, als ob die Worte sich von selber fügten zur vollkommenen Form.«

Leseprobe: http://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/leseproben/9783351050146.pdf

Und jetzt lesen wir zusammen meinen Debütroman!

316 BeiträgeVerlosung beendet
Larischens avatar
Letzter Beitrag von  Larischen
So, hier ist sie endlich: http://www.lovelybooks.de/autor/Matthias-J%C3%BCgler/Raubfischen-1152603709-w/rezension/1157370418/ Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber ich brauchte irgendwie Zeitu m die richtigen Worte zu finden. Vorher sind die meisten wohl in meiner Masterarbeit gelandet. Danke, dass ich mitlesen durfte!

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